Wer bin ich – und warum so früh?

Ich beneide Leute, die immer genau wissen, wer sie sind.

Gut, das klingt jetzt, als sei ich unglaublich mysteriös. Dem ist nicht so.

Und ich bin mir meistens auch ziemlich sicher, wer ich bin, so im Groben. Aber wie sich das heute oder morgen oder generell nächste Woche äußert, das weiß der Himmel.

Deswegen kann ich mir zum Beispiel nicht Abends schon Klamotten rauslegen. Ich muss morgens wach werden, in mich gehen und schauen, wer ich heute bin, denn das wirkt sich natürlich auf meinen Aufzug aus. Bin ich grummelig oder niedlich? Habe ich Lust, mich zu unterhalten? Hose oder Rock? Schick oder bequem? Kann ich vielleicht heute alles haben?

Das klingt vielleicht ermüdend, ist es aber gar nicht. Wenn ich die Zeit habe, mir morgens einen Moment zu nehmen, um die Eckpunkte herauszufinden, habe ich direkt Strategien für den Tag. Welche Handaxt nehme ich mit? Gönne ich mir den Luxus, im Auto zur Arbeit zu fahren, und singe auf dem Weg laut mit? Sollte ich vielleicht die Kolleginnen vorwarnen, dass ich heute mies gelaunt bin?

Dementsprechend sieht übrigens auch mein Kleiderschrank aus. Von der abgeranzten Cordhose bis hin zum lieblichen Kleidchen ist alles da und auch fast immer einsatzbereit. Nur hohe Absätze mache ich nicht, die Diandra-Version dafür muss wohl noch erfunden werden. Vielleicht gibt es irgendwann ein Update?

Eigentlich WILL ich gar nicht schimpfen

Aber es ist manchmal wirklich schwer.

Zum Beispiel heute morgen.

Ich trinke meinen Kaffee und scrolle ein wenig durch die SoMe-Seiten, und was sehe ich?

Buchwerbung.

Buchwerbung sollte etwas Schönes sein. Etwas Erfreuliches. Etwas Tolles.

Stattdessen stolpere ich über den Titel. Der enthält nämlich ein Wort, das ich mir in diesem Zusammenhang nicht ohne Weiteres erklären kann. Es ist aus der Sprache Afrikaans und bezeichnet ursprünglich eine kreisförmige Siedlung.

Direkt dazugesagt: Ich kenne das Buch nicht. Ich habe es nicht gelesen. Aber der Titel klingt nicht so, als ob dieses Wort das meint, was es meint.

Sofort bin ich abgelenkt: Ist das Absicht? Kennt die Autorin die ursprüngliche Wortbedeutung? Hat sie sich damit auseinandergesetzt? Spielt sie vielleicht sogar mit den verwirrten Lesern, die wie ich davorsitzen und sich fragen, was eine kreisförmige Siedlung mit Adligen und Göttern zu tun hat? Und warum hat das Ding bei ihr „Stufen“? Oder hat sie sich das Wort einfach ausgedacht – und gar nicht weiter geguckt, ob es das überhaupt schon irgendwo gibt?

Zugegeben, vielleicht tue ich ihr fett Unrecht. Aber ich bin Guten-Glaubens-Geschädigte, deswegen motze ich inzwischen präventiv. Zu oft habe ich gesehen, dass Schreibende, weil es eben auf den ersten Blick so unglaublich einfach ist, sich irgendwas auszudenken, die Feinarbeit vernachlässigen. Sie recherchieren nicht ordentlich. Sie vernachlässigen die Logik. Sie schludern mit Formulierungen. Und ehrlich, so etwas geht mir tierisch auf den Sack. Klar, es sind nur Bücher, aber trotzdem. Ich will ja auch keine Brötchen kaufen, in denen vielleicht Steinchen drin sind, oder Mäuseköttel.

Ein ähnlicher Motzreflex setzt bei mir übrigens auch immer direkt ein, wenn ich „Bad Boy Romance“ oder „Millionair Romance“ oder so andere „Ungesundes Beziehungsmuster Romance“ sehe. Für Außenstehende ist das bestimmt ganz lustig, als hätte man auf einen Knopf gedrückt.

Eure Pet Peeves, wenn es um Geschichten geht?

(Und natürlich: Sollte ich der Autorin Unrecht getan haben und sie eine voll sinnvolle Überlegung für die Wortwahl haben, weißt mich bitte darauf hin, damit ich Abbitte leisten kann.)

Abenteuer Eifel – Abenteuer Auto

Wir waren also vor kurzem in der Eifel. Für einen Tag. Mit dem Auto. Sonst kommt man da ja gar nicht hin, und weg erst recht nicht.

Und jetzt werde ich euch erklären: Ja, ich habe auf dem Land den Führerschein gemacht. Allerdings auf dem PLATTEN Land.

Abblätterndes "Tempo 30" Schild, auf die Fahrbahn gemalt.
Photo by Markus Spiske on Pexels.com

Die ganzen Berge und Kurven und vor allem die Kurven am Berg sind für mich schon schwierig. Und wie alle vernünftigen Leute passe ich meine Geschwindigkeit meiner Erfahrung und meinen Fähigkeiten an. Hat ja niemand was davon, wenn ich rasant brettere, wo es niemand sieht, und dann demonstrativ im Graben auf den Abschleppdienst warte.

Nun gibt es aber auch in der Eifel Regeln. Die drücken sich in Form der üblichen Straßenschilder aus. Zum Beispiel wird vor größeren Kreuzungen oder komplexen Kurven mit diesen runden Dingern darauf hingewiesen, dass man hier doch bitte maximal 70 zu fahren habe.

Meine Freundin und ich sind uns bis heute nicht sicher: Sind das jetzt wirklich Geschwindigkeitsbeschränkungen – oder doch eher Herausforderungen?

(Falls ihr also neulich in der Eifel hinter einem weißen Auto mit gefühlter Bobbycar-Höchstgeschwindigkeit stecktet … das war ich. Sorry.)

Es nagt der Zahn der Zeit

Photo by v2osk on Unsplash

Habt ihr auch manchmal so Monate? Oder gar Jahre? Im Moment scheint bei uns alles zu zerfallen. Gut, ich bin sowieso nicht mehr frisch – mein Rücken! – aber nachdem wir schon unser Sofa erneuern mussten, weil die Federn nach mehr als zehn Jahren dem stürmischen Sitzsprung eines gewissen Mitbewohners nicht mehr gewachsen waren, ging es weiter.

Mein Leben im Vintage-Wunderland:

Der Geschirrspüler war ja schon länger defekt und Opfer eines Beziehungsdisputs: Zum wiederholten Mal reparieren oder endlich ersetzen? Ich nutzte die Gunst der Minute, als der Mann durch den Abschied vom alten Sofa geschwächt war, organisierte die Abholung und bestellte in der Folge ein neues Gerät. Ich finde, zwei Jahre von Hand spülen ist genug – vor allem wenn ICH diejenige bin, die spült.

Dann fing der Kühlschrank an, Wasser zu spucken. Vielleicht auch der Gefrierschrank. Beide stehen nebeneinander, sind vergleichbar alt (wir haben sie gebraucht übernommen, und das nicht gestern) und wollten uns partout nicht sagen, wer der Schuldige war. Auf jeden Fall hatten wir eine Wasserpfütze mitten in der Küche. Da sie sich nicht wiederholte und die Geräte fleißig weiterkühlen, halten wir für den Moment die Luft an und hoffen das Beste.

Im Projektor, den wir statt eines Fernsehers verwenden, ist ein Kugellager gebrochen. Noch tut er, aber wohl nicht mehr lange. Wenn er bis zum Herbst durchhält, will ich ihn durch einen schnöden Fernseher ersetzen, weil der wahrscheinlich länger hält. Wir können dann immer noch einen Projektor für Filmabende nachkaufen, aber die aktuelle Lösung ist alles andere als nachhaltig. Ein Hoch auf die Dekadenz!

Die Waschmaschine macht komische Geräusche, und das im verflixten siebten Jahr. Die davor, vom gleichen Anbieter, hat zwölf Jahre gehalten. Vielleicht berappelt sie sich also noch einmal und hört mit dem Rappeln wieder auf.

Zu guter Letzt tropft aus dem Abfluss unter dem Waschbecken im Bad das Wasser. Ich tippe auf eine poröse Dichtung, habe allerdings so wenig Ahnung von derartigen Dingen, dass ich mich vertrauensvoll an den Klempner der Wahl unserer Vermieterin wenden werde.

Ich finde, es reicht allmählich mit den Verschönerungsangeboten, die die Wohnung uns macht.

Ja wenn wir alle Englein wären …

Engelstatue nebst Frau vor Wolken, Bild in Schwarz-Weiß.
Photo by Pixabay on Pexels.com

Stellt euch das mal vor. Im Ernst jetzt. Vor allem die Sache mit den Flügeln. Fliegen können? Klingt ja ganz gut – wenn die Sache mit der Höhenangst nicht wäre! Ich seh es schon vor mir, wie ich im Nachthemd mit meinem Hintern auf Kopfhöhe durch die Innenstadt sause. Das ist NICHT die Art Berühmtheit, die ich mir ausgesucht hätte.

Und all die Unfälle. Also, als Ente fliegt es sich vielleicht noch ganz gemütlich. Aber SECHS EXTREMITÄTEN? Ich habe doch schon Probleme damit, mich nicht zu verletzen, wenn ich nur meine üblichen Arme und Beine koordinieren muss. Mit Flügeln würde ich wahrscheinlich konstant alles umwerfen.

Überhaupt, wie sieht das botanisch – ich meine, anatomisch aus? Aus welcher Struktur entspringen die Flügel? Die Zahl der Körperteile, die ich willentlich bewegen kann, ist begrenzt. Flügel statt Armen wäre unpraktisch. Es sei denn, ich hätte so Fledermaus-Krallen.

Vielleicht sind so Dämonen entstanden … alles verführte Engel, die sich vom Teufel ein praktisches Upgrade haben aufschwatzen lassen. Aus dem Vertrag kommt man wohl nur schwer wieder heraus.

Bio oder Nicht-Bio, das ist hier die Frage

Lasst uns ein Spiel spielen. Es heißt: „Welches dieser beiden aufgeschlagenen Eier ist wohl das Bio-Ei?“

Weiße Schüssel mit zwei aufgeschlagenen Eiern: Der linke Dotter ist gelb, der rechte orange.
Ei, ei, ei, was haben wir da?

Natürlich spielen wir nicht nur zum Vergnügen. (Auflösung: Das Bio-Ei ist LINKS.) Denn ich erinnere mich, dass vor einigen Jahren in etlichen Bio-Essen-Ratgebern ein Hinweis stand: Wenn man schnell erkennen wolle, ob das Ei auf dem belegten Brötchen oder am Buffet auch wirklich bio sei, müsse man auf die Farbe achten. Bio-Eier seien kräftiger gefärbt als herkömmliche Eier.

Damals mag das gestimmt haben, allerdings lesen auch Eier-Bauern solche Ratgeber. Inzwischen wird konventionellem Hühnerfutter offenbar einfach in großen Mengen Carotin zugesetzt, damit die Eier „gesund“ und „bio“ aussehen. Was, wie ich extra für euch getestet habe, auch zu schön orangefarbener Sauce Hollandaise führt. Tatsächliche Bio-Eier hingegen sind gelb, wie es sich gehört. Sagt ja schon der Name, es heißt ja nicht „Ei-Orange“ – gell?

Diese beiden Eier kamen heute morgen jedenfalls in eine leckere Frittata mit Kichererbsen, Knoblauch und Rosmarin, als Verpflegung fürs Büro.

Brunnentiefen

Jeder Mensch hat in sich einen Brunnen.

An schwierigen Tagen stelle ich mir meinen Brunnen vor.

Er reicht weit in die Tiefe. Aus ihm schöpfe ich Energie, wenn der Alltag schwierig ist. Er erfrischt mich, wenn ich keine Kraft mehr habe.

Neulich kam etwas aus diesem Brunnen.

Es bewegte sich spinnengleich und dicht am Boden. Langes Haar verdeckte die Details. Seine Füße verwirbelten den Nebel.

Ich floh.

Seitdem habe ich mich noch nicht wieder in die Nähe des Brunnens getraut. Aber ich bin nicht allein.

Es kommt.

Manche Leute springen auch über jedes Stöckchen

Erinnert ihr euch noch an den rassistischen VW-Werbespot? Offenbar haben einige Leute daraus gelernt. Zum Beispiel, dass man mit Empörung kostenlos jede Menge Aufmerksamkeit generieren und im Gespräch bleiben kann.

So zum Beispiel Audi mit diesem formschönen Bild, das jüngst bei Twitter gepostet wurde:

Screenshot offizieller Audi-Twitterkanal. Links Foto: Kind mit Jeansjacke, Sonnenbrille und Leoprint-Kleid isst, an einen roten Wagen gelehnt, eine Banane. Rechts oben: "Lets your heart beat faster - in every aspect. #AudiRS4" Darunter ein wenig Entschuldigungs-Bla, abgeschnitten.
Bewundert meine Screenshot-Fähigkeiten!!!

Natürlich war die Empörung groß. Zu Hunderten, wenn nicht gar zu Dutzenden fielen die User ein, um zu reden: Über die Zahl im Verkehr getöteter Kinder. Über den Wahnsinn, heutzutage ein Auto mit einem Verbrauch von mehr als 9 l/100 km zu bauen. Über die Geschmacklosigkeit von Leoprint. Über die Banane als Phallussymbol und Pädophilie-Ideen.

Wer das selbst nachlesen möchte (tut es nicht, seid nett zu euch selbst!), kann das gegenwärtig noch hier tun.

Jetzt haben wir zwei Möglichkeiten:

Entweder Audi hat mit einem Werbebudget, von dem man eine mittlere Kleinstadt wahrscheinlich ein Jahr lang am Laufen halten könnte, eine komplett inkompetente Werbeagentur beauftragt, deren Mitarbeiter nie auch nur einen einzigen Tag im Internet verbracht haben.

Oooooder. Vielleicht freut sich ein zynischer Werbefritze gerade megahypersuperduperhart, weil sein Plan funktioniert. Die Empörten generieren Reichweite. Die Audifans und Berufs-Antiempörten verteidigen Audi. Vielleicht kauft sogar irgendwer genau diesen Wagen, nur um den anderen eins auszuwischen. Im Ernst, diese Art von Aufmerksamkeit kriegt man sonst nicht so günstig.

Da ich aber ja nicht immer nur meckern will, habe ich mich auch mal konstruktiv künstlerisch betätigt und eine eigene Werbeanzeige designt, mit der man garantiert keinen Ärger auf sich zieht.

Grauer Hintergrund, weiße Schrift: "Audi. Vielleicht sehr gut."
Guckt mal, keine einzige Lüge. ^^

Bildbände für die Inspiration

Für manche Leser sind Bildbände Platzverschwendung. Kein Wunder, schließlich enthalten sie kaum Wörter. Und sollte man Bilderbüchern nicht allmählich entwachsen, wenn man in die Grundschule kommt?

Vielleicht wisst ihr es schon, ich gucke nicht gern. Oder eher: Ich bin nicht primär visuell orientiert. Deswegen lese ich auch nur selten Comics Graphic Novels – ich muss mich darauf konzentrieren, nicht einfach von einer Sprechblase zur nächsten zu springen, sondern mir auch die Information in den Bildern anzuschauen und sie zu analysieren. Wenn es etwas zu lesen gibt – auch Untertitel im Film – lese ich eher, als das ich zuschaue.

Trotzdem besitze ich den einen oder anderen Bildband. Merkwürdig, oder? Meistens sind es Sammlungen von Landschaftsbildern. Ich mag eben nicht nur Wörter, sondern auch Natur. So kann ich fix mal zwischendurch für eine halbe Stunde verreisen, wenn sonst keine Auszeit drin ist – und ich hole mir Inspiration für Geschichten und Szenen.

Einer meiner liebsten Bildbände ist übrigens dieser hier: Sagenhaftes Deutschland. Eine Reise zu mythischen Orten. (Kilian Schönberger) Da Bildbände naturgemäß etwas teurer sind, bin ich entsprechend mehrere Wochen drum herumgeschlichen, ehe ich es mir gekauft habe. Seitdem blättere ich immer mal wieder darin und stelle mir vor, was sich alles an fantastischen Begebenheiten an diesen Orten zutragen könne.

Wie steht ihr zu Bildbänden? Habt ihr Favoriten? Oder doch eher verantwortungslose Platzverschwendung im heimischen Bücherregal?

Alles hat ein Ende

Zwei Paar Füße am sandigen Rheinufer im Wasser
Urlaubsfeeling

Das war ein kurzer Kurzurlaub. Nach einem Abstecher in die Cocktailbar gestern Abend gab es heute noch zwei Pflichtveranstaltungen: Den Haribo-Werkverkauf und das Rheinufer. Wie immer haben wir beim Abschied mehr Pläne, als wir beim Wiedersehen hatten. Keine Zeit für Langeweile.

Glücklicherweise leben wir in einem vielfältigen Land mit tollen Urlaubszielen, sogar vor der eigenen Haustür, und mit spannenden Details, die man entdecken kann – sogar ohne Reiseführer. (Ja, das Internet macht alles leichter.)

Ein wenig kreativ ausgetobt haben wir uns auch noch. Jetzt liege ich in erster Linie in der Ecke und erhole mich von soviel Sonne, Spaß und Bewegung. Ich muss mich wirklich mehr um meine Fitness kümmern, sonst werde ich irgendwann zu alt für diesen Schabernack. ^^

PS: Natürlich wird das eine oder andere in meinen Geschichten auftauchen. Für Autor*innen ist alles Recherche.