Ein kurzer Rückblick: Die Fabula Est 2019

Letzten Samstag war mal wieder Buch-Life angesagt: Zusammen mit der extrem hilfsbereiten Andrea ging es nach Solingen zur Fabula Est. Dort hatten wir einen ganzen Tisch für uns, und nachmittags durfte ich auch noch aus „Magie hinter den sieben Bergen: Winter“ vorlesen.

Viele (nicht nur) Schreibende fragen, wenn man von solchen Events erzählt: „Und, hat es sich gelohnt?“ Ich bin nie ganz sicher, was dann von mir erwartet wird, deswegen einmal eine Aufdröselung:

Rein wirtschaftlich betrachtet ist so ein Event für Kleinst-Mini-Winz-Autorinnen wie mich meistens ein Reinfall. Ich rechne mir gar nicht aus, was ich verkaufen müsste, ehe Standkosten, Fahrtkosten, Deko, Zeitaufwand, Verpflegung etc. „wieder drin wären“. Sagen wir soviel: Reich wird man auf jeden Fall nicht, eher im Gegenteil.

ABER: Man lernt sehr viele tolle Leute kennen. Andere Autor*Innen, Blogger*Innen, generell lesende Menschen. Es ergeben sich viele lustige Gespräche, nicht nur zum Fachthema. Und natürlich: Ich lese ja selbst, wenn man mich lässt. Also ist es auch immer eine tolle Gelegenheit, viele neue Bücher zu sehen, die ich so vielleicht gar nicht bemerkt hätte. (Wobei ich mich diesmal arg zurückgehalten habe, schließlich wollte ich nicht mehr mitschleppen, als ich hingebracht habe.)

Ich kann auf jeden Fall sagen, dass mir solche Events überraschend viel Freude bereiten, und ich bin bestimmt nicht zum letzten Mal in „Buch-Life-Mission“ unterwegs.

Zum Schluss ein paar Links:

Fabula Est

Chii Rempel

Andrea die Lüsterne

Lifehacks, die keiner braucht

Wenn wir auf der Arbeit fünf Minuten Abwechslung brauchen, teilen wir lustige Artikel miteinander. Ganz vorne dabei sind Sammlungen von sogenannten „Life Hacks“ – unorthodoxe Ideen, mit denen man sich das Leben angeblich viel einfacher macht. Angeblich – im Ernst, viele dieser sogenannten Lifehacks sind überflüssig, dämlich … oder im besten Fall sogar gefährlich (oder möchte sich einer von euch Zahnpasta auf die Augenringe machen?).

Deswegen stelle ich euch heute meine ganz persönlichen Life Hacks für alle Lebenslagen vor. Anwendung auf eigene Gefahr.

  • Im Restaurant kleckerst du dich immer voll? Iss nackt!
  • Lästige Pickel im Gesicht? Mal mit Konturenstift Pfeile und Herzchen auf deine Stirn, und niemand wird auf deine Pickel achten!
  • Kein Geld für Permanent MakeUp? Edding als Eyeliner-Ersatz!
  • Teure Urlaubspläne? Lass dich vom Drogenkartell entführen und verlange Geld dafür, dass du sie wieder in Ruhe lässt.
  • Radfahren ohne beschmierte Hosenbeine? Zieh die Hose erst an, wenn du angekommen bist, das ist auch schön luftig.

REZENSION: Wyvern: Das Streben des Jägers

Wyvern

LINK

KLAPPENTEXT:

»Du hast sicherlich schon von den Reitern gehört?«
»Gerüchte, ja. Blutreiter vom Roten Gebirge. Menschen, die ihre Seelen der Wilden Jagd verkauft haben, derer sie nun dienen. Schauermärchen.«
»Ganz und gar nicht. Wie so oft versteckt sich die Wahrheit in einer Hülle aus Hirngespinsten und Legenden.«

Der unehrenhafte Tod Jergan van Cohens liegt lange zurück. Sein Zögern, einen Blutreiter zu töten, wurde ihm im Kampf gegen dessen Wyvern zum Verhängnis.
Tarik verschreibt sein Leben dem Ziel, den Namen seines Vaters reinzuwaschen. Als Jäger will er sich und seinen zehnjährigen Bruder Quirin aus den Armenvierteln Canthars herausbringen doch obwohl er zu den besten Schülern der Akademie gehört, will ihm die Kommission die Zulassung zur letzten Prüfung erneut verweigern.
Sein Mentor Khaled setzt sich für ihn ein, doch da verstößt Quirin gegen eines der strengsten Gesetze der Stadt. Er versteckt das Ei eines Wyvern in einer Grotte.
Und die geflügelte Echse schlüpft.

Vorab sei gesagt, dass ich das eBook „Wyvern: Das Streben des Jägers“ von der Autorin Veronika Serwotka als Rezensionsexemplar bekommen habe, um das ich mich vorab beworben hatte. Auf meine Meinung zu diesem Buch hat das natürlich keinen Einfluss.

Zuerst möchte ich positiv betonen, dass viele Tropes, von denen man (oder wenigstens ich, vielleicht ist das so eine Art literarischer Würgereflex?) das kalte Kotzen bekommt, in diesem Buch großzügig ausgelassen werden. Tarik, der Protagonist, ist kein junger enthusiastischer Hitzkopf, der durch Lektionen in Sachen Demut zum Helden wird. Seine Freundin Fajeth ist keine hilflose Blume, die gerettet werden muss. Es gibt kein Liebeswerben oder romantische Missverständnisse, die sich mit einem einfachen Gespräch unter vernünftigen Menschen aus der Welt räumen ließen. Ebenfalls fehlen schwache Erwachsene, die den jungen Protagonisten zur Last fallen und sie zwingen, Verantwortung zu übernehmen.

Stattdessen begegnen wir zwei Jungen – beziehungsweise einem jungen Mann und dessen jüngerem Bruder Quirin – die ohne Eltern aufwachsen. Der junge Mann, Tarik, bemüht sich darum, endlich die Prüfung abzulegen und offiziell in die Ränge der Wyvern-Jäger aufgenommen zu werden. Die Phase vor der Prüfung ist sehr anstrengend, weswegen ihm entgeht, dass sein Bruder etwas sehr Leichtsinniges macht: Er brütet einen Wyvern aus …

Soweit die Anfangssituation. Und jetzt komme ich zu meinem Hauptkritikpunkt an dem Buch: Was ich gerade in einem Absatz zusammengefasst habe, nimmt ungefähr die ersten zwei Drittel des Buches ein. Mit viel Liebe zum Detail wird das Leben in der Wyvernjägerstadt Canthar beschrieben, einschließlich der Beziehungen aller möglichen und unmöglichen Charaktere. Als Leserin bekommt man erklärt, weswegen alle die Wyvern hassen und wie die Gesellschaft aufgebaut ist. ERST DANN kommt tatsächlich Bewegung in die Sache, als man über Quirins Beziehung zu seinem frischgeschlüpften Wyvern erfährt und mitbekommt, wie hart einige Leute in der Stadt dagegen kämpfen, dass Tarik endlich seine Prüfung ablegen kann. Gegen Ende wird es richtig spannend und ich möchte durchaus wissen, wie die Geschichte weitergeht, aber dass ich es überhaupt soweit geschafft habe, ist unter anderem den wunderschönen sonnigen Ostertagen auf dem Balkon geschuldet. Vielleicht bin ich zu ungeduldig?

Wer sich gerne in fremde Welten entführen lässt und die Atmosphäre in exotischen Städten genießt, ist mit „Wyvern: Das Streben des Jägers“ auf jeden Fall gutbedient und wird das Leseabenteuer genießen.

Kurz vor dem sicheren Hafen der Ehe

… nein, nicht ich. Wo denkt ihr hin? Eine gute Freundin hat sich nach ausgiebiger Prüfung entschlossen, dass es jetzt auch nicht mehr drauf ankommt, und heiratet demnächst. Und was kommt davor?

Der Junggesellinnenabschied.

So richtig wild soll es nicht werden, das steht schonmal fest. Wir sind schließlich alle nicht mehr die Jüngsten. Ein bisschen Wellness wäre schön. Oh, und es muss bald stattfinden, denn ihre Hochzeit ist Anfang Mai.

Warum müssen manche Leute immer so furchtbar spontan sein?

Und wisst ihr, wer gar nicht spontan ist?

MENSCHEN ÜBER DREISSIG.

Ich also, herzensgute Person, versuche vergeblich, mehr als zwei Personen mit eigenem Leben und vollem Terminkalender an einem Samstag im April zu versammeln, damit wir es uns mit der Braut noch einmal gemütlich machen können.

Im Moment sieht es aus, als seien wir zu viert (inklusive Braut). Eine weitere gemeinsame Freundin feuert uns aus der Ferne an, die ist selbst schwanger und fühlt sich soviel Aufregung nicht gewachsen.

Als nächstes: Der Zeitplan. Wir können nicht zu früh anfangen, sollten aber auch nicht zu spät aufhören. Nach einigem Schieben sieht es so aus, als könne alle Bespaßung zwischen 15:30 und 21:00 h stattfinden. Mein einziger Trost: Richtig teuer wird es in der kurzen Zeit wahrscheinlich auch nicht.

Eine fünfte Person meldet sich spontan. Das geht nicht mit rechten Dingen zu.

Einige Tage später hasst uns der Wellness-Anbieter nach mehreren spontanen Umentscheidungen wahrscheinlich, und ich fürchte, dass wir einen „Spezialaufguss“ mit Biberurin oder so bekommen. Ich versuche, diverse Sonderwünsche und Planänderungen mit extraviel Lob in den E-Mails zu polstern. Die arme Dame, die das alles organisieren muss, tut mir leid – auch wenn sie inzwischen rote Farbe für die Schrift ihrer E-Mails nutzt und nur noch fett gedruckt kommuniziert.

Nachdem wir der Braut glaubhaft versichert haben, sie müsse eine Rheumadecke kaufen und/oder werde mit Schnee abgerieben und/oder auf der Beueler Seite im Rheinufer vergraben, wird es doch noch ganz gemütlich. Zwischen Wellness und Restaurant finden wir sogar noch Zeit für Cocktails. Und obwohl es an diesem Tag DREIMAL auf mich draufschneit (im April, wohlgemerkt), finde ich es gar nicht so furchtbar. Kein Wunder, ist ja auch hervorragend organisiert. Und wenn man davon absieht, dass wir wahrscheinlich das komplette libanesische Restaurant mit unserem „Penis Talk“ unterhalten haben, waren wir auch wirklich zivilisiert. (Psst, die Braut hat eine rohe Paprikaschote mitgehen lassen!)

Auf jeden Fall ein weiteres gutes Argument dafür, einfach durchzubrennen und niemandem von der Hochzeit zu erzählen, bis das Erstgeborene Abi macht.

 

Neues aus der Tentakelwelt

Wenn man Erscheinungen hat, kann man einiges tun. Zum Arzt gehen, beispielsweise. Oder sich informieren, wie das mit der Seligsprechung denn wohl funktioniert.

Oder man macht es wie ich und listet die eigenen Erscheinungen auf: ERSCHEINUNGEN.

Manchmal bin ich nämlich wie ein Hirngespinst, oder eine Vision. Ich erscheine – auch euch, wenn ihr wollt, dafür müsst ihr nur an den entsprechenden Tagen zu den entsprechenden Veranstaltungen kommen. Und damit ihr euch mit mir nicht langweilt, bringe ich noch etwas mit: Andrea mit Hut. Oder vielleicht auch nur den Hut, ohne Andrea. Die braucht schließlich auch mal Urlaub.

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Den Hut hat Andrea übrigens bei Miranda’s Choice in Auftrag gegeben. Geht hin, kauft Kopfschmuck! (Als nächstes hätte ich gerne eine Tentakelfliege.)

Der Duft des Frühlings

Der Gartenfrühling hat begonnen.

Der Gartenfrühling ist eine besonderes Variante des regulären Frühlings.

Und woran erkennt man, dass der Gartenfrühling begonnen hat?

Nun, wenigstens in einer guten deutschen Siedlung am Benzinduft, der an einem Samstag Vormittag in der Luft liegt, begleitet vom lieblichen Gesang der Laubbläser.

Denn ihr müsst wissen, Dinge wie Besen oder Laubrechen sind Instrumente des Teufels, mit denen er den braven deutschen Gärtner im zwanzigsten Jahrhundert festhalten will, als man noch nicht fossile Brennstoffe verschwendet hat, um die Natur im heimischen Garten sauber und ordentlich aufzuhäufen.

Ich sitze also bei offener Balkontür auf dem Sofa und lese mein Magazin. Einige Etagen unter mir tobt sich der Laubbläser so richtig aus.

Gute deutsche Gartenordnung!

Auf unserem Balkon stehen die leeren Pflanzkästen und -kübel vom letzten Jahr. Der Apfelbaum treibt bereits Blüten. Die leeren Bierkästen könnte ich mal entsorgen. Unter dem Balkondach sammeln sich Spinnweben. Auf dem größten Pflanzkasten steht eine Schale mit Murmeln und Zuckerwasser für die Bienen. Der Kater thront auf der Rückenlehne des Balkonstuhls, den ich natürlich nicht im Herbst in den Keller getragen habe. Er sonnt sich.

Nach einer halben Stunde verstummt der Laubbläser, pünktlich zur Mittagszeit.

Eine milde Brise lässt den Wohnzimmervorhang wallen. Stille breitet sich aus Es riecht wieder nach Frühling.

Ist das Leben nicht schön?

iMprESSionEn

Oder auch: Wie ich mich an möglichst vielen Leuten gerieben und diverse andere Leute angeleckt habe.

Auf den Fotos sind unter anderem zu sehen:

Anja Bagus

J. S. Hartmann

Thorsten Hoß

Babsi

Eleonore Laubenstein

Timo Koch

Katharina Rauh

Katrin Ils

Anne Zandt

Brida Anderson

Andere Leute habe ich getroffen, aber nicht fotografiert, und ein paar Leute habe ich fotografiert, aber mein Telefon macht Faxen und die Fotos kommen dann später. Es war megaanstrengend und supertoll und überhaupt will ich natürlich wieder hin. Und ihr so?

Nicht der Postmessepost

(Ich verspreche, ein kurzer Messebericht mit vielen bunten Bildern kommt noch, aber mir fehlt gerade ein Kabel, und stattdessen habe ich zu viele Gedanken. Hier sind ein paar.)

Das Büro, in dem ich arbeite, ist nicht gerade die Speerspitze der Innovation. Dementsprechend arbeiten hier wenige karriereorientierte junge Giganten, sondern mehr so … normale Leute. Menschen, die nach dem Büro nach Hause gehen und froh sind, dass man ihnen für den Monatslohn nur selten ein Körperteil abschneidet. Nicht mehr die Jüngsten. Menschen, die gelernt haben, Kompromisse einzugehen – wenn man Familie (oder wenigstens Kinder) hat oder die Angehörigen krank und pflegebedürftig sind, wenn die eigene Ausbildung aus dem Heimatland vom Staat nicht anerkannt wird oder man aus diversen Gründen kaum Anspruch auf Unterstützung hat, dann arbeitet man halt, beispielsweise hier, und macht das Beste aus der Situation.

Keine Sorge, das ist kein Jammer-Beitrag. Nur, damit ihr euch die Leute hier vorstellen könnt. Wir kommen morgen her, stempeln ein, arbeiten bis Feierabend, trinken zwischendurch einen Kaffee oder Tee und vergessen alles, was im Büro passiert ist, sobald wir am frühen Abend das Gelände verlassen. Wir sind nicht „die Elite“, nicht „die Großen von Morgen“, keine „Wunderkinder“.

Unter diesen völlig normalen, langweiligen Menschen gibt es allerdings viele, die im fortgeschrittenen Alter noch schnell ihre Kreativität entdecken – und da wird es spannend. Die Dame aus der Buchhaltung, die mit knapp 50 Jahren anfängt, Saxophon zu lernen (denn das allein aufgezogene Kind ist endlich aus dem Haus und sie hat jetzt etwas Zeit für sich). Der Laufbursche, der in seiner Freizeit Schmuckvögel züchtet, seit er  endlich einen kleinen Garten hat. Die Fahrerin, die Abends noch Kleider näht, weil sie es möchte. Diese Liste ließe sich fortsetzen. Einige designen, andere spielen Theater, singen, …

Wenn man da so drüber nachdenkt, wundert einen das vielleicht im ersten Moment. Diese Leute, die nie irgendwas „Künstlerisches“ gemacht haben, entdecken plötzlich ihre schöpferische Ader? Was soll das – Midlife-Crisis? Füllen sie mit der „Kunst“ die Leere, die nach der Nestflucht der Kinder (oder dem Verblassen der eigenen Jugendträume) übrigbleibt?

Nö. Also, ich glaube das nicht. Meiner Meinung nach gibt es ein anderes Problem, das viele Leute trifft: Wenn wir aufwachsen, wird uns weißgemacht, dass „Kunst“ etwas sei, was man machen kann, wenn für alles andere gesorgt ist. Wenn man einen festen Job hat, ein Haus, wenn die Familie versorgt ist, der Autokredit abbezahlt, die Küche sauber – und wenn man DANN noch Energie hat, kann man ja mal so ein bisschen Kunst. Es sei denn, man gehört zu den Genies, denen alles von klein auf in die Wiege gelegt wurde. Die erkennt man am Glorienschein und der Muse auf der Schulter oder so.

Dabei ist Kunst eigentlich überlebenswichtig. Bilder, Skulpturen, Texte und Musik sind die ältesten Ausdrucksformen. Schon immer wollten Menschen ausdrücken, was in ihnen war, und es für die Nachwelt hinterlassen (sogar wenn die Nachwelt davon vielleicht nie etwas mitbekommt). Ich spreche jetzt mal für mich selbst: Wenn ich ein paar Tage nicht geschrieben habe – und ich bin weder ein Genie noch berühmt, die Zeit fürs Schreiben ist von den „wichtigen“ Alltagsdingen gestohlen – werde ich unleidig. Glücklicherweise sind künstlerische Hobbies in meiner Familie weit verbreitet. Auch wenn immer gesagt wurde, ich solle mich erst um einen vernünftigen Job kümmern, ehe ich an meiner Schriftstellerkarriere arbeite, wurde ich nicht aktiv entmutigt. Wir Kinder hatten Zugang zu Büchern, Stiften und Papier und, soweit das Budget es zuließ, zu Musikinstrumenten. Alle meine Schwestern haben immer irgendwas geschaffen, was vorher nicht da war. Trotz Kindern, Häusern, Jobs. Und wir sind, trotz aller Begrenzungen, behaupte ich mal, gerade dadurch glücklichere Menschen.

Also: Für mehr Kunst. Ohne Berücksichtigung von Genie, Talent oder wirtschaftlicher Plausibilität. Für mehr Kunst, weil Kunst wichtig ist. Und vor allem für mehr Kunst, die „nichts bringt“, einfach, weil man es möchte.

Ergibt das außerhalb meines Kopfes überhaupt Sinn? ^^

 

Stille Kunst

Samstag Abend hatten der Mann und ich ein Date, bei dem wir uns endlich mal wieder beide so richtig jung fühlen konnten: In der Bundeskunsthalle wurde „Metropolis“ gezeigt. Zwar nur mit Musik vom Band, aber dafür in ungefähr fast vollständiger Länge. Was ich nämlich vorher auch nicht wusste: Kurz nach der Erstaufführung wurde der Film vehement gekürzt und überarbeitet, und etwa ein Viertel des Materials (wenn ich mich korrekt an die einleitende Ansprache erinnere) galt lange als verschollen. Erst vor wenigen Jahren tauchte in Buenos Aires das fehlende Material (größtenteils) wieder auf, allerdings in schlechterem Zustand. Fachleute hatten dieses Material liebevoll wieder eingefügt und das, was noch fehlte, durch erklärende Texte ergänzt.

Also hatten wir gut 140 Minuten Film – ohne ein einziges gesprochenes Wort. Und ich muss sagen, ich bin beeindruckt, wie gut verständlich die Figuren auch sprachlos waren. Gut, für heutige Verhältnisse waren manche Szenen vielleicht ein bisschen überspielt, aber wir haben uns definitiv nicht gelangweilt. Und wenn man dazu noch bedenkt, mit was für bescheidenen Mitteln die Special Effects erreicht werden mussten, ist „Metropolis“ ein Film, den man duchaus auch heute noch gucken kann und soll.

Übrigens wusste ich vorher gar nicht, dass die Vorlage für „Metropolis“ von einer Autorin stammt, nämlich von Thea von Harbou, welche als eine der bedeutendsten Frauen des frühen deutschen Films gilt. Auch im Bereich der Belletristik war sie überaus produktiv – umso merkwürdiger, dass man den Namen heutzutage so selten hört. Ich werde auf jeden Fall recherchieren.

Smartphones – die Stiefkinder der Kreativität

Manchmal scheint mir, als hätten Autoren seit den Neunzigern nicht viel dazugelernt. Sie setzen Leute in unmöglichen Situationen aus – und das erste, was sie machen: Sie nehmen ihnen auf eine mehr oder weniger dumme Weise das Telefon weg.

Einige ältere Generationen erinnern sich vielleicht noch daran – als ich im Gymnasium war, waren Handys neu und aufregend, SMS waren teuer und längst nicht jeder hatte so ein grandioses Teil.

Inzwischen gilt man als seltsam, wenn man KEIN Handy hat.

Viele Stories sind allerdings ganz leicht zu lösen, wenn die Charaktere ein Telefon haben – glaubt man wenigstens.

Verlaufen? Dein Telefon hat GPS und eine Karten-App.

Jemand bricht in dein Haus ein? Ruf die Polizei.

Du siehst etwas Seltsames? Mach schnell ein Foto davon. Die meisten Smartphone-Kameras sind besser als das, was Hobbyfotografen damals mit sich herumschleppen (und die Fotos dann für teures Geld entwickeln lassen) mussten. Und meine Güte, die Dinger haben ja sogar Videofunktion!

Was macht die findige Autorin also seit den Neunzigern? Sie lässt dem Handy die Batterie auslaufen. Oder ausgerechnet im entscheidenden Moment haben die Charaktere ihre Handys vergessen – im Auto, daheim, im Büro. Oft lassen sie es auch absichtlich liegen, weil sie bestimmten Anrufen aus dem Weg gehen wollen (oder, jüngeren Datums, ein Technik-Sabbatical-Wochenende machen). Ebenfalls beliebt sind kleine Unfälle, bei denen das Telefon dann durch Ungeschicklichkeit gebrauchsunfähig wird. Oder man schickt die Leute eben fix in die Wildnis, wo es kein Netz gibt.

Ich finde das inzwischen ziemlich faul. Smartphones sind inzwischen überall, und sie verschwinden auch nicht eben schnell, weil Autorinnen es sich wünschen. Aufgebrauchtes Datenvolumen kann man aufstocken, in großen Teilen der zivilisierten Welt ist der Empfang flächendeckend und wer Angst um seinen Akku hat, trägt eine Powerbank mit sich. Einmal abgesehen davon, dass man Smartphones fast überall laden kann und die meisten Leute das auch konstant tun.

Und wenn wir einmal ehrlich sind – Smartphones lösen gar nicht alle Probleme. Sogar wenn der Held im entscheidenden Moment die Polizei rufen kann, braucht die trotzdem noch eine Weile, um anzukommen. Falls er überhaupt glaubhaft vermitteln kann, was gerade los ist und wo er sich befindet. Fotos und Videos von merkwürdigen Ereignissen könnten manipuliert sein. Und auch wenn man weiß, wo man sich befindet, kann man trotzdem kilometerweit von Hilfe entfernt sein. Sogar wenn man anderen seinen Standpunkt exakt mitteilen kann.

Ich finde, wir sollten Smartphones stattdessen lieber für unsere Zwecke einsetzen. Sie lösen nicht alle Probleme, sie ruinieren nicht jeden Plot und sie können unser Leben sowohl einfacher als auch gefährlicher machen – je nachdem, wie die Autorin sie einsetzt.