Endgegner Klappentext

Seit mehr als zwei Jahren habe ich nichts Neues veröffentlicht.

Ist das überhaupt legal?

Darf man das als Selfpublisher_in?

Tja, verklagt mich doch. (Bitte, verklagt mich nicht. Gibt eh nix zu holen!)

Und während das magische Kinderbuch mich kräftig in den Poppes tritt – wer hätte gedacht, dass es so schwierig ist, über Puppen zu schreiben? – habe ich eine Sache ganz und gar nicht vermisst: Klappentexte.

Klappentexte sind, zusammen mit dem Exposé, der Endgegner für Schreibende. Und obwohl sie eigentlich komplett das Gegenteil voneinander sind, bereiten sie uns die gleiche Art Kopfzerbrechen. („Uns“ bezeichnet Schreibende generell – bis auf die wenigen Perversen, die sich gerne mit Klappentexten etc. befassen, denen sollte man nicht trauen.)

Ein Exposé zeigt alles. Auf wenigen Seiten soll die komplette Romanhandlung inklusive Ende verständlich dargestellt werden. Mit einem Exposé beweist man, dass man sein eigenes Buch verstanden hat. (Lacht nicht, mir sind bei den Puppen viele Dinge erst jetzt beim dritten Anlauf klargeworden.) Das Exposé ist eher schnörkellos und voller Informationen.

Ein Klappentext soll neugierig machen, darf also nicht zuviel verraten. Aber die wesentlichen Informationen sollen natürlich da sein: Erwartet mich etwas Lustiges? Spannendes? Romantisches? Blutrünstiges? Ein wenig wird der Klappentext dabei vom Cover unterstützt, aber die Worte leisten schon den Hauptteil der Arbeit. Sie zeigen nämlich auch schon, wenn man den Job gut gemacht hat, den Stil der Geschichte.

Immer wieder tauchen sogenannte „Erfolgsformeln“ für Klappentexte auf. Und mal unter uns: Die meisten davon erfüllen eben gerade das Minimum, damit man einen Klappentext als solchen erkennt. Einmal abgesehen davon, dass Lesende ja nicht kurzdenkig sind und solchen Tricks schnell auf die Schliche kommen. Wenn man also den eigenen Klappentext aus „Erfolg garantierenden“ Versatzstücken zusammenpuzzlet, tut man sich keinen großen Gefallen. Originalität ist gefragt – aber bitte auf maximal einer halben Normseite.

Und weil der Klappentext meistens darüber entscheiden hilft, ob jemand das Buch kauft oder nicht, bereitet er uns Schreibenden schlaflose (vielleicht gar hasenhirnige?) Nächte. Wir zeigen, fragen, zerpflücken, analysieren, bekritteln und tüfteln so lange, bis wir … nein, meistens nicht zufrieden sind, sondern uns um der lieben geistigen Gesundheit willen mit dem bestmöglichen Kompromiss zufriedengeben.

Eigentlich sollte man es ja anders herum machen: Erst schreiben wir den ultimativen Klappentext und dann den passenden Roman dazu. So schwer kann das ja nicht sein. (Hust. Abgang links.)

Los, gebt es mir!

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