Wenn ich einmal reich wär …

… nein, der Gesellschaft komplett den Rücken kehren würde ich wahrscheinlich nicht.

pathway to house

Photo by Annie Japaud on Pexels.com

Aber ich könnte mir schon vorstellen, ein wenig Abstand von dem ganzen Zirkus zu nehmen. Beispielsweise würde ich gerne meinen Brotjob eine Weile ruhen lassen, um zu schauen, wie es mir als Vollzeit-Schriftstellerin geht – und ob ich das überhaupt bringen würde. So eine Hütte im Nichts am Waldrand, mit einem Gemüsegarten und einem Sammelsurium seltsamer Tiere … hach, ich glaube, das wäre für ein oder fünf Jahre ganz schön. Ob ich dann wieder in die Stadt flüchte oder mir zum Ausgleich ein Hausboot kaufe, müsste ich ausprobieren.

Außerdem wäre es natürlich schön, ein fettes Sicherheitspolster zu haben – nicht nur für mich, sondern auch für Familie und Freunde, die in Not geraten könnten. Gefühlt sind wir alle immer nur zwei Gehaltsschecks und eine warme Mahlzeit von der Katastrophe entfernt, das würde ich gerne ändern. (Andererseits jammere ich auf hohem Niveau, das ist mir bewusst.)

Der schlechteste Schreibratschlag, den ich je bekommen habe

„Um Rechtschreibung und Zeichensetzung brauchst du dich nicht zu kümmern, dafür ist das Korrektorat da.“

Ja, so oder so ähnlich habe ich auch geguckt. Stellt euch vor, man würde einem angehenden Bäcker erklären, er brauche nichts von Mehlsorten oder Zusatzstoffen zu wissen, das würde heute eh alles automatisch gemischt!

Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung sind nun einmal das Handwerkszeug für Autorinnen. Wahrscheinlich ist man nicht perfekt, aber man sollte sich schon große Mühe geben, so gut zu sein wie eben möglich. Sicher wird trotz allem das Korrektorat noch einen Eimer voll Fehler zu Tage fördern, aber dennoch …

… oder stellt euch einmal vor, ihr wärt Verleger. Auf eurem Tisch landet ein Manuskript, das vielleicht genial ist -aber so genau weiß man das nicht, denn wegen der großen Anzahl an Fehlern ist das Ding einfach nicht deutlich lesbar. Würdet ihr euch die Mühe machen, in so etwas zu investieren?

Meine Rechtschreibung ist auch nicht immer tippitoppi – ich schludere beim Korrekturlesen, vertippe mich häufig und generell ist mein Wissen auf dem Stand der späten Neunziger, seitdem hat es gefühlt ein Dutzend Reformen gegeben. Im Großen und Ganzen, allerdings, hoffe ich schon, dass meine Texte lesbar und wenigstens fehlerarm sind. Und wenn ich ein Buch sehe, bei dem schon die ersten Seiten vor Fehlern nur so strotzen, lese ich, ehrlich gesagt, auch nicht weiter. Soviel Professionalität muss sein.

Was hat sechs Beine und ’nen Holzpopo?

Genau, unsere neuen Untermieter.

Neulich Abends auf dem weißen Kater entdeckt. Ein wuseliger schwarzer Punkt, der fix ins Unterfell verschwand. Bei näherer Betrachtung auf der Haut kleine rote Punkte.

Verdammt.

Da es schon spät Abends war, hatte ich natürlich keine Flohmittel zur Hand. Auf Anraten des allwissenden Internets verstreute ich großzügig auf allen Polstern Rosmarin, tropfte Minz- und Lavendelöl auf alles, was sich nicht wehrt, und rieb beide Kater mit Zitronenwasser ein. (Auf Kurt habe ich noch keine Hopser entdeckt, aber man weiß ja nie.) Gekämmt wurden sie auch, um die Springelinge möglichst direkt den Weg alles Irdischen zu schicken.

Als nächstes mussten natürlich alle Katzenlager, Decken und Kissen gewaschen und/oder eingefroren werden. In so einem plüschigen Haushalt wie dem unseren ist das eine ziemlich sportliche Aufgabe. Jedoch gilt es, Kreukontamination zu vermeiden. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie begeistert ich war.

Seit ein paar Tagen habe ich nichts mehr hüpfen oder krabbeln sehen, aber die Eier dieser winzigen Pest können ohne weiteres Wochen und Monate überdauern. Es bleibt also spannend. Drückt uns die Daumen!

cdc-p6slMrGDQSo-unsplash

Foto von CDC, gefunden auf Unsplash

Nehmen ist allerdings auch ganz schön

Eine schwierigere Frage. Das beste Geschenk, das ich je bekommen habe? Als ich noch klein war – und nach einem Jahr Jammern und Betteln – haben meine Eltern mir zwei Wasserschildkröten geschenkt. Ich nannte sie Harald und Schildi (ich war nicht so kreativ, verzeiht!) und liebte sie hingebungsvoll für die nächsten fünfzehn Jahre, bis auch Schildi an Altersschwäche (nehme ich an) starb. Das Schildkrötenaquarium begleitete mich zum Studium nach Bonn, erst ins Wohnheim, dann in meine erste eigene Wohnung.

Einige Jahre später kam ich in den Semesterferien nach Hause, und meine Eltern hatten Max adoptiert – einen sechsjährigen Boxer-Dalmatiner-Mischling. Das war nicht „mein“ Geschenk, aber eine tolle Überraschung. Trotz einiger gesundheitlicher Startschwierigkeiten lebte er die nächsten zehn Jahre bei meiner Familie und wurde bis ins hohe Alter sehr verwöhnt.

Und jetzt eben Kurt. Ein selbstgemachtes Geschenk, und genau das Richtige für uns. Der Mann hat sämtliche Vorbehalte gegenüber „Second-Hand-Tieren“ aufgegeben und verbringt Stunden damit, den Neukater zu verwöhnen. Tja, ich lebe jetzt eben in einem Drei-Männer-Haushalt. Fröhliche Feiertage!

 

** Jaa, ich weiß … Tiere sind kein Geschenk. Die Dame vom Katzenschutz sagte auch, sie würden eigentlich so kurz vor Weihnachten nicht mehr vermitteln, wegen der Hektik über die Feiertage und weil genau diese Katzen oft nur wenige Wochen später wieder bei ihnen landeten. Meine Familie hat allerdings eine lange Tierhaltertradition, da weiß man vorher, welche Verantwortung so ein neues Familienmitglied mit sich bringt. Egal, ob das jetzt Hamster waren oder Meerschweinchen, Spinnen, Schlangen, Ratten, Hunde, Katzen, Kanarienvögel, Hühner, Gänse, Ziegen, … alle wurden geliebt und versorgt, so gut es eben ging.

(Und wusstet ihr eigentlich, dass man Schnecken „kauen“ hören kann? <3 )

 

Ranzig gegen den Rest der Welt

Diesen Monat habe ich im Netz einen merkwürdigen Trend beobachtet. Reihenweise werden Kommentare geschrieben, in denen gegen bequeme (überwiegend) Frauenkleidung gestänkert wird.

High-Waist-Jeans machen Frauen „unfickbar“.

Jogginganzüge im trauten Heim sind ein Zeichen für gesellschaftliche Verwahrlosung.

Dass man als Frau über dreißig gefälligst keine Creolen mehr tragen solle, ist ja schon länger klar.

Und jetzt, ehe wir einander falsch verstehen: Ich finde, jede*r sollte sich so schön oder ranzig machen, wie er*sie bitte eben möchte.

Aber mein persönlicher Wert bemisst sich nicht daran, wie „fickbar“ ich im Alltag aussehe oder ob ich auf dem Sofa im Ballkleid herumhänge, in schlackerigen Yogahosen (die noch nie ein Yogastudio auch nur von fern gesehen haben) oder – GASP! – nackt. Und meine Beziehung scheitert auch nicht daran, wie hoch ich meine Hose ziehen kann, da ist der Mann Leid gewohnt. (Ich übrigens auch. Wenn er ein modisches Abenteuer begehen will, kauft er kein blaues Shirt, sondern ein blaues T-Shirt mit Muster.)

Einige meiner Freundinnen legen großen Wert darauf, in jeder Lebenslage stylisch auszusehen, und ich finde das toll. Andere haben es lieber bequem. Dritte wollen oder können einfach nicht viel Geld für ihre Garderobe ausgeben und/oder haben nicht die Zeit (oder Lust), sich umständlich aufzubrezeln.

Meine Philosophie ist ja meistens: Seid froh, dass ich nicht nackt bin.

Und das muss dann auch erst einmal reichen.

Geben ist seliger als nehmen

IMG_0073

Das beste Geschenk, das ich je gemacht habe? Wahrscheinlich die Wackentickets für den Mann. 2018 waren wir da, und es hat viel Spaß gemacht – diesmal sogar ohne Schlamm. Insgesamt verschenke ich inzwischen lieber Events als Objekte, davon hat man mehr und sie sammeln keinen Staub (außer natürlich, ich finde DAS Geschenk).

Wie sieht’s bei euch aus? Womit habt ihr mal jemandem eine besondere Freude gemacht?

Schreibrituale

Eigentlich habe ich nicht viele Schreibrituale – aber ein paar Tricks, um schnell in die Materie zu kommen. Beispielsweise haben fast alle meine Bücher eine eigene Playlist. Wenn ich die einschalte, bin ich innerhalb weniger Takte wieder mitten in der Geschichte und kann direkt da weitermachen, wo ich aufgehört habe.

Wenn es schwer geht, nehme ich das Manuskript auch manchmal mit aufs Sofa und lasse im Hintergrund eine Serie laufen, die ich bereits kenne. Das lenkt die Innere Kritikerin genug ab, dass ich vor mich hin prödeln und einen schlechten ersten Entwurf schreiben kann – denn schlechtes Geschriebenes kann man zwar überarbeiten, aber brilliantes Ungeschriebenes bleibt leider ungelesen. Je nachdem, in welcher Sprach ich gerade arbeite, wähle ich als Tonspur eine andere, die ich verstehe, damit sich nicht Zitate aus der Serie in mein Manuskript mogeln.

Gegessen wird am Schreibtisch eher selten, aber eine Tasse Tee oder Kaffee habe ich gerne dabei, wenn ich länger sitzen bleiben kann. Und natürlich einen Kater, der mich alleine durch schnarchende Anwesenheit inspiriert.

Überraschung aus dem Nikolausstiefel

Nachdem die Miezi schon einige Wochen von uns gegangen war, begannen wir, nach einem neuen Kumpel für Greebo zu suchen. Die Idee, dass er ganze Tage hier alleine ist, wenn wir arbeiten, wollte uns einfach nicht gefallen.

Also habe ich angefangen, bei den lokalen Tierschutzorganisationen herumzufragen. Einige waren direkt raus, weil sie keine Katzen in reine Wohnungshaltung vermitteln. Andere hatten keine geeigneten Katzen, die in unsere Situation gepasst hätten. Aber schließlich hatten wir Glück – ein Katzenschutzverein hatte einen älteren Kater, der andere Katzen gewohnt war und aus Wohnungshaltung stammte. Wir schrieben ein paar eMails hin und her, um die Details zu klären, es gab die ersten Fotos. Dann vereinbarten wir einen Besichtigungstermin.

Der Mann war zunächst skeptisch – und das kann ich gut verstehen. Bei einer älteren Katze weiß man nie so recht, was sie vorher erlebt hat, welche Macken sie mitbringt, was es für gesundheitliche Probleme geben mag. Aber da er mich liebt und wir wussten, dass wir bald Gesellschaft für Greebo brauchten, kam er mit.

Und war sofort hin und weg, denn der Kater, der uns vorgestellt wurde, war direkt sehr zutraulich und verschmust und ließ sich von den anderen anwesenden Katzen keineswegs aus der Ruhe bringen. Trotzdem erbaten wir uns ein paar Tage Bedenkzeit, um alles zu besprechen.

Eigentlich war es ein No-Brainer. Und so zog letzten Freitag der flauschige und noch ein wenig schüchterne Kurt bei uns ein. Sagt hallo!

IMG_3641

Greebo ist noch nicht so richtig überzeugt, aber es hat keine Balgereien gegeben, und Kurt gibt sich redlich Mühe, sich anzufreunden. Außerdem genießt er es ganz offensichtlich, nach beinahe einem Jahr in der Pflegestelle endlich zwei Menschen ganz für sich zu haben und auf einem weichen Bett schlafen zu können und so richtig verwöhnt zu werden. Wir müssen noch ein paar kleine Benimmregeln festlegen – nein, er darf keine Chips aus der Tüte klauen, und das Futter kommt auch zu ihm, wenn er nicht versucht, es von der Anrichte zu angeln – aber im Großen und Ganzen sind wir überrascht und dankbar, wie gut die Vergesellschaftung geklappt hat.

Wieviel „ich“ ist in meinen Texten?

Puh, schwierige Frage … meine Charaktere sind eigenständige Figuren und oft nicht einer Meinung mit mir. Andererseits teilen wir schon viele der gleichen Werte und Ideen über das Leben. Ich bin nicht notwendigerweise mit meinen Charakteren befreundet, aber ich möchte keine Zeit mit Leuten verbringen, die ich im echten Leben aktiv verabscheuen müsste.

Viele meiner Figuren sind Frauen – weil ich diese Perspektive besser verstehe und weil ich, ehrlich gesagt, denke, dass es schwierig ist, beim Schreiben das Geschlecht überzeugend zu wechseln. Viele Autor*innen, die ich bewundere, schaffen das sehr gut, aber immer wieder sehe ich auch Beispiele, bei denen Charaktere zu Klischees oder Karikaturen verkommen.

Nachdem ich das gesagt habe, fällt mir natürlich ein, dass in meinem unfertigen Manuskript der Protagonist ein Mann ist – vielleicht geht es deswegen so schleppend voran? Nah, eher nicht. Ich prokrastiniere einfach zu gerne. Ob Harald überzeugend ist, müsst ihr dann später für mich entscheiden.

Auf den Mund gefallen war bislang auch noch keiner meiner Charaktere, das haben sie definitiv von mir.

IMG_3468

Ich – einfach unverbesserlich? Wohl eher nicht … ^^