Du, es und ich – wer erzählt?

Die Erzählperspektive ist Gegenstand konstanter Diskussion. Welche ist die beste? Welche darf man keinesfalls verwenden?

Zunächst einmal: „Dürfen“ darf man als Autor*in alles. Aber können sollte man es schon. Es lohnt sich also, die Regeln zu lernen – vor allem, wenn man sie brechen will. Andererseits muss man auch nicht jeden Fehler selbst machen. Lieber aus den Fehlern anderer lernen und dafür superkreative neue eigene Fehler machen.

Vor nicht allzu langer Zeit las ich einen Artikel, in dem argumentiert wurde, viele Autoren würden „es“ ja „falsch“ machen – sie würden in der dritten Person erzählen, seien aber nicht dicht genug an der Person dran.

Nein, es gibt immer noch kein „falsch“. Wie dicht oder nicht dicht man an der Figur dran ist, bleibt jedem selbst überlassen … und es eröffnet viele tolle neue Möglichkeiten.

In älteren Büchern kann man oft miterleben, wie die Perspektive innerhalb weniger Absätze mehrfach wechselt. Erst ist man in einer Figur, dann wird ein Absatz in allwissender Perspektive (quasi „von oben draufguckend“) erzählt, dann gleitet man in die nächste Person. Heutzutage gilt das als eher verpönt – stattdessen wird empfohlen, wenigstens für komplette Textsegmente in einer Sichtweise zu bleiben. Ich persönlich finde beide Vorgehensweisen reizvoll. Wichtig ist für die schreibende Person vor allem, sich darüber bewusst zu sein, aus welcher Perspektive man gerade schreibt. Wenn man wirklich „in“ einem Charakter ist, wird man weniger Zeit darauf verschwenden, das Aussehen der Figur zu beschreiben, denn: Die Person weiß ja, wie sie aussieht. Als allwissender Erzähler hat man eine gewisse Distanz zu den Gefühlen der agierenden Personen, darf dafür aber auch verraten, was man will – Vorahnungen, Rückblenden, Dinge, die ein bestimmter Charakter noch nicht weiß, … (das erhöht die Spannung).

Manchmal ist es interessant, wie in alten Märchen aus der Sicht einer Figur zu erzählen und gleichzeitig eine gewisse Distanz zu wahren. Dann können die Leser sich selbst überlegen, wie die Figur sich wohl fühlt und was sie denkt.

Ebenfalls beliebt ist die Ich-Erzählerin. Gut, einige Leute halten das für ein „No Go“, aber einmal mehr: Alles ist erlaubt, solange es gut umgesetzt ist. Beim Ich-Erzähler kann man sich aussuchen, ob man „aus der Situation heraus“ erzählt oder ob man das Ganze im Rückblick erzählt, wie eine Geschichte am Lagerfeuer. Die erste Version kann mehr Tempo aufnehmen, die zweite erlaubt Anspielungen und Vorgriffe.

Eher selten sind Geschichten, die in der zweiten Person erzählen – also „du“ und „ihr“. Einmal durfte ich an so einer Ausschreibung teilnehmen, das war eine interessante Erfahrung. Leider gibt es nicht viele Situationen, in denen sich so eine Perspektive lohnt. Andererseits … wer ist gegen Schreibexperimente?

Am Wochenende habe ich übrigens Wasteland von Judith C. Vogt und Christian Vogt ausgelesen. Die Geschichte (sehr empfehlenswert, btw!) wird aus zwei verschiedenen Ich-Perspektiven erzählt und setzt einen wichtigen Punkt exzellent um: Die verschiedenen Stimmen. Denn natürlich erzählen unterschiedliche Leute auf unterschiedliche Weise. Dies betrifft die Wortwahl, den roten Faden, das Tempo, die Wahrnehmung, … – und wenn man einen beliebigen Absatz aus dem Buch liest, erkennt man direkt, wer von beiden erzählt.

Wir fassen also zusammen: Ihr dürft zum Erzählen jede Perspektive einnehmen, die euch gefällt. Allerdings müsst ihr euch auch wirklich darüber im Klaren sein, was ihr aus der jeweiligen Perspektive sehen/wahrnehmen/wissen/erleben könnt.

Guten Freunden gibt man ein Buch – und liest es dann gemeinsam

Habt ihr schon einmal gemeinsam mit jemandem ein Buch gelesen? Ich bin gerade dabei, sozusagen, bei der „Hidden Powers“-Nornenschuber-Challenge im Nornennetz. Falls ihr überlegt, noch einzusteigen, findet ihr die Details (inklusive der noch kommenden Bücher) hier. In der Vergangenheit habe ich Leserunden bei Lovelybooks veranstaltet, aber so richtig warm geworden bin ich mit dem Format nicht. Als Veranstalter*in steckt man da richtig viel Mühe rein, und wenn dann kaum Antworten zurückkommen … für zukünftige Bücher verteile ich lieber so Rezensionsexemplare oder verstecke Rätsel o.ä. zwischen Kapiteln.

Wenn es gerade keine orchestrierten Challenges gibt, tausche ich oft Bücher mit Freund*innen oder empfehle welche und bekomme Empfehlungen – merkwürdigerweise reden wir dann allerdings selten über die Bücher, die wir gelesen haben. Und manchmal, wenn wir doch über die Bücher reden, kommen wir zu sehr unterschiedlichen Urteilen. Aber das ist ja das Schöne an Büchern – sie laden dich ein, auf eine Reise zu gehen, ohne den Weg vorzuschreiben. ^^

 

Über-Arbeitet???

Die letzte Runde großer Textkorrekturen ist immer noch mal wieder erstaunlich arbeitsintensiv. Ich sitze hier mit drei Text- und Notizinstanzen: Dem angeblich endgültigen Text, einem Textfeld für Notizen zu Dingen, die ich im Verlauf der Geschichte noch ändern, verschieben, oder einfügen sollte, und dem offenen Manuskript, in dem ich kleinere Dinge direkt ändere.

Die Notizen aus dem Textfeld werden gelöscht, wenn sie abgearbeitet sind. Außerdem gibt es dort einige „nice to have“-Notizen: Details, die ich einfügen könnte, wenn ich den richtigen Platz dafür finde, und Hintergründe, die der Leser nicht unbedingt zu wissen braucht, die aber interessant sein könnten.

Und ich sammle Wörter oder Ausdrücke, die ich exzessiv verwendet habe. Diesmal sind es Dinge wie „ein wenig“ oder alles, was mit Ruhe zu tun hat: Sich beruhigen, sich ausruhen, … Solche Kleinigkeiten lassen sich mit der Suchfunktion im Manuskript leicht aufspüren und anpassen – wenn man sich ihrer bewusst ist.

Nach dieser Runde werde ich mal wieder davon überzeugt sein, dass ich das bestmögliche Manuskript vor mir liegen habe. Und wenn ich dann später draufgucke oder jemand anderes draufgucken lasse, gibt es wieder etliche Baustellen. Aber irgendwann muss man loslassen, nicht wahr?

Es ist ein bisschen, als würde man einen Fallschirm packen. Man will keine Fehler machen, denn das Ding soll einen tragen. Andererseits darf man auch nicht sein ganzes Leben damit verschwenden, seine Falttechnik zu perfektionieren. Irgendwann muss man springen und hoffen, dass es einen trägt. Und dann faltet man den nächsten Schirm.

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PoisonPainters Märchensommer 2020

Marchensommerrallye
Dies ist eine Station der Märchensommer Märchenrallye von PoiSonPaiNter, den Anfang dieser Runde findet ihr hier. Viel Spaß beim Rätseln!

[…] Umständlich strampelte Regina in die Pedale. Marie, wie sie sich vorgestellt hatte, saß hinter ihr auf dem Gepäckträger und hielt den Korb zur Seite. Zusammen folgten sie einer Spur aus Hufabdrücken und kleinen Federn.
„Hast du eigentlich mitbekommen, dass sie das große Konzert morgen absagen wollen?“
„Das von den Hellhound-Typen?“ Regina wollte nicht unbedingt zugeben, dass sie genau wusste, dass die Band eigentlich anders hieß. Vor allem wollte sie nicht hinausposaunen, dass deren Sänger gerade vor einer verspielten Ziege Reißaus nahm.
„Ja, der Sänger ist wohl gestern auf einem Ball verschwunden.“
„Oh, wie geht das denn?“ Das mit dem Lügen musste Regina definitiv üben, sie klang selbst in ihren eigenen Ohren scheinheilig und verkrampft.
„Keine Ahnung.“ […]

Rallyefrage:Welches Tier steht bei den Bremer Stadtmusikanten ganz unten?
a)    Pferd – Anne Danck
b)    Esel – Tanjas Buchgarten
c)    Ochse – Elenor Avelle

 

LÖSUNGSBUCHSTABE

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Die „Bremer Stadtmusikanten“ waren schon immer eines meiner Lieblingsmärchen – zum einen, weil ich Tiere liebe, und zum anderen, weil es gar nicht wichtig ist, ob sie ihr selbstgestecktes Ziel erreichen. Oder ob sie überhaupt gute Musiker sind. Die Tiere beschließen, einander zu helfen, und finden einen Weg, ihre Leben fortzusetzen, als die undankbaren Menschen sie davonjagen wollen. Sie sitzen nicht da und hadern mit ihrem Schicksal, sondern stehen auf und tun etwas. (So ähnlich gehe ich auch meistens vor, mit gemischten Ergebnissen. Aber langweilig wird es nie!)
Außerdem haben die „Bremer Stadtmusikanten“ einen Gastauftritt im letzten Band der „Magie hinter den sieben Bergen“-Reihe. Ich zitiere mich mal eben selbst:
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[…] Halt, rief ich meine Gedanken zur Ordnung. Nicht, dass ich mich noch tatsächlich in ein Pflanzenwesen verwandelte. Schließlich hatte ich immer noch keine Ahnung, wie die Magie hier vor Ort funktionierte.

»Oh«, hörte ich eine Stimme dicht an meinem Ohr, »genauso wie überall, meine Holde!«

Verblüfft sah ich mich um. Wer hatte meine Gedanken gelesen?

Doch da war niemand. Wenigstens nicht auf Augenhöhe. Als ich den Blick senkte, entdeckte ich zu meinen Füßen einen stämmigen kleinen Kerl mit zerzaustem roten Bart, der vergnügt kicherte. »Starr sie doch nicht so, nachher bleiben ihr die Augen so stehen!«

»Wer bist du?«, flüsterte ich.

Erschrocken hielt der Fremde sich knorrige Händchen an die Ohren. »Was brüllt sie denn so?«

Tut mir leid, dachte ich und beobachtete den Fremden genau, um zu sehen, ob er mich verstand.

Der ließ erleichtert die Hände sinken »Viel besser. Meine zarten Sinne sind nicht gemacht für eine derart grobe Stimme, muss sie wissen.«

Warum kannst du Gedanken lesen?

»Gedanken lesen? Ich?« Der Winzling amüsierte sich über diese Idee. »Wir Gnome hören viel besser als die grobschlächtigen Menschen. Sie braucht nur ihre leise Stimme zu verwenden. Aber Gedanken lesen?«

Gut, wenn er es anders nennen wollte – ich war nicht hier, um Haare zu spalten. Wohin führt dieser Weg?, dachte ich.

»Nun, auf der einen Seite führt er nach links. Und auf der anderen, wie sie sehen kann, natürlich nach rechts. Sie ist wohl nicht sehr klug?«

Arg. Ich rollte mit meinem dritten Auge, so stark der Anstand es zuließ. Hoffentlich konnte er das nicht sehen! Dann formulierte ich meine Frage neu: Gibt es an diesem Weg größere Orte, und wie weit liegen sie entfernt?

»Die Orte interessieren uns Gnome nicht. Laute, schmutzige Plätze, an denen einem die Ohren klingeln! Wenn sie so etwas sehen will, muss sie nur immer weiter gehen, den Musikanten nach«, dabei wies er auf die merkwürdigen Tiere auf dem Weg, die ich schon beinahe vergessen hatte.

Ich folgte seinem ausgestreckten Finger mit dem Blick. Musikanten? Das waren keine Musikanten. Das waren nur ein klappriger Esel, ein Hund, eine Katze und ein – sapperlot, echt jetzt? Entweder meine Schnitzelpflanze produzierte heftige Halluzinogene, oder ich beobachtete gerade aus dem Gebüsch heraus die lokale Version der Bremer Stadtmusikanten. Allmählich dämmerte mir, wo ich mich befand. Also, nicht so wirklich wo, oder was diese Welt eigentlich war. Aber sie hatte auf jeden Fall etwas verstörend Märchenhaftes an sich. Das war eine wertvolle Information.

Der Gnom hatte natürlich mitgehört. »Was soll dieses Märchen sein?«, fragte er neugierig, und seine blauen Augen funkelten mich unter buschigen Augenbrauen an.

Geschichten, die meine Sippen sich erzählen, antwortete ich ausweichend in Gedanken. Und jetzt muss ich mich wieder auf den Weg machen. Vielen Dank für die Unterhaltung. Dann hielt ich noch einmal inne und beschloss, dass ich meine Suche nach Falk auch genauso gut hier und jetzt beginnen konnte. Hast du zufällig in den letzten zwei Tagen einen gutaussehenden Fremden gesehen? Braune Haare? Etwa so viel größer als ich? Und ich deutete Falks Körpergröße mit einer Handbewegung an.

»Gutaussehend, was ist bei Menschen schon gutaussehend?« Der Gnom machte eine abwehrende Geste. »Fremde verirren sich so gut wie nie hierher. Ich bin überrascht, dass sie es so weit geschafft hat.« […]

 

Das war ein Auszug aus Grimmwald, dem Abschluss der „Magie hinter den sieben Bergen“-Reihe. Unpraktischerweise das einzige Buch, das man nicht für sich allein stehend und ohne Spoiler für die anderen Bände lesen kann. Also empfehle ich euch heute den Einstieg mit Band 1 von 9 – oder dem ersten von drei Sammelbänden, in denen ihr alle Geschichten samt Magie und Märchen findet, plus ein wenig Hintergrundinformation.
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Warum sind traumatisierte Figuren nie so richtig traumatisiert?

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Neulich hatten wir es ja schon über Klischees. Jetzt gucken wir uns mal eines davon etwas näher an: Den Kommissar mit dem Trauma. Im schlimmsten Fall hat er zur Kompensation Macken und Marotten entwickelt, wie Monk. Und genau bei dem hat mich gestört, dass, je länger die Serie lief, diese Kompensationsmechanismen immer mehr zur Lachnummer verkamen.

Viele Autor*innen vergessen die Traumata, die sie ihren Charakteren anhängen, um ihnen Tiefe zu geben oder auch im Verlauf der Geschichte, immer mal wieder. Oder sie unterschätzen, wie sehr sich so ein Trauma auf jemanden auswirkt. Der oder die wird dann im Verlauf der Geschichte – zum Beispiel durch „Liebe“ (Würggeräusch) – „geheilt“ oder „überwindet“ sein Trauma.

Ja Mensch, wenn das doch so einfach ist??? Muss man nur mehr drüber reden, dann können sich unzählige Leute den Weg zum Therapeuten sparen. Einfach mal ein wenig traumatindern oder sich etwas mehr anstrengen. So schwer kann das ja alles nicht sein.

Es gibt auch Bücher, in denen das besser gelöst ist. Die „Hunger Games“-Reihe hat beispielsweise ihre Fehler, aber ich mag, dass die Figuren im Verlauf mit den Folgen des Erlebten umgehen müssen – und dafür nicht immer die besten Entscheidungen treffen. Aber das Leben geht weiter.

Wenn wir als Autor*innen hingehen und unsere Figuren quälen, sollten wir uns also schon ein wenig Gedanken über das Wie und Warum und die Konsequenzen machen. Schließlich hoffen wir, dass unsere Geschichten die Leser nachhaltig verändern. Wie sollen wir das schaffen, wenn nicht einmal unsere Charaktere Narben zurückbehalten?

Neustart – können sich Figuren komplett neu erfinden und wenn ja, warum tragen Komissare dann immer alles Leid mit sich herum?

Ehe ich eine Geschichte anfange, plotte ich immer mehr oder weniger ausgiebig. Das hilft mir, den Überblick zu behalten und tolle Ideen für die Geschichte nicht zu vergessen. Beispielsweise hatte ich in meiner aktuellen Plot-Excel-Tabelle erst ein eigenes Sammelbecken für tolle Szenen, die ich irgendwie unterbringen möchte, die dann in den Plot sortiert wurden.

Außerdem kann ich mir Notizen an Szenen machen. In einer Szene wird etwas über die Gesellschaft der entsprechenden Welt erklärt, und daneben im Notizfeld steht: BITTE KEINE KLISCHEES!!!

Denn wir wissen ja alle, wie solche pseudospätmittelalterlichen, diffuse mediterranen Gesellschaften funktionieren. Oder? Könnte ja sein, dass aufgrund der historischen Entwicklung vor Ort ein Tabu besteht, Fisch zu essen. Oder dass Häuser alle blau gestrichen werden. Oder … (es ist vor dem ersten Kaffee, verzeiht mir den Mangel an Einfallsreichtum).

Auf jeden Fall muss ich mir diese Gesellschaft noch angucken, aber ich weiß wenigstens, was ich vermeiden will, und dank dieser Notiz werde ich mich bezeiten hoffentlich daran erinnern.

Andere beliebte Klischees in Büchern:

DER KOMMISSAR: Er ist geschieden, Alkoholiker und/oder Raucher, hat ein (fast) erwachsenes Kind und/oder eine Ex-Frau, mit denen er sich nicht gut versteht. Außerdem gibt es eine unschöne Erinnerung, weswegen er den Fall, um den es geht, nicht übernehmen will – zu persönlich. Natürlich ist er so genial, dass er von den Oberen quasi gezwungen wird.

DAS HÄSSLICHE ENTLEIN: Hat nie im Leben eine einzige „make-over“-Sendung gesehen oder ein Girlie-Magazin in Händen gehalten und weiß deswegen nicht, welchen Effekt eine komplizierte Frisur und sieben Lagen Make-Up auf den eigenen Wert auf der Konventionellen Attraktivitäts-Skala haben. Pluspunkte, wenn sie sich bisher noch keine Körperteile rasiert hat. Da ihr Charakter völlig egal ist, verlieben sich alle in sie, sobald sie ein Sommerkleid trägt.

DIE TRAUMATISIERTE: Außen tough, innen sensibel und verstört. Muss meistens gerettet werden, das geht am besten durch die Genitalien eines gutaussehenden Mannes, den sie erst nicht leiden kann.

DER MILLIARDÄR: Früher war er nur Millionär, aber das ist aus der Mode geraten. Von allen missverstanden, hält sich vielleicht sogar selbst für einen schlechten Menschen. Auch zutiefst sensibel, wird von den Genitalien einer Frau gerettet, die er eigentlich nur wie ein Objekt behandeln wollte. Tja, einmal nicht aufgepasst, schwupps verliebt. (Die Rettende ist oft eine Mischung aus Ente und Traumatisierter.)

DER*DIE REBELL*IN: Jung. Gegen alles. Total unverstanden. Hält „Fight Club“ für ernstzunehmende Kunst. Alle Erwachsenen sind gegen einen. Stimmungsschwünge. Je älter der*die Lesende wird, desto stärker wird das Bedürfnis, ihn*sie zu würgen.

Zugegeben, wenn man die alle in einen Film oder ein Buch stecken würde, könnte das lustig werden. Vielleicht mache ich das irgendwann.

 

Und am Ende waren sie mal wieder alle tot

Oder wenigstens fühlt es sich so an. Ich habe getan, was ich alleine tun kann, die Geschichte ist erzählt und poliert, das Manuskript fertig und auf dem Weg in die große weite Welt. Die letzten zwei Tage habe ich, ungesundes Zeug in mich hineinstopfend, in Gammelklamotten am Rechner gelebt, um noch einmal alles durchzugehen. Jetzt erfülle ich das Klischee der verwirrten, ungekämmten Autorin. Welches Jahr haben wir? Wo bin ich? Was ist das für ein helles Licht da draußen?

Leider dauert es noch eine Weile, bis ihr selbst nachlesen könnt, ob sie tatsächlich alle tot sind. Bis dahin werde ich euch mit anderen Dingen ablenken. Zum Beispiel habe ich jetzt ein paar Wochen Urlaub und schon lange nicht mehr meine Soundbox aufgebaut. Ich könnte euch eine Geschichte vorlesen, wie wäre das? Ist ja schon seit langem versprochen.

Aber nicht heute. Heute lege ich mich auf eine Lieferdienstpizza, breche einen von den guten Beerenweinen an und bin für einen Abend ein nutzloses Mitglied der Gesellschaft. Und morgen mache ich mit dem nächsten Manuskript weiter. Was soll ich sagen? Es wird zauberhaft!

Live und in Farbe!

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Tja, dieses Jahr wird es wohl nichts mit dem Konzertsommer. Drei der Veranstaltungen, für die wir Karten haben, wurden bereits verschoben. Nachvollziehbar und vernünftig, aber so richtig Spaß macht das nicht. Egal, üben wir uns eben in verlängerter Vorfreude.

Geht ihr gerne auf Konzerte? Bei mir ist das ein wenig gemischt. Oft ist es mir zu laut, und große Menschenmengen finde ich schwierig – aber für eine gute Show nehme ich das gerne in Kauf. Ich habe im Lauf der Jahre fast alles gesehen: Von der Straßenperformance zum ausverkauften Stadion und vom Clubkonzert bis zum mehrtägigen Festival. Dabei waren die großen Konzerte nicht immer die besten. Und bei einigen Musiker*innen, muss ich sagen, gibt es ein definitives Gefälle zwischen Studio- und Livemusik. Das kann in beide Richtungen gehen.

In den letzten Jahren war mein Highlight die Gruppe „Kissin‘ Dynamite“, der man die schwäbische Herkunft definitiv nicht anhört. Falls ihr Heavy Metal mögt und euch von Schülerband-Image nicht abschrecken lasst, sind die definitiv einen Ausflug wert.

Natürlich erst, wenn wir diese lästige Covid-Sache hinter uns haben. Passt auf euch auf!

Servicemeldung: Nachhaltigkeit

Ja, ich weiß, das ist so ein Modewort. Aber lasst mich ausschreiben.

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Das hier ist nicht das älteste Handtuch, das wir haben. Es ist … eben rechnen … fast alt genug für den Führerschein (im August ist es soweit, sollen wir eine Party schmeißen?) und war ein Dankeschön von der Wäscherei, in der ich zwischen Schule und Studium gejobbt habe. Eigentlich war ich zwar fürs Geld da, aber so ein Handtuch ist auch ganz praktisch – vor allem, wenn man gerade seinen Studentenhaushalt vorbereitet.

Keine Sorge, ich habe es zwischendrin gewaschen.

Natürlich sieht es ein wenig ranzig aus. Es ist nicht mehr komplett symmetrisch, und irgendwann ist jemand (hust!) auf die Idee gekommen, schnell ein wenig schwarze Schuhcreme wegzuwischen, das kann man bestimmt auswaschen … na ja, das Handtuch trocknet trotzdem. Wir bieten es eben nicht mehr Gästen an.

Die ältesten Handtücher, die wir haben, habe ich übrigens von meinem Vater geerbt, als ich ausgezogen bin. Die haben mehr als zwanzig Jahre auf dem Buckel (aber noch keine dreiundzwanzig, so genau kann ich es eingrenzen). Und es gibt ein paar Waschlappen und kleine Handtücher, die meinem Großvater gehört haben. In unserem Küchentuchregal sieht es ähnlich aus. Da ist wenig Hübsches, aber solange es tut, was es soll, gibt es wenig Grund, etwas zu ersetzen.*

Aber ich bin ja sowieso verrückt, ich wasche auch Küchenschwämme so lange, bis sie fast zerfallen, und verwende sie eben für Terrarium, Bad, … weiter. (Zum Spülen verwende ich Spüllumpen, wie es sich gehört.) Außerdem in meinem Besitz: Wiederverwendbare Abschminkpads und Baumwolltaschentücher.

Und was mache ich mit den Reichtümern, die ich dadurch spare? Natürlich in Bücher investieren. Die machen auch nachhaltig glücklich.

 

*Mit einer Ausnahme: Vor Jaaahren hatte ich Bettwäsche bestellt, und ein Paar Sets war in nicht ganz passenden Farben geliefert worden. Das eine war mehr so grün, das andere eher gelblich. Nachdem ich mich zehn Jahre jedesmal beim Bettenbeziehen darüber geärgert habe, habe ich die beiden Sets vor einem Monat endgültig in die Altkleidersammlung gegeben. Sonst wäre ich noch völlig verrückt geworden, sagt mein Einhorn.

Kleider machen Leute, oder: Seid froh, dass ich angezogen bin

Die Tage spielte der Mann eines dieser typischen Jump/Run/Fight-Spiele auf der Konsole, und wie so oft saß ich daneben und wusste alles besser.

Es ging unter anderem darum, mit Hilfe von Robotern gegen andere Roboter zu kämpfen. Und die helfenden Roboter hatten als weiblich zu lesende Körper – inklusive hoher Absätze.

Wenn ich mir überlege, wie groß im Moment noch die Schwierigkeiten sind, auch nur vierbeinige Roboter im Gelände nicht umkippen zu lassen, halte ich das ja schon für etwas weit hergeholt.

Und überhaupt, welchen Sinn hat es, Kampfrobotern sexy Körper und Absätze zu geben? Wenn ich als Roboter ein Mitspracherecht hätte, dann hätte ich stattdessen doch lieber drei zusätzliche Maschinengewehre.

Wahrscheinlich wollten die Designer nur ein wenig spielen und die verschiedenen Roboter leichter voneinander unterscheidbar machen. Aber einen Augenblick mitdenken hätte nicht geschadet. Wer baut Roboter so, dass sie extra unsicher stehen? (Ja, ich halte mich an den Absätzen stärker auf als an der schmalen Taille und den Robobrüsten – in denen sind vielleicht Geschosse versteckt.)

Solche unlogischen Entscheidungen begegnen einem oft in Filmen und Büchern. Da tragen Amazonen keinerlei Rüstung, Waldläuferinnen lange Kleider (mit denen man sich garantiert nicht im Gebüsch verfängt – für euch getestet [/sarkasmus]) und Piraten unter der sengenden Sonne gehen gerne ohne Hemd. Ich verstehe durchaus den optischen Appeal solcher Entscheidung, aber als Erschaffer solcher Welten sollte man immer im Hinterkopf behalten – eure Figuren leben in diesen Welten! Die haben es unbequem, wenn ihr Mist baut. Oder schlimmer noch, sie fallen über ihre Absätze, bleiben mit dem Ballkleidsaum hängen und erwürgen sich, wenn sie von der Klippe fallen!

Vor kurzem haben wir mit einigen Autorinnen überlegt, dass wir mal ein eigenes Shooting für Coverfotos machen müssten, denn – genau solche dusseligen Klamottenentscheidungen findet man auch oft auf Stock Photos, wie viele Leute sie eben für ihre Cover verwenden (ist eine Preis- und Aufwandsfrage). Man findet eben keine vollständig und praktisch bekleidete Kriegerin mit Schwert. Stattdessen laufen zierliche Damen im Abendkleid, die noch nie eine einzige Schwiele an ihren weißen Fingern hatten, barfuß um Mitternacht ins Unterholz. Geiler Plan.

In Serien sehe ich das auch oft – vor allem Polizistinnen in US-Serien, die auf Absätzen Verdächtige verfolgen. (Ja, die Sache mit den Absätzen stört mich echt. Die sind unbequem. Und schlecht für die Füße. Ist mir völlig egal, wie hübsch die sind.) Wenn du weißt, dass du den ganzen Tag zu Fuß unterwegs bist, ziehst du DIE Schuhe an? Natürlich, die passen schließlich zum Spitzentop, unter dem man wirklich keinen sinnstiftenden BH anziehen kann.

Gut, mir ist ja meistens schon das Basis-Make-Up für einen gewöhnlichen Arbeitstag zuviel. Die Kolleg*innen können wirklich mehr als glücklich sein, dass ich angezogen komme. Und zur nächsten Feier, bei der auf der Einladung „festliche Abendgarderobe“ steht, ziehe ich mir einen Pyjama an und wälze mich in Glitzer. Aber sogar die Freundinnen, die viel auf ihr Aussehen geben, gehen nicht in hohen Schuhen spazieren oder radfahren. Die sind nämlich alle schlau.

(Bei Männern gibt es bestimmt ähnliche Mode-Dummheiten, die ich nur nicht kenne, weil ich so selten Männerkram trage. Helft mir aus!)