Schade um die schöne Messe

Die „Buchbubble“ hat es bestimmt schon mitbekommen – die Leipziger Buchmesse 2020 findet nicht statt. Ob man das jetzt für Panikmache hält oder für eine sinnvolle Maßnahme, um die Ausbreitung von Corvid-19 zu verhindern, sei einmal dahingestellt. Ich finde es trotzdem schade, dieses Jahr so viele tolle Leute nicht in Leipzig zu treffen. Andererseits bin ich selber gesundheitlich gerade auch angeschlagen und dankbar, wenn ich mich ein paar Tage auskurieren kann, denn: Urlaub eingereicht habe ich ja schon, und den nehme ich auch. Vielleicht besuche ich statt der Bücher meine Familie, die ist auch toll. Das muss ich alles noch überlegen und planen.

Stattdessen gibt es allerdings, dem Internet sei Dank, viele tolle Aktionen. Als Beispiel sei hier das Hashtag #bücherhamstern genannt, unter dem Leute auf Twitter die Bücher vorstellen, die sie sonst zur Buchmesse mitgenommen hätten. Auch sonst gibt es viele Aktionen auf den üblichen SoMe-Kanälen, mit denen man sich vom 12. bis zum 15. März toll die Zeit vertreiben kann.

Vom Nornennetz stehen wir jetzt natürlich vor einem ordentlichen Haufen Vorbereitungen, die wir gerade nicht brauchen können. Aber die lagern wir für das nächste Jahr ein. Da treffen wir uns nämlich alle in Leipzig wieder, wenn nicht gerade die Welt untergeht.

Upps, jetzt hab ich’s gejinxt.

Ronja Räubertochter – Hidden Powers

Nachdem die Süddeutsche es für wichtig befand, Männern in der Literatur mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, und den „Männerschuber“ Soulmates zusammenstellte, haben die fleißigen Nornen sich ebenfalls an die Arbeit gemacht. Bis Ende des Jahres lesen wir jeden Monat gemeinsam ein anderes Frauenbuch. Die Auswahl wurde durch Abstimmung aus vielen Vorschlägen getroffen. Und den Anfang macht der Kinderbuchklassiker „Ronja Räubertochter“.

Zugegeben, ich musste mir das Exemplar gebraucht besorgen. Denn ich kenne zwar die Verfilmung aus dem Jahr 1984 und wir hatten mal eine Themeneinheit zum Buch in der Schule, aber komplett gelesen hatte ich es noch nicht. Jetzt reist es also in den kommenden Tagen mit mir durch Bonn, damit ich in den Öffis immer etwas zu lesen dabei habe.

Eins ist mir schon aufgefallen – das aufbrausende Verhalten von Räuberhauptmann Mattis bereitet mir Bauchschmerzen. Ich erinnere mich nämlich daran, dass es für Kinder gar nicht lustig ist, mit so unberechenbaren Erwachsenen zusammenzuleben. Aber Ronja steckt das ziemlich gut weg. Auch sonst haben wir einiges gemein … bis heute bin ich draußen in den Wäldern, so oft ich kann. Ich glaube, als Kind war ich einfach konstant schmutzig. Das war ein Spaß!

Urlaub – träumt ihr noch oder plant ihr schon?

IMG_2466

Das war letzten Sommer in Scheveningen.

Meine Kolleginnen sind bereits wieder im Urlaubsfieber. Die erste treibt sich in Wien herum. Die zweite muss demnächst dringend mal wieder nach Amsterdam, und ich selbst habe mich auch schon verplant: Für London. Städtetrips sind gerade in Mode. (Prag muss dieses Frühjahr wieder ausfallen, weil wir lieber neue Bremsen für unser Auto hätten – ja, wir haben ganz falsche Prioritäten, haben unsere Freunde auch schon gesagt. Es bleibt also spannend. Ich gebe nicht auf.)

Und während ich so plane und träume und verschiebe und es draußen ganz usselig kalt ist, überlege ich – was war eigentlich mein bester Urlaubsmoment?

Im Ernst, ich kann das so gar nich sagen. Als wir als Erwachsene das erste Mal in einen richtigen, selbstverdienten Urlaub geflogen sind, das war schon ziemlich cool. Oder als wir auf Island vor der Gletscherlagune standen. Ich mag Sonnenuntergänge am Meer und außergewöhnliches Essen. Das Hotel in Agadir war hübsch und wir haben das Atlasgebirge gesehen. Brugge war ein Schatz und Dublin sowieso. Von Den Haag habe ich euch erst letzten Sommer vorgeschwärmt, das spare ich mir mal.

Also, alle unsere Urlaube waren Highlights. Vielleicht bin ich besonders leicht glücklich zu machen. Wo wir kommenden Herbst herumliegen wollen, weiß ich noch gar nicht – der Mann hat ein Bedürfnis nach Meer geäußert, aber da ist ja noch das ewige Ringen um die Goldene Stadt, oder wir könnten ein Ferienhäuschen in der Toskana, und Berge sind ja auch hübsch … hach, ihr seht das Problem.

Habt ihr schon Urlaubspläne für das kommende Jahr? Oder Abenteuer, an die ihr besonders gerne zurückdenkt?

Der Überarbeitungsprozess

Viele Autor*innen, die ich kenne, mögen den Überarbeitungsprozess gar nicht. Mir geht das genau so. Ich meine, der erste Entwurf macht Spaß, da entdeckt man so viele aufregende neue Sachen! Und gewiss ist er genial und muss nicht noch überarbeitet werden, als sei man so ein kleiner durchschnittlicher Buchstabenhacker?

Papier

Fotograf: Forest Simon, gefunden auf Unsplash

Tja, schlechte Neuigkeiten: Sogar wenn du genial bist – und ich wenigstens bin es definitiv nicht – kann dein Buch immer noch besser werden. Deswegen stelle ich hier meine aktuelle Methode vor, wie ich meine „fertigen“ Geschichten zu noch besseren Geschichten mache.

Geschichte schreiben.

Selbsterklärlich. Der Spaßteil.

Geschichte ruhen lassen und alles vergessen.

Je schlechter das Gedächtnis, desto leichter geht das. Es hilft auch, andere Geschichten zu schreiben – allerdings wächst dadurch der Stapel der Geschichten, die du überarbeiten musst.

Geschichte lesen. Großzügig Notizen machen, was alles Mist ist.

Dafür benutze ich ein Notizbuch – da kommt alles rein, was mir auffällt. Name passt nicht? Dinge werden dreimal erklärt, oder gar nicht? Die Tageszeiten springen wild durcheinander? Jemand, der eigentlich cool und sympathisch sein sollte, wirkt wie ein altes Ekel? Kommt alles auf die Liste

„Große“ Probleme lösen.

An dieser Stelle springe ich zu Kapiteln, die fette Probleme haben, und löse erst einmal nur die. Da wird Wissen eingefügt, Unlogisches abgeraspelt, Überflüssiges abgeschabt. Manchmal müssen komplett neue Kapitel geschrieben werden.

„Kleine“ Probleme lösen.

Ähnlich wie der Schritt davor, aber für weniger auffällige Dinge. Dafür muss ich meistens gründlicher aufpassen, damit alles am Ende stimmt. Alles, was gelöst ist, wird auf meiner Problemliste durchgestrichen, das hat psychologischen Effekt.

Geschichte nochmal lesen. Notizen machen, was jetzt alles nicht mehr stimmt.

Natürlich habe ich beim Überarbeiten auch Dinge verschlimmbessert. Aber das ist nicht schlimm(besser), denn ich kann ja auch …

„Neue“ Probleme lösen.

Wie oben. Arbeitsaufwand abhängig davon, ob es große oder kleine Probleme sind. Das ist auch der Punkt, an dem ich spätestens alles wegwerfen, meinen Schreibtisch niederbrennen und in die Karibik auswandern will, um Zuckerrohr anzubauen.

Feinschliff.

Wenn ich der Meinung bin, dass alle fiesen Fehler gefunden und behoben sind, gehe ich noch einmal alles durch – diesmal Seite für Seite und Kapitel für Kapitel. Jetzt werden sprachliche Makel und Fehler behoben. Wenn ich noch einmal Probleme finde, die mir vorher entgangen sind, bearbeite ich sie mit, das geht jetzt in einem Aufwasch.

So, und wenn das alles getan ist, geht das Projekt an meine Testleser, Lektoren und anderen überaus wichtigen Hilfswichtel, die natürlich noch Dutzende Dinge finden, die mir nicht aufgefallen sind. Also wieder zurück auf Problemlösung.

Und am Ende steht eine Geschichte, die, wenn schon nicht genial, dann doch wenigstens lesenswert ist. :-)

Jederzeit toll aussehen

Ist sie verrückt geworden?

Gibt sie nachher vielleicht sogar Styletipps?

Nein, meine Süßen. Ich kenne meine Grenzen. (Ich überschreite sie auch regelmäßig, aber ich kenne sie.)

Allerdings habe ich neulich wieder bei einer Bekannten online gelesen, sie habe kaum mehr ordentliche Sachen anzuziehen. Sich richtig schick neu einkleiden wolle sie allerdings erst, wenn sie ihr „Wunschgewicht“ erreicht habe.

Ja nu. Und was, wenn es bis zu diesem „Wunschgewicht“ noch drei Jahre dauert? Oder wenn sie es vielleicht – was niemand ihr wünscht – nie erreicht? Geht sie bis dahin in Kartoffelsäcken?

Ich rede natürlich an dieser Stelle aus Erfahrung, denn genau solche Dinge habe ich mir auch schon vorgenommen. Und alles, wo ich „rausgeschrumpft“ war, direkt in die Altkleidersammlung gegeben. Dann habe ich wieder zugenommen und hatte nicht einmal mehr die alten ranzigen Sachen zum Anziehen.

Inzwischen denke ich mir: Es ist eine feine Sache, alles zu tun, damit man sich im eigenen Körper wohl fühlt. Unabhängig davon, ob man abnehmen möchte, sind gesunde Ernährung und Sport auf vielen Ebenen gut für Körper und Geist. Und es ist auch nicht schlecht, abnehmen zu wollen.

ALLERDINGS sollte man darüber nicht die Lebensfreude vergessen. Egal, wo man sich im Leben gerade befindet, man hat immer das Recht darauf, sich gut zu fühlen und auch so auszusehen. Sogar wenn man einige Reservekilos mit sich herumschleppt und gerade Käsekuchen isst. Also: Kauf das Kleid, gönn dir eine ordentliche Jacke und lass dir nicht einreden, dass du die falsche Form für Mode hättest.

(Und wo ich gerade dabei bin: Frauen wollen ordentliche Taschen!!!)

woman standing on bed

Photo by u0410u043du043du0430 u0413u0430u043bu0430u0448u0435u0432u0430 on Pexels.com

 

Zeichen der Zeit

Phone Book

Fotografin: Carolyn V, gefunden auf Unsplash

Es gibt merkwürdige Anzeichen dafür, dass man alt wird. Zum Beispiel kennt man Dinge, die jüngere Leute nicht mehr kennen. Heute morgen war ich auf der Suche nach einem schönen Beispielbild zum Thema „Telefonbuch“, und was habe ich gefunden?

Das da oben.

Es ist ein schönes Bild, keine Frage.

Aber ich sitze hier und wundere mich: Verwenden Leute noch Telefonbücher? Diese alten dicken Schinken aus Papier? Wann habe ich zuletzt diese Stapel im Supermarkt gesehen, von denen man sich eines mitnehmen kann? Und wann HABE ich zuletzt eines mitgenommen?

Ähnlich geht es „meiner Generation“ mit Musikkassetten, Walkmans oder tragbaren CD-Spielern oder Fernsehzeitschriften. Dass man sich Lieblingslieder aus dem Radio aufgenommen hat, klingt für die heutige Jugend (die übrigens auch nicht schlimmer oder besser ist, als wir es damals waren) ziemlich abwegig.

Dann denke ich daran, dass mein Vater einen VW-Käfer hatte, den er mit einem Standgebläse und einem langen Kabel, das über die Terrasse lag, im Winter morgens vorgeheizt hat.

Dass wir tatsächlich noch Telefone mit über Kabel angeschlossenem Hörer hatten.

Dass ich mich an eine Zeit mit nur drei Fernsehsendern erinnere und superaufgeregt war, als Sat1 und RTL dazukamen. Wenigstens glaube ich, dass das die ersten beiden Privatsender waren, die ich bewusst gesehen habe. ProSieben kam später.

Andere „Errungenschaften“ wie das elektrische Bratenmesser sind einfach so wieder verschwunden. Entsprechende Bilder rufen sofort die Erinnerung an die Achtziger wach. Ich glaube, jeder Haushalt hatte so ein Ding. Benutzt haben wir es nie, wenn ich zurückdenke.

Außerdem gab es Parties mit gigantischen kalten Platten – gefüllte Eier, Käsehäppchen, in Schinken oder Wurst gerollte saure Gurken, kleine Türmchen aus Salamiwürfeln und Silberzwiebeln und Unmengen an Dips. Macht man sowas überhaupt noch?

Bestimmt lacht man in dreißig Jahren über alles, was heutzutage „modern“ ist. Smartphones, die man täglich aufladen muss? Klingt gar nicht so smart. Autos zum Selbersteuern? Wie retro! Und was soll das heißen, man musste WLAN bestellen und zuhause einen Anschluss haben, wenn man ins Internet wollte? Wie krass!

Ja, ich weiß. Krass sagt man schon lange nicht mehr. Verzeiht mir, ich bin eine alte Frau. ^^

Allein es fehlt der (Aber-)Glaube … oder?

Über Tarotkarten hatten wir es ja schon. Und generelle Hexerei sowieso. Ihr könnt euch also vielleicht denken, dass ich Aberglauben nicht so richtig abgeneigt bin. Einige Dinge passen für mich einfach immer.

Ein schönes Beispiel, weil es in einigen Wochen auch wieder soweit sein wird: Achtet mal darauf, wann ihr das erste Mal einen Kuckuck hört. Und achtet mal darauf, wieviel Geld ihr in dem Moment in der Tasche habt. Das zeigt euch nämlich, wie gut das Jahr finanziell laufen wird. Ich schwöre, hat bei mir bis jetzt jedes Mal gestimmt. (Meistens habe ich nicht einmal Taschen.)

Andere Dinge glaube ich eher nicht – dass man sein Leben „jinxen“ kann, indem man mit geflochtenen Haaren schlafen geht oder Salz über die falsche Schulter wirft. Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die ich gerne mache. Bei denen stelle ich mir einfach vor, dass sie Glück bringen: Das Futter für die Wildvögel, die brennende Kerze beim Kochen oder das Löffelchen Honig für den „Hauskobold“. Immerhin hat der mir noch nichts kaputtgeschlagen, das scheint also zu funktionieren.

pexels-photo-1503441

Photo by Susanne Jutzeler on Pexels.com

Wäre ich eine Tarotkarte, wäre ich …

… DAS RAD!!!

Echt, das ist meine Karte. Nicht, weil ich sie besonders mögen würde, sondern weil sie einfach immer und immer und immer wieder auftaucht.

Was sie bedeutet?

Nun, es geht auf und ab. Du wirst dich anstrengen, und mal klappt es und mal nicht. Aber wenigstens geht es immer weiter.

Tut mir leid, ich wäre auch lieber etwas Exotisches, Inspirierendes geworden. Muss wohl an meinen guten Kartoffelgenen liegen. ^^

Kreativität braucht Geduld

pexels-photo-68562

Photo by Miguel Á. Padriñán on Pexels.com

Vor allem die Geduld anderer Leute. Wenn ich mitten in einem Projekt oder einer Szene stecke, vergesse ich nämlich gerne alles um mich herum. Dann laufen Mann und Katzen hungrig maunzend durch die Wohnung, scharren an Türen, die Schnecken bereiten Petitionen vor und planen ihren Umzug und die Pflanzen – fangen wir von den Pflanzen lieber gar nicht erst an. Efeututen sind ziemlich widerstandsfähig, zum Glück.

Das Problem ist, dass ich für das Schreiben eine ganz andere mentale Einstellung brauche. Mein Alltag ist nicht so spannend (wer das anzweifelt, kann sich hier ja ein wenig durchs Blog scrollen) und besteht in erster Linie aus den üblichen Besorgungen: Haushalt, Büro, Sport. Würde ich über solche Dinge schreiben, müsste ich mich nicht immer erst aufwändig einfinden … aber wer will das schon? In meinen Geschichten verschwinden Leute, gehen wichtige Dinge kaputt, tauchen merkwürdige Kreaturen auf. Leute sind auf der Flucht oder versuchen verzweifelt, ein Dokument zu überbringen. All das muss ich beim Schreiben nachfühlen, um es zu erzählen. Das dauert. Und wenn ich einmal erfolgreich dabei bin, komme ich auch so schnell nicht freiwillig wieder.