Geschichte: Das Geheimnis im Hafen, oder: Warum man sich einer geheimen Zwergenschmiede nicht nähern sollte

Schmiede

Foto von Joni Gutierrez, gefunden auf Unsplash

„Und wenn ich es dir doch sage, dieser Job ist viel zu heiß!“ Marty knallte sein Shotglas auf den Tisch.

Sander schenkte ihm direkt nach. „Ach, hab dich doch nicht so!“

Empört kippte Marty den nächsten Schnaps. „Ich weiß noch genau, was bei deinem letzten Vorschlag passiert ist!“

Sander malte mit dem Zeigefinger winzige Kreise auf die klebrige Oberfläche des Tisches und versuchte, nicht zu grinsen. Marty hatte ohne Augenbrauen echt komisch ausgesehen. Aber es hatte ihm auch echt keiner gesagt, er solle seinen Kopf in das Fass stecken!

„Egal, wie lange du hier sitzt und grinst, ich mache nicht mit! Noch einen!“

Und da wusste Sander, dass er seinen Kumpel in der Tasche hatte.

Allerdings mussten sie auf Neumond warten. November wäre noch besser gewesen wegen des Nebels, aber soviel Zeit wollten sie sich nicht lassen. Das Risiko war zu hoch, dass sich an den Dingen, die Sander ausspioniert hatte, etwas änderte. Jetzt lauerten sie in einem Hauseingang darauf, dass die stündliche Polizeipatrouille gemütlich schwatzend an ihnen vorbeischlenderte.

Marty stöhnte. „Nimm deinen Ellbogen da weg!“

„Mach dich halt nicht so fett – und halt den Mund!“ Sander spähte um die Ecke. Das Kopfsteinpflaster lag verlassen vor ihnen. Über ihren Köpfen zischten die Gaslaternen. In den besseren Bezirken würden sie die ganze Nacht lang brennen – hier vielleicht noch fünfzehn Minuten. Das Land bereitete sich auf einen Krieg vor, da mussten alle Opfer bringen. Der Magistrat hatte verkünden lassen, wer sich zu so später Stunde noch in der Nähe des Hafens auf den Straßen herumtrieb, habe es nicht besser verdient. Die Polizeistreife diente auch weniger der Abschreckung, als dem zeitnahen Auffinden der Leichen. So konnten alle Papiere rechtzeitig vor Schichtwechsel ausgefüllt und abgeheftet werden. Schreckliche Dinge geschahen in der Dunkelheit.

Sander und Marty hatten keine Angst vor dem, was in der Dunkelheit passieren konnte. Sie WAREN das, was in der Dunkelheit passierte. Im kleinen Stil, zugegeben. Eine Geldbörse hier, dort ein Collier. Seit dem Tag, an dem sie zum ersten Mal gemeinsam die Schule geschwänzt hatten, hatten sie einander immer den Rücken freigehalten. Und das war schon mehr Jahre her, als Marty an seinen Fingern abzählen konnte. Als er in die Schlosserlehre gegangen war, hatte Sander sich im Hafen verdingt. Ab und zu trafen sie sich auf ein Bier. Dann kamen die Ideen. Schnelles Geld. Marty war mit den kleinen Jobs zufrieden, die dafür sorgten, dass wieder für eine Woche Brot, Käse und Gin im Haus waren. Sander hingegen hatte den Kopf voller Hirngespinste. Leider war er zu clever für sein eigenes Wohl, und nicht halb so clever, wie er für den großen Coup hätte sein müssen. Einmal hatte er versucht, der Elfenkönigin ein Haus zu verkaufen, das ihm gar nicht gehörte. Das war natürlich schiefgegangen. Seitdem trug er immer einen Hut. Aber vielleicht war das hier wirklich „das Ding“? Marty wartete auf das vereinbarte Handzeichen.

Sander schlich voran. Er hatte Sackleinen um seine Schuhe gewickelt, um möglichst wenig Geräusche zu verursachen, und deswegen rutschte er auf dem unebenen Pflaster immer wieder aus. Noch zwei Querstraßen, dann konnte er den Mist endlich abnehmen. Zwischen den Lagerhäusern konnten sie niemanden aufwecken. Dort würden sie dafür schnell sein müssen, damit sie nicht einer privaten Wache in die Arme liefen. Die Knüppel verstanden keinen Spaß. Als wäre das ihr eigener Tee in den Säcken hinter den Toren, und nicht der Reichtum irgendeines geizigen alten Sacks. Sander hatte den Job nach der Schule auch gemacht, für eine Weile. Hatte mit dem Gedanken gespielt, ehrlich zu werden. Dann hatte er überlegt, nur ein paar Tütchen Pfeffer verschwinden zu lassen. Das hatte seinem Boss nicht so gut gefallen. Seitdem hinkte er ein wenig, und seine rechte Schulter knackte, wenn es regnete.

Aber diesmal, das hatte er im Gefühl, waren sie endlich auf der richtigen Spur. Es hatte Wochen gedauert, alles auszukundschaften. Die Transporter, mit denen die Goldbarren von der Bank zum Hafen gebracht wurden, waren schwer bewacht. Jedoch verließ kein einziger Goldbarren die Stadt über den Fluss. Er hatte jeden bestochen, der ihm einen Blick in die Bücher gewähren konnte. Sie mussten noch irgendwo hier sein, und nach sorgfältiger Beobachtung wusste er auch, wo.

„Siehst du das Licht?“, flüsterte er und legte Marty eine Hand auf die Schulter, um seine Aufmerksamkeit zu lenken. „Da müssen wir hin.“

„Das gefällt mir nicht“, murrte Marty. „Wo sind die Wachen?“

„Beschwerst du dich gerade etwa, dass es zu einfach ist?“ Sander versetzte seinem Kumpel einen Stoß in die Rippen. „Sei lieber dankbar, dass die Geldsäcke so geizig sind!“ Wahrscheinlich dachten die, wenn niemand wusste, wo das Gold war, brauchten sie auch nicht darauf aufzupassen. Ver vermutete schon unendliche Reichtümer in einer verlassenen Lagerhalle? Sie hatten eben nicht mit einem findigen Burschen wie Sander gerechnet.

Marty rieb sich die schmerzenden Rippen und sparte sich seinen Kommentar. Klar, Sander hielt sich für den Größten. War er nur leider nicht. Weder hier noch zu Hause, wo seine Miss auf ihn wartete. Seine letzten zwei großen Pläne waren grandios ins Wasser gefallen – einer davon im wahrsten Sinne des Wortes. Marty war direkt dankbar gewesen, als die Flusspolizei sie an Land zog, ehe die Nixen sie erwischen konnten. Und da sie nie auch nur in die Nähe der königlichen Barke gekommen waren, hatte es nur ein paar Hiebe und Knüffe gegeben, ehe man sie hatte ziehen lassen. Danach hatte Marty erst einmal die Schnauze voll gehabt. Er war Sander aus dem Weg gegangen – bis der ihn dann in der Kneipe aufgespürt hatte, um ihm den Mund wässrig zu reden. Gold! Echtes Gold! Die kompletten Reserven der königlichen Bank! Wenn das stimmte – und Marty sagte nicht, dass er Sander glaubte, aber wenn es stimmte! – wären sie gemachte Männer. Für immer. Soviel würde er gar nicht trinken können. Vielleicht konnte er endlich bei seinen Eltern ausziehen! Er wischte sich den Schweiß von der Stirn und folgte Sander über den Vorplatz zum Eingang der Lagerhalle, in der ihre Schätze gehütet wurden.

In der Nähe des Tores pressten sie sich an die Backsteinmauer und lauschten angestrengt. Aus dem Inneren drang kein Lebenszeichen.

Jetzt war Marty an der Reihe. Ein schweres Vorhängeschloss sicherte die Tür – seine Spezialität.

Sander wartete ungeduldig, während Marty das Schloss von allen Seiten begutachtete. Einmal hörte er seinen Freund sogar am Metall schnüffeln. Dann richtete er sich auf und seufzte. „Hättest du mir das nicht vorher sagen können?“

„Was denn?“

„Das ist magisch verstärktes Silber. Mit der Brechstange komme ich da nicht weiter, das repariert sich sofort von selbst.“

Mist, verfluchter! Sander spürte, wie sich der übliche Abgrund auftat, als ihm der Plan aus den Händen glitt. Nur für eine Sekunde, dann entdeckte er das Glitzern in Martys Augen. „Spuck’s schon aus, du hast doch einen Plan!“

Marty grinste. „Du hast Glück, dass du mich hast.“ Er griff in die Innentasche seines Mantels und zückte eine schmale Phiole. „Hab mir schon gedacht, dass sowas kommt. War heute morgen noch bei Wanda.“

Sander beugte sich vor und griff nach der Phiole. „Was ist das?“

„Pass auf!“ Marty riss sie aus seiner Reichweite. Mit äußerster Konzentration öffnete er das Gefäß und ließ ein wenig von dem beißend riechenden Staub auf das Schloss rieseln. Wenn er sich nicht irrte …

Es zischte. Der Qualm, der von dem Metall aufstieg, schien von innen heraus zu leuchten.

Sander riss vor Staunen die Augen auf und vergaß zu flüstern. „Wie hast du das gemacht?“

„Halt den Mund!“, schimpfte Marty. Aber er verspürte Genugtuung. Es war schön, bewundert zu werden. „Feenflügelstaub. Der putzt alles weg. Und das Schloss braucht Mondlicht, um sich zu regenerieren.“

Sander hätte seinen Freund küssen können. „Du bist ein Genie!“

Marty lieh sich die Lappen, mit denen Sander vorhin noch seine Füße umwickelt hatten, und schützte damit seine Hände, ehe er das weiche Metall vorsichtig auseinanderzog. Als Sander danach greifen wollte, drehte er sich schnell beiseite. „Bist du verrückt? Das Zeug ist ätzend!“

„Aber es ist Silber!“

Marty verstand seinen Kumpel, er war selbst in Versuchung. Lieber den Spatz in der Hand und so. Vorsichtig legte er das Schloss neben der Backsteinmauer auf den Boden. Es zischte leise, als der Feenflügelstaub sich in das Kopfsteinpflaster fraß.

„Egal. Nach heute Nacht brauchen wir kein Silber mehr“, erklärte Sander, spuckte verächtlich aus und öffnete die Tür.

In der Lagerhalle war es warm und stickig.

Außerdem war sie leer.

Marty sah sich ungläubig um. War er etwa schon wieder auf eins von Sanders Hirngespinsten hereingefallen? Von wegen, alles voller Gold. Das Echo seiner Schritte auf dem blanken Boden verriet ihm, dass sich nicht einmal in den finstersten Ecken der Halle Kisten oder Säcke befanden. „Na toll, wo ist deine reiche Beute?“

„Halt die Fresse!“ Mit großen Schritten durchquerte Sander den leeren Raum. „Das hier ist doch nur Tarnung!“ Er machte sich in den Schatten zu schaffen, und kurz darauf klaffte ein Stück Boden auf. Rötlicher Lichtschein drang zu ihnen herauf. „Hier unten findet die Magie statt!“ Und ohne auf seinen Freund zu warten, kletterte er in die Tiefe hinab.

Marty folgte ihm, so schnell es ging. Wer war denn so verrückt und legte im Hafenviertel einen Keller an? Spätestens bei der nächsten Schneeschmelze stünde hier alles unter Wasser. Allmählich glaubte er Sander. Jemand, der etwas so Absurdes tat, musste einen großen Plan haben. Seine Jacke ließ er am oberen Ende der Treppe zurück. Vor Aufregung wurde ihm richtig warm.

Die Luft im Schacht war stickig und wurde mit jeder Leitersprosse, die sie nach unten kletterten, schlechter. Immerhin bewegte sie sich – in gleichmäßigen Windstößen, die nichts Natürliches an sich hatten.

„Riechst du das?“, flüsterte Sander.

Marty schnupperte. Ein Hauch von Brackwasser lag in der Luft. Außerdem Rauch und Staub und … etwas Metallisches? „Jetzt sag schon, was ist hier los?“

„Bist du etwa immer noch nicht draufgekommen?“ Manchmal konnte Sander selbst nicht glauben, wie schwer von Begriff Marty war. „Sie haben eine Zwergenschmiede eingerichtet.“

„Eine Zwergenschmiede? Warum?“

„Ist doch egal. Zwerge bedeuten Gold, und wenn das Gold nicht den Hafen verlassen hat, muss es noch hier unten sein!“ Schließlich hätte er es bei seinen ausdauernden Beobachtungen bemerken müssen, wenn sie das Gold in die Bank zurück transportiert hätten. Außerdem hatte er sich gründlich in den Hafenkneipen umgesehen – kein einziger Zwerg weit und breit. Und jeder wusste, dass Zwerge Bier aufsaugten wie Spülschwämme schmutziges Wasser. Außer wenn sie an einer großen Sache arbeiteten. Zwergenmagie konnte nur nüchtern gewirkt werden. Deswegen war sie auch so selten.

Der Gang, in dem sie standen, war weder besonders hoch noch besonders lang. Die Wände bestanden aus festgeklopfter Erde, die in regelmäßigen Abständen mit dicken Holzbohlen abgestützt wurde. Der Fußboden war von schweren Stiefeln festgetreten worden. Die Spuren führten von der Leiter, an der Sander und Marty standen, zu einer Abzweigung. Immer noch war niemand zu sehen. Trotzdem zog Sander vorsichtshalber sein Messer aus der Tasche, ehe er weiterschlich.

An der Abzweigung hielten sie sich rechts und standen gleich darauf in einer Halle, die nicht besonders hoch, aber dafür sowohl lang als auch breit war. Geistesgegenwärtig ging Sander hinter einem Stapel gelber Ziegel in Deckung und riss seinen Kumpel mit sich.

Marty staunte. Das waren Goldbarren! Echtes Gold! Sander hatte nicht gesponnen! Er streckte die Hand aus – und wurde heftig zurückgerissen.

„Spinnst du?“, zischte Sander. „Wenn du den Haufen zum Einstürzen bringst, kommen wir hier nie lebend raus!“ Er wartete, bis sein Kumpel verschüchtert genickt hatte, und reckte dann den Hals, um über ihr Versteck hinweg ausreichend sehen zu können.

Die Halle glühte, und die Luft war zum Schneiden dick. Ein halbes Dutzend stämmiger Gestalten war damit beschäftigt, die Goldbarren in großen Tiegeln zu schmelzen. Buschige Bärte ragten unter schützenden Masken hervor, die mit glitzernden Sprenkeln überzogen waren. Auch die Schürzen und Handschuhe der Zwerge glänzten. Alleine die Arbeitskleidung musste ein Vermögen wert sein, wenn man das Gold auswaschen konnte. Sander schlüpfte aus seinem schweren Mantel, um sich besser bewegen zu können. Das Hemd darunter hatte schon bessere Zeiten gesehen. Jetzt klebte es ihm am Rücken wie eine lästige Geliebte. Er zwang sich, nicht an den Reichtum zu denken, der direkt vor ihnen aufgetürmt lag. Natürlich könnten sie sich jeder ein paar Goldbarren schnappen und versuchen, unentdeckt zu entkommen. Sie könnten sogar beim nächsten Neumond wiederkommen und den Spaß wiederholen. Aber sie waren gar nicht wegen des Goldes hier, sondern wegen des Projektes, für das die Bänker und der Magistrat all das Gold brauchten.

Schon lange wurde gemunkelt, dass der Hohe Rat jenseits des grünen Meeres ein Auge auf die Bodenschätze des Königreichs geworfen hatte. Ein Krieg stand bevor. Der Hohe Rat befehligte mehr Schiffe, als das Königreich je aufbringen konnte, und die fremde Armee war dreimal so groß wie die Streitkräfte unter Befehl des Magistrats. Sie würden ein Wunder brauchen, um diesen Krieg zu gewinnen.

Sander hatte in der Schule nie besonders aufgepasst – außer, wenn es um Geschichte ging. Also erinnerte er sich noch genau an die Legenden darüber, wie die vergangenen Könige ihre Schlachten gewonnen hatten. Auch sie hatten vom Gold profitiert, das man in den Bergen im Norden finden konnte.

Er tippte Marty auf die Schulter und bedeutete ihm, mitzukommen. Der gehorchte mit einem letzten sehnsüchtigen Blick auf die Goldbarren.

Zurück zur Abzweigung, und weiter geradeaus. Die Luft wurde frischer. Von irgendwoher musste der Sauerstoff für die Schmiede schließlich kommen. Sander passte auf, dass er nicht über die tiefen Radspuren stolperte, die sich in den Boden gegraben hatten. Direkt vor ihnen gab es einen Durchbruch auf der rechten Seite.

Hinter ihnen erklangen schwere Schritte.

Keine Zeit! Sander gestikulierte Marty, sich zu beeilen, und huschte in den Raum. Er duckte sich zur Seite, stolperte und kam mit einem dumpfen Stöhnen dicht an der Wand zu liegen. Direkt neben ihnen ging es in die Tiefe.

Wer auch immer diese Höhlen gegraben hatte, hatte sich gut überlegt, was er tat. Stufen wie für Riesen führten immer weiter hinab. Als Marty und Sander vorsichtig über den Rand lugten, sahen sie zwei gedrungene Gestalten mit einem Kübel zwischen sich vorsichtig von einer Stufe zur nächsten hinabklettern. Sie stellten den Kübel immer am Rand der Stufe ab, ließen sich auf die nächste hinab und hoben ihre flüssige Fracht dann ebenfalls hinunter. Schließlich schütteten sie in einen gigantischen Trog am Fuß der Stufen.

Dort warteten die Drachen darauf, gefüttert zu werden.

Sander hielt den Atem an. Kriegsdrachen, um gegen den Hohen Rat und seine Armee zu kämpfen. Mit Drachen konnte man gigantische Flotten in Windeseile zerstören. Nur musste man diese Drachen erst haben. Und man brauchte große Mengen Gold, um sie aufzuziehen. So wie diese hier. Er zählte drei Kleine, die auf einem Berg aus Geröll herumkletterten, und mindestens ein halbes Dutzend Eier. Sie schienen von innen heraus zu leuchten. Wenn er es schaffte, eines davon hier herauszuschmuggeln und zu verkaufen … sie würden sich nie wieder Sorgen machen müssen.

Marty hatte die Szene ebenfalls beobachtet, war aber zu anderen Schlüssen gekommen. Kaum hatten die Zwerge die Höhle verlassen, sprang er die gigantischen Stufen hinunter und griff nach einem der bereitstehenden Kübel.

Leider trug er, im Gegensatz zu den Zwergen, keine dicken Handschuhe, und der Kübel war noch heiß.

Kaum hatten seine Finger die Oberfläche des Kruges berührt, da hörte Sander es auch schon zischen. Er sah, wie sein Kumpel das Gesicht verzog, und wusste, was als nächstes kommen würde.

Sie durften unter keinen Umständen hier entdeckt werden.

Er traf eine Entscheidung, bevor die Moral sich zu Wort melden konnte. Mit einem kräftigen Tritt brachte er Marty zum Straucheln. Der ruderte wild mit den Armen und verschwand mit dem Gesicht voran im Trog mit dem flüssigen Gold, ehe er schreien konnte.

Ein beißender Gestank breitete sich in der Höhle aus, und dichter Rauch nahm Sander die Sicht. Mach’s gut, alter Freund, dachte er und kletterte mit zusammengekniffenen Augen am Trog vorbei auf die unterste Ebene der Höhle. Die Drachenbabies schenkten ihm keine besondere Aufmerksamkeit. Kurz überlegte er, ob er eines davon mitnehmen könne. Sie wirkten jedoch nicht, als seien sie besonders kooperativ. Also schnappte er sich stattdessen zwei schädelgroße, leuchtende Eier und drehte sich Richtung Stufen, um sich aus der Höhle zu schleichen.

Leider schwebte zwischen ihm und dem rettenden Ausgang ein gigantischer, kupferfarbener Schädel in der Luft und versperrte ihm den Weg.

Heißer, metallisch riechender Atem fuhr Sander durchs Gesicht. Verdammt, der Geröllberg! Er hatte die Drachenmutter vergessen. Wie hypnotisiert starrte er in die gigantischen Augen, die wie geschmolzener Kupfer leuchteten. Zwei senkrecht geschlitzte Pupillen trieben auf den schimmernden Oberflächen. Ganz langsam legte er die beiden gestohlenen Dracheneier auf dem Boden ab und wich zurück. „Ganz ruhig. Ich tue deinen Babies ja nichts. Siehst du? Alles wie vorher.“ Gleichzeitig schalt er sich, dass so ein tumbes Tier ihn ohnehin nicht verstehen würde.

Oder vielleicht waren seine Beschwichtigungsversuche dem Drachen auch einfach egal. Er öffnete sein Maul. In den Tiefen sah Sander etwas pulsierend glühen. Es wurde schnell heller.

Sah ganz so aus, als sei dieser letzte Job wirklich zu heiß für ihn.

Los, gebt es mir!

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