Fremde Fenster

Wenn es zeitlich passt, gehe ich gerne zu Fuß. Nicht nur im Wald, sondern auch in der Stadt, so von Termin zu Termin. Und glücklicherweise gehört Bonn zu den Städten, in denen Gardinen eher verpönt sind. Vielleicht ist das auch so ein „Intellektuelle Jugend“-Ding, auf jeden Fall – blanke Fenster, wohin man sieht.

Jetzt bin ich ja ziemlich neugierig. Das ist eine Berufskrankheit für Autoren. Also schaue ich im Vorbeigehen gnadenlos, was man durch die Fenster sehen kann. Natürlich starre ich nicht, aber ich schaue schon hin. Was für Kunst hängt an den Wänden? Wie groß ist der Fernseher? Und vor allem: Habt ihr Bücher???

Manche Wohnungen sind in dieser Hinsicht ziemlich enttäuschend. Hübsch dekoriert, vielleicht noch voller Pflanzen – das entschädigt ein bisschen – aber kein einziges Schmökerwerk in Sicht. Gut, vielleicht stehen sie einfach auf der anderen Seite der Wohnung. Vielleicht haben die Bewohner einen Karton voller prall gefüllter eReader unter der Fensterbank stehen. Wer weiß? Und ich kann ja schlecht klingeln und nachfragen.

Andere Wohnungen lassen mein Herz höher schlagen: Buch neben Buch über Buch, ganze Wände voll. Mir ist völlig wurscht, was die Leute lesen, solange sie lesen. Liebesromane? Prima! Sachbücher? Hochinteressant! Thriller über Psychopathen, die ihren Opfern die Gedärme durch die Nase ziehen? Hauptsache, ihr habt Spaß beim Lesen!

In unserer Wohnung, falls denn jemand in den vierten Stock blicken könnte, findet man übrigens in beinahe jedem Zimmer mindestens ein Bücherregal – nur nicht im Bad. Dafür in Küche und Flur. Allerdings hapert es ein wenig mit der Sortierung. Und ich habe Bücherstapel neben dem Schreibtisch, vor dem Bett und unterm Gästebett. Aber das ist normal, oder?

 

Los, gebt es mir!

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