ROMANCE ISN’T DEAD*

Oh nein! Ist sie kaputt?

Tja, vielleicht, aber mit diesem Blogbeitrag hat das nichts zu tun.

Oder möglicherweise doch. Denn mein Unterbewusstsein hat mir ein Problem verpasst: Mein nächstes Manuskript wird ROMANTISCH!

Ich weiß, was ihr jetzt sagt. Man soll nur über das schreiben, womit man sich auskennt. Und an den meisten Tagen beschränkt meine romantische Ader sich darauf, dass ich ohne (lautes) Murren getragene Socken einsammle und Abends trotzdem noch meine Schokolade mit dem Mann teile. Wie soll so jemand in einer Weise über Romantik schreiben, die einen aus den Socken haut?

(Ja, genau nämliche Socken, die man anschließend wieder aufsammeln und waschen muss, für immer und immer und immer … )

Falls es euch tröstet: Ich versuche es gar nicht erst. Oder wenigstens nicht auf die Weise, die ein rosa Cover mit Blütenblättern und aquarell-Scherenschnitten oder mysteriöse Frauenaugen und einen unbekleideten Bad Boy verlangt. Stattdessen schreibe ich – wenigstens ist das so geplant, ich bin erst wenige tausend Worte im Plot drin – über Langzeitbeziehungen und Missverständnisse und darüber, wie man unterschiedliche Lebenspläne miteinander kombiniert, so dass niemand zu kurz kommt.

Und nur, damit es nicht zu langweilig wird, wird der Bonner Personennahverkehr das Tor zur Hölle.

(Wer regelmäßig damit fährt, weiß, dass das noch nicht der fantastische Teil meiner ERzählung wird. Aber mehr möchte ich euch an dieser Stelle noch nicht verraten – nicht weil ich Angst hätte, dass jemand von euch meine grandiosen Plot-Ideen stiehlt, sondern weil eine Geschichte selten so endet, wie ich die Planung begonnen habe, und mein Erfolgsgeheimnis besteht darin, am Ende so zu tun, als sei das alles genau so gelaufen, wie ich wollte.)

 

* Der Titel ist übrigens eine Anspielung auf Oscar Wilde, der einen Feuerwerkskörper in einem Märchen sagen lässt: „Romance is dead“ – ich liebe Oscar Wilde.

Was ich von meiner schlechtesten Rezension gelernt habe

Am 23.06.2014 schrieb eine unzufriedene Amazon-Kundin über „Allerseelenkinder“:

Bin etwas enttäuscht, es ließ sich recht flüssig lesen, aber spannend war anders. Ich empfand das Buch teilweise sogar als billigen Abklatsch von Harry Potter. Hier ist noch reichlich Luft nach oben.

Serviert wurde das ganze mit zwei Sternen. Jetzt könnt ihr euch vielleicht vorstellen, dass Autor*Innen es nicht besonders zu schätzen wissen, wenn man ihr „Baby“ als hässlich bezeichnet. Und nichts anderes ist eine schlechte Rezension für unsere Eitelkeit – ich bin da gar keine Ausnahme.

Seitdem habe ich noch einige andere schlechte Bewertungen für meine Geschichten kassiert, aber das hier war die erste, deswegen ist sie mir im Gedächtnis geblieben. Lange habe ich mich über den Harry-Potter-Vergleich empört: Wenn ich schon ein Abklatsch bin, dann doch bitte einer von richtigen Urban-Fantasy-Romanen und nicht von einer klassischen britischen Internatsgeschichte mit Zauberbesen!

Auf lange Sicht habe ich durch diese Rezension jedoch etwas ziemlich Wichtiges gelernt: Ich kann nicht beeinflussen, von wo ich meine Leser*Innen abhole. Es liegt kein Stück in meiner Macht, was sie vorher gelesen haben, welche Erfahrung sie mit ähnlichen Büchern gemacht haben und vor allem: WIE SIE LESEN, WAS ICH GESCHRIEBEN HABE.

Habe ich meine Arbeit gut gemacht, dann können diejenigen, die meine Geschichten lesen, ungefähr nachvollziehen, was in meinem Kopf vorging. Aber es gibt soooo viele Stolperfallen: Ein Symbol kann aufgrund subjektiver Erfahrungen oder unterschiedlicher kultureller Hintergründe komplett unterschiedlich gelesen werden. Eine Formulierung ist vielleicht missverständlich. Eine Anspielung wird eventuell nicht verstanden, weil der*die Leser*In das Material, auf das Bezug genommen wird, nicht kennt. Ach, das sind nur die Probleme, die mir spontan einfallen. Bestimmt gibt es noch tonnenweise weitere Stolperfallen. Zu subtil geschrieben? Oder vielleicht doch zu viele Andeutungen?

Das einzige, was ich als Autorin leisten kann: Ich kann versuchen, die bestmögliche Geschichte zu erzählen, und konstant daran arbeiten, mein Handwerkszeug zu verbessern. Was die Leser*Innen dann damit machen, wenn die Geschichte erst einmal in der Welt ist, darauf habe ich keinen Einfluss mehr.

Eine neue Geschichte ist wie ein neues Leben

Angeblich gibt es Autor*Innen, die auf Anhieb ihren ultimativen Text nennen können. Den Text, der all ihr „Schreib-Sein“ enthält. Ihr verwöhntes Lieblingskind, sozusagen.

Zu dieser Gruppe gehöre ich definitiv nicht.

Meine Lieblingsgeschichte ist IMMER diejenige, an der ich als nächstes arbeite. Jede neue Idee, für die ich noch keine Zeit habe, ist garantiert der tollste Text der Welt, die grandioseste Geschichte, die es je geben wird, und überhaupt ganz wunderbar.

Die Geschichte, die ich gerade fertig überarbeitet habe, kann ich garantiert nicht mehr sehen. (Und dann noch einen Durchgang!)

Das klingt jetzt ein wenig so, als seien meine fertigen Bücher so etwas wie verflossene fiktive Romanzen, aber so schlimm ist es nicht. Ich brauche nur ein wenig Abstand. Schließlich weiß ich ganz genau, was ich an jeder Geschichte so besonders fand, dass ich sie unbedingt schreiben musste. Ich kenne üblicherweise auch ihre Schwächen und ahne wenigstens, was ich falsch gemacht habe (schielt hinüber zu „Lilienschwester“, das wegen schreiberischer Ungeduld nie eine echte Chance hatte). Wenn ich also nach einer Weile meine eigenen Geschichten noch einmal lese, freue ich mich immer wieder über die gelungenen Momente, und über die weniger gelungenen verdrehe ich eben die Augen – wie eine Mutter angesichts der Eskapaden ihrer erwachsenen Kinder.

Ich weiß, es gibt Autor*Innen, die immer wieder ihre eigenen Geschichten überarbeiten und verbessern. Goethe war so einer, von dem habt ihr bestimmt schon gehört. Allerdings versuche ich, die Überarbeitungen auf ein Minimum zu reduzieren. Tippfehler ausbügeln, fiese Wortwiederholungen oder Fehlformulierungen entfernen. Viel mehr mache ich im Text nicht, auch wenn es möglich wäre. Denn alle Zeit, die ich auf diese Verbesserungen verwenden würde, würde mir für neue Geschichten fehlen.

Wahrscheinlich bin ich ein „Allem Anfang wohnt ein Zauber inne“-Junkie. Meine einzige Hoffnung auf bessere Geschichten sind langfristig wohl bessere erste Entwürfe, aber das kann noch einen Moment dauern. ^^

(Und falls es euch interessiert: Gerade jetzt bin ich verliebt in eine Geschichte, die Romantik und Dämonen enthält. Es wird episch!)

Nach der Geschichte ist vor der Geschichte!

Auf anderen Plattformen habt ihr es vielleicht schon mitbekommen – pünktlich am 30.06.2019, wie geplant, habe ich den ersten Entwurf meines SciFi-Manuskripts beendet.IMG_2615

Es ist noch kein schönes Manuskript, das ist mir klar.

Es ist auch noch nicht besonders scifi-esk.

Und die Charaktere tun noch nicht so richtig, was sie sollen – oder sie tun es aus den falschen Gründen.

Baustellen über Baustellen. Aber wisst ihr was? Ein schlechtes Manuskript kann man überarbeiten – wenn man es erst einmal geschrieben hat.

Auf jeden Fall war feiern angesagt. Da bin ich ganz wild.

Zuerst einmal habe ich das Notebook zugeklappt.

Dann habe ich den restlichen Tag auf dem Sofa gelegen.

Also, nicht nur. Zwischendrin brauchte mein Finanzamt ein paar weitere Unterlagen von mir, das habe ich schnell fertiggemacht. Buchhaltung gehört ja zu meinen großen Lebens-Albträumen.

Aber gefeiert habe ich, so richtig. Und mich belohnt. Mit neuer Buchhaltungssoftware.

(Ihr merkt schon, ihr habt es hier mit einer richtigen Dekadenzmaus zu tun!)

Zugegeben, ein kleines Andenken habe ich mir auch gegönnt – einen Anhänger aus Büffelknochen. Ich mag Schmuck aus nachwachsenden Materialien: Knochen, Holz, Leder, Federn, Garn, Papier.

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, die wilde Feier.

Um ehrlich zu sein, ich war zu müde. Also Sofa, ein wenig Sonne, mehr Sofa.

Und am 01.07. ging es mit dem nächsten Manuskript weiter. Aber da bin ich abends unfreiwillig eskaliert, ich musste nämlich bei einer Freundin einen neuen Gin-Cocktail ausprobieren.

„Aber nur einen!“

Allerdings waren wir mit dem Mischverhältnis nicht ganz so zufrieden, und dann … Sagen wir so, ich habe Richard dann später gebeten, mich abzuholen. Nachdem ich dem Freund dieser Freundin im Detail meine feministischen Ideen und die Grundidee für das feministische Theaterstück, das besagte Freundin und ich auf die Bühne bringen wollen, erklärt habe.

Tja, das war so alles nicht geplant. ^^

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Das war der Lesemarathon in Wülfrath

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Zuerst beruhige ich euch mal – nein, die Schule am Berg ist nicht verbogen, und ihr müsst euch um die Statik nicht sorgen. So ein Panorama bietet allerdings einen schönen Überblick über ein nettes Event.

Die Fakten: Es waren insgesamt etwa 60 Autoren und Verlage vor Ort, gelesen wurde von 09:00 bis 18:00 in vier Räumen in 30-Minuten-Intervallen. Beim Lesemarathon handelt es sich um eine Benefiz-Veranstaltung zugunsten von Kids On Tour, der auch im nächsten Jahr wieder stattfinden soll.

Die Eindrücke: Es war gemütlich und ruhig, die Stimmung war durch die Bank gut. Glücklicherweise hatte ich in Jasmin Jülicher eine hinreißende Tischnachbarin, mit der ich abwegige Marketingideen austauschen konnte (Bier für 15 Euro das Glas, und es gibt ein Gratisbuch dazu? Vielleicht eher nicht. Andererseits … )

Gelesen habe ich auch, wenn auch vor einem eher intimen Publikum. Allerdings freue ich mich ja über jeden, der sich für Andrea und Bob oder für Helenas Abenteuer in Bonn interessiert.

Das war dann allerdings für die nähere Zukunft wohl mein letzter Messe-Auftritt. Ich habe im Juli eine Lesung auf der FeenCon, aber einen eigenen Tisch werde ich wohl das nächste Mal erst wieder belegen, wenn ich ein neues Buch für euch im Schlepptau habe – und das wird voraussichtlich bis 2021 dauern (tut mir leid, aber Edits müssen sein!). Natürlich tauche ich dafür gelegentlich als Privatperson und Leserin auf, die dann andere Autoren stalkt und sich Autogramme und Fanfotos erschleicht.

Und natürlich, ehe ihr es vergesst: Am 27.06.2019 könnt ihr mich ab etwa 19:30 h im Wonnetörtchen in Bonn live erleben. Wenn alles gut läuft (ha, wann tut es das schonmal?) bringe ich sogar exklusiv ein winziges neues Tentakel-Abenteuer mit, das könnt ihr dann dort als erste hören.

NACHTRAG: Die liebe Jennifer Hilgert hat mir noch ein Beweisfoto überlassen. Inklusive quasi-fliegendem Tentakelmonster.

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Kleine und große Träume

Als ich klein war – also so richtig klein – hatte ich ultralangweilige Zukunftsträume. Ich wollte drei Kinder, einen großen Garten und einen Hund. Dass man für Kinder einen Mann braucht und ein Garten Arbeit macht, war mir irgendwie nicht bewusst. Wahrscheinlich habe ich nicht groß drüber nachgedacht, was das wirklich bedeutet, sondern einfach nur ein Stereotypen-Puzzle zum Thema „Erwachsen sein“ gebastelt.

Später wurde es dann etwas konkreter. Ich wollte zu verschiedenen Zeiten LKW-Fahrerin, Tierärztin, natürlich auch mal Rockstar sein (dabei bin ich unglaublich schüchtern!). Bibliothekarin hätte ich cool gefunden. Autorin tauchte immer mal wieder auf und ging eigentlich nie so wirklich weg. Psychologin hätte ich mir spannend vorgestellt, Köchin, Piratin oder auch Übersetzerin.

Das mit den LKW ist in erster Linie daran gescheitert, dass mein Vater mir mit Enterbung gedroht hat für den Fall, dass ich den LKW-Führerschein mache. Da er selbst LKW-Fahrer war, bis er in Rente ging, gibt es bei uns nicht viel zu erben, aber die Drohung hat mich vom Ernst der Lage überzeugt.

Die Tierärztin habe ich mir wegen der ganzen Tierbesitzer aus dem Kopf geschlagen, zu denen man nett sein muss, weil sie einen bezahlen – egal, wie dumm sie sich anstellen und wie schlecht es ihren Tieren dadurch geht.

Piratin war irgendwie aus der Mode, als ich in die Oberstufe kam, außerdem werde ich gelegentlich seekrank. Und wisst ihr, wie schrecklich die Arbeitszeiten für Köche sind? Dann lieber doch nicht.

Dann wird sie eben Rockstar – ähm, eher nicht. Ziemlich schüchtern. Kann nicht tanzen. Singt passabel, hat aber sonst keine Ahnung von Musik. Der Drang ins Rampenlicht ist weniger ausgeprägt. Keine Ahnung, warum ich mal meinte, das sei ein toller Job.

Das Psychologiestudium halte ich immer noch in der Hinterhand. Nach dem Abi war ich überzeugt, die ganzen Disziplinen wie Statistik etc. nicht zu wuppen. Inzwischen denke ich mir: Ach was, ich bin doch schlau! Vielleicht mache ich das später mal aus Spaß.

Und zur Bibliothekarin hat es mich nicht getrieben, weil es da schon vor zwanzig Jahren hieß, die Berufsaussichten seien eher schlecht, und auf X stellen kämen XX Bewerber. Heute denke ich mir natürlich, ich hätte es trotzdem probieren können.

Wenigstens Übersetzerin bin ich geworden. Auch da – Unkenrufe seit Jahren. Computerübersetzungen würden den Markt aufräumen. Habt ihr mal Google Translate o.ä. benutzt? Ganz im Ernst … noch ist mein Job sicher.

Und Autorin bin ich ja irgendwie auch. Mal im Ernst: Ich kann nicht meckern.

Wir haben es MAL WIEDER getan – ein Beste-Freundinnen-Kurzurlaub!

Bilder sagen mehr als tausend Worte, deswegen habe ich heute (nicht ganz) tausend Bilder für euch. Denn wir waren in Scheveningen. Eigentlich war ja Stockholm geplant, aber dann war weniger Zeit als gedacht, und dann haben wir das nächstbeste gemacht und uns eben amüsiert. Doch seht selbst

Nachdem wir unsere Wohnung in Besitz genommen hatten, haben wir uns erst einmal zu Fuß ein wenig die Gegend angeschaut – sind zum Strand hoch, bis zum Hafen und dann wieder ins Land spaziert.

Am nächsten Morgen ging es zum angeblich größten Straßenmarkt Europas, dem Haagse Markt. Unterwegs sahen wir viele hübsche Häuser und tatsächlich sogar Schafe. Und habt ihr schon einmal frische heiße Stroopwaffels gegessen? Yum!

Da es hieß, das Wetter solle fies bleiben, hatten wir danach einige Museumsbesuche geplant. Auf jedem Trip haben wir uns bislang gegruselt, also ging es einmal in das (dem Katalog zufolge) älteste Gefängnisgebäude der Niederlande. Es gab eine Rabattkarte, mit der man vergünstigten Eintritt für fünf Museen bekommen konnte, da haben wir natürlich zugeschlagen. Direkt neben dem Gefängnismuseum war die Prinz-Wilhelm-Galerie mit etlichen interessanten Bildern.

Auch das historische Museum war in diesem Pass enthalten – die Puppenhauskollektion unter dem Dach ist unbedingt sehenswert!

Der restliche Samstag verging mit Essen, Sightseeing und später Cocktails in der Nähe unserer Wohnung. Merke: Bloody Mary mit Mezcal schmeckt ziemlich hammer.

Sonntag wollten wir eigentlich nur an den Strand, aber auch da sind wir unterwegs beim Sightseeing (inklusive Street Food Festival und Antiquitätenmarkt) hängengeblieben – und im …

… Escher-Museum! Aber danach war es endlich soweit, mit Hilfe der Öffis ging es an den Strand. Seht selbst:

Es war nicht gerade warm, aber schön sonnig, also sind wir von einer Futterstelle zur nächsten gewandert, haben die Füße ins Wasser gehängt, dann den Hintern in den Sand gepflanzt, ein wenig Sonne genossen, die Leute beobachtet.

Und zum Abschluss gab es ein besonderes Schmankerl:

… einen zweistündigen geführten Ausritt durch die Dünen und über den Strand. Das hatten wir vorab reserviert, und ich bin ja ein wenig neurotisch, was die Planung angeht. Hat aber alles hervorragend funktioniert, und wir sind – zur allgemeinen Überraschung – nicht einmal vom Pony geplumpst. Gute Ponys.

Montag war der Heimweg angesagt, aber wir superspontanen Menschen sind einen kleinen Umweg über Delft gefahren – ein hinreißender Ort mit vielen kleinen Sehenswürdigkeiten und einem tollen Schokoladencafé. Leider war unsere Zeit durch die noch zurückzulegenden Kilometer ein wenig begrenzt, aber wir haben es trotzdem genossen.

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Tja, und so sehe ich am Morgen danach aus. Ein wenig müde, aber sehr zufrieden. Ohrringe und Kleid sind kleine Andenken aus Delft – ich bin quasi das *räusper* Mädchen *räusper* mit den „Mädchen mit dem Perlenohrring“-Ohrringen. Es ist verwirrend.

So etwas machen wir bald wieder.

 

 

Du sollst keine Idole neben mir haben

Wusstet ihr eigentlich, dass Berühmtheiten auch Menschen sind?

o.o

Echt! Manche bohren sogar in der Nase. (Eigentlich fast alle, möchte ich meinen, wenn ich an der Ampel so in die wartenden Autos reinschaue.)

Früher hat man das ja gar nicht so mitbekommen. Also, das In-der-Nase-Bohren vielleicht schon, Autos hatten ja immer schon Fenster. Ist beim Fahren auch praktisch, das Rausgucken. Aber das mit den Prominenten-Nasen?

Früher gab es Klatschblätter und gelegentliche „Home Stories“. Stars waren Stars und blieben geheimnisvoll, exotisch, glamourös.

Heute gibt es das Internet. Alle möglichen und unmöglichen Fotos sind jederzeit überall schnell zu finden. Aber nicht nur das – eure Idole haben alle nur erdenklichen Möglichkeiten, sich schnell und für die Nachwelt leicht nachvollziehbar zum Narren zu machen.

Bestes Beispiel: Twitter. Wieviel Schaden kann man in 280 Zeichen schon anrichten? Fragt Elon Musk. Oder Donald Trump. Immer wieder unterhaltsam. Und auch wenn man schnell zur Besinnung kommt und seine Dummheiten wieder löscht – so ganz weg sind die nie. Vertraut mir.

Instagram und Facebook funktionieren da ganz ähnlich. Und wie hieß noch gleich diese Mid-Prominente, die im Sportstudio Fotos einer fremden Frau machte und sie auf Snapchat postete? Ja, solche Geschichten sind für die Ewigkeit. Sogar bei Snapchat.

Ich bin persönlich ja schon froh, dass meine jugendlichen Dummheiten und Teenage-Dramen noch überwiegend offline stattfanden. Mein erstes (und zweites und drittes) Handy konnte gar kein Internet, und SMS kosteten 49 Pfennig, wenn ich mich richtig erinnere.

Und für den Fall, dass ich reich und berühmt werde, habe ich auch schon eine Strategie: Ich poste alle Peinlichkeiten einfach selbst und bleibe so immer eine „Frau des Volks“. Und falls ihr mich mal im Auto an der Ampel warten seht – ich bohre nicht in der Nase. Ich justiere mein Gehirn.

Heimaturlaub für Lesende

Es gibt bestimmte Orte, da fährt man immer wieder gerne hin und freut sich das ganze Jahr über auf den Moment, wenn man endlich wieder an „seinem“ perfekten Urlaubsort ist.

Manche Bücher sind genauso – man kann sie immer wieder aufschlagen und ist sofort hin und weg, in einer vertrauten und immer wieder spannenden Welt. Wenn man diese Bücher zu unterschiedlichen Lebenszeiten liest, entdeckt man immer wieder neue Details, die plötzlich an Bedeutung gewinnen, und verliebt sich im besten Fall jedes Mal ein wenig mehr.

Eines dieser Bücher ist für mich (nicht das schon wieder!) „American Gods“ von Neil Gaiman. „Stardust“ (deutsch „Der Sternwanderer“) ist ein zweites. Und natürlich, obwohl für mich eher untypisch: „The Time Traveller’s Wife“. Ich bin nicht für Romantik. Außer in diesem einen Fall. Es ist merkwürdig. Ich liebe dieses Buch. Und dann gibt es die Kindheitsschätze, beispielsweise „Die unendliche Geschichte“, davon haben wir sogar das Brettspiel im Regal stehen (und ich gebe es nicht weg). „Haifischfrauen“ von Kiana Davenport, „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabriel García Marquez. Wunderschöne Bücher, die ich gerne immer wieder besuche.

Manchmal kommt man aber auch nach vielen Jahren an einem Ort an, an dem man früher gerne Urlaub gemacht hat, und stellt fest, dass sich irgendwas verändert hat. Die Atmosphäre ist nicht mehr magisch, sondern bedrückend. Es gibt zuviel Asphalt, zu wenig Bäume, und die verwunschene Ruine sieht auf einmal nur marode aus. Vielleicht versucht man noch für ein paar Tage, den alten Zauber wiederzubeleben, aber es ist für gewöhnlich sinnlos. Zurück bleibt die Hoffnung, dass diese Entzauberung die alten Erinnerungen nicht verderben konnte.

Auch solche Bücher habe ich. „Die Nebel von Avalon“ gehört dazu. Früher eines meiner Lieblingsbücher, heute … geht nicht mehr. Tut mir leid, es ist schade drum. „Die Tochter der Wälder“ von Juliet Marillier und „Winterrose“ von Patricia A. McKillip gehören ebenfalls dazu, und „Die Geisha“ von Arthur Golden. Ich erinnere mich noch gut an die Begeisterung beim ersten Lesen, kann sie aber heute nicht wieder hervorrufen.

Manche Bücher kenne ich noch nicht so lange und hoffe natürlich, dass sie sich auch zu „Traumurlaubsbüchern“ entwickeln. Aber so richtig sicher kann man das nie vorhersagen. Woher sollte ich auch jetzt schon wissen, was für eine Leserin ich in zehn oder dreißig Jahren sein werde?

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Die Geschichte eines Autogramms und einer Freundschaft

IMG_2246Es ist schon ein paar Jahre her. Neil Gaiman, einer meiner absoluten literarischen Helden, kam nach Deutschland. Nach Hamburg, um genau zu sein. Und ich konnte nicht hin. Keine Ahnung, warum das so war, aber ich jammerte auf jeden Fall lautstark. Zuhause, vor Freunden und natürlich auch online. Twitter war das Mittel meiner Wahl.

Und irgendwie war Twitter damals noch freundlicher, oder vielleicht war meine Filterblase gemütlicher? Auf jeden Fall tauchte ein mir völlig unbekannter Neil-Gaiman-Fan in meiner Timeline auf und bot mir an, mir ein Autogramm zu besorgen. Sie wolle sowieso hin. Ich machte ihr wilde Versprechungen – unter anderem war von meinem Erstgeborenen und von Kuchen die Rede – und wenige Tage später zog ich tatsächlich dieses wunderschöne Autogramm aus einem Umschlag.

Einmal mehr hatte es sich gelohnt, wildfremden Leuten im Internet meine Adresse zu geben.

Seitdem verbindet mich mit Marian eine Freundschaft, obwohl wir einander noch nie begegnet sind. Sie schreibt prämierte Liebesromane, die mich bestimmt aus den Socken hauen würden, wenn ich eine romantische Ader hätte, versteht viel von Musik und Kunst und wartet immer noch auf ihren Kuchen. Das ist nicht vergessen, ich schwöre! Nur kommen wir irgendwie nie Richtung Hamburg, obwohl der Mann dort auch noch Freunde besuchen muss. Vielleicht kann ich ihn irgendwann mal mit Musicaltickets überraschen?

Und das Autogramm hängt seitdem als heißgeliebter Schatz in unserem Wohnzimmer.