Wie schnell kann/muss man schreiben?

Ich habe mich gerade über einen angeblichen Schreibratgeber geärgert. Ein US-amerikanischer Autor hat aufgelistet, wie viele Wörter er pro Tag schreibt, und sich gegen Ende indirekt darüber lustig gemacht, dass Leute, die länger als vielleicht 10 Tage für einen Roman brauchen, es als Autor*innen wohl nicht ernst meinen.

Im Ernst?

Bullshit.

Natürlich kann ich 500 Wörter in 10 Minuten schreiben. (In fragwürdiger Rechtschreibung. Aber wir bewerten nicht, wir zählen nur.)

Und natürlich könnte ich wahrscheinlich 10.000 Wörter an einem Tag schreiben.

Aber wären das gute Wörter?

Wäre das die bestmögliche Geschichte, die ich erzählen kann?

Und wer übernimmt all meine anderen Verpflichtungen, während ich diese 10.000 Wörter schreibe?

Vorab: Ich sage nicht, dass Leute, die schnell schreiben, automatisch schlechte Geschichten schreiben. Das keineswegs!

Jedoch sieht die Realität der meisten Schreibenden ein wenig anders aus.

Wir haben Leben. Zu meinem gehören neben dem Schreiben der Brotjob, der Haushalt und der Sport (und in anderen Jahren so etwas wie ein Sozialleben). Zum Schreiben bleibt mir an einem normalen Tag etwa eine Stunde.

Außerdem müssen wir manchmal über das zu Schreibende nachdenken. Oder es überarbeiten. Oder noch einmal ganz von vorn anfangen. Rein rechnerisch habe ich letztes Jahr unter anderem etwa 75.000 Wörter Kinderbuch geschrieben, unglücklicherweisewar das jedoch dreimal der Anfang des gleichen Buches, weil ich beim Schreiben neue Dinge über die Welt gelernt habe, die sich nicht durch einfaches Reparieren einfügen ließen. Normalerweise habe ich diese Schwierigkeiten nicht, aber es ist eine neue Welt UND ein neues Genre, das macht mich etwas schwerfälliger. Und das ist okay, schließlich lerne ich auch aus den nicht-veröffentlichten Dingen. Oder sagt ihr etwa: „Mensch, all diese Tonleitern, die die Cellistin zuhause privat geübt hat, das war mal wirklich Zeitverschwendung!“??

Für Autor*innen scheint die Erwartung zu sein, dass alles, was den Weg auf den Bildschirm resp. aufs Papier findet, auch veröffentlichbar ist. Und im Ernst, das ist doch Unsinn. Wer malt, stellt auch nicht jeden Farbklecks aus, den er*sie produziert.

Rein technisch ist es also durchaus möglich, einen Roman in zehn Tagen zu produzieren, und vielleicht mache ich das irgendwann dieses Jahr auch mal zum Vergnügen – mit Urlaub wird das wohl Essig, was meint ihr? – aber das ist eine Herausforderung für optimale Bedingungen und nicht die Grundlage von: „Wer langsamer schreibt, sitzt nur 15 Minuten pro Tag am Schreibtisch und meint es keineswegs ernst.“

Lesefortschritte

Seit Anfang 2017 führe ich Liste über die Bücher, die ich gelesen habe – ohne Bewertung, nur Enddatum, Titel, Autor*in.

Diese Liste hat eigentlich keinen tieferen Sinn. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr draufgucken und versuchen, herauszufinden, was für einen Buchgeschmack ich habe. Allerdings sagt die Liste nichts darüber aus, ob ich die Bücher mochte oder nicht – nur, dass ich sie beendet habe. Abgebrochene Bücher stehen zum Beispiel nicht darauf.

Allerdings habe ich aus dieser Liste gelernt, dass ich im Jahr etwa 40 Bücher lese. Für letztes Jahr stehen weniger drauf, allerdings hat da die Umstellung des WordPress-Editors einige Titel gefressen. Wir kommen also wieder ungefähr beim gleichen Wert an.

Warum ist das spannend?

Ich lese nicht besonders schnell, da sind wir uns einig.

In meinem produktivsten Jahr (2018) habe ich drei Romane geschrieben, überarbeitet und veröffentlicht.

Jemand, der ungefähr so schnell liest wie ich, hätte also noch Platz auf seiner Leseliste für ungefähr 37 weitere Bücher.

Viele Autor*innen schreiben weniger als drei Bücher im Jahr. Wir haben andere Dinge zu tun (Büro, Haushalt, Bingewatching), wir überarbeiten, wir schreiben Kurzgeschichten, wir werfen auch mal Zeug weg oder drücken uns vor dem Überarbeiten.

Daraus folgt – und ich glaube, ich habe das schon öfter gesagt – dass andere Autor*innen nicht wirklich Konkurrenz für uns sind. Außer bei Preisverleihungen, und die sind eher selten. Jemand, der nur meine Bücher läse, hätte seit 2018 nichts Neues zu tun bekommen. Das wäre sehr schade. deswegen hoffe ich hart, dass Leute, die meine Bücher lesen, auch die Bücher vieler anderer toller Autor*innen finden und lesen (und mich darüber nicht vergessen, aber das ist wohl Glückssache).

Atmen und sich sammeln – aber bitte nicht zu oft!

Alle Schreibenden, die ich kenne, haben Lieblings-Körperfunktionen. Also Dinge, die sie ihre Charaktere immer, regelmäßig und deutlich im Text lesbar tun lassen. Atmen zum Beispiel. Es wäre überaus leichtsinnig, das Atmen einfach so abzustellen, aber dass ich es andauernd erwähne, geht mir schon selber auf den Zeiger (seufzte sie, hörbar ausatmend … denn sie atmete).

Was meine Charaktere sonst noch tun: Mit den Schultern zucken, oder auch mit den Achseln. Was doppelt ungünstig ist, denn ich bin mir nicht sicher, wie man das sprachlich richtig einsetzt. Ich mag es nur.

Andere Charaktere, denen ich begegnet bin, stemmen konstant die Hände in die Hüften oder stampfen immer auf wie Flamencotänzerinnen oder verschränken die Arme vor der Brust und bestimmt fallen mir gleich noch viel mehr Gesten auf, die so ein bisschen totgeritten sind.

Dabei ist Körpersprache eigentlich spannend. Und lästig, denn wir können sie nicht die ganze Zeit über zu einhundert Prozent kontrollieren. Deswegen fallen uns die Dinge auf, die wir kontrollieren können – wie bewusstes Atmen, Arme-Verschränken, Aufstampfen und so. Ich denke, ihr habt ein ungefähres Bild der Situation.

Wenn wir die Dinge beschreiben wollen, die Leuten nicht auffallen, die sie aber trotzdem verraten, müssen wir unsere Umgebung (und uns selbst) sehr genau beobachten. Wer knibbelt an seinen Nagelhäutchen? Was macht die beste Freundin, wenn sie sich über etwas ärgert? Wann ist Freundlichkeit nur vorgetäuscht und woran merkt man das?

Eine meiner nächsten großen Aufgaben, wenn es an die Überarbeitung geht, ist auf jeden Fall, die Leute nicht andauernd nur atmen zu lassen. Das wird ja langweilig.

Und sie lebten glücklich, bis er morgens ihre Haare aus dem Abfluss fischen musste und sie über seine Schuhe stolperte – Beziehungen in Geschichten

„Happily ever after“? Das nimmt uns doch heute keiner mehr ab.

Und okay, glückliche, harmonische Beziehungen in Geschichten wären schon ziemlich langweilig. „Der Liebesroman, in dem nichts passiert“ ist einfach kein Bestseller. (Glaube ich. Machen wir die Probe aufs Exempel?) Geschichten leben von Drama, Hindernissen, Konflikten, Katastrophen. Doch was ist mit Büchern, in denen Romantik nur eine Nebenrolle spielt? Auch da scheint es, meiner begrenzten Leseerfahrung zufolge, durchaus üblich, das Beziehungen konfliktbeladen oder rundheraus unglücklich sind. Und das entspricht, wenn wir ehrlich sind, doch überwiegend unserer Lebenserfahrung. Sogar die glücklichsten Beziehungen, die wir in unserem Familien- und Freundeskreis kennen, haben diese Momente, in denen der eine die andere erwürgen will (oder umgekehrt), weil mal wieder das schmutzige Geschirr auf statt im Geschirrspüler steht, irgendwas irgendwohin geräumt wurde oder man sich nicht darüber einigen kann, wessen Familie man jetzt zu Weihnachten besuchen muss.

Allerdings fällt mir schon auf, wie oft Beziehungen in Geschichten unglücklich sind, weil die Charaktere nicht miteinander kommunizieren. Vielleicht ist das so ein persönlicher „Aha!“-Effekt, aber für beinahe genau so wahrscheinlich halte ich es, dass wir als Schreibende da gelegentlich einem beliebten Klischee aufsitzen. Und das auch noch völlig überflüssig.

Denn ich kann aus eigener Erfahrung beisteuern: Man kann konstant miteinander kommunizieren und trotzdem gelegentlich Knaatsch haben. Also, habe ich gehört. Bei uns zuhause ist das natürlich alles konstantes langweiliges blassrosa Glück. (Räusper.)

Von Büchern, die wir schon immer lesen wollten/sollten und irgendwie doch noch nicht gelesen haben

Jeder kennt sie. Bücher, die man „gelesen haben muss“. Die zum Bildungskanon gehören. Bücher, bei denen es eine Art Auszeichnung ist, wenn man sie gelesen hat.

Das sind die Bücher, bei denen einige sich darüber profilieren, wie toll und grandios sie diese Bücher doch fanden, während andere sich darüber profilieren, dass diese Bücher doch total überbewertet seien.

Und ich höre mal auf, von „diesen Büchern“ zu reden.

Denn ich habe mit „diesen Büchern“ ein Problem.

Natürlich gibt es Bücher, die so unglaublich sind, dass sie ihren Platz auf dem zeitlosen Altar literarischer Anbetung verdient haben. Meiner Meinung nach stehen viele Bücher aber nur dort, weil eine lange Tradition von Elitemitgliedern einander – und uns – immer wieder versichert, wie bedeutend „diese Bücher“ (sie hat es schon wieder gesagt!) doch seien. Uns wird also eine Vorauswahl serviert, auf die wir herzlich wenig Einfluss haben.

Eigentlich sind „diese Bücher“ der kleinste gemeinsame Nenner der sogenannten „Bildungselite“ … und mal im Ernst, was die so denken, ist nicht unbedingt repräsentativ.

Inzwischen verbringe ich sehr viel Zeit damit, die Bücher zu lesen, die mir von Leuten empfohlen werden, deren Geschmack ich vertraue. Und ob das dann „Klassiker“ sind oder aktuelle Bestseller oder kleine, auf Eichenblättern handgedruckte Mikroliteratur (und jetzt möchte ich so etwas unbedingt einmal basteln, die Götter mögen mir beistehen!), ist nebensächlich. Wenn eine*r meiner Buchspezialist*innen sagt: „Hier, dieses Buch ist toll, weil …“, schaue ich mir das Buch an. Und wenn es dann nicht ganz furchtbar aussieht, lese ich es auch. Oder versuche es wenigstens.

Das bedeutet natürlich, dass ich auf den ganzen elitären Cocktailparties der gehobenen Klasse nie meine pointierte Meinung über „Krieg und Frieden“ kundtun kann.

Aber ich habe viel mehr Spaß beim Lesen. Und darauf kommt es letztendlich an, nicht wahr?

Tagesrituale

Berggipfel bis zum Horizont, Sonnenaufgang, im Vordergrund steht eine Person mit dem Rücken zum Fotograf in der Yoga-Pose "Baum" auf einem Gipel.
Bild von Eneko Uruñuela, gefunden auf Unsplash

Zu einem guten Leben gehört ein guter Alltag mit guten Gewohnheiten – sozusagen Ritualen. Und da ich mich bemühe, gut zu leben, neige ich dazu, mich mit alle den Dingen zu stressen, die man eigentlich für ein gutes Leben tun sollte: Genug schlafen, Wasser trinken, Sport treiben, entspannen, Selbstgekochtes essen, sich kreativ betätigen, … – und weil ich zur Übertreibung neige, arten diese Dinge immer wieder in Stress aus. Dabei ist es eigentlich ganz leicht: Ein gutes Leben ist es, wenn man einen weg findet, so zu leben, dass man sich körperlich und geistig gut fühlt.

Für mich gehört dazu, ausreichend zu schlafen. Meine Zu-Bett-geh-Zeit verteidige ich wie ein mittelfauler Löwe. Und es wirkt – wenn ich sie während der Woche einhalte, muss ich am Wochenende nicht „nachschlafen“ und habe mehr Zeit, die Dinge zu tun, die ich tun möchte. Für mich sind sieben bis acht Stunden ideal. Das heißt natürlich, dass ich an Wochentagen wenig außer der Reihe mache. Schließlich wollen Büro, Haushalt, Schreiben und eben Schlaf miteinander koordiniert werden. Da ist nicht viel Zeit für andere Hobbies, und wenn doch …

… kommen wir direkt zum nächsten Punkt: Sport. Fürs Laufen ist es momentan draußen meistens zu „bäh!“, und jetzt im Ernst: In der Siedlung macht es auch wirklich nur halb soviel Spaß. Trotzdem bemühe ich mich, jeden Tag ein wenig was für meinen Körper zu tun. Beispielsweise (ihr dürft lachen) probiere ich im Moment Yoga aus. Pilates war ja schon nicht mein Ding, und das hier ist fast das gleiche, nur mit Atmen. Aber es gibt Apps. Wenigstens muss ich also mit niemandem reden. Ansonsten gehe ich spazieren oder – jetzt, wo es wieder heller wird – auch laufen.

Und wenn das nicht hilft, meine Laune auszugleichen, bleibt immer noch Meditation. Die Zeit nehme ich mir seltener, als ich sollte, aber ich weiß: Wenn ich in Zeiten meditiere, in denen ich es nicht brauche, fällt es mir in Zeiten, in denen ich es brauche, leichter.

Weiter reicht mein persönlicher Ehrgeiz im Moment nicht. Wenn der Frühling kommt und wir mehr Sonnenlicht haben, lege ich mir vielleicht noch das eine oder andere wertvolle Hobby zu, aber für den Moment wird das reichen. Soll ja auch alles nicht in Stress ausarten, das wäre kein gutes Leben.

Schon ärgerlich …

… wenn man erst am Ende des Arbeitstags (und ja, manchmal ist auch der Sonntag ein Arbeitstag) merkt, dass man sich eine Menge Ärger hätte sparen können – wenn man am Anfnag nur einmal genau hingeschaut hätte. Leider habe ich das nicht, und so habe ich das heutige Kapitel für meine Hörbuch-Patrons mit den verkehrten Mikrofon-Einstellungen aufgenommen. Hoffen wir mal, dass ich aus meinen Fehlern lerne.

Es ist schon ziemlich frustrierend, so komplett neu auf einem Gebiet zu sein. Und es hilft mir nicht besonders, zu wissen, dass es anderen Anfängern genau so geht. Ich erwarte immer, dass Dinge für mich einfach sein sollten. Schließlich bin ich doch klug! Dabei ist mir natürlich klar, dass Klugheit nicht bedeutet, dass einem alles über Nacht ins Gehirn fliegt. Aber enttäuschend ist es schon.

Na ja, vielleicht lerne ich ja draus und mache es nächste Woche besser. ^^

Was dem einen sein Bullet Journal, ist der anderen … der Kalender?

Dunkler Hintergrund, darauf ein Kalender mit geometrischem Muster in Kupfer- und Erdtönen mit blauen Akzenten. Am Rand klemmt in einer Stoffschlaufe ein pinkfarbener Kugelschreiber.
In einem Anflug von Optimismus habe ich für dieses Jahr die nächstgrößere Größe bestellt.

Viele meiner Freund*innen schwärmen (nicht erst seit gestern) von ihren Bullet Journals. Und ich konnte das irgendwie nie ganz nachvollziehen. Wie sollte etwas, das von den Leuten, die ich kannte, mit soooviel Liebe und Aufwand verziert wurde, einem helfen, Zeit zu sparen? Für mich klang das immer eher nach einem Hobby.

So richtig organisiert bin ich auch nicht – ich vergesse leicht Dinge, bin oft ein wenig verzettelt und brauche Erinnerungen für ALLES. Die piepsende Dinger im Telefon mag ich nicht. Wenn ich die wegdrücke, tauchen die nie wieder auf, das ist noch schlimmer als Haftnotizen. Haftnotizen findet man wenigstens ab und zu unter dem eigenen Schuh wieder, wo sie auch nicht hingehören.

Wie schaffe ich es also, eine funktionierende Erwachsene vorzutäuschen?

Mit einem Kalender. Dieses System hat sich seit meiner Schulzeit bewährt.

Am liebsten sind mir Kalender, in denen jede Woche etwas zusätzliche Zeit für Notizen gelassen wird. So sieht beispielsweise eine Seite aus meinem aktuellen Kalender (aus dem Korsch Verlag – die benutze ich seit einigen Jahren, sie sind übersichtlich, stabil und in vielen Größen und hübschen Designs erhältlich):

Bild um 90° gedreht: Eine noch unbeschriftete Doppelseite des Kalenders (25.01. - 31.01.). Links eine breite Zeile je Tag, rechts eine linierte Seite für Notizen.
Keine Ahnung, warum das hochkant angezeigt wird. Orr.

Früher hatte ich Kalender mit mehr Platz je Tag, als ich noch Hausaufgaben, Stundenpläne etc. eingetragen habe. Inzwischen sind meine Tage recht gleichförmig, also reicht mir das vollkommen aus. Und ich habe auch ein Notizsystem, das ich euch im Folgenden exemplarisch darstellen möchte:

Die gleiche Doppelseite, jetzt beschriftet und bekritzelt: ein bis zwei Einträge je Tag, entweder durchgestrichen oder durchgekrakelt; auf der Notizseite 16 größtenteils durchgestrichene Einträge.
Ja, das ist eine normale Corona-Woche.

Alles, was glatt durchgestrichen ist, habe ich erledigt.

Alles, was mit Zickzacklinien durchgekrakelt ist, ist ausgefallen.

Das, was nicht weggestrichen ist, wird in die nächste Woche übertragen.

Wenn ihr euch mit Bullet Journals auskennt, kennt ihr dieses System vielleicht. Man könnte sagen, ich hatte schon ein minimalistisches Bullet Journal, ehe es cool wurde. Nur für den Kram mit Verhübschen und so habe ich leider keine Zeit. Aber um den Überblick zu behalten, ist das hier mal so richtig grandios.

(Noch ein sehr aktueller Pluspunkt: Sollten der Mann oder ich uns mit dem garstigen Virus anstecken, kann ich anhand meines Kalenders detailliert nachvollziehen, wann und wo wir in den Tagen vor dem Testergebnis waren, denn seine Termine notiere ich mir natürlich auch.)

(Der Mann führt einen digitalen Kalender, das wär nichts für mich. Ich mag das Gefühl des Durchstreichens, da kommt ein Anklicken einfach nicht mit.)

(Und ehe jemand sich sorgt: Wenn ihr das lesen könnt, was ich aufgeschrieben habe – das meiste sind entweder Zwangstermine (einkaufen) oder digitale Veranstaltungen. Auch da will man natürlich nicht zu spät kommen. ^^)

Das Gesicht hinter den Büchern

Wie ihr wisst, sind Autor_innen meistens eher schüchtern. Wir wollen, dass ihr unsere Geschichten lest, uns mit Lob und Schokolade überhäuft, uns vielleicht mal einen Kaffee schickt und uns sonst nie direkt ansprecht. Das Risiko, wenn man sich einer Autorin überraschend nähert, besteht durchaus, dass sie einfach in Schockstarre fällt und den restlichen Tag nur noch Unsinn von sich gibt.

Da kann man nicht viel gegen tun. Aber ab und zu muss man doch hinaus. Für Lesungen, für Buchmessen – also, irgendwann, offensichtlich nicht dieses Jahr – und die Entgegennahme diverser Preise. Und weil ich finde, dass das durchaus mehr geübt werden dürfte, überlege ich gerade, mich gelegentlich experimentell vor die Kamera zu setzen und für euch zu lesen. Das Ganze muss dann noch verhübscht und semiprofessionalisiert werden, und vielleicht macht mir das so wenig Spaß, dass ich das alles in einem halben Jahr wieder einstampfe, aber haltet mal die Augen offen … vielleicht gibt es demnächst videolastige Neuigkeiten. Als sei wenigstens diese Autorin im zwanzigsten Jahrhundert angekommen. ^^

Symbole in Geschichten

Geometrisches Muster in Flieder, Lachs und Dunkelrot, in der Mitte eine Türkise Fläche mit einer Neonleuchtschrift: "This must be the place".
Foto von Tim Mossholder, gefunden auf Unsplash

Wenn man überlegt, wie man seinen Geschichten gut Tiefe verleihen könne, stößt man in Ratgebern oder auch im Internet schnell auf einen bestimmten Tipp: Verwende Symbole.

Symbole sind Dinge, die etwas Bestimmtes anderes bedeuten. Schrift besteht aus Symbolen. Das Kreuz im Christentum (oder dieser eine Fisch) sind Symbole. Das Hakenkreuz ist ein Symbol.

Beim Schreiben sollte man vielleicht ein wenig subtiler vorgehen – keine Fische oder Halbmonde auf die Seiten drucken! (Wobei, warum eigentlich nicht … ? Na gut, Buchgestaltung ist ein anderes Thema.) Aber natürlich kann man in seine Geschichten bestimmte Symbole einbauen, die sich dem Leser beim genauen Hinlesen erschließen und der Geschichte zusätzliche Dimensionen verleihen.

Ich erinnere mich noch an meine Schulzeit (damals war alles schwarzweiß!), als wir im Englisch-Unterricht Kurzgeschichten schreiben sollten. Unser Lehrer hatte gewisse literarische Ideen und Ambitionen für uns, wir lasen und besprachen diverse Geschichten und analysierten sie auch, so gut Oberstufenschüler*innen das eben können. Und eine Freundin war sehr überfordert mit der Aufgabe, ihre eigene Geschichte zu schreiben – bis ihr im Unterricht gratuliert wurde dafür, wie schön sie den weißen Schnee als Symbol für Unschuld eingebaut habe. „Wow, ich hatte sogar ein Symbol!“

Jetzt ist es so, dass man als Autor*in eine gewisse Kontrolle über die eigenen Geschichten haben sollte. Man fällt idealerweise nicht zufällig von einem Handwerkstopf in den nächsten. Stattdessen überlegt man sich genau, was man wie sagen will, ob man etwas hier oder lieber erst da andeutet und wie subtil man charakterisieren kann, ohne den Leser komplett im Dunkeln tappen zu lassen.

Allerdings sollte man sich auch nicht der Angst vor der Literaturanalyse komplett ausliefern. Manchmal ist eine blaue Tür nur eine blaue Tür. Manchmal ist die Tür blau, weil das böse Hexen abhalten soll.

Und da kommen wir zu einem weiteren interessanten Punkt: Viele Symbole speisen sich aus der Kultur, in der wir aufgewachsen sind. Ist weiß die Farbe der Unschuld oder des Todes? Ist die Sonne gütig oder vernichtend? Geht von Wasser eine Bedrohung aus oder rettet es Leben? Sind Füchse schlau oder verschlagen? Woran erkennt man Hexen oder Dämonen?

Solcher Unsicherheiten wird man sich oft erst bewusst, wenn man Geschichten liest, die in anderen Kulturen spielen. Ist es wichtig, dass die Figuren in genau dieses Viertel in Tokio gehen? Wenn es heißt, die Hütte hat ein spitzes Dach, soll mir das etwas sagen? Einer guten Geschichte kann man oft auch folgen, ohne jedes Symbol und jede kulturelle Anspielung zu verstehen, aber der Genuss wächst mit dem Verständnis.

Wenn man eine Geschichte dann auch noch in einer phantastischen Welt spielen lässt, wird es noch ein wenig komplizierter. Denn Symbole entstehen aus der Kultur heraus, und wer sich eigene Religionen, Städte, Ständesysteme und Länder ausdenkt, kann dann natürlich nicht plötzlich Kirchtürme als Symbol für drohendes Unheil verwenden oder Weihnachtsbäume in die Häuser stellen. Für eine Seefahrergemeinde haben Möwen eine andere Bedeutung als für den Heiligen Kult der Autowäscher. Und ob eine schwarze Katze Pech bringt …

Und dann gibt es noch die Symbole, die nicht universell gelten, sondern für diese eine Geschichte oder diesen einen Charakter eine Bedeutung haben: Die Melodie des Schlaflieds, das die Großmutter immer gesungen hat, das Lieblingssandwich, das Schmuckstück der bösen Stiefmutter, ein bestimmter Edelstein, dieser unheimliche gelbe Vogel, …

Ihr seht, man kann sich viel den Kopf zerbrechen. Letztendlich sind Symbole aber nur das Sahnehäubchen. In erster Linie sollte man eine gute Geschichte schreiben.