*wink*

Zu Selfcare gehört auch, dass man manche Dinge gelegentlich liegen lässt. Wie dieses Blog, wenn viel zu tun ist. Ich kann es ja einfach nicht lassen. Aber es gibt auch so viele spannende Projekte, von denen ich euch noch nicht erzählen kann! Ihr müsst einfach darauf vertrauen, dass es wohl was Ordentliches wird.

Bis Ende der Woche will ich die Neubearbeitung von „Lilienschwester“ fertig und hochgeladen haben. Einige von euch erinnern sich vielleicht noch an das kleine, abwegige Büchlein, das ich vor ein paar Jahren veröffentlicht habe. Das kriegt eine Grundrenovierung, ein wenig frische Farbe und wird der September-Band für das „Gruftgeflüster“. Einmal mehr bin ich nicht sicher, ob ich es tatsächlich unheimlich genug geschrieben habe – aber die Oktober-Geschichte wird euch aus den Socken gruseln!

Soviel zu meinem Alltag. Ich versuche, weder die Wohnung komplett verkommen noch mich auf dem Weg zur Arbeit überfahren zu lassen (gestern drei Versuche, heute nur zwei), und verzettele mich fröhlich weiter vor mich hin.

Das Selfcare-Dilemma

Foto von Roberto Nickson, gefunden auf Unsplash

Selfcare ist wichtig, das wissen wir inzwischen alle. Man braucht regelmäßig Zeit, um seine Batterien aufzuladen, und Energie, um die aufladerelevanten Dinge zu tun. Aber wie soll das, bitteschön, funktionieren?

Mit den Jahren bin ich ganz gut darin geworden, zu sehen, was mir gut tut. Das sind nicht immer Dinge, die auch Spaß machen (aufräumen!; Gemüse essen!!; früh schlafen gehen!!!) – aber wenn ich diese Dinge tue, fühle ich mich besser und habe auch mehr Energie für die Dinge, die ich wirklich tun will.

Es ist also gar keine Option, Selfcare auszulassen. Aber wie, fragt ihr euch vielleicht, findet man zwischen Bürojob, Schreibzeit, Haushalt und dem bisschen Sozialleben, das die Gegenwart zulässt, auch noch Zeit für Selfcare?

Puh, ich weiß es nicht.

Wie ich es mache?

Ich mogle.

Weil ich nämlich genau weiß, was ich für meine Batterien benötige, weiß ich auch, wieviel ich jeden Tag resp. jede Woche mindestens in diesem Bereich machen muss, damit ich mich gut fühle und nicht alle erwürge, nur weil ich es kann. (Glaubt mir, manchmal ist das eine verlockende Option!) Auf meiner List stehen unter anderem:

  • Kunst und Musik
  • Yoga
  • Spaziergänge
  • Meditation
  • Krafttraining
  • Laufen

Und aus diesen (und einigen anderen) Dingen suche ich mir jeden Tag mindestens zwei Dinge aus, die stattfinden MÜSSEN. Nicht unbedingt gut, nicht unbedingt lang, aber die ziehe ich durch. Und wenn mal Zeit ist oder ich finde, da sollte mehr gehen, dann auch drei oder fünf von diesen Punkten.

Andere Dinge sind nicht verhandelbar und werden nur im Notfall ausgesetzt: Mindestens sieben Stunden Schlaf beispielsweise, mit weniger geh ich zwar, aber ich gehe kaputt. Oder tägliche Rationen an Obst und Gemüse (siehe oben), damit mein Körper seine Leistungsfähigkeit behält. Der ist schließlich nicht aus Feenstaub gemacht.

Mir geht es also gar nicht darum, möglichst perfekte Selfcare hinzulegen, sondern möglichst realistische. Ich habe nunmal keine Zeit, jeden Tag zwei Stunden Sport zu treiben, mir neue Fähigkeiten anzueignen UND für Weltfrieden zu sorgen. Und manchmal ist es auch wichtiger, das Bad mal wieder zu putzen, anstatt Erleuchtung zu jagen. Für die meisten Dinge gibt es eine ideale Lösung – und eine, die für dich selbst im Alltag funktioniert. Und das ist auf jeden Fall die zweitbeste und sollte auf jeden Fall umgesetzt werden.

Oder, wie ich irgendwann mal las (grob paraphrasiert): „Alles, was wert ist, getan zu werden, ist auch wert, nur halbherzig getan zu werden.“

Falls ihr euch also jemals fragt: Wie macht diese verrückte Frau das alles? Die Antwort lautet: Halbherzig und nach Liste. ^^

Stil – vielleicht doch nur das Ende des Besens?

Beim Schreiben dreht sich angeblich alles um den Stil. Vor allem den eigenen. Viele schreibende Personen, die ich kenne, verweigern sich Schreibratgebern, Grammatikkursen, Testleserfeedback oder Lektorat mit dem Hinweis darauf, dass sie ihren eigenen Stil nicht kompromittieren wollen.

Schließlich kennen wir alle diese „Konsumgeschichten“, die lieblos nach dem gleichen Muster aufgebaut sind, um die niederen Instinkte gewisser Leserkreise zu befriedigen und mit billigen Tricks schnell das „große Geld“ abzugreifen. Keinesfalls wollen wir werden wie die!

Erst einmal eine gute Idee. Wir wollen wirklich nicht schreiben wie alle anderen, oder?

Aber der Sprung ist ein wenig zu kurz gedacht.

Ich bemühe einen meiner Lieblings-Autoren, Neil Gaiman, der sinngemäß sagte: „Stil ist das, was du nicht sein lassen kannst“ – also das, was dein Schreiben ausmacht, auch wenn du die Erzählstimme oder das Medium wechselst, oder wenn du dich darüber informierst, wie du das Erzähltempo optimieren und Geschichten für Leser sprachlich ansprechender gestalten kannst.

Deinen Stil kann man dir gar nicht austreiben. Er wird allerdings sichtbarer und glänzt mehr, wenn du die ganzen vermeidbaren Dinge, die dein Schreiben ausbremsen, ablegst. Schließlich hat man auch den eigenen Fahrstil, selbst nach einem Dutzend (oder hundert) Stunden in der Fahrschule. Stil ist Teil der Persönlichkeit, und genau wie die eigene Persönlichkeit kann man ihn polieren, aber leider nicht abgeben, wenn er gerade im Weg ist.

Zaubersprüche? Teufelswerk!!!

Auf einem hellen Stoff-Untergrund liegt ein in geprägtem LEder gebundenes Notizbuch. Im Vordergrund sieht man drei Halbedelsteine.
Foto von Emily Underworld, gefunden auf Unsplash.

Wenn man Phantastik schreibt, kommt man mitunter nicht darum herum: Man muss sich eigene Zaubersprüche ausdenken. Und das ist gar nicht so leicht, wie man denkt – kommt es doch dabei hart darauf an, mit was für einem magischen System man arbeitet.

Müssen Zaubersprüche eine bestimmte Form haben?

Ist die Silbenzahl wichtig?

Sollte man sie reimen?

Auf welche Gottheiten bezieht man sich?

Müssen bestimmte Symbole berücksichtigt werden?

Jaaaa, die Frau zerbricht sich wieder den Kopf über merkwürdiges Zeug. Aber denkt doch nur daran, wie merkwürdig uns schon mitunter Sagen aus anderen Kulturkreisen vorkommen und was wir da ggf. nicht verstehen, weil uns das Hintergrundwissen fehlt. Solche und schlimmere Probleme kriegst du als Autor*in, wenn du ein magisches System schaffst und den Zaubersprüchen und Ritualen nicht genügend Aufmerksamkeit schenkst. Denn den Leser*innen fällt auf, wenn da etwas holpert … sogar wenn sie bewusst möglicherweise nicht darauf kommen.

Das letzte Mal, dass ich Zauber schreiben musste, war für „Magie hinter den sieben Bergen“ – das war westliche moderne Hexerei, also vergleichsweise einfach. Mit den Ritualen für das Kinderbuch (Arbeitstitel „Verzandt“) habe ich es schon schwerer, denn die Gesellschaft ist ursprünglich seefahrt-basiert – mit allem, was da eben (oder auch nicht) zugehört.

Magie ist ein wichtiger Teil des Weltenbaus, vergesst das nicht!

Das Drama mit dem Verpackungsmaterial

Habt ihr schon einmal ein Päckchen von mir bekommen? Dann stehen die Chancen gut, dass ihr euch gewundert habt, warum die Umverpackung so ranzig aussieht.

Des Rätsels Lösung: Ich verwende das Zeug wieder.

Zum einen ist das gut für die Umwelt, zum anderen spart es mir als Autorin Geld.

„Was?“, denkt ihr euch. „Die paar Cent für Versandkisten sollen arm machen?“

Zum einen: Ja. Zum anderen: Damit ist es ja nicht getan. Wusstet ihr, dass Leute, die professionell Dinge verkaufen und versenden, für die Entsorgung des neu in den Verkehr gebrachten Verpackungsmaterials zahlen müssen? Ich meine, das ist ja nur recht und billig, schließlich kostet die Entsorgung ja was. (Falls ihr mehr dazu wissen wollt, recherchiert mal „Verpackungsgesetz“ oder „Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister“, das ist sehr entspannend.)

Auf jeden Fall habe ich sowieso konstant soviel Verpackungs- und Füllmaterial zuhause, dass ich es ohne Probleme für gelegentliche Bloggerpäckchen etc. recyclen kann. Das schon die Umwelt und den Geldbeutel – eine Win-Win-Situation, sozusagen.

(Im Endeffekt ist das ganze noch ein wenig komplizierter, aber ich will euch nicht langweilen.)

Und natürlich die Erinnerung: Natürlich könnt ihr bei mir jederzeit signierte Bücher bestellen, auf Wunsch auch mit Katzenhaaren. Und die Verpackung ist halt ein wenig schäbig, aber es kommt ja auf die inneren Werte an. ^^

SPOILER AHEAD!!! „In Flammen“ Entwicklungsübersicht

Das hier ist ein Übersichtsbeitrag mit Spoilern für diejenigen, die meiner „Blick über die Schulter“-Reihe im April gefolgt sind. Hier findet ihr die verschiedenen Entwicklungsstadien der Ideen und Gedanken zu „In Flammen“. Achtet vor allem darauf, wie sich Charaktere etc. von einer Version zur nächsten entwickeln, das macht Spaß. ^^

TAG 1 – IDEEN, NOTIZEN

DANKSAGUNG – Für Anekdoten: Andrea B., Anja B.

IDEE – Eine Schaustellerfamilie gibt verzauberte Gewinne aus, die ihre Besitzer reprogrammieren, ihnen WAS ZU TUN??? Ein junger Mann, der lustlos mit der Clique seiner älteren Schwester vor Ort ist, findet diesen Plan durch einen Zufall heraus. Eine Tochter der Schaustellerfamilie hilft ihm, alle Gewinne einzusammeln und zu verbrennen.

CHARAKTERE – Prota: Niklas, 16 Jahre; Schwester: Ramona, 18 Jahre, hat gerade ihren Führerschein; abtrünnige Tochter: Jenna, 17 Jahre

TAG 3 – PLOT

  • Niklas ist nervös, denn nach zwei Jahren Pandemie findet zum ersten Mal wieder das Volksfest „Rhein in Flammen“ statt, und er wird seine langjährige Freundin Jenna wiedersehen. Seine Eltern bestehen darauf, dass er mit seiner älteren Schwester Ramona im Auto fährt, anstatt das Fahrrad zu nehmen, das sei sicherer. (Atmosphäre, Hintergründe, …)
  • Wiedersehen mit Jenna, viel Atmosphäre, sie verhält sich seltsam und erzählt, dass sie den Schaustellerbetrieb nach diesem Jahr aufgeben. Niklas ist enttäuscht – dann sehen sie einander ja nie wieder?? Ehe sie weitersprechen können, wird er von seiner Ex aufgehalten, die Jenna böse anguckt und ihn volllabert. Jenna geht ein Stück weiter, er schließt zu ihr auf und verspricht, zur Entschädigung für die Unterbrechung etwas für sie zu gewinnen. Sie meint zwar, die Spiele seien alle „rigged“, aber sie stimmt zu, das Gespräch von vorhin setzen sie nicht fort.
  • Dieses  Jahr sind drohnenartige ferngesteuerte Maikäfer der letzte Schrei auf dem Jahrmarkt, und Niklas versucht, einen für Jenna zu gewinnen. Sie lenkt ihn allerdings beim entscheidenden Wurf ab, so dass es „nur“ zu einem kleinen Stofftier reicht – einer Giraffe, der Jenna ihr Haarband als Schal um den Hals macht. Niklas glaubt, sie habe das aus Rache gemacht, und ist sauer. Jenna: Wenn wir eine stille Ecke finden, kann ich dir alles erklären. Niklas ist verwirrt: Will sie mit ihm rummachen?
  • Hinter den Hütten sehen sie einen angetrunkenen Typen mit so einer Maikäferdrohne spielen. Jenna pfeift eine kurze Melodie, und auf einmal greift die Drohne den Typen an. Als sie eine andere Melodie pfeift, hört der Angriff auf und der Maikäfer deaktiviert sich. Der betrunkene Typ schimpft auf Chinaschrott und wankt weiter.
  • „Wir können die doch nicht mit dieser Käfersache durchkommen lassen!“ – „Und was willst du tun?“ – „Auf jeden Fall nicht einfach so einpacken und abhauen.“ Sie besorgen die Flöte, auf die die Maikäfer geeicht sind, und schleichen sich in eine Kabine, von der aus man Zugriff auf die Durchsage-Anlage hat („Für einen Scherz“). Als Jenna die Melodie spielt, gehen alle Maikäfer auf dem Jahrmarkt kaputt, den meisten Gewinnern fällt das nicht einmal auf, die tragen die ja einfach mit sich rum.
  • Jenna will die Flöte eben heimlich zurücklegen, Niklas geht bei Ramonas Clique vorbei, um sich sehen zu lassen, und wartet dann am Treffpunkt auf Jenna. Er sieht diverse unheimliche Ereignisse und Gestalten, seit er darauf achtet, der Spaß am Jahrmarkt ist ihm ein wenig vergangen. Aber Jenna taucht nicht am vereinbarten Treffpunkt auf.
  • Niklas bittet Ramonas Clique um Hilfe bei der Suche nach Jenna, aber die machen sich nur über ihn lustig, also geht er allein. Diverse Schausteller nähern sich ihm und geben ihm Hinweise, bis er im „Fun House“ ist, dort soll Jenna angeblich sein. 
  • Stattdessen wartet dort eine junge Frau auf ihn und versucht, ihn irgendwo runterzustoßen, damit es wie ein Unfall aussieht. Ob er wirklich glauben würde, sie seien so blöd, ihm und Jenna eine Chance einzuräumen? Er überlistet sie, sie wird ohnmächtig, er entkommt.
  • Am Rand des Jahrmarktes, in der Nähe des Fun Houses, findet Niklas Jennas Giraffe neben einer merkwürdigen Zeichnung im Schlamm, die ihn darauf bringt, wo er suchen muss: Unter der Autobahnbrücke! Die Gegend ist wegen des Feuerwerks abgesperrt, er muss ein wenig klettern und so, wird fast von einem Polizisten gefasst.
  • Aus seinem Versteck beobachtet er, wie ein älterer Herr Jenna mit Handschellen an einem Fahrradständer o.ä. festmacht, einen Kreis um sie zieht und mit der Beschwörung anfängt. Er läuft runter und fängt an, die Beschwörung zu stören. Der Böse ist genervt, aber nicht zu sehr, denn bald wird Verstärkung da sein. Jenna fleht Niklas an, sich in Sicherheit zu bringen.
  • Mit einem Trick bringt Niklas den Bösen dazu, den Dämon außerhalb des Kreises zu beschwören. Er springt rein zu Jenna und macht sie los, während der Dämon draußen sein  versprochenes Opfer – den Bösen – reißt und auf Niklas‘ Befehl wieder verschwindet. Als es sicher ist, gehen sie Richtung Volksfest, das Feuerwerk beginnt.
  • Einige Wochen später hat Niklas eine E-Mail von Jenna (sie haben endlich mal Kontaktdaten ausgetauscht!!!): Der Kult streitet untereinander, die müssen sich erst einmal neu organisieren. Ihr Vater hat das Geschäft bereits verkauft und eine Stelle in Köln angenommen, man könne sich also bald auch mal einfach so treffen. Am Fenster brummt ein Maikäfer.

TAG 3 – KLAPPENTEXT

Seit Jahren treffen der schüchterne Einserschüler Niklas und die Schaustellertochter Jenna sich regelmäßig auf den großen Jahrmärkten in Bonn.
Nach der Pandemie sind beide unsicher – was hat sich in den letzten zwei Jahren zwischen ihnen verändert?
Doch schon bald wird ihr Wiedersehen auf dem Volksfest „Rhein in Flammen“ von finsteren Machenschaften überschattet.
Der Jahrmarkt hat sich verändert.
Unheimliche Gestalten sind hinter den Kulissen zugange.
Jenna und ihr Vater haben bereits alles vorbereitet, um die Gruppe zu verlassen.
Vorher allerdings braucht Jenna noch Niklas‘ Hilfe dabei, die Pläne der anderen zu durchkreuzen.

TAG 15

NOTIZEN FÜR EDITS:

  • Polizeigespräch („Wir können doch nicht jeder zickigen Dame hinterher, die nichts mehr mit ihrem Bübchen zu tun haben will!“)
  • Mehr Hinweise auf Insekten
  • Jenna weiß/ahnt von den okkulten Machenschaften der anderen; gleichzeitig spottet sie über die alten „Kinderdiebe“-Vorurteile, die es Schaustellern gegenüber gibt

Leute und Bäume

Ein sehr weiser Rat, den ich vor Jahren mal gelesen habe – und ich weiß nicht mehr, wo das war – besagt, man solle sich darin üben, Leute in Bäume zu verwandeln.

Verschiedene kahle Bäume stehen in einem winterlichen Wald, durch den ein Forstweg führt.
Foto von Simon Berger, gefunden auf Unsplash.

Gemeint war, man solle all die verschiedenen Leute, denen man begegnet, genau so akzeptieren, wie man all die verschiedenen Bäume akzeptiert, wenn man in den Wald geht – unabhängig davon, ob sie krumm oder knubbelig oder kahl sind.

Und ich finde, das ist ein schöner Rat.

Wobei ich mir in meinen finsteren, rachsüchtigen Momenten dann manchmal doch vorstelle, Leute in Bäume zu verwandeln, indem ich sie in Dünger verwandle. Aber ich schwöre, das tue ich nur in meiner Fantasie, für die Psychohygiene.

Und in dem Sinne – ihr seid wunderschöne Bäume, alle miteinander!

Der abwegigste Monsterfilm, den ich je gesehen habe (und wieder sehen werde) …

… ist ohne Zweifel „Zombiber“. Ein Meisterwerk. So gnadenlos schlecht, das er wirklich schon wieder gut ist.

Zunächst verlieren ein paar nicht sehr aufmerksame Fahrer ein Fass mit einer seltsamen Flüssigkeit, die in ein Gewässer ausläuft.

Dann fahren ein paar junge, begrenzt sympathische Frauen zur Erholung zu einer abgelegenen Ferienhütte. Dort werden sie von ihren jungen, begrenzt sympathischen Freunden überrascht, die eigentlich gar nicht eingeladen waren.

Die Nachbarn sind mehr so merkwürdig bis unheimlich.

Und die seltsame Flüssigkeit hat inzwischen Auswirkungen auf die lokale Fauna. Es gibt viele wirklich schlechte Dialoge, noch schlechtere Special Effects und Splatter Effekte, soviel das Herz begehrt. Ist also vielleicht nicht für jeden.

Ein freundlich aussehender Biber hockt auf einem Ast, der aus klarem Wasser herausragt, und plant Böses. Im Wasser treibt Herbstlaub.
Der tut nur so harmlos. (Foto von Francesco Ungaro, gefunden auf Unsplash.)

Falls ihr euch dieses grandiose Meisterwerk der schlechten Unterhaltung nicht in voller Länge antun wollt, erzählt der Theme Song euch alles, was ihr über diesen Film wissen müsst. Ruhig anhören, ohne hinzugucken, ihr verpasst nichts.

Ich glaub, mich trifft ein Hai!

Erinnert ihr euch noch an den „Sharknado“-Hype? Das ist inzwischen auch schon … puh, laaaaange her. (Geht nachschlagen.) Der erste Film ist von 2013. Wie alt wart ihr da? Dacht ich’s mir.

Schreiende Autorin wird von gigantischem Plüsch-Hai angefallen. Großaufnahme.
Das ist Haino. Er will nur „hai!“ sagen.

Jetzt ist „Sharknado“ zwar einer der hingebungsvoll schlechtesten Hai-Filme, die ich kenne, aber er war ja beileibe nicht der erste, der jemals Aufmerksamkeit bekam. „Der weiße Hai“ beispielsweise (1975) war ein richtiges Meisterwerk und kann auch heute noch zum entspannten Adrenalinausstoß auf dem Sofa geguckt werden. Ab und zu braucht man so etwas.

Haie sind beliebte Monsterfilm-Darsteller, in allen Variationen. Da gibt es Sharktopus, Haie mit unterschiedlichen Anzahlen von Köpfen (Fiveheaded Shark), sogar Zombiehaie kommen gelegentlich vor. Als wäre es nicht unheimlich genug, von einem „Maul auf Beinen“, nur ohne Beine, angegriffen zu werden.

(Disclaimer: Eigentlich sind Haie ganz nett. Es sterben jährlich wesentlich mehr Menschen durch Kühe als durch Haie. Aber dreht darüber jemand einen Film? Natürlich nicht.)

Warum sind Haie nun so beliebt? Wahrscheinlich ist es ihre Menge an Zähnen und ihre vergleichsweise „Fremdheit“ – es fällt uns Menschen schwer, uns in Haie hineinzuversetzen, darum sind sie perfekte Monster für den Film.

Aus ähnlichem Grund beliebt sind wahrscheinlich Oktopusse, Insekten, Spinnen und Weichtiere. Zu denen haben wir einfach wenig Verbindung, und viele Leute gruseln oder ekeln sich vor ihnen.

Vögel sind uns schon etwas näher, aber auch unheimlich. Auf dem Balkon werde ich morgens oft von ein paar Krähen auf meine Kadavertauglichkeit begutachtet – hoffentlich amüsiert es die Nachbarn, wenn ich rufe: „Ich bin noch nicht tot!“ Und die Krähen glauben mir sowieso nicht. Ich könnte ja ein redender und trotzdem überaus schmackhafter Zombie sein.

Ob Vögel Horrorfilme über Menschen drehen würden? Erzählen sie sich Gruselgeschichten über diese merkwürdigen nackten Zweibeiner? Wer weiß?

Hic sunt dracones

Eine Art Fabelwesen, die auf der ganzen Welt verbreitet ist, ist der Drache. Manchen Leuten gilt das als Beweis dafür, dass es Drachen wirklich gegeben haben muss – wie sonst kämen wohl alle darauf, von ihnen zu erzählen?

Auf einer spärlich mit Gras bewachsenen Erhebung steht eine gigantische steinerne Drachenfigur mit vier Beinen, Schwingen und drei Köpfen mit weit geöffneten Mäulern.
Ein beeindruckendes Exempar. (Foto von aisvri, gefunden auf Unsplash.)

Allerdings muss man dazu sagen, dass es ungefähr so viele verschiedene Drachenformen gibt, wie man Mythen und Legenden über sie findet. (Nicht nur) meine Theorie ist ja, dass in vielen Kulturen die Drachengeschichten auf Basis von Fossilfunden oder ausgeschmückten Begegnungen mit echten Kreaturen entstanden sind, und dass, wenn eine forschungsreisende Person dann Legenden von großartigen, schrecklichen, Menschen verschlingenden Wesen hörte, die möglicherweise fliegen konnten oder sehr groß waren oder Feuer spuckten oder giftigen Atem hatten, diese PErson sich dann notierte: „Ah, offenbar eine Art Drache.“

Vielleicht irre ich mich auch. Vielleicht gab es Drachen wirklich. Vielleicht gibt es sie immer noch. Ich meine, Helena hat im Siebengebirge in „Allerseelenkinder“ immerhin welche gesehen, erinnert ihr euch? Gut, sie war auf der Flucht und wahrscheinlich erschöpft und dehydriert, sie könnte sich das alles eingebildet haben. Aber vielleicht, ganz vielleicht, gibt es tatsächlich immer noch irgendwo die winzigen Nachfahren der ursprünglichen majestätischen Drachen, die unserer ungesunden Aufmerksamkeit bislang glücklicherweise entkommen sind.