Endgegner Klappentext – für Autorinnen und Leser

Ich habe gerade überlegt, auf welche Bücher ich durch Klappentexte aufmerksam wurde, und spontan fallen mir zwei ein. Eins davon entpuppte sich als Fehlkauf, das andere nicht. Man soll eben nicht immer nur nach dem Äußeren gehen.

Der Flop war Miss Maxwells kurioses Zeitarchiv, und natürlich werde ich euch den Klappentext nicht vorenthalten:

Madeleine „Max“ Maxwell wollte Archäologin werden, um Abenteuer zu erleben, unfassbare Entdeckungen zu machen und gelegentlich die Welt zu retten. Doch die Wirklichkeit holt sie ein: Archäologen verbringen ihre Zeit in Museen zwischen staubigen Büchern und noch staubigeren Fundstücken, die niemanden interessieren. Da erhält sie ein besonderes Jobangebot. Wenn sie die Zusatzausbildung übersteht – und die wenigsten tun das – wird sie Abenteuer erleben, die jene von Indiana Jones wie einen Sonntagsspaziergang aussehen lassen. Und wenn sie überlebt, wird sie wenigstens ein paar Mal die Welt retten …

Klingt eigentlich toll, oder? Aber im Ernst, ich habe es nicht ausgelesen. Was der Klappentext nämlich nicht widerspiegelt: Die Protagonistin ist unerträglich, die Frauendarstellung stereotyp und die Art, wie Probleme gelöst werden … na ja. Generell hat mich das Buch also nicht angesprochen, und da der Schreibstil auch nur mittelmäßig war – wie gesagt, ein Flop. (Falls jemand hier ist, der das Buch heiß und innig liebt: Geschmäcker sind verschieden und ich bin eine garstige alte Frau. Mach dir nichts draus. ^^ )

Das zweite habe ich gerade erst ausgelesen: A Wizard’s Guide to Defensive Baking. Auch hier zunächst der Klappentext:

Die vierzehnjährige Mona ist nicht wie die Zauberer, die die Stadt verteidigen sollen. Sie kann weder Blitze kontrollieren noch mit Wasser reden. Ihr magisches Haustier ist ein Sauerteigstarter und ihre Magie funktioniert nur mit Brot. Sie führt ein bequemes Leben in der Bäckerei ihrer Tante, wo sie Lebkuchenmänner tanzen lässt.

Monas Leben wird allerdings auf den Kopf gestellt, als sie auf dem Fußboden der Bäckerei eine Leiche findet. Ein Killer streift durch die Straßen von Monas Stadt, auf der Suche nach magisch Begabten, und offenbar ist Mona sein nächstes Opfer. Und in einer bedrängten Stadt, die plötzlich ohne Magier dasteht, ist der Killer möglicherweise Monas geringste Sorge …

(eigene Übersetzung)

Auch hier muss ich sagen, dass der Klappentext ein wenig irreführend ist – der Sauerteig spielt eine geringere Rolle, als man meinen sollte. Das Buch selbst hat mich allerdings wirklich umgehauen. (Falls hier jemand ist, der das Buch gar nicht mochte: Geschmäcker sind verschieden und ich brauchte dringend ein wenig Magie im Alltag. Mach dir nichts draus. ^^)

Schauen wir uns mal beide Klappentexte an – die sind nämlich erstaunlich gleich aufgebaut (und man beachte, beide Bücher haben auch vergleichbare Bewertungen auf Goodreads): Erst wird die Protagonistin kurz vorgestellt. Dann (und das ist üblicherweise der Punkt, an dem das Buch anfängt) ändert sich plötzlich alles. Die kommenden Probleme werden angedeutet und es endet mit den bedeutungsschwangeren drei Punkten …

Ist das die ultimative Erfolgsformel? Möglicherweise. Auf jeden Fall wird dieser Aufbau im Moment öfter verwendet. Ein anderer beliebter Aufbau beginnt mit einem Zitat und enthält mindestens eine Frage, die angeblich im Buch beantwortet wird. Dieses Muster ist allerdings jüngst so oft benutzt worden, dass viele Leute davon genervt sind.

Generell lässt sich sagen, dass Formeln für eine bestimmte Sorte Text immer schwierig sind. Je kürzer der Text, desto eher fallen sie auf. Und wenn dir jemand eine „Erfolgsformel“ oder ein „Geheimrezept“ verspricht, erhältst du höchstwahrscheinlich nur einen Hack, mit dem die ganze Arbeit, die man sich eigentlich machen sollte, abgekürzt werden soll. Ähnlich wie beim Kochen kommt da selten etwas Gutes bei rum.

Neulich bei Twitter haben wir das ganze übrigens ein wenig auf die Schippe genommen:

„Was wäre, wenn an dieser Stelle keine Frage stünde? Würden Sie das Buch dann noch kaufen? Diese und andere Fragen stellen sich Verleger und Autoren jeden Tag. Aber alles ändert sich, als eines Tages das Tor zu einer anderen Domension aufbricht, in der auf formelgetaktete Klappentexte die Todesstrafe steht. Werden Verleger und Autoren es gemeinsam schaffen, ihre Kreativität neu zu entdecken? Lesen Sie diesen epischen Fantasy-Erotik-Thriller mit leichten Grammatikübungen und bleiben Sie gespannt!“

Die ausschlaggebende Unterhaltung steht hier.

Als Autorin weine ich übrigens jedesmal, wenn ich einen Klappentext schreiben soll. Das ist schlimmer als ein Exposé. Der Klappentext soll nämlich alles enthalten: Er muss den Schreibstil zeigen, alle relevanten Informationen zum Buch enthalten, die richtige Zielgruppe ansprechen, darf nicht zuviel verraten, soll unterhaltsam UND informativ sein … kein Wunder, dass man da nach Formeln und Abkürzungen sucht. Im Ernst, wenig wird unter Schreibkolleg*innen soviel diskutiert und seziert wie Klappentexte. Würden wir den gleichen Aufwand in Romane stecken, hättet ihr sehr viel weniger, aber dafür sehr viel bessere Bücher. ^^

Los, gebt es mir!

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