Lesestopper

Oder vielleicht eher Lesestolpersteine? Egal, auf jeden Fall habe ich in den letzten Tagen eine ganze Reihe Bücher angefangen und wieder abgebrochen, und ich wollte einmal ein paar Gründe teilen, aus denen ich ein Buch abbreche. Als meistens missmutig motzende Muhme bin ich nicht besonders geduldig – ein Buch hat also nicht viel Zeit, mich zu überzeugen. Andererseits probiere ich (nicht nur beim Essen) eigentlich wirklich jeden Sch*** – also auch jedes Genre. Wiederholt. Ich lerne einfach nicht dazu.

Aber zurück zum Thema. Was hat mich dazu gebracht, Bücher ungelesen von meinem Kindle zu löschen?

  • Ein unsympathischer Charakter. Stört mich nicht, wenn Leute schlechtgelaunt sind, „böse“ Dinge tun oder sich ungebührlich verhalten – aber wenn der innere Monolog von Missgunst, Überheblichkeit und Gehässigkeiten geprägt ist, verliere ich schnell die Lust, eine Person auf ihrem Abenteuer zu begleiten.
  • Die große Liebe auf Seite drei. Üblicherweise ist es ein gutaussehender, mysteriöser Fremder, dem die Protagonistin mehr oder weniger zufällig begegnet und dem sie sofort verfällt, ohne zu wissen, ob er nicht vielleicht heimlich in der Nase bohrt oder immer Löcher in den Socken hat. Ich kann nicht einmal nachvollziehen, warum viele Leute sich so etwas wünschen oder so etwas für angemessene Unterhaltung halten. (Da schlägt das Griesgrämige in mir durch.)
  • Die berüchtigte Spiegelszene direkt am Anfang des Buches – die Protagonistin (wieder typischerweise eine Frau, auch wenn ich in letzter Zeit einen männlichen Charakter ebenfalls im Spiegel ertragen musste) steht vor dem Spiegel, beschreibt detailliert ihr Aussehen, das natürlich überirdisch schön ist, und krittelt parallel an sich herum. Jeder soll direkt wissen, dass sie sich für hässlich hält, während uns unter die Nase gerieben wird, dass sie nach normalen Massstäben ja wenigstens eine elf auf der GNTM-Jury-Richterskala ist. Wollt ihr wissen, was ich morgens vor dem Spiegel denke? Bittesehr:  Dieser Pickel wird auch immer größer. Ich muss gleich daran denken, den Katzen neues Wasser hinzustellen. Verflixt, ich bin spät dran. Wo sind meine Socken? Ob Richard schon wach ist? Und wo habe ich eigentlich gestern diesen Antrag hingelegt? Kein Wort über meine hinreißenden Sommersprossen , meine alabasterbleiche Haut oder die Tatsache, dass meine grünen Augen ja funkeln wie ein Maimorgen. Mache ich das falsch?
  • Rechtschreib- oder Grammatikfehler im Rudel. Tut mir leid, das reißt mich einfach raus. Zum einen erwarte ich von Autoren, dass sie ihr Handwerkszeug einigermaßen beherrschen, und zum anderen – wenn ihr das nicht könnt, müsst ihr das irgendwie kompensieren. Eure Geschichte kann die Geilste auf der Welt sein, ich werde das nie erfahren, wenn eure Fehler mir auf der ersten Seite bereits körperliche Schmerzen bereiten. (Allen karmischen Gesetzen zufolge müsste es in diesem Absatz mindestens einen Fehler geben. Das ist mir klar.)
  • Ewig lange Expositionen und Hintergrundinformationen. Die zehntausendjährige Geschichte des kasimuffischen Reiches kann ich später im Buch noch nachlesen, aber wenn ich sie kennen muss, um den Anfang der Geschichte zu verstehen, läuft etwas schief.

Vielleicht bin ich zu streng. Aber es gibt so viel mehr Bücher, als ich jemals werde lesen können, und ich möchte meine Zeit nicht mit Geschichten verschwenden, über die ich mich nur ärgern werde. Und jetzt mal im Ernst – es ist doch nicht so schwer, die gröbsten Schnitzer zu vermeiden. (Versuche ich demnächst auch.)

Habt ihr Dinge, die euch vor einem Buch oder Film die Flucht ergreifen lassen?

Los, gebt es mir!

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