Heimaturlaub für Lesende

Es gibt bestimmte Orte, da fährt man immer wieder gerne hin und freut sich das ganze Jahr über auf den Moment, wenn man endlich wieder an „seinem“ perfekten Urlaubsort ist.

Manche Bücher sind genauso – man kann sie immer wieder aufschlagen und ist sofort hin und weg, in einer vertrauten und immer wieder spannenden Welt. Wenn man diese Bücher zu unterschiedlichen Lebenszeiten liest, entdeckt man immer wieder neue Details, die plötzlich an Bedeutung gewinnen, und verliebt sich im besten Fall jedes Mal ein wenig mehr.

Eines dieser Bücher ist für mich (nicht das schon wieder!) „American Gods“ von Neil Gaiman. „Stardust“ (deutsch „Der Sternwanderer“) ist ein zweites. Und natürlich, obwohl für mich eher untypisch: „The Time Traveller’s Wife“. Ich bin nicht für Romantik. Außer in diesem einen Fall. Es ist merkwürdig. Ich liebe dieses Buch. Und dann gibt es die Kindheitsschätze, beispielsweise „Die unendliche Geschichte“, davon haben wir sogar das Brettspiel im Regal stehen (und ich gebe es nicht weg). „Haifischfrauen“ von Kiana Davenport, „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabriel García Marquez. Wunderschöne Bücher, die ich gerne immer wieder besuche.

Manchmal kommt man aber auch nach vielen Jahren an einem Ort an, an dem man früher gerne Urlaub gemacht hat, und stellt fest, dass sich irgendwas verändert hat. Die Atmosphäre ist nicht mehr magisch, sondern bedrückend. Es gibt zuviel Asphalt, zu wenig Bäume, und die verwunschene Ruine sieht auf einmal nur marode aus. Vielleicht versucht man noch für ein paar Tage, den alten Zauber wiederzubeleben, aber es ist für gewöhnlich sinnlos. Zurück bleibt die Hoffnung, dass diese Entzauberung die alten Erinnerungen nicht verderben konnte.

Auch solche Bücher habe ich. „Die Nebel von Avalon“ gehört dazu. Früher eines meiner Lieblingsbücher, heute … geht nicht mehr. Tut mir leid, es ist schade drum. „Die Tochter der Wälder“ von Juliet Marillier und „Winterrose“ von Patricia A. McKillip gehören ebenfalls dazu, und „Die Geisha“ von Arthur Golden. Ich erinnere mich noch gut an die Begeisterung beim ersten Lesen, kann sie aber heute nicht wieder hervorrufen.

Manche Bücher kenne ich noch nicht so lange und hoffe natürlich, dass sie sich auch zu „Traumurlaubsbüchern“ entwickeln. Aber so richtig sicher kann man das nie vorhersagen. Woher sollte ich auch jetzt schon wissen, was für eine Leserin ich in zehn oder dreißig Jahren sein werde?

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Ein Gedanke zu “Heimaturlaub für Lesende

  1. Das kenne ich auch! Bücher, die man immer wieder lesen muss – Die raue, nasse und brutale Welt des Seewolfs, die bunte Welt vom Palast der Winde. Das Yorkshire vom Doktor und dem lieben Vieh oder – Stichwort Kindrbücher – die Mittelalterromantik im Brief für den könig. Hach … bald habe ich Urlaub :-)

Los, gebt es mir!

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