Wein-Lese

Dass wir nicht reisen oder wild Party machen können, heißt ja nicht, dass man sich gar nicht amüsieren kann. Deswegen lese ich euch am Samstag etwas vor. Wer mich immer schon mal (wieder) live und in Farbe sehen wollte, oder hören, wie Bob klingt, wenn ihn die Autorin persönlich liest, der sollte unbedingt nach Ingelheim kommen. Und sogar wenn die Lesung ein Reinfall ist – zum einen gibt es noch andere Autor*innen, die vorlesen, und zum anderen haben wir Wein. Es kann eigentlich gar nicht schlecht werden.

(An das Universum: Das ist KEINE Herausforderung.)

Und schon wieder sind sie alle tot!!!

Aber wie erklärt man das der Polizei?

Manchmal überlege ich mir das, wenn ich abwegige Dinge für Geschichten recherchieren muss. Kann man mit Haushaltsdingen eine ordentliche Bombe improvisieren? Wie lange dauert es, eine menschliche Leiche zu zerstückeln? Was kostet eine funktionsfähige Niere auf dem Schwarzmarkt? Wie verabreicht man nichtsahnenden Menschen unbemerkt unterschiedliche Drogen? Und was hilft traditionell gegen Drachenfeuer?

Vielleicht sollte ich mir von einem Notar mal beglaubigen lassen, dass ich eigentlich harmlos bin – zusammen mit einer Unbedenklichkeitsbescheinigung von einem guten Therapeuten dürfte das doch helfen. „Die Patientin ist verrückt, aber auf die gute Art.“ Was meint ihr? ^^

 

Alte Orte, neue Chancen

Schwarzbrauner Stuhl vor weißer Wand mit zwei leeren Bilderrahmen.
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Wir verreisen ja immer noch nicht. Und es ranzt mich wirklich ein wenig an. Dazu muss ich natürlich sagen, das Reisen-zum-Vergnügen habe ich erst spät für mich entdeckt, da lebte ich mit dem Mann schon zusammen. Das heißt, ich habe viele Pläne und eine begrenzte Zahl Jahre (und Geld) vor mir. Da kommt mir 2020 echt mal so gar nicht gelegen.

Wir machen immer noch das Beste draus. War meine Beste letzten Monat bei mir für ein Eifel-Abenteuer, war ich jetzt bei ihr, um ihren Nicht-Geburtstag zu feiern. Wo sie wohnt, habe ich als Schülerin auch einige Jahre gewohnt. Völlig überraschend kann man da trotzdem noch spannende Sachen machen.

Zum einen, weil die tatsächlich alle Jubeljahre mal wieder in der Gegend etwas verändern – zum Beispiel stellen sie neue Kust auf oder so. Und zum anderen, weil man seine (erweiterte) Heimat nur selten wie ein Tourist bestaunt. Das haben wir diesmal anders gemacht. Also, Heimat im weiteren Sinne. Wir sind nach Norden und dann nach links gefahren, um eine kleine historische Festung in den Niederlanden anzuschauen. Alles unter freiem Himmel und höchstwahrscheinlich ungefährlich. Das Wetter war akzeptabel, der Kaffee gut, die Wespen zutraulich – und ich habe endlich meinen lang ersehnten gelben Hoodie.

Unter diesen Umständen ist Daheimbleiben vielleicht gar nicht so schlimm. (Sprach sie, während im Browser noch drei Seiten mit Angeboten für Ferienhäuschen offen waren – und nein, ich fahre natürlich nicht weg, ich möchte nur gern.)

Wir haben auch schon den nächsten gemeinsamen Plan für ein konspiratives Südfruchttreffen.

Es hilft, wenn die beste Freundin genau so bescheuert ist wie man selbst.

Buch oder Film? Film oder Buch?

Wir reden von Buchverfilmungen, und eigentlich ist es ganz einfach – das, was ich zuerst konsumiert habe, gefällt mir üblicherweise besser. Allerdings spielt da eine gewisse Voreingenommenheit eine Rolle, denn: Wenn mir das Erstmedium nicht gefallen hat, warum sollte ich dann das Zweitmedium noch konsumieren? Schönes Beispiel dafür ist der Film „Practical Magic – Zauberhafte Schwestern“ von Alice Hoffmann. Ich liebe den Film. Das Buch? Weniger. Allerdings gab es da auch harte Eingriffe ins Buch, als der Film gemacht wurde. Der Spielort wurde geändert, die Charaktere der Frauen, die Dynamik der Figuren … der Film ist für mich einfach „märchenhafter“ und stellt die starke Beziehung der Schwestern in den Vordergrund, was mir im Buch ein wenig fehlt. (Und die Tanten sind im Film cooler.)

Damit sage ich natürlich nicht, dass das Buch schlecht ist. Die beiden Geschichten sind nur sehr unterschiedlich, und der Film gefällt mir eben besser.

Wenn mir ein Buch sehr gut gefällt, schaue ich oft die Verfilmung, so es denn eine gibt, gar nicht – und falls doch, werde ich häufig enttäuscht. Der Roman „American Gods“ gefällt mir viel besser als die Serie (wobei ich die Serie auch mag und viele Änderungen nachvollziehen kann).

Bei „Good Omens“ finde ich Buch und Serie unterschiedlich gut und liebe beide, das Buch aber ein bisschen mehr.

Und – psst, nicht hart urteilen! – bei „Lord of the Rings“ fand ich die Bücher unglaublich langatmig, aber die Verfilmung hat mir sehr gefallen.

Wo ich jetzt drüber nachdenke … „Hogfather“ von Terry Pratchett gefällt mir als Buch und als Film. ^^

Wie schaut’s bei euch aus? Gibt es Buchverfilmungen, die ihr empfehlen wollt? Oder Bücher zum Film, die man sich hätte sparen können?

„Von Rechten unterwandert“??? Wir müssen reden.

Ich äußere mich ja eher selten zu tagespolitischem Geschehen. Heute allerdings fühle ich mich ein wenig verarscht.

Erinnert ihr euch an die Demo in Berlin? Die erst genehmigt, dann verboten und schließlich doch wieder genehmigt wurde? Bei der Leute auf die Treppe vor dem Reichstag gestürmt sind?

Ja, ich denke, ihr erinnert euch.

Gerade eben las ich beim Browsen eine Einschätzung eines Fachmenschen, der sagte, die Demo sei „von Rechten unterwandert“ worden.

Leutz, im Ernst jetzt.

Ungefähr seit Beginn der Kontaktbeschränkungen weisen einige Miesepetersilien und andere Miesmachmenschen mit Inbrunst darauf hin, dass es eine große Schnittmenge von Coronaskeptikern, Esoschwurblern, Verschwörungstheoretikern, besorgten Bürgern und Nazis gibt. (Bei vielen findet man sogar alles vereint – Bingo!)

Und alle so: Neeeee, das muss man ernstnehmen! Man muss nur mit denen reden! Seid doch ein wenig nett zu denen! Ihr gemeinen Linken! Alle paranoid, wa?

Und dann gab es die ersten Kundgebungen. Und einige wieder so: Guckt mal, alles voller Nazis.

Und die Antwort wieder: Na ja, die machen sich eigentlich nur Sorgen. Das kann man doch nachvollziehen.

Dann drehten die Spinner voll auf. Adenochrom, Masken als Vorstufe der islamisch begründeten Verschleierung, Masken als Maulkorb, Corona existiere gar nicht, Corona sei ein Biokampfmittel, ein Corona-Medikament sei schon lange bekannt und werde bewusst zurückgehalten, die Bevölkerung solle dezimiert und ausgetauscht werden, die Bevölkerung solle zwangsgeimpft und -gechipt werden, … – bestimmt habe ich eine Menge vergessen. Kann mir ja auch nicht alles merken. Vom deutschen Rapper bis hin zum Veganimbissbudenbesitzer war alles dabei, was man früher mit Endzeitschild an der Straßenecke erwartet hätte.

Und die offiziellen Stellen so: Ja, das sieht zwar beunruhigend aus. Aber eigentlich sind das nur wenige, und eigentlich meinen die das gar nicht so, und eigentlich stecken da bestimmt begründete Ängste hinter, und eigentlich regt ihr euch doch nur wieder so linksgrünversifft auf.

Und dann kam eine Coronagesetzgebungsdemo, bei der sich ein großer Teil der Leute nicht an die aktuell geltenden Gesetze zum Infektionsschutz hielten. Da wurden aufregende Symbole und Flaggen gezeigt, und einige der Parolen klangen dann doch verdächtig … konservativ (*hust* NAZIS *hust*).

Und die offiziellen Stellen wieder so: Nazis? Haben wir eigentlich gar nicht gesehen. Waren bestimmt voll wenige. Das ist alles gar nicht so schlimm, ihr Verrückten wittert aber auch überall Nazis.

Und dann kam die ganz oben genannte Demo. UND JETZT SIND DIESE TRAPEZPOPEL ÜBERRASCHT, WEIL DA JEMAND NAZIS GESEHEN HAT????

(Besorgt sich Beruhigungstropfen.)

Isch ‚ABE gar kein Herz!

(Wer sich an diese Werbung erinnert, ist mindestens ungefähr so alt wie ich.)

close up of tree against sky
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Andererseits, wenn ich ein Herz hätte, blieben die Plätze darin wenigen ausgewählten Buchhelden vorbehalten.

Als erstes fällt mir Henry aus „Die Frau des Zeitreisenden“ von Audrey Niffenegger ein – gerade, weil er nicht perfekt ist. Er stiehlt und betrügt, er trinkt und prügelt sich, ohne einer von diesen verwegenen „Bad Boys“ zu sein, von denen im Moment soviel geschwärmt wird. Henry hat Probleme, und das Zeitreisen ist nur eins davon. (Andere schließen den Tod seiner Mutter und das Wissen um die eigene Zukunft mit ein.) Er hat ein schwieriges Leben und bemüht sich, das Beste draus zu machen, vor allem für seine Frau und seine Tochter. Dass das nicht immer so klappt, wie man sich das wünscht, könnt ihr euch ja vorstellen.

Auch Ryan aus „Verdisgris Deep“ von Frances Hardinge ist ein Held, der einem schnell ans Herz wächst. Seine Familie ist kompliziert, und seine Eltern streiten viel. Und als sei das alles nicht genug, gibt es plötzlich Ärger mit einer Quellhexe. All das und die Komplikationen, die sich daraus ergeben, stellen seine wichtigsten Freundschaften auf die Probe. Ziemlich viel auf einmal für einen Teenager, doch Ryan gibt nicht auf.

Und zu guter Letzt … puh, jetzt wird es schon eng. Womöglich noch Rudolf Gombrowski aus „Unterleuten“ von Juli Zeh. Er bemüht sich sehr, das Dorf und die Dorfgemeinschaft zusammenzuhalten, scheitert dabei jedoch an der Geschichte genau dieses Dorfes mit all ihren Querelen, kombiniert mit den unvorhergesehenen Problemen, die die „Neuen“ im Dorf mit sich bringen. Sein Ende scheint aus seiner Sicht unvermeidlich, ist allerdings eigentlich nicht nötig.

Die Heldinnen meines Herzens präsentiere ich euch dann bei anderer Gelegenheit. Verratet mir erst einmal – welche Buchcharaktere haben euch richtig nachhaltig beeindruckt und berührt?

Spät kommt sie, aber sie kommt …

… zu Pinterest!

Ja, ich weiß. Ich bin nur ungefähr drölfzig Jahre hinter dem Hype. Allerdings bin ich einfach nicht so richtig visuell veranlagt – auch wenn ich mir etwas vorstelle, habe ich meistens keine Bilder im Kopf. Ist einfach so. Deswegen war mir das Konzept immer ein wenig suspekt.

Da ihr da allerdings nicht drunter leiden sollt, habe ich mich heroisch überwunden und ein wenig gespielt. So gibt es jetzt beispielsweise eine Art Moodboard zur kompletten Magie hinter den sieben Bergen-Reihe. Andere werden folgen, sobald ich die Zeit und die Muße habe.

Ansonsten mache ich da nicht viel. Eigentlich sammle ich nur lustige Ideen für Halloween. Ich kann es kaum erwarten!

Wer bin ich – und warum so früh?

Ich beneide Leute, die immer genau wissen, wer sie sind.

Gut, das klingt jetzt, als sei ich unglaublich mysteriös. Dem ist nicht so.

Und ich bin mir meistens auch ziemlich sicher, wer ich bin, so im Groben. Aber wie sich das heute oder morgen oder generell nächste Woche äußert, das weiß der Himmel.

Deswegen kann ich mir zum Beispiel nicht Abends schon Klamotten rauslegen. Ich muss morgens wach werden, in mich gehen und schauen, wer ich heute bin, denn das wirkt sich natürlich auf meinen Aufzug aus. Bin ich grummelig oder niedlich? Habe ich Lust, mich zu unterhalten? Hose oder Rock? Schick oder bequem? Kann ich vielleicht heute alles haben?

Das klingt vielleicht ermüdend, ist es aber gar nicht. Wenn ich die Zeit habe, mir morgens einen Moment zu nehmen, um die Eckpunkte herauszufinden, habe ich direkt Strategien für den Tag. Welche Handaxt nehme ich mit? Gönne ich mir den Luxus, im Auto zur Arbeit zu fahren, und singe auf dem Weg laut mit? Sollte ich vielleicht die Kolleginnen vorwarnen, dass ich heute mies gelaunt bin?

Dementsprechend sieht übrigens auch mein Kleiderschrank aus. Von der abgeranzten Cordhose bis hin zum lieblichen Kleidchen ist alles da und auch fast immer einsatzbereit. Nur hohe Absätze mache ich nicht, die Diandra-Version dafür muss wohl noch erfunden werden. Vielleicht gibt es irgendwann ein Update?

Eigentlich WILL ich gar nicht schimpfen

Aber es ist manchmal wirklich schwer.

Zum Beispiel heute morgen.

Ich trinke meinen Kaffee und scrolle ein wenig durch die SoMe-Seiten, und was sehe ich?

Buchwerbung.

Buchwerbung sollte etwas Schönes sein. Etwas Erfreuliches. Etwas Tolles.

Stattdessen stolpere ich über den Titel. Der enthält nämlich ein Wort, das ich mir in diesem Zusammenhang nicht ohne Weiteres erklären kann. Es ist aus der Sprache Afrikaans und bezeichnet ursprünglich eine kreisförmige Siedlung.

Direkt dazugesagt: Ich kenne das Buch nicht. Ich habe es nicht gelesen. Aber der Titel klingt nicht so, als ob dieses Wort das meint, was es meint.

Sofort bin ich abgelenkt: Ist das Absicht? Kennt die Autorin die ursprüngliche Wortbedeutung? Hat sie sich damit auseinandergesetzt? Spielt sie vielleicht sogar mit den verwirrten Lesern, die wie ich davorsitzen und sich fragen, was eine kreisförmige Siedlung mit Adligen und Göttern zu tun hat? Und warum hat das Ding bei ihr „Stufen“? Oder hat sie sich das Wort einfach ausgedacht – und gar nicht weiter geguckt, ob es das überhaupt schon irgendwo gibt?

Zugegeben, vielleicht tue ich ihr fett Unrecht. Aber ich bin Guten-Glaubens-Geschädigte, deswegen motze ich inzwischen präventiv. Zu oft habe ich gesehen, dass Schreibende, weil es eben auf den ersten Blick so unglaublich einfach ist, sich irgendwas auszudenken, die Feinarbeit vernachlässigen. Sie recherchieren nicht ordentlich. Sie vernachlässigen die Logik. Sie schludern mit Formulierungen. Und ehrlich, so etwas geht mir tierisch auf den Sack. Klar, es sind nur Bücher, aber trotzdem. Ich will ja auch keine Brötchen kaufen, in denen vielleicht Steinchen drin sind, oder Mäuseköttel.

Ein ähnlicher Motzreflex setzt bei mir übrigens auch immer direkt ein, wenn ich „Bad Boy Romance“ oder „Millionair Romance“ oder so andere „Ungesundes Beziehungsmuster Romance“ sehe. Für Außenstehende ist das bestimmt ganz lustig, als hätte man auf einen Knopf gedrückt.

Eure Pet Peeves, wenn es um Geschichten geht?

(Und natürlich: Sollte ich der Autorin Unrecht getan haben und sie eine voll sinnvolle Überlegung für die Wortwahl haben, weißt mich bitte darauf hin, damit ich Abbitte leisten kann.)

Abenteuer Eifel – Abenteuer Auto

Wir waren also vor kurzem in der Eifel. Für einen Tag. Mit dem Auto. Sonst kommt man da ja gar nicht hin, und weg erst recht nicht.

Und jetzt werde ich euch erklären: Ja, ich habe auf dem Land den Führerschein gemacht. Allerdings auf dem PLATTEN Land.

Abblätterndes "Tempo 30" Schild, auf die Fahrbahn gemalt.
Photo by Markus Spiske on Pexels.com

Die ganzen Berge und Kurven und vor allem die Kurven am Berg sind für mich schon schwierig. Und wie alle vernünftigen Leute passe ich meine Geschwindigkeit meiner Erfahrung und meinen Fähigkeiten an. Hat ja niemand was davon, wenn ich rasant brettere, wo es niemand sieht, und dann demonstrativ im Graben auf den Abschleppdienst warte.

Nun gibt es aber auch in der Eifel Regeln. Die drücken sich in Form der üblichen Straßenschilder aus. Zum Beispiel wird vor größeren Kreuzungen oder komplexen Kurven mit diesen runden Dingern darauf hingewiesen, dass man hier doch bitte maximal 70 zu fahren habe.

Meine Freundin und ich sind uns bis heute nicht sicher: Sind das jetzt wirklich Geschwindigkeitsbeschränkungen – oder doch eher Herausforderungen?

(Falls ihr also neulich in der Eifel hinter einem weißen Auto mit gefühlter Bobbycar-Höchstgeschwindigkeit stecktet … das war ich. Sorry.)