Dinge, die Menschen sagen

Nicht nur zum Prokrastinieren, sondern auch aus Werbe- und Recherchegründen treibe ich mich oft und ausgiebig bei Facebook herum. Und sowohl unter Autoren als auch in Lesergruppen gibt es (mehr oder weniger dumme) Sätze, denen man immer wieder begegnet. Heute möchte ich euch eine Auswahl meiner Favoriten präsentieren und natürlich kommentieren.

BEI AUTOREN

  • „Wie kann man nur mit [beliebiges Programm, meistens jedoch MS Word] arbeiten???“
    • Vor dreißig Jahren hättest du eine Schreibmaschine gehabt, mit Farbband, und nicht genügend Geld für Papier.
  • „Rechtschreibung und Grammatik sind mir nicht wichtig, es geht schließlich um die Geschichte.“
    • Wenn man deine Geschichte wegen der hohen Fehlerdichte nicht lesen kann, wirst du keine Leser finden.
  • Variante B: „Rechtschreibung kann ich nicht, ich habe Legasthenie“
    • Das ist durchaus möglich, aber die meisten Leute, die das von sich behaupten, zeigen keine der „typischen“ Fehler. Und viele Autoren, die ich kenne, die tatsächlich mit Legasthenie diagnostiziert wurden, schreiben sogar erstaunlich fehlerfrei – es kostet sie allerdings sehr viel Arbeit.
  • „Kommas setze ich nach Gefühl.“
    • Tja, in diesem Fall ist dein Gefühl eben Mist. Für Kommas gibt es Regeln, und die aus gutem Grund.
  • „Kauft mein Buch!!!“
    • Warum? Ich möchte auf ein Buch neugierig gemacht werden, ich will mehr über den Inhalt und/oder die Charaktere erfahren. Bücher, die ich kaufen könnte, gibt es unzählige. Weshalb sollte es ausgerechnet dieses sein?
  • „[Beliebiges Genre, meistens Liebesroman oder Fantasy] kann jeder schreiben, das ist keine Kunst, sondern Schund.“
    • Jeder sollte lesen und schreiben, was ihm am besten gefällt.Und ob ein Buch „Kunst“ ist oder „Schund“, entscheidet sich meiner Meinung nach nicht am Genre. „Romeo und Julia“ ist eine Liebesgeschichte, „Dracula“, „Frankenstein“ und „Der Herr der Ringe“ sind Fantasy. Alles eindeutig Klassiker.

BEI LESERN

  • „Ich lese aus Prinzip keine Bücher von Männern/Frauen.“
    • Weil Bücher grundsätzlich mit den Geschlechtsteilen geschrieben werden. Klingt logisch. Ich finde ja, je mehr unterschiedliche Sichtweisen auf die Welt man liest, desto mehr lernt man über sich und andere.
  • Variante B: „Ich lese aus Prinzip nur amerikanische/britische/deutsche Autoren.“
    • Meistens gefolgt von einer Erklärung darüber, dass keine einzige andere Nation jemals nennenswerte Literatur hervorgebracht habe. Wieder gilt: Mehr Perspektiven auf unseren pockennarbigen Planeten. Kann nicht schaden. Und es ist ja nicht so, als habe es bislang keinen einzigen asiatischen oder arabischsprachigen Literaturnobelpreisträger gegeben, nicht wahr?
  • „Menschen, die Thriller/Krimis/Horror lesen, sind pervers.“
    • Genau, denn wir holen uns unsere Anregungen für das, was wir nach dem Abendessen im Hobbykeller machen, aus unserer Lektüre. Vielmehr ist meiner Meinung nach dieses Lesevergnügen ein „safe thrill“ wie eine Achterbahnfahrt: Eine sichere Art, etwas Adrenalin zu genießen. Würde jeder Thriller- oder Krimifan nur ein einziges Mal das nachspielen, was er in den Büchern liest, wären die Straßen übersät mit Leichen.
  • Variante B: „Frauen, die Bücher wie 50SoG lesen, wollen misshandelt werden und schaden der Emanzipation.“
    • Das ist ein wenig schwierig, weil ich genau diese Art von „Liebes“-Romanen persönlich mit großer Hingabe verachte, aber auch hier gilt: Jeder Mensch sollte für sich selbst entscheiden, was er lesen will, und die Tatsache, DASS jemand liest, ist erst einmal wichtiger als die Frage, WAS er liest. Wobei ich gut finde, dass Diskussionen über diese Bücher stattfinden, solange sie respektvoll geführt werden. Die wenigsten Leserinnen würden sich das entsprechende Benehmen eines Mannes, und sei er noch so reich oder attraktiv, im echten Leben gefallen lassen. Aber gegen einen „safe thrill“ ist auch hier nichts einzuwenden.
  • „Ich lese keine [beliebiges Genre – meistens Fantasy oder Liebesromane], sondern nur echte Literatur.“
    • Wer das sagt, spricht pauschal kompletten Genres den künstlerischen Wert ab. Dazu hatte ich oben ja schon geschimpft. Denkt nur an „Das Bildnis des Dorian Grey“ – definitiv Fantasy, auch noch mit Horrorelementen, und genau so definitiv Weltliteratur.

Das ist garantiert noch keine erschöpfende Analyse der Einfalt unter Buchmenschen im weitesten Sinne. Kennt ihr auch Leute, die solche Dinge sagen?

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