Stille Kunst

Samstag Abend hatten der Mann und ich ein Date, bei dem wir uns endlich mal wieder beide so richtig jung fühlen konnten: In der Bundeskunsthalle wurde „Metropolis“ gezeigt. Zwar nur mit Musik vom Band, aber dafür in ungefähr fast vollständiger Länge. Was ich nämlich vorher auch nicht wusste: Kurz nach der Erstaufführung wurde der Film vehement gekürzt und überarbeitet, und etwa ein Viertel des Materials (wenn ich mich korrekt an die einleitende Ansprache erinnere) galt lange als verschollen. Erst vor wenigen Jahren tauchte in Buenos Aires das fehlende Material (größtenteils) wieder auf, allerdings in schlechterem Zustand. Fachleute hatten dieses Material liebevoll wieder eingefügt und das, was noch fehlte, durch erklärende Texte ergänzt.

Also hatten wir gut 140 Minuten Film – ohne ein einziges gesprochenes Wort. Und ich muss sagen, ich bin beeindruckt, wie gut verständlich die Figuren auch sprachlos waren. Gut, für heutige Verhältnisse waren manche Szenen vielleicht ein bisschen überspielt, aber wir haben uns definitiv nicht gelangweilt. Und wenn man dazu noch bedenkt, mit was für bescheidenen Mitteln die Special Effects erreicht werden mussten, ist „Metropolis“ ein Film, den man duchaus auch heute noch gucken kann und soll.

Übrigens wusste ich vorher gar nicht, dass die Vorlage für „Metropolis“ von einer Autorin stammt, nämlich von Thea von Harbou, welche als eine der bedeutendsten Frauen des frühen deutschen Films gilt. Auch im Bereich der Belletristik war sie überaus produktiv – umso merkwürdiger, dass man den Namen heutzutage so selten hört. Ich werde auf jeden Fall recherchieren.

Smartphones – die Stiefkinder der Kreativität

Manchmal scheint mir, als hätten Autoren seit den Neunzigern nicht viel dazugelernt. Sie setzen Leute in unmöglichen Situationen aus – und das erste, was sie machen: Sie nehmen ihnen auf eine mehr oder weniger dumme Weise das Telefon weg.

Einige ältere Generationen erinnern sich vielleicht noch daran – als ich im Gymnasium war, waren Handys neu und aufregend, SMS waren teuer und längst nicht jeder hatte so ein grandioses Teil.

Inzwischen gilt man als seltsam, wenn man KEIN Handy hat.

Viele Stories sind allerdings ganz leicht zu lösen, wenn die Charaktere ein Telefon haben – glaubt man wenigstens.

Verlaufen? Dein Telefon hat GPS und eine Karten-App.

Jemand bricht in dein Haus ein? Ruf die Polizei.

Du siehst etwas Seltsames? Mach schnell ein Foto davon. Die meisten Smartphone-Kameras sind besser als das, was Hobbyfotografen damals mit sich herumschleppen (und die Fotos dann für teures Geld entwickeln lassen) mussten. Und meine Güte, die Dinger haben ja sogar Videofunktion!

Was macht die findige Autorin also seit den Neunzigern? Sie lässt dem Handy die Batterie auslaufen. Oder ausgerechnet im entscheidenden Moment haben die Charaktere ihre Handys vergessen – im Auto, daheim, im Büro. Oft lassen sie es auch absichtlich liegen, weil sie bestimmten Anrufen aus dem Weg gehen wollen (oder, jüngeren Datums, ein Technik-Sabbatical-Wochenende machen). Ebenfalls beliebt sind kleine Unfälle, bei denen das Telefon dann durch Ungeschicklichkeit gebrauchsunfähig wird. Oder man schickt die Leute eben fix in die Wildnis, wo es kein Netz gibt.

Ich finde das inzwischen ziemlich faul. Smartphones sind inzwischen überall, und sie verschwinden auch nicht eben schnell, weil Autorinnen es sich wünschen. Aufgebrauchtes Datenvolumen kann man aufstocken, in großen Teilen der zivilisierten Welt ist der Empfang flächendeckend und wer Angst um seinen Akku hat, trägt eine Powerbank mit sich. Einmal abgesehen davon, dass man Smartphones fast überall laden kann und die meisten Leute das auch konstant tun.

Und wenn wir einmal ehrlich sind – Smartphones lösen gar nicht alle Probleme. Sogar wenn der Held im entscheidenden Moment die Polizei rufen kann, braucht die trotzdem noch eine Weile, um anzukommen. Falls er überhaupt glaubhaft vermitteln kann, was gerade los ist und wo er sich befindet. Fotos und Videos von merkwürdigen Ereignissen könnten manipuliert sein. Und auch wenn man weiß, wo man sich befindet, kann man trotzdem kilometerweit von Hilfe entfernt sein. Sogar wenn man anderen seinen Standpunkt exakt mitteilen kann.

Ich finde, wir sollten Smartphones stattdessen lieber für unsere Zwecke einsetzen. Sie lösen nicht alle Probleme, sie ruinieren nicht jeden Plot und sie können unser Leben sowohl einfacher als auch gefährlicher machen – je nachdem, wie die Autorin sie einsetzt.

Verlage Gegen Rechts auf der LBM

Ihr Statement:

Dem Rechtsruck entschlossen entgegentreten

Als sich die Kampagne „Verlage gegen rechts“ gründete, war das der längst überfällige Versuch, die Präsenz rechter und rechtsradikaler Verlage auf den Buchmessen institutionell zu skandalisieren. Mit guter Medienresonanz und einer Fülle stark besuchter Veranstaltungen gelang ein Programm, das die Unangemessenheit der lautstarken Auftritte von rechts zeigte und sachliche Diskussion mit eigenen Inhalten dagegenstellte. Trotz dieses Erfolgs lautet unsere Bilanz: Das reicht uns nicht!

In Deutschland wie europa- und weltweit erleben wir zunehmend beängstigende Ressentiments und menschenfeindlichen Rassismus. In dieser Situation ist es uns unbegreiflich, dass sich so viele, die in unserer Buchbranche arbeiten, weiterhin nicht positionieren, geschweige denn engagieren.

Sich gezielt unpolitisch zu geben oder nach rechts unabgegrenzte Programmarbeit zu machen, stärkt diejenigen, die eine tolerante und demokratische Weltanschauung attackieren und unterminieren. Die deutsche Verlagslandschaft hat sich jahrzehntelang kritisch mit dem Nationalsozialismus, seinen Ursachen und Folgen auseinandergesetzt. Umso unerklärlicher, dass die Gefahr neuer faschistischer Tendenzen unterschätzt wird. Während tausende Menschen im Mittelmeer in den Tod getrieben werden und uns täglich „die Fähigkeit des Menschen zur Unmenschlichkeit“ (Rosa Luxemburg) vor Augen geführt wird, kommt das Humane, was Literatur ausmacht, zu kurz.
Verlagsarbeit heißt in unseren Augen, die Welt zwischen zwei Buchdeckel zu bringen, die Perspektiven von Menschen aus allen möglichen Ländern zu beleuchten und gerade die Stimmen der Unterdrückten und der Andersdenkenden vernehmbar zu machen. Abschottung ist in einer Branche, in der jährlich tausende Titel aus anderen Sprachen übersetzt werden, schlechterdings die Antithese.

Während der Kampagne ist uns allzu oft das Wort Meinungsfreiheit entgegengehalten worden, wie auch die Forderung, mit rechten Demagog*innen und Aufhetzer*innen zu reden. Doch was geschieht, wenn rechte Hetzparolen eine Bühne bekommen, können wir nun beobachten. Sie halten ihre Position für den Mainstream. Wir glauben weder an „Angst“ als Grund für Hass, noch an „Heimat“ als Grund für Gewalt und Empathielosigkeit. Wir sagen: Analyse ja, Verständnis nein! Wir fordern offene Grenzen in den Köpfen und zwischen den Staaten und Solidarität mit allen Schwächeren auf dieser Welt. Wir wollen, dass alle hier Lebenden sozial und politisch gleichgestellt werden. Es sind genug Mittel für ein würdiges Leben für alle da, sie sind nur falsch verteilt. Statt Geld in Infrastruktur zu investieren, werden Milliardengeschäfte mit Waffen gemacht. Die deutsche Wirtschaft und Politik wird dadurch selbst zum Fluchtverursacher. Das muss ein Ende haben.

Und es kann nicht sein, dass wir nur reagieren: Wir sollten den Diskurs bestimmen, da wir Argumente haben und nicht, wie die Rechten, nur Ressentiment. Wir wünschen uns eine andere Welt und wir wünschen uns, dass alle Verlage ihre Aufgabe darin sehen, ihrer Rolle als geistige Inspiratoren auf dem Weg dorthin gerecht werden!

Quelle

Ich finde, das ist eine wichtige und teilenswerte Sache. Wenn die Buchmesse entscheidet, dass sie alle Meinungen gelten lassen – auch solche, die Grundrecht und Menschenrechte so eher kreativ auslegen – sollten wir andere auch Flagge zeigen. Ich mag meine Diskussionen lebendig, mein Miteinander respektvoll und die meisten Menschen bitte sicher, lebend und friedlich. Wenn das schon zuviel verlangt ist …

Es spoilert (ein bisschen): Captain Marvel

Disclaimer: Der folgende Text enthält minimalstwinzige Spuren von Sarkasmus und Erdnüssen.

Spoiler Warnung im Titel für den Fall, dass ihr euch „Captain Marvel“ noch ungespoilert anschauen wollt. Falls nicht – oder falls ihr noch zögert – habe ich direkt eine große Warnung für euch.

GUCKT IHN NICHT!

DER FILM ENTHÄLT LAUTER MÄNNERHASSERPROPAGANDA!!!

Ich als schwache Frau mit reduzierter intellektueller Kapazität wäre da ja gar nicht drauf gekommen. Gut, ich war auch ein wenig übermüdet, als wir am Freitag im Kino waren. Vielleicht ist es mir deswegen nicht direkt aufgefallen. Andererseits, mit so einem glasklaren Männerverstand kann ich einfach nicht mithalten. Ist mir ja auch klar. (Leises Weinen.)

Zum Glück gibt es Specialist-Nerd-Seiten, die solche Dinge im Detail erklären – und ich verlinke sie hier auch mal direkt, damit ihr euch alles im Original antun (und ggf. darunter kommentieren, falls denn gewünscht) könnt. Profitiert von der Weisheit von Cosmic Book News!

Falls ihr euch das nicht antun wollt, eine kurze Zusammenfassung. Natürlich nur unter Vorbehalt, ist schließlich von mir.

  1. Der Film ist voller „anti-male imagery“ und „feminist male-bashing elements“ (was auch immer das sein mag).
  2. Angeblich ist Carols Dad in den Rückblenden gemein zu ihr. Meine Theorie war ja, dass sie beim Kartfahren einen Unfall baut und er sagt: Tu das nicht. Blöde Idee. (hatte er ja auch Recht, sie hat einen Unfall gebaut). Und im Ernst, dieses „Ich hab’s dir doch gesagt“ in verschiedenen Variationen ist das Lieblingslied aller Eltern, die ich kenne. Nicht nur von Vätern. Und wahrscheinlich auch nicht nur Töchtern gegenüber.
  3. Carols Baseballteam ist gemein. (Ist mir komplett entgangen, ich hielt das für eine normale Sport-/Wettbewerbssituation. Bin offenbar nicht ausreichend sensibilisiert.)
  4. Der Typ auf dem Motorrad flirtet mit und beleidigt Carol. Eine Situation, wie sie im echten Leben NIEMALSNIENICHT vorkommen würde. (Räusper.)
  5. Und was ist falsch daran, eine erwachsene, ausgebildete Pilotin als „junge Dame“ zu bezeichnen? WAS NUR???
  6. Maria lässt ihre Tochter allein, um die Welt zu retten. Also, um genau zu sein, lässt sie sie nicht allein, sondern bringt sie vorher zu den Großeltern. Wie kann sie nur? Warum macht sie es nicht wie Hawkeye, der aus Rücksicht auf seine Familie von allen gefährlichen Kampfhandlungen Abstand nimmt? Ähm, Moment …
  7. Die Kree scannen Nick Fury und stufen ihn als „wertlos“ ein. Tja, die Kree – die intergalaktische Speerspitze des Feminismus. (Einmal ganz zu schweigen davon, dass Nick Fury den Kree im Nahkampf wirklich nichts entgegenzusetzen hätte.)
  8. Mar-Vell ist, im Gegensatz zu den Original-Comics, ein weiblicher Charakter – angeblich, weil es undenkbar sei, dass Captain Marvel ihre Fähigkeiten von einem Mann kriegt. Wenn ich das richtig verstanden habe – ihr müsst bedenken, ich war müde und intellektuell durch meine Weiblichkeit eingeschränkt – hat sie ihre Fähigkeiten dadurch bekommen, dass dieses Energie-Antriebs-Dingsie explodiert ist. Welches Geschlecht das hat, darauf habe ich nicht geachtet, ganz im Ernst. (Dass die Künstliche Intelligenz der Kree die Form der weiblichen Mar-Vell annimmt, anstatt als Mann aufzutreten, ist in diesem Fuílm nur logisch, wenn man als Prämisse annimmt, dass die KI/AI sich als ein Vorbild resp. eine Autoritätsperson präsentiert.)
  9. Es gab „Girl Songs“, beispielsweise von der Band No Doubt. Die kennt heute eh kaum noch wer, oder? Aber in den 90ern waren die DER SHIT. Habe ich gehört.
  10. Und jetzt, das ALLERALLERSCHLIMMSTE, mit mehrfacher Hervorhebung, um das komplette Drama ausreichend zu würdigen: NICK FURY SPÜLT DIE TELLER!!! Ich kann mein Entsetzen darüber, diesen Helden derart entmannt zu sehen, gar nicht in Worte fassen.

Außerdem hat Brie Larson sich sowieso den Hass des männlichen (und damit einzig relevanten) Publikums zugezogen, weil sie sich nicht auszieht und in einem Interview gesagt hat, sie wünsche sich mehr Diversität bei Filmkritikern. Wie kann sie nur??!

Meine eigene Meinung zum Film ist natürlich längst nicht so relevant wie diese glasklare Analyse der fiesen Männerhasser-Feministinnen-Agenda von Disney: Ich fand den Film unterhaltsam, er ist nicht mein Lieblings-Avenger-Film, und die Figur Captain Marvel ist für mich eher uninteressant, weil sie keine sichtbaren Schwächen (i.e. kein „Kryptonit“) hat. Im Ernst, wenn es so eine starke Figur im Marvel-Universum gibt, hätten die anderen Avengers-Filme eigentlich aus 5 Minuten Aufräumen und anschließendem gemeinsamem Besuch im Chinarestaurant bestehen müssen. Beide Twists (die guten Skrull und dieses Patch bei ihr im Nacken) waren für mich zu offensichtlich, aber ich mochte die Diversität im Film – gute und böse Männer und Frauen, komplexe Charaktere.

Aber wenn der arme Nick Fury Teller spülen muss, kann an dem Film nichts Gutes dran sein. Schaut ihn also lieber nicht.

Warum ich eigentlich nicht rezensiere – jetzt aber doch wieder ein bisschen

Eigentlich ist es ja schlechter Stil, sich über die Konkurrenz zu äußern. Man kommt sehr schnell in den Verdacht, wahlweise Vetternwirtschaft zu treiben oder sich in Rufmord zu versuchen. Was der Hauptgrund dafür ist, dass ich eigentlich keine Rezensionen mehr schreibe – weder hier noch auf den einschlägigen Verkaufsplattformen. (Ein anderer ist der, dass mancher Kollege so eine Rezension schon in den falschen Hals bekommen und sich noch jahrelang später aufmerksamkeitseffektiv darüber aufgeregt hat. Niemand hat Zeit für sowas.)

Allerdings bin ich ja auch Leserin.

Und ich weiß, wie wichtig Rezensionen für Autorinnen sind – gerade für so kleine unbedeutende wie mich, die keinen gigantischen Verlag oder wenigstens ein ausgewachsenes Werbebudget haben. Und vor allem bei neuen Büchern sind Rezensionen unglaublich wichtig. Wer ein halbes Jahr ohne Rezension auf der Homepage herumtreibt, hat fast keine Chance, von einem zufällig auf das Produkt gefallenen Käufer erhört zu werden.

Deswegen betteln wir Autorinnen oft fast schon unverschämt um Rezensionen.

Und deswegen möchte ich auch wieder regelmäßiger selbst Rezensionen schreiben. Wahrscheinlich nicht hier. (Wer wissen möchte, was ich gelesen habe, kann das hier sehen, und wenn ich ein Buch auslese, bedeutet das schon, dass es nicht ganz schlimm gewesen sein kann.) Aber anonym. Auf den Verkaufsplattformen. Und – das muss ich mir jetzt eben auferlegen – nur wenn ich etwas Nettes über das Buch sagen kann. Keine Verrisse, auch wenn es mir noch so schwer fällt.

(Wusstet ihr noch nicht? Ich bin eine garstige, ständig meckernde, nörgelnde alte Frau, und ich habe dabei sehr viel Spaß.)

Das wollte ich eigentlich nur mal so in den Raum gestellt haben. Und jetzt geht los und bewertet meine Bücher!

Wenn die Welt mal wieder Kopf steht …

… verkrieche ich mich auf dem Sofa.

Draußen herrscht Karneval.

Wie immer ist das Wetter mies. Das ist wohl so eine rheinische Tradition. Heute servieren die Wettergötter Sturm und Regen. Zwischendrin gibt es dieses grelle Beinahe-Frühlingssonnenlicht, das einem in den Augen sticht.

Zum Glück habe ich die Vorhänge zugezogen. In der Küche gibt es einen großen Schongartopf voll Chili, die Regale sind voll mehr oder (vor allem) weniger gesunder Snacks … und auf dem Herd steht ein Topf mit Ingwertee, denn ausgerechnet jetzt bin ich erkältet.

Na ja, besser so als zur Buchmesse. Zum Auskurieren blättere ich mich durch das Horrorfilmangebot. Zombies sind mir inzwischen zu langweilig, die gibt es inzwischen an jeder Ecke – und meistens ohne aufregende neue Idee. Ich mag es nicht, wenn Filme nur eine Ausrede dafür sind, ein Schlachtfest zu inszenieren … unabhängig davon, ob jetzt Menschen oder Monster geschlachtet werden. Billige Schockeffekte reizen mich auch nicht besonders. Ich will mich gruseln! Von der Geschichte mitgerissen, mit den Charakteren mitfiebernd, atemlos nach einer Lösung suchend, wo es vielleicht keine gibt.

Der Mann teilt meine Liebe für alles, was einem Angst einjagt, nur begrenzt. Meistens sind ihm die Filme und Serien zu anstrengend. Kriminal-Dokumentationen schaut er hingegen gerne mit. Es trifft sich also gut, dass er heute arbeiten muss, so habe ich Sofa und Grusel für mich alleine.

Zu meinen gruseligen Favoriten in letzter Zeit gehörten übrigens „Bird Box“ und „Our House“ – vor allem wegen der Charaktere. Wenn die stimmen, habe ich jeden Film (und auch jedes Buch) zur Hälfte gekauft. „Apostle“ war auch interessant, bis auf diese eine unnötig blutrünstige Szene. Wenn ihr ihn gesehen habt, wisst ihr vielleicht, welche ich meine.

Wie steht es bei euch mit dem Grusel-Wusel? Yay oder nay? Und wenn ihr einen Tag lang eine bestimmte Sorte Film gucken müsstet/dürftet, welche wäre das?

Die bunten Siebziger. Eine verfressene Odyssee.

Gestern nach der Arbeit ging es für Andrea und mich ins Kino. Also, erst ging es in die Fußgängerzone, um Sonne zu genießen und Cupcakes zu essen.

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Stilecht aus dem Wonnetörtchen, von Andrea liebevoll in der Hand transportiert. Hinten Straciatella, vorne Mango-Zitrone. Yum!

Danach sind wir ein wenig durch die Innenstadt geschlendert, um die Sonne zu genießen. Eigentlich wollten wir einen bestimmtne Dönerladen ausprobieren, aber nach der Cupcake-Fülle … lieber bummeln gehen. Und irgendwie sind wir dann in unserem früheren Stammlokal gelandet. Um fünf Uhr nachmittags.

Dort konnten wir uns auch nicht lange aufhalten, denn EIGENTLICH waren wir fürs Kino verabredet. Mit Filmbeginn um 18:30. Kultur für das Best-Ager-Publikum, sozusagen. Wir wollten „Der Junge muss an die frische Luft“ gucken.

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Ausgewogenes Abendessen – ein Snack in jeder Hand

Was kann ich sagen? Vorher wusste ich nichts über den Film – nur, dass Andrea ihn gucken wollte. Und Andrea wusste nichts über den Film – nur, dass sie den Hauptdarsteller so knuffig fand.

Keine von uns wurde enttäuscht. Der Film ist leicht und lustig und ernst, mit den typischen Farben, die wir Jungspunde noch von vergilbten Familienfotos erkennen, und Liedern, wie wir sie früher noch auf Schallplatte hatten. Unbedingt anschauen, wenn ihr ihn noch findet!

Irgendwie habe ich jetzt das Bedürfnis, winzige Mettigel zu machen. ^^

Kultur ist nicht nur im Joghurt nützlich

Nein, ab und zu kann man sich auch etwas Kultur für den Geist gönnen. Aus diesem Grund – und weil Andrea die Echte (im Gegensatz zu Andrea der Lüsternen) einmal mehr ihr exhibitionistisches Talent ausleben wollte – waren der Mann und ich am Freitag im Theater. Es gab Gefährliche Liebschaften … angeblich ein Klassiker, den ich nichtsdestotrotz (noch?) nicht gelesen habe. Man kann ja auch nicht alles kennen. Fotos und eine Besprechung des Stücks findet ihr im Link. Ich stimme nicht allem zu, so bin ich dem Charme des Vicomte nicht direkt erlegen, aber die Aufführung war auf jeden Fall sehenswert.

Natürlich gab es nach dem Stück noch Blumen für Andrea, alles andere wäre nicht standesgemäß gewesen. Und eigentlich sollten Ruhm und Ehre nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Später im Jahr gibt es übrigens noch ein zweites Theaterstück, dem ich passiv zuschauend beiwohne, während Andrea vorne die Rampensau gibt. Natürlich werde ich wieder berichten.

Ich mag meine künstlerisch wertvollen Freunde. ^^

Lese-Themen

Auf dieser Unterseite könnt ihr, falls es euch interessiert, nachverfolgen, was ich so lese. Und wenn ihr genau hinschaut, erkennt ihr für 2019 vielleicht eine Art Lesethema – oder eher eine Challenge. Gut, so genau muss man gar nicht hinschauen. Ich möchte, möglichst innerhalb eines Jahres, sämtliche Scheibenwelt-Romane in chronologischer Reihenfolge lesen.

Die Gründe hierfür sind ziemlich einfach.

  1. Ich finde Terry Pratchetts Beobachtungsgabe unglaublich.
  2. Ich möchte schauen, ob/wie sich sein Schreiben mit der Zeit verändert hat.

Ja, das ist so ein Autorinnen-Ding. Gerade bei anderen Schreibenden, die wir selbst verehren, lohnt es sich, einen Blick auf die Schreibentwicklung zu tun, denn nicht einmal die großen Genies sind fertig aus dem Kreativ-Ei geschlüpft, und wenn sie das von sich selbst glaubten, täten sie die Chance auf Weiterentwicklung verschenken.

Mir geht es beim Schreiben meistens so, dass ich zeitweise ganz verliebt bin in das, was ich da tue. Dann wieder halte ich alles für Mist. Gegen Ende bin ich dann von jeder Geschichte schon eher überzeugt – sonst würde ich sie euch ja nicht zeigen. Und wenn ich nach ein paar Jahren noch einmal reinschaue, fallen mir so typische Anfängerfehler auf – egal, ob es mein erstes oder siebtes Buch ist. Heißt hoffentlich, dass ich ständig dazulerne und besser werde.

(Alternativ: Dass ich die gleichen Fehler immer wieder mache, aber davon gehen wir, bitte, nicht aus.)

Wer selbst schreibt, liest sowieso ganz anders. Einige AutorInnen die ich kenne, sagen, sie läsen gar nicht mehr, denn sie hätten Angst, dass die Schreibweise anderer Leute ihren eigenen Stil verwässere. Andere sagen, das Erlernen des Schreibhandwerkes hätte ihnen das Lesen madig gemacht, weil sie nur noch als AutorInnen lesen und sich nicht mehr einfach an einer Geschichte freuen können. Für mich ist es ein Mittelding: je mehr ich schreibe, desto weniger Geduld habe ich für handwerklich schlechte oder mittelmäßige Bücher – die lege ich schnell wieder beiseite. Gut gemachte Bücher kann ich aber auch viel mehr genießen, weil ich oft nachvollziehen kann, wie bestimmte Effekte im Text erzielt worden sind.

Udn wie sieht es jetzt auf der Scheibenwelt aus? Ich bin gerade erst mit Band 4 fertig, aber ich werde euch über meine Erkenntnisse auf dem Laufenden halten, wenn sie denn (scheiben-)weltbewegend sind.

Die Stimmen in meinem Kopf!!!

Aus dem Leben einer Autorin:

Für mein aktuelles Manuskript verwende ich mehrere verschiedene Perspektiven. Zwar unterschiedlich gewichtet, aber schon merklich. Und da ich chronologisch schreibe, merke ich gerade hart, wie schwer es ist, zwischen den verschiedenen Charakteren und Erzählweisen umzuspringen.

Ihr müsst ja bedenken: Leute nehmen die Welt ganz unterschiedlich wahr, schon allein danach, ob sie groß oder klein sind, Morgenmensch oder Nachteule, auf der Flucht oder eben nicht. Jeden fallen unterschiedliche Dinge in siener Umwelt auf, und man hat unterschiedliche Informationen zu der Welt, in der man sich bewegt.

Natürlich wirkt sich das darauf aus, wie die Charaktere ihre Szenen erleben.

Und immer, wenn ich von einer Perspektive in die andere wechsle, brauche ich eeeeeeeewig – Moment, nochmal: Eeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee(eeeeeee…)wig, um den ersten Absatz richtig hinzubekommen. Auch wenn ich mit dem Charakter eigentlich vertraut bin. Meine Schreibmuskeln müssen sich jedesmal wieder neu aufwärmen.

Ich bin mal wirklich gespannt, ob man das im fertigen Manuskript dann auch bemerkt. Kommt wohl darauf an, wie gut ich diesen Charakterspagat hinbekomme. Drückt mir die Daumen, dass sich da im Gehirn nichts ausrenkt!