Das „Dazwischen“

Die Zeit zwischen Geschichtenprojekten ist merkwürdig. Ein Moment absoluter Freiheit und Verantwortungslosigkeit, sozusagen. Vorhin habe ich alle Dateien bei CreateSpace hochgeladen und warte jetzt auf die Freigabe, um alles in ein eBook umzuwandeln und in den Verkauf zu bringen. „Knochenblues“ ist fertig. Und was kommt jetzt?

Natürlich weiß ich schon, was als nächstes kommt. „Magie hinter den sieben Bergen“ hat noch drei weitere Geschichten bis zur endgültigen Lösung. Ich habe eine Idee, was da passiert, und einen selbstauferlegten Zeitplan. Aber für diesen kurzen Moment, ehe es mich wieder in den Fingern kribbelt, bin ich komplett frei.

Ein Autor im Endstadium (der Geschichte) ist gruselig, und ich bin da keine Ausnahme. Wenn die letzten Korrekturen anstehen, gehe ich nicht mehr zum Sport. Ich verwende möglichst wenig Zeit auf Haushaltsaufgaben und koche nur das, was für möglichst wenig Zeitaufwand möglichst viele Mahlzeiten produziert. Und, ganz im Vertrauen, heute habe ich den ganzen Tag über meinen geliebten Flanellpyjama getragen. Die hässliche Wahrheit, da habt ihr sie.

Was mache ich also am Ende eines Projekts, ehe das nächste beginnt? Zunächst einmal nehme ich eine heiße Dusche. Dann mache ich mir einen Drink und einen faulen Abend. Und am Morgen danach beginnt dann, seufz, wieder das richtige Leben mit Selbstdisziplin, Verantwortung – und den besten Voraussetzungen für einen neue Story.

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Nach der Lesung – Nachlese

Letzten Sonntag war es endlich so weit – ich durfte meine erste Lesung zu „Andrea die Lüsterne und die lustigen Tentakel des Todes“ halten. Veranstaltungsort war die Brettspielekneipe VOYAGER in Bonn, mit sehr netten, enthusiastischen Leuten, die mir nicht nur umsonst den Raum zur Verfügung gestellt, sondern sich auch vorab und währenddessen großartig um mich (und Bob) gekümmert haben. Unterstützung hatte ich natürlich auch, und zwar zum einen von der einzigartigen echten Andrea, die mir im Vorfeld den grandiosen Styroporbob entworfen und gebastelt hat, und zum anderen von Richard und meiner besten Freundin Stephanie, die mich ein ganzes nervöses Wochenende ertragen mussten und Sonntag Nachmittag schwere Kisten geschleppt haben, ohne sich zu beklagen. Außerdem waren meine Mutter und ihr Mann zur moralischen Unterstützung vor Ort und haben jede Menge Nervennahrung angeschleppt.

Die Lesung selbst war mit fünfundzwanzig Leuten gut besucht – die meisten Zuhörer kannte ich auch im echten Leben. Das ist ein gigantischer Vorteil, denn auf diese Weise müssen sie mich einfach mögen, egal was passiert. Trotzdem war ich erleichtert, dass die Lacher an den richtigen Stellen kamen und einige, die Bob schon kannten, auch kluge Fragen zum Buch gestellt haben – natürlich ohne zu spoilern, wofür ich wirklich dankbar bin. Die zwei Stunden, die ich angesetzt hatte, vergingen wie im Flug.

Zur Belohnung ging es am Ende mit der Familie noch ins Restaurant, Indisch essen. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Wie lange braucht so eine Geschichte eigentlich?

Klar, gelesen ist so ein Buch in wenigen Tagen. Geht mir ja nicht anders. Aber wie lange braucht man von der ersten Idee bis zum kompletten Manuskript? Kann man das ausrechnen?

Na ja, bedingt. Wenigstens das eigentliche Schreiben. Wenn man weiß, das fertige Buch wird mindestens X Wörter lang und man schreibt im Schnitt Y Wörter an Z Tagen pro Woche, dann hat man eine Faustformel, nach der man planen kann – selbstverständlich immer mit ausreichend Puffern für unerwartete Events. Das Überarbeiten lässt sich ähnlich planen.

Aber wie lange braucht man für die ganzen Vorarbeiten? Da wird es schwierig. Das lässt sich nämlich nicht immer eindeutig planen. Als ich 2011 anfing, „Allerseelenkinder“ zu schreiben, hatte ich die Idee für ein Buch. Am Ende kam dann die Idee für das zweite Buch, und da war klar, wie die Reihe aussehen sollte. Das eigentliche Finale kenne ich selbst erst seit diesem Sommer. Das wären dann also sechs Jahre für die komplette Idee, und ich hoffe, dass ich euch Ende nächsten Jahres einweihen kann. Also insgesamt etwa sieben Jahre.

Bei dem, was ich danach schreiben möchte, sieht es ähnlich schwammig aus. Erst hatte ich einen Charakter. Einen ehemaligen Auftragskiller, der sich mit mehr oder weniger legalen Nebenjobs über Wasser hält. Ein Experte für Kryptiden. Daraus ergaben sich die ersten Eckdaten für die Welt, in der die Geschichte spielt. Ich weiß gar nicht mehr, wann das zusammenkam. Eigentlich war er der Held einer Kurzgeschichte. Aber aus der Kurzgeschichte wurde plötzlich der Hintergrund für ein Abenteuer, als ich begriff, wer die zweite Person in der Geschichte war.

Zunächst unabhängig davon hatte ich eine andere Figur, ebenfalls vom Rand der Gesellschaft. Gelegenheitsdiebin, ehemaliger Junkie, mit einigen besonderen … Begabungen, sagen wir mal. Ich will ja auch nicht zuviel verraten. Aus der Geschichte dieser Figur ergab sich dann plötzlich der Plot, der die beiden verschiedenen Welten zusammenbringt.

Das ist quasi der Kern der Geschichte. Zwei Leute, die etwas erreichen wollen, und eine weitere Person, die das verhindern will. Das trage ich schon mehrere Jahre mit mir herum, knabbere an den Kanten und versuche, die Details und Plot Twists auszubügeln. Während ich also noch mit konkreten anderen Geschichten beschäftigt bin, läuft das im Hintergrund, bis es eine kritische Masse erreicht hat.

Tja, und das ist jetzt allmählich der Fall. Die Figuren spuken mir im Kopf herum, ich weiß mehr über die Welt, in der die Geschichte spielt, und es juckt mich in den Fingern, endlich loszulegen.

Gut, dass ich dafür noch keine Zeit habe. Das Warten wird mir helfen, die kleinen Details zu regeln. Aber den Plot kann ich schon aufstellen. Alles inoffiziell und heimlich natürlich, während ich noch in erster Linie mit anderen Manuskripten beschäftigt bin. Aber wenn ich es jetzt nicht aufschreibe, vergesse ich es vielleicht, und das muss auf jeden Fall verhindert werden.

Die meisten Autoren warten händeringend auf diesen Moment, in dem die Figuren lebendig werden und vom Papier springen wollen. Wenn wir das erreicht haben, haben wir lebendige Figuren – nicht nur Charakterschablonen, sondern so etwas wie echte Menschen, mit denen man gerne Zeit verbringen will. Und das ist wichtig, denn diese Figuren sind für lange Zeit unsere ständigen Begleiter.

Mit dem Schreiben und Überarbeiten ist es also nicht getan. Zum Glück kann das Träumen und Planen und Ausprobieren vorher passieren, während man spült, bei der Post in der Schlange steht oder spazieren geht. Das Autorendasein ist also doch ein 24/7-Job, selbst wenn man nebenbei noch ins Büro geht oder am Fließband steht. Darum sind wir alle auch so seltsam. ^^

Wir sind alle Gewinner!!!

Leider können aber nur zwei Leute die Tentakelpakete bekommen, und laut Random Number Generator sind das:

  1. Anja Backwinkel
  2. Bianca

Ihr habt jetzt 48 Stunden, euch bei mir mit Postadresse via eMail an geschichtenquelle[at]gmail[dot]com zu melden, ansonsten muss ich leider neu auslosen.

Für alle anderen: Danke, dass ihr mitgemacht habt! Bestimmt gibt es in näherer Zukunft noch das eine oder andere Gewinnspiel, ich werde euch alle auf dem Laufenden halten! Und falls ihr zufällig Ende November in der Nähe von Bonn seid – warum besucht ihr mich nicht?

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Es geburtstagt sehr – EIN GEWINNSPIEL

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Schon wieder ein Jahr älter – wer hat das eigentlich bestellt? Ist ja auch egal. Am Montag ist es so weit. Und da das letzte Jahr auf jeden Fall endgeil-hammer-grandios war, will ich diese Freude natürlich auch mit euch teilen. Was eignet sich wohl dafür besser als …

… *trommelwirbel* …

… EIN GEWINNSPIEL!!!

Unter allen, die bis zum 07.11.2017, 23:59 h Ortszeit, einen Kommentar unter diesem Post hinterlassen und die unten stehende Frage beantworten, verlose ich nicht eines, sondern gleich zwei Tentakel-Pakete! Sie enthalten:

  • Eine signierte Ausgabe von „Andrea die Lüsterne und die lustigen Tentakel des Todes“, wahlweise für euch oder für einen Menschen eurer Wahl;
  • Einen streng limitierten „Andrea die Lüsterne und die lustigen Tentakel des Todes“-Kugelschreiber (davon habe ich aus Jux nur fünf Stück bestellt: Einen brauche ich zum Signieren, einer ist reserviert und einen verliere ich garantiert, bleiben zwei für euch);
  • Ein handgehäkeltes, sozusagen handbetentakeltes, unglaublich unpraktisches Lesezeichen in hässlichem Lila.

Natürlich erwarte ich auch, dass ihr dafür etwas tut. Beantwortet mir die folgende Frage:

Wenn ihr in eurem Keller einen Außerirdischen findet, der die Erde erforschen will, was zeigt ihr ihm als erstes?

Und hinterlasst mir bitte eine Möglichkeit, euch zu kontaktieren!

(Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Das Übliche halt.)

Genug der schlauen Worte, zurück ins Wochenende und vergesst nicht, eure Chancen zu ruinieren, indem ihr diesen Beitrag fleißig teilt! Viel Glück!

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Fürs Gruseln: Charybdis (Kurzgeschichte)

Grusel

Da ja die schönste aller gruseligen Jahreszeiten ist, habe ich hier eine kleine Gruselgeschichte für euch. Der Anstoß kam aus dem Nornennetz: Maximal 10.000 Zeichen, eine Szene, ausreichend Grusel. Die anderen Beiträge findet ihr hier. Ich hoffe, euch schaudert angemessen!

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Ein dumpfer Laut dröhnte durch den leeren Gang, als ob die Wellen einen toten Körper gegen die Außenhülle der Charybdis drückten. Giuseppe zuckte zusammen. Auch nach drei Monaten auf See hatte er sich nicht an die Geräusche gewöhnt, die man durch den metallenen Rumpf hörte, oder an die merkwürdig schlingernden Bewegungen des Schiffs. Besonders in der Nacht wirkte es, als lebten garstige Wesen in den Wänden. Egal, wo man sich befand, man hörte sogar die kleinste Bewegung der Crewmitglieder oder die Schreie der Fracht. Er schüttelte sich, um die verkrampften Schultern zu lockern. Dann sammelte er weiter die Rettungswesten auf, die von ihren Trägern beim Verlassen des Schiffs in der Eile achtlos verstreut worden waren.

Heute Nacht fuhren sie nicht hinaus, um die Schlauchboote abzufangen. Sie waren auf dem Weg ins Dock, denn die Charybdis brauchte dringend ein paar Reparaturen. Vor allem die Motorleistung musste unbedingt optimiert werden. Ahmed schimpfte seit Tagen, von ihm würden Wunder erwartet, mit nichts als einer verbeulten Ölkanne und einem schmierigen Mutternschlüssel. Und wenn dann eines der Militärschiffe, die seit Kurzem auf dem Mittelmeer patrouillierten, auftauche, lägen alle betend auf den Knien.

Also, keine Treibguttour. Giuseppe würde sich nicht beklagen. Die Arbeit auf der Charybdis war härter, als erwartet. Die Handreichungen für den Kapitän, der konstant italienische Schlager trällerte, die Aufgaben an Bord – und wenn sie dann auf ein Boot stießen … Giuseppe saß ganz vorne im Beiboot, um die Fracht zu begrüßen – weil er so gut Englisch sprach, hatte Amalia, die Reederin,  gesagt, und wegen seines gewinnenden Lächelns. Bei ihr war er sich nie sicher, ob sie scherzte oder nicht. Ihr Charakter war hässlich wie eine Kröte. Beispielsweise hatte sie bestimmt, dass Giuseppe nach der Übergabe der Fracht dafür verantwortlich wäre, die Schwimmwesten einzusammeln, bevor er die Laderäume mit dem Schlauch ausspritzte, seit sie wusste, dass er sich alleine unter Deck fürchtete. Zu seinem ängstlichen Protest hatte sie gelacht. Er sei eben das jüngste Crewmitglied, und jetzt solle er gefälligst tun, was sie ihm gesagt habe!

Etwas polterte an Deck. G gleich darauf brüllte jemand auf. Hier unten konnte Giuseppe die Wörter nicht verstehen. Wahrscheinlich waren Ahmed und der Kapitän sich in die Haare geraten. Der Streit endete abrupt. Nur das Radio auf der Brücke beschallte alle weiter mit den goldenen Hits der Sechziger.

Auf der letzten Tour hatten sie nur drei Frauen und sieben Kinder an Bord genommen. Als die Charybdis abdrehte, trug der Wind ihnen die Protestschreie der zurückgelassenen Männer in dem lecken Schlauchboot hinterher. Die Kinder waren zu erschöpft, um zu weinen, und die Frauen leisteten wenig Gegenwehr. Sie tranken das Wasser, legten die Rettungswesten ab und wickelten sich dankbar in die Wolldecken, die er ihnen brachte. Bald danach schliefen sie ein, denn die Crew hatte ihnen Beruhigungstabletten ins Wasser gemischt. Bis zur Übergabe würden sie keinen Ärger  machen. Nur einmal hatte eine sich geweigert, zu trinken. Sie hatte um sich geschlagen,  geschrien und gekratzt, als die Charybdis das Boot mit den Männern zwischen den Wellen zurückließ. Schließlich hatte der Kapitän genug gehabt und sie über Bord werfen lassen. Ihr Körper war zweimal gegen den Schiffsrumpf geprallt, ehe er unter dem im Meer treibenden Algenteppich verschwand. Es hatte geklungen, als werde eine riesige Glocke geschlagen. Das dumpfe Geräusch hatte Giuseppe tagelang bis in seine Träume verfolgt.

Wieder pochte es. Die Charybdis schien zu vibrieren. Giuseppe drehte den Kopf nach links und rechts, um die Anspannung zu vertreiben. Mit einer alten Leine band er die Rettungswesten zusammen. Dann steckte er sie in einen großen Sack.

Das Licht über seinem Kopf flackerte.

Wenn er doch nur endlich in seiner Koje läge! Und wenn doch schon morgen wäre! Solange die Charybdis im Dock lag, hätte er Landgang – Zeit, seine Familie zu besuchen. Er hatte seinem Neffen versprochen, mit ihm gemeinsam ein neues Bilderbuch auszusuchen. Natürlich müsste er erst mit seinem Roller die vierzig Kilometer ins Land fahren, und –

TONG!

Täuschte er sich, oder kam das Geräusch näher? Machten die anderen sich einen Spaß mit ihm? Na wartet, denen würde er es zeigen! Giuseppe schlich zur offenen Tür, horchte einen Moment. Dann sprang er hinaus in den Gang. „Hab ich euch erwischt!“

Aber der Flur war leer.

Verwirrt schob er den mit Zement gefüllten Eimer beiseite, der als Türstopper diente. Er stieg vorsichtig über die erhöhte Schwelle. Drei weitere Frachträume zweigten vom Mittelgang ab. Jeder war von außen verriegelt. Giuseppe wusste, dass es auf der anderen Seite keine Möglichkeiten gab, die Türen zu öffnen – er hatte die Hebel selbst abmontiert. Er schaute trotzdem nach. Die Räume waren leer. Hier unten konnte sich niemand verstecken. Es sei denn …

Natürlich. Entlang der Rohre wanderten die Geräusche leicht durch das ganze Schiff. Wahrscheinlich saß Ahmed im Maschinenraum, mit der Thermoskanne, in der er seinen Spezialtee aufbewahrte, und machte sich einen Spaß daraus, mit dem Mutternschlüssel gegen die Leitungen zu klopfen. Der hatte immer solche dämlichen Scherze parat. Was für ein Idiot!

Giuseppe kehrte in den ersten Frachtraum zurück und griff sich den Sack mit den Rettungswesten. Er ließ das Licht brennen und machte sich auf den Weg zur Leiter.

Die Charybdis war ein alter Kahn, fast schon schrottreif. Mit der Elektrizität stand es nicht zum Besten. Er würde Amalia bitten, dass sie ihre Leute auch da einen Blick drauf werfen ließe. Nicht, dass er Angst im Dunkeln hatte, aber sie wollten doch nicht riskieren, dass es zu einem Kurzschluss oder gar einem Brand käme!

Unter seinen Fingern blätterten Farbe und Rost ab, als er seine Hand auf die Leiter legte. Er kletterte die wenigen Sprossen hinauf und rüttelte an der Luke. Sie schien blockiert. Egal, wie sehr er drückte, sie hob sich nur um wenige Millimeter, bevor sie ihm wieder entgegensackte.

Irgendwo dröhnte ein Schlag gegen Metall. Das Schiff schlingerte.

Nach drei Versuchen war Giuseppe sich sicher – diese Arschlöcher hatten ihn eingesperrt! Er sprang von der Leiter und warf der Luke einen letzten hasserfüllten Blick zu, ehe er zum anderen Ende des Ganges joggte. Dort gab es eine kleine Nottür, die zum Maschinenraum führte. Sie sollte stets verschlossen bleiben, wegen Brandgefahr, und war gerade hoch genug, dass ein schlanker Mensch sich hindurchzwängen konnte. Wenn er erst auf der anderen Seite wäre, würde Ahmed etwas zu hören bekommen!

Ein weiterer Schlag auf Metall. Flackerndes Licht.

Giuseppes Herzschlag beschleunigte. Er bemühte sich, ruhig zu atmen. Wenn die Lampen für einen Moment erloschen, schienen die Schatten in seine Richtung zu kriechen. Etwas knarrte hinter ihm. Wurde die Luke von oben geöffnet? Im Laufen sah er über die Schulter zurück. In genau diesem Moment tauchte die Charybdis in ein Wellental. Der Schiffsboden sackte unter ihm weg. Er schlug der Länge nach hin. Der Aufprall presste ihm die Luft aus den Lungen. Es fühlte sich an wie ein Schlag in die Magengrube. Unter seinen Fingern knisterten feine Kristalle. Obwohl sie ständig putzten, blieb das ganze Schiff mit einer gräulichen Salzkruste bedeckt.

Der Gang lag in beide Richtungen leer und verlassen. Die Luke bewegte sich nicht. Direkt unter der Leiter schwang die Tür zum ersten Frachtraum quietschend in den Angeln.

Dort hatte sich dieser Bastard also versteckt. Giuseppe schluckte, holte tief Luft und machte einen Schritt Richtung Leiter.

Dann wollten seine Beine ihm nicht mehr gehorchen.

Es stank nach verrottenden Algen.

Irgendwo schlug erneut jemand – oder etwas – gegen Metall.

Vergessen war die Schockstarre. Giuseppe fühlte einen kalten Hauch im Nacken und hechtete durch die Tür des Frachtraums. Sein linker Fuß verhakte sich an der Türschwelle, und er landete erneut auf dem Boden. Diesmal schlug er mit dem Kinn auf, schmeckte Blut. Er hatte sich auf die Lippe gebissen. Schmerz schoss durch seinen Unterkiefer. Stöhnend stemmte er sich in die Höhe und sah sich um.

Die Lampe summte, knisterte. Es gab einen leisen Knall. Ein letztes Flackern .Dann Dunkelheit.

Giuseppe quietschte, schlug sich beide Hände vor den Mund. Es brannte, als Salzkrusten in seine aufgeplatzte Lippe gelangten. Seine Augen gewöhnten sich nur langsam an den schwachen Schein der Notbeleuchtung.  Der Algengestank wurde immer schlimmer.

Da war es wieder, das musste Ahmed sein, der auf das Heizungsrohr eindrosch, Guiseppe war sich ganz sicher! Giuseppe überwand seine Angst, machte einen Satz vor und drückte die schwere Tür ins Schloss. Das Echo hallte in seinen Ohren wider.

Schwer atmend wich Giuseppe zurück, bis sein Rücken die Außenwand des Frachtraums berührte. Direkt hinter ihm rauschte das Meer vorbei. Er konnte es leise flüstern hören. Die Charybdis hatte Fahrt aufgenommen. Ansonsten war es still – keine Musik mehr aus der Brücke, die sich direkt über ihm befinden musste, keine Gesprächsfetzen. Keine Schritte. Das Schiff war totenstill – wie ausgestorben.

Ein harter Schlag ließ die Tür vibrieren. Es klang, als werfe sich jemand mit seinem ganzen Körpergewicht gegen das Metall.

Giuseppes Herz raste, als wolle es explodieren. Er spürte seine Finger nicht mehr.

Noch ein Schlag.

Als die Tür sich öffnete, schrie Giuseppe. Er wünschte sich, er hätte diesen verfluchten Job niemals angenommen. Feuchte Wärme breitete sich in seinem Schritt aus.

Er schrie nicht lange.

 

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Das Kleingedruckte: Solche Gedanken kommen einem, wenn man sich mit Freunden einen Vortrag der Organisation Jugend Rettet e.V. anhört. Wusstet ihr, dass Flüchtlingsschlepper den Schlauchbooten die (lebensnotwendigen) Motoren abmontieren, sobald die Boote internationales Gewässer erreicht haben?

In Farbe. Und bunt. BOB!!!

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Gut, das war gelogen. Es ist „nur“ Andrea, mit Andrea und Bob in Händen. Und einer ganz hingerissenen Autorin. Auf jeden Fall gibt es „Andrea die Lüsterne und die lustigen Tentakel des Todes“ inzwischen als echtes Buch aus Papier beim Chaospony-Verlag zu erwerben. Das eBook folgt in Kürze, habe ich mir sagen lassen. Oder ihr schreibt mir eine eMail über GESCHICHTENQUELLE[at]GMAIL.COM und bestellt verbindlich ein signiertes Exemplar (13,90 € plus 1,50 € Versandkosten).

Der Tag auf der BuCon war übrigens schön und anstrengend und lustig und interessant und anstrengend und vor allem schön – das komplette Team Chaospony ist extrem witzig und freundlich, ich fühle mich hervorragend aufgehoben. Die Besucher waren auch sehr nett, und ich hatte die Gelegenheit, einige alte und nicht ganz so alte Freunde am Rand auf einen Kaffee zu treffen.

Für so schüchterne Menschen wie mich (lacht da wer?) ist es natürlich ein wenig schwierig, so viele Leute zu treffen, mir Gesichter und Namen zu merken und generell gesellig zu sein, aber nach einem komplett dekadent-faulen Sonntag auf dem Sofa fühle ich mich jetzt auch wieder in der Lage, Kontakt zu meinen Mitmenschen aufzunehmen.