Bescheidenheit ist eine Zier …

… und ab und zu ist es tröstlich, wenn man neben den eigenen Verfehlungen und Versagensmomenten auch einmal hinter die Kulissen blicken kann, was anderen alles an kreativer oder professioneller Ablehnung widerfahren ist. Seit einiger Zeit gibt es aus genau diesem Grund bei Twitter, wo ich mich gerne herumtreibe, den Hashtag #ShareYourRejections. Und das liest sich wirklich realitäts-verankernd, wenn man mal wieder einen fetten Durchhänger hat.

Allerdings stößt mir immer wieder eine Unart auf, die auf Englisch so schön als „Humblebragging“ beschrieben wird: Leute posten etwas zu #ShareYourRejections, was sie als Versagen oder Ablehnung verkaufen, geben aber dabei gleichzeitig damit an, wie erfolgreich sie sind. „Hach, mein Blogbeitrag wurde nur von 700 Leuten kommentiert. #ShareYourRejections.“ – „Beim Wahnsinnig Wichtigen Buchpreis wurde mein Roman nur zweiter. #ShareYourRejections.“ – „Ich durfte die Rolle des Gaston auf der internationalen Tournee erst singen, nachdem der Erstbesetzung ein Amboss auf den Kopf gefallen war. #ShareYourRejections“

Zugegeben, vielleicht ist das nur in meinem Kopf. Klinge ich verbittert? Echt? Vielleicht ein bisschen. Und sicher, bei vielen Dingen ist man bestimmt enttäuscht, wenn man auf ein besseres Ergebnis gehofft hat. Aber … na ja. Vielleicht sind diese Sachen für die betroffenen Personen wirklich so tragisch, wie sie es darstellen. Egal, was man erreicht hat, es gibt immer Dinge, bei denen man sich unzulänglich fühlt. Trotzdem hinterlassen manche Beiträge für mich ein „Geschmäckle“.

Und fürs Protokoll: Mein Gedächtnis ist sehr gegenwartszentriert. Ich kann mich an keine einzige Ablehnung erinnern, die ich so wegweisend oder nennenswert fand, dass ich sie unter #ShareYourRejections teilen müsste. Meistens hatte ich in meinem Leben bis jetzt verdammtes Glück. <3

Los, gebt es mir!

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.