Ranzig gegen den Rest der Welt

Diesen Monat habe ich im Netz einen merkwürdigen Trend beobachtet. Reihenweise werden Kommentare geschrieben, in denen gegen bequeme (überwiegend) Frauenkleidung gestänkert wird.

High-Waist-Jeans machen Frauen „unfickbar“.

Jogginganzüge im trauten Heim sind ein Zeichen für gesellschaftliche Verwahrlosung.

Dass man als Frau über dreißig gefälligst keine Creolen mehr tragen solle, ist ja schon länger klar.

Und jetzt, ehe wir einander falsch verstehen: Ich finde, jede*r sollte sich so schön oder ranzig machen, wie er*sie bitte eben möchte.

Aber mein persönlicher Wert bemisst sich nicht daran, wie „fickbar“ ich im Alltag aussehe oder ob ich auf dem Sofa im Ballkleid herumhänge, in schlackerigen Yogahosen (die noch nie ein Yogastudio auch nur von fern gesehen haben) oder – GASP! – nackt. Und meine Beziehung scheitert auch nicht daran, wie hoch ich meine Hose ziehen kann, da ist der Mann Leid gewohnt. (Ich übrigens auch. Wenn er ein modisches Abenteuer begehen will, kauft er kein blaues Shirt, sondern ein blaues T-Shirt mit Muster.)

Einige meiner Freundinnen legen großen Wert darauf, in jeder Lebenslage stylisch auszusehen, und ich finde das toll. Andere haben es lieber bequem. Dritte wollen oder können einfach nicht viel Geld für ihre Garderobe ausgeben und/oder haben nicht die Zeit (oder Lust), sich umständlich aufzubrezeln.

Meine Philosophie ist ja meistens: Seid froh, dass ich nicht nackt bin.

Und das muss dann auch erst einmal reichen.

Los, gebt es mir!

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