Wenn ich einmal alt wär …

pexels-photo-206648

Photo by Pixabay on Pexels.com

Je länger die aktuelle Situation anhält, und je absurder die Lagen werden, desto lieber möchte ich meine Alterspläne jetzt schon umsetzen. Zu blöd, dass das im Moment alles so nicht geht. Aber ich kann ja träumen.

Wovon ich träume?

Eine Hütte im Wald. Sie muss nicht groß sein, oder luxuriös. Hauptsache, ich habe fließendes Wasser, Internet und Strom (für Notebook und Kaffeemaschine) und zwei Betten – eines für mich, eines für ausgewählte Gäste.

Zu dieser Hütte sollte ein kleiner Garten gehören. Ich mag Gärten, auch wenn ich nie genug Zeit für viel Gartenarbeit hätte. Deswegen nur ein kleiner Garten. Vielleicht große genug für Hühner und ein paar Kräuter. Ein Apfelbaum wäre auch nett, und vielleicht ein Holunder. Ein großer Hund, der mir Gesellschaft leistet.

Wenn es in der Nähe einen Bach gibt, wäre mein Glück perfekt.

An so einem Ort möchte ich im Wesentlichen ruhige Tage verbringen. In die Natur hinausgehen, mich um Garten und Hütte kümmern, Brot backen, Bücher schreiben. Viel lesen. Ab und zu nette Leute treffen. Wahrscheinlich kleine Kinder erschrecken, die sich im Rahmen von Mutproben an mein Häuschen heranschleichen. Wenn es sich ergibt, würde ich die Umgebung unheimlich dekorieren – ich wäre ja nur alt, nicht langweilig.

Gut, wahrscheinlich wäre ich unglaublich langweilig. Ich würde Tage und Wochen damit verbringen, mit niemandem zu sprechen und mir immer fantastischere Geschichten auszudenken. Wenn ich in den nächsten Ort ginge, um Lebensmittel nachzukaufen oder etwas auf die Post zu bringen, wäre ich die seltsame Alte, die niemandem etwas tut.

Am liebsten würde ich morgen direkt umziehen.

Flauschige Dinge für blöde Tage

Und, haben wir die aktuelle Lage schon alle über? Durchgeknallte Politiker auf Weltklasseniveau, Proteste wegen Dingen, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, Hass und Stress aus allen Ecken – oh ja, und natürlich ist immer noch Pandemie. Aber keine Bange, heute habe ich etwas für euch: Flausch. Denn Flausch macht alles besser. Seht selbst!

 

Self-Care, weil es sich gerade anbietet

pexels-photo-1458684

Photo by Daria Shevtsova on Pexels.com

„Self-Care“ klingt wie so ein neumodischer Luxus-Kram für Millenials, oder? Bunte Kerzen, Kombucha und so Zeug. Niemand hat gegenwärtig Zeit dafür – geschweige denn Geld.

Aaaaber.

„Self-Care“ ist nicht nur so’n Schnickschnack.

„Self-Care“ bedeutet, dass man sich um sich selbst kümmert. Dass man also dafür sorgt, dass man hat, was man braucht, um möglichst gesund zu sein – körperlich und emotional.

Für mich gehört dazu, ausreichend zu trinken und meine Schilddrüsentabletten regelmäßig zu nehmen und Zähne zu putzen, obwohl ich keine Lust habe. Und darauf zu achten, dass ich mindestens sieben Stunden Schlaf kriege. Hautpflege, ausreichend Gemüse und Proteine essen, ein ordentliches Kopfkissen – dieser ganz normale Quatsch eben.

Gut, außerdem versuche ich, mich jeden Tag mindestens eine halbe Stunde zu bewegen (laufen, spazierengehen, eventuell Krafttraining, selten schwimmen). Ich manage meine Termine so, dass ausreichend freie Nachmittage und Wochenenden bleiben. Und ich sollte eigentlich mehr meditieren. Nicht, weil es mir soviel Spaß macht, sondern weil es mir besser geht, wenn ich es regelmäßig tue. Das fällt jetzt vielleicht schon unter „Schnickschnack“.

Gerade in der aktuellen Situation gehört auch dazu, darauf zu achten, was mich mehr stresst als in Nicht-Pandemie-Zeiten. Ich reduziere Einkaufstouren, plane Besorgungsfahrten mit freien Tagen dazwischen und erspare mir manchen Trip in die Stadt, indem ich (nein, keine Schande auf mein Haupt) einige Dinge bestelle und nach Hause liefern lasse, anstatt durch die Läden zu hopsen.

Für andere Leute könnte „Self-Care“ ganz anders aussehen: Öfter Freunde treffen, damit einem nicht die Decke auf den Kopf fällt. Die Tagesroutine so umstellen, dass man morgens nicht direkt Stress hat. Mehr Pflanzen in die Wohnung stellen. Den Kaffeekonsum reduzieren.

Nur ist es leider oft so, dass es so viele Anforderungen (und so begrenzte Ressourcen) gibt, dass man sich vielleicht schwer damit tut, das eigene Wohlergehen zu priorisieren. Passiert mir oft genug, und nach ein paar Tagen bin ich dann ein schlechtgelauntes und matschiges Wesen, dem man besser aus dem Weg geht. Umso ungünstiger, wenn ich mich bei vollem geistigen Bewusstsein in diese Sackgasse manövriert habe, weil ich Abends lieber auf dem Sofa versacke, anstatt schlafen zu gehen, und lange Fastfood-Strecken einlege.

Wie ich das vermeide? Nun, ich stelle mir vor, mein Körper sei ein Haustier, um das ich mich kümmere. Haustiere kriegen ja auch nicht immer, was sie wollen (nein, Kurt, erst recht keine Pizza!), sondern das, was für sie gut ist. (Eine andere Quelle hat vorgeschlagen, so zu tun, als sei man ein Dämon, der diesen menschlichen Körper bewohnt und versucht, sich um seine menschliche Hülle zu kümmern, damit sie möglichst lange hält. Ich verurteile da niemanden.) Klappt nicht immer, aber schon ziemlich oft.

Und wenn mir nach Luxus ist? Gönne ich mir eben eine Pediküre.

Was sind eure Self-Care-Must-Haves?

(PS: Keine Sorge, demnächst geht es auch wieder mit den leichten Nonsense-Posts weiter.)

Wenn die Welt mal wieder brennt

Der Irrsinn tobt schon seit ein paar Wochen, und ich war mir einfach nicht sicher, ob ich aus meiner überaus privilegierten Perspektive auch noch etwas dazu schreiben sollte. Aber ja.

Angefangen hat es damit, dass ein weißer US-Polizist sich auf den Hals eines schwarzen US-Bürgers gekniet hat, bis der nicht mehr atmete. Das ganze passierte im Rahmen einer Festnahme wegen einer möglicherweise gefälschten Zwanzig-Dollar-Note. Ihr kennt die Details.

Mich hat gewundert, wie oft in den darauf folgenden Tagen in Diskussionen Folgendes bemüht wurde: „Aber der Typ war ein vorbestrafter Krimineller!“

Eben tief Luft holen.

JA UND???

Das gibt niemandem das Recht, ihn bei der Festnahme zu töten.

Einmal abgesehen davon, dass viele Leute, die mit Falschgeld irgendwo auftauchen, ÜBERHAUPT NICHT festgenommen werden. Und erst recht nicht zu Tode gekniet.

Auf jeden Fall wird einmal mehr weltweit darüber gestritten, welche Rechte welche ethnische Gruppe und welche Minderheit haben sollte, wer was darf, wer sich wie benehmen muss, um eben nicht in Polizeigewahrsam zu geraten (und dort zu sterben), und wer sich doch bitte nicht so aufzuregen habe, schließlich seien doch alle immer nett zu ihnen gewesen.

Ich verrate euch ein Geheimnis: Niemand von uns weiß alles. Niemand von uns macht alles richtig. Und jeder von uns kann dazulernen.

Dass Menschenrechte eben für ALLE Menschen gelten sollten, ist im Namen schon irgendwie impliziert. Logisch, oder?

Unzählige BIPoC haben ihre Erfahrungen mit Rassismus AUCH IN DEUTSCHLAND geteilt, um darauf aufmerksam zu machen, wie präsent solche Probleme in der Geesellschaft noch sind. Häufigste Antwort darauf: „Heul nicht, wenigstens ist es in den USA viel schlimmer als hier.“ Ist wahrscheinlich so nicht wahr und zweitens – macht es das etwa besser?

Wenn jetzt also, in einem nächsten Schritt, jemand mir sagt, dass ich etwas Verletzendes/Rassistisches/Diskriminierendes gesagt oder getan habe, dann hat diese Person höchstwahrscheinlich recht. Dann denke ich darüber nach, wie ich es demnächst besser machen kann, und mache wahrscheinlich stattdessen etliche andere Fehler. Wir lernen schließlich immer noch alle dazu.

Umzüge, oder: Ein rollender Stein setzt kein Moos an

pexels-photo-408503

Photo by slon_dot_pics on Pexels.com

Wenn ich Leuten erzähle, wie oft ich in meinem Leben schon umgezogen bin, sind sie meistens überrascht (eben nachrechnen … siebzehn Mal, so ungefähr). Wenn ich dann erzähle, dass viele dieser Umzüge innerhalb der gleichen Stadt stattfanden (sechsmal in einer Stadt, fünfmal in einer anderen), sind sie wieder ernüchtert. Das klingt jetzt nicht so aufregend, oder? Und auch sonst haben viele Umzüge innerhalb weniger Kilometer stattgefunden. Ich glaube, der Umzug ins Studentenwohnheim nach Bonn war mit fast exakt 200 Kilometern von unserer Haustür zur Wohnheimstür schon der geographisch größte.

Wie kommt so etwas zustande? Nun … Leute mit eher begrenzten finanziellen Mitteln können sich das vielleicht vorstellen: Man zieht dahin, wo es Arbeit gibt – und wo man sich die Miete leisten kann. Also ist meine Familie viele Jahre lang, grob gesagt, zwischen der niederländischen Grenze und Osnabrück herumgezogen.

Für uns Kinder bedeutete das: Viele Schulwechsel, wenige lang bestehende Freundschaften. Auch meine Eltern haben nur wenige Freundschaften, die Ortswechsel überlebt haben. Das hat Vor- und Nachteile gleichermaßen, schließlich bleibt so immer eine gewisse Distanz bestehen. Dank Internet ist das heute alles etwas einfacher, und ich habe tatsächlich einige wenige Brieffreundinnen, die mir seit langen Jahren erhalten geblieben sind.

Hier in Bonn bin ich während des Studium einige Male budgetgerecht umgezogen, dann mit dem Mann zusammen und zuletzt in eine andere Wohnung, als das Haus, in dem unsere erste gemeinsame Wohnung war, „modernisiert“ wurde (Styropor an die Außenwände kleben und die Miete um fast 50 % erhöhen … joah, kann man machen).

Der Mann ist gebürtiger Rheinländer, den kriegt man in diesem Leben hier wahrscheinlich auch nicht mehr weg. Sogar ein Stellenangebot auf einer exotischen Insel zu wirklich guten Konditionen hat er mal ausgeschlagen. Ja, ich wäre völlig selbstlos mitgegangen, ich gute Frau. Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, wie das ist, wenn man sein ganzes Leben in einer Region zubringt – dort auf Schulfreunde trifft, die inzwischen in der Stadtverwaltung arbeiten, im Beruf frühere Erzieher trifft oder die Kinder von Freunden bei Handballspielen unterstützt, weil man früher im gleichen Verein gespielt hat.

Und noch etwas fehlt mir ein wenig: Das Wissen um Schleichwege und Tratsch. Das muss man sich als Zugezogene immer hart verdienen. Aber in solchen Sachen habe ich ja Übung. ^^

Du, es und ich – wer erzählt?

Die Erzählperspektive ist Gegenstand konstanter Diskussion. Welche ist die beste? Welche darf man keinesfalls verwenden?

Zunächst einmal: „Dürfen“ darf man als Autor*in alles. Aber können sollte man es schon. Es lohnt sich also, die Regeln zu lernen – vor allem, wenn man sie brechen will. Andererseits muss man auch nicht jeden Fehler selbst machen. Lieber aus den Fehlern anderer lernen und dafür superkreative neue eigene Fehler machen.

Vor nicht allzu langer Zeit las ich einen Artikel, in dem argumentiert wurde, viele Autoren würden „es“ ja „falsch“ machen – sie würden in der dritten Person erzählen, seien aber nicht dicht genug an der Person dran.

Nein, es gibt immer noch kein „falsch“. Wie dicht oder nicht dicht man an der Figur dran ist, bleibt jedem selbst überlassen … und es eröffnet viele tolle neue Möglichkeiten.

In älteren Büchern kann man oft miterleben, wie die Perspektive innerhalb weniger Absätze mehrfach wechselt. Erst ist man in einer Figur, dann wird ein Absatz in allwissender Perspektive (quasi „von oben draufguckend“) erzählt, dann gleitet man in die nächste Person. Heutzutage gilt das als eher verpönt – stattdessen wird empfohlen, wenigstens für komplette Textsegmente in einer Sichtweise zu bleiben. Ich persönlich finde beide Vorgehensweisen reizvoll. Wichtig ist für die schreibende Person vor allem, sich darüber bewusst zu sein, aus welcher Perspektive man gerade schreibt. Wenn man wirklich „in“ einem Charakter ist, wird man weniger Zeit darauf verschwenden, das Aussehen der Figur zu beschreiben, denn: Die Person weiß ja, wie sie aussieht. Als allwissender Erzähler hat man eine gewisse Distanz zu den Gefühlen der agierenden Personen, darf dafür aber auch verraten, was man will – Vorahnungen, Rückblenden, Dinge, die ein bestimmter Charakter noch nicht weiß, … (das erhöht die Spannung).

Manchmal ist es interessant, wie in alten Märchen aus der Sicht einer Figur zu erzählen und gleichzeitig eine gewisse Distanz zu wahren. Dann können die Leser sich selbst überlegen, wie die Figur sich wohl fühlt und was sie denkt.

Ebenfalls beliebt ist die Ich-Erzählerin. Gut, einige Leute halten das für ein „No Go“, aber einmal mehr: Alles ist erlaubt, solange es gut umgesetzt ist. Beim Ich-Erzähler kann man sich aussuchen, ob man „aus der Situation heraus“ erzählt oder ob man das Ganze im Rückblick erzählt, wie eine Geschichte am Lagerfeuer. Die erste Version kann mehr Tempo aufnehmen, die zweite erlaubt Anspielungen und Vorgriffe.

Eher selten sind Geschichten, die in der zweiten Person erzählen – also „du“ und „ihr“. Einmal durfte ich an so einer Ausschreibung teilnehmen, das war eine interessante Erfahrung. Leider gibt es nicht viele Situationen, in denen sich so eine Perspektive lohnt. Andererseits … wer ist gegen Schreibexperimente?

Am Wochenende habe ich übrigens Wasteland von Judith C. Vogt und Christian Vogt ausgelesen. Die Geschichte (sehr empfehlenswert, btw!) wird aus zwei verschiedenen Ich-Perspektiven erzählt und setzt einen wichtigen Punkt exzellent um: Die verschiedenen Stimmen. Denn natürlich erzählen unterschiedliche Leute auf unterschiedliche Weise. Dies betrifft die Wortwahl, den roten Faden, das Tempo, die Wahrnehmung, … – und wenn man einen beliebigen Absatz aus dem Buch liest, erkennt man direkt, wer von beiden erzählt.

Wir fassen also zusammen: Ihr dürft zum Erzählen jede Perspektive einnehmen, die euch gefällt. Allerdings müsst ihr euch auch wirklich darüber im Klaren sein, was ihr aus der jeweiligen Perspektive sehen/wahrnehmen/wissen/erleben könnt.

Guten Freunden gibt man ein Buch – und liest es dann gemeinsam

Habt ihr schon einmal gemeinsam mit jemandem ein Buch gelesen? Ich bin gerade dabei, sozusagen, bei der „Hidden Powers“-Nornenschuber-Challenge im Nornennetz. Falls ihr überlegt, noch einzusteigen, findet ihr die Details (inklusive der noch kommenden Bücher) hier. In der Vergangenheit habe ich Leserunden bei Lovelybooks veranstaltet, aber so richtig warm geworden bin ich mit dem Format nicht. Als Veranstalter*in steckt man da richtig viel Mühe rein, und wenn dann kaum Antworten zurückkommen … für zukünftige Bücher verteile ich lieber so Rezensionsexemplare oder verstecke Rätsel o.ä. zwischen Kapiteln.

Wenn es gerade keine orchestrierten Challenges gibt, tausche ich oft Bücher mit Freund*innen oder empfehle welche und bekomme Empfehlungen – merkwürdigerweise reden wir dann allerdings selten über die Bücher, die wir gelesen haben. Und manchmal, wenn wir doch über die Bücher reden, kommen wir zu sehr unterschiedlichen Urteilen. Aber das ist ja das Schöne an Büchern – sie laden dich ein, auf eine Reise zu gehen, ohne den Weg vorzuschreiben. ^^

 

Über-Arbeitet???

Die letzte Runde großer Textkorrekturen ist immer noch mal wieder erstaunlich arbeitsintensiv. Ich sitze hier mit drei Text- und Notizinstanzen: Dem angeblich endgültigen Text, einem Textfeld für Notizen zu Dingen, die ich im Verlauf der Geschichte noch ändern, verschieben, oder einfügen sollte, und dem offenen Manuskript, in dem ich kleinere Dinge direkt ändere.

Die Notizen aus dem Textfeld werden gelöscht, wenn sie abgearbeitet sind. Außerdem gibt es dort einige „nice to have“-Notizen: Details, die ich einfügen könnte, wenn ich den richtigen Platz dafür finde, und Hintergründe, die der Leser nicht unbedingt zu wissen braucht, die aber interessant sein könnten.

Und ich sammle Wörter oder Ausdrücke, die ich exzessiv verwendet habe. Diesmal sind es Dinge wie „ein wenig“ oder alles, was mit Ruhe zu tun hat: Sich beruhigen, sich ausruhen, … Solche Kleinigkeiten lassen sich mit der Suchfunktion im Manuskript leicht aufspüren und anpassen – wenn man sich ihrer bewusst ist.

Nach dieser Runde werde ich mal wieder davon überzeugt sein, dass ich das bestmögliche Manuskript vor mir liegen habe. Und wenn ich dann später draufgucke oder jemand anderes draufgucken lasse, gibt es wieder etliche Baustellen. Aber irgendwann muss man loslassen, nicht wahr?

Es ist ein bisschen, als würde man einen Fallschirm packen. Man will keine Fehler machen, denn das Ding soll einen tragen. Andererseits darf man auch nicht sein ganzes Leben damit verschwenden, seine Falttechnik zu perfektionieren. Irgendwann muss man springen und hoffen, dass es einen trägt. Und dann faltet man den nächsten Schirm.

person on parachute

Photo by Artu016bras Kokorevas on Pexels.com

PoisonPainters Märchensommer 2020

Marchensommerrallye
Dies ist eine Station der Märchensommer Märchenrallye von PoiSonPaiNter, den Anfang dieser Runde findet ihr hier. Viel Spaß beim Rätseln!

[…] Umständlich strampelte Regina in die Pedale. Marie, wie sie sich vorgestellt hatte, saß hinter ihr auf dem Gepäckträger und hielt den Korb zur Seite. Zusammen folgten sie einer Spur aus Hufabdrücken und kleinen Federn.
„Hast du eigentlich mitbekommen, dass sie das große Konzert morgen absagen wollen?“
„Das von den Hellhound-Typen?“ Regina wollte nicht unbedingt zugeben, dass sie genau wusste, dass die Band eigentlich anders hieß. Vor allem wollte sie nicht hinausposaunen, dass deren Sänger gerade vor einer verspielten Ziege Reißaus nahm.
„Ja, der Sänger ist wohl gestern auf einem Ball verschwunden.“
„Oh, wie geht das denn?“ Das mit dem Lügen musste Regina definitiv üben, sie klang selbst in ihren eigenen Ohren scheinheilig und verkrampft.
„Keine Ahnung.“ […]

Rallyefrage:Welches Tier steht bei den Bremer Stadtmusikanten ganz unten?
a)    Pferd – Anne Danck
b)    Esel – Tanjas Buchgarten
c)    Ochse – Elenor Avelle

 

LÖSUNGSBUCHSTABE

N

Die „Bremer Stadtmusikanten“ waren schon immer eines meiner Lieblingsmärchen – zum einen, weil ich Tiere liebe, und zum anderen, weil es gar nicht wichtig ist, ob sie ihr selbstgestecktes Ziel erreichen. Oder ob sie überhaupt gute Musiker sind. Die Tiere beschließen, einander zu helfen, und finden einen Weg, ihre Leben fortzusetzen, als die undankbaren Menschen sie davonjagen wollen. Sie sitzen nicht da und hadern mit ihrem Schicksal, sondern stehen auf und tun etwas. (So ähnlich gehe ich auch meistens vor, mit gemischten Ergebnissen. Aber langweilig wird es nie!)
Außerdem haben die „Bremer Stadtmusikanten“ einen Gastauftritt im letzten Band der „Magie hinter den sieben Bergen“-Reihe. Ich zitiere mich mal eben selbst:
(Jetzt kommt die Werbung!!!)

[…] Halt, rief ich meine Gedanken zur Ordnung. Nicht, dass ich mich noch tatsächlich in ein Pflanzenwesen verwandelte. Schließlich hatte ich immer noch keine Ahnung, wie die Magie hier vor Ort funktionierte.

»Oh«, hörte ich eine Stimme dicht an meinem Ohr, »genauso wie überall, meine Holde!«

Verblüfft sah ich mich um. Wer hatte meine Gedanken gelesen?

Doch da war niemand. Wenigstens nicht auf Augenhöhe. Als ich den Blick senkte, entdeckte ich zu meinen Füßen einen stämmigen kleinen Kerl mit zerzaustem roten Bart, der vergnügt kicherte. »Starr sie doch nicht so, nachher bleiben ihr die Augen so stehen!«

»Wer bist du?«, flüsterte ich.

Erschrocken hielt der Fremde sich knorrige Händchen an die Ohren. »Was brüllt sie denn so?«

Tut mir leid, dachte ich und beobachtete den Fremden genau, um zu sehen, ob er mich verstand.

Der ließ erleichtert die Hände sinken »Viel besser. Meine zarten Sinne sind nicht gemacht für eine derart grobe Stimme, muss sie wissen.«

Warum kannst du Gedanken lesen?

»Gedanken lesen? Ich?« Der Winzling amüsierte sich über diese Idee. »Wir Gnome hören viel besser als die grobschlächtigen Menschen. Sie braucht nur ihre leise Stimme zu verwenden. Aber Gedanken lesen?«

Gut, wenn er es anders nennen wollte – ich war nicht hier, um Haare zu spalten. Wohin führt dieser Weg?, dachte ich.

»Nun, auf der einen Seite führt er nach links. Und auf der anderen, wie sie sehen kann, natürlich nach rechts. Sie ist wohl nicht sehr klug?«

Arg. Ich rollte mit meinem dritten Auge, so stark der Anstand es zuließ. Hoffentlich konnte er das nicht sehen! Dann formulierte ich meine Frage neu: Gibt es an diesem Weg größere Orte, und wie weit liegen sie entfernt?

»Die Orte interessieren uns Gnome nicht. Laute, schmutzige Plätze, an denen einem die Ohren klingeln! Wenn sie so etwas sehen will, muss sie nur immer weiter gehen, den Musikanten nach«, dabei wies er auf die merkwürdigen Tiere auf dem Weg, die ich schon beinahe vergessen hatte.

Ich folgte seinem ausgestreckten Finger mit dem Blick. Musikanten? Das waren keine Musikanten. Das waren nur ein klappriger Esel, ein Hund, eine Katze und ein – sapperlot, echt jetzt? Entweder meine Schnitzelpflanze produzierte heftige Halluzinogene, oder ich beobachtete gerade aus dem Gebüsch heraus die lokale Version der Bremer Stadtmusikanten. Allmählich dämmerte mir, wo ich mich befand. Also, nicht so wirklich wo, oder was diese Welt eigentlich war. Aber sie hatte auf jeden Fall etwas verstörend Märchenhaftes an sich. Das war eine wertvolle Information.

Der Gnom hatte natürlich mitgehört. »Was soll dieses Märchen sein?«, fragte er neugierig, und seine blauen Augen funkelten mich unter buschigen Augenbrauen an.

Geschichten, die meine Sippen sich erzählen, antwortete ich ausweichend in Gedanken. Und jetzt muss ich mich wieder auf den Weg machen. Vielen Dank für die Unterhaltung. Dann hielt ich noch einmal inne und beschloss, dass ich meine Suche nach Falk auch genauso gut hier und jetzt beginnen konnte. Hast du zufällig in den letzten zwei Tagen einen gutaussehenden Fremden gesehen? Braune Haare? Etwa so viel größer als ich? Und ich deutete Falks Körpergröße mit einer Handbewegung an.

»Gutaussehend, was ist bei Menschen schon gutaussehend?« Der Gnom machte eine abwehrende Geste. »Fremde verirren sich so gut wie nie hierher. Ich bin überrascht, dass sie es so weit geschafft hat.« […]

 

Das war ein Auszug aus Grimmwald, dem Abschluss der „Magie hinter den sieben Bergen“-Reihe. Unpraktischerweise das einzige Buch, das man nicht für sich allein stehend und ohne Spoiler für die anderen Bände lesen kann. Also empfehle ich euch heute den Einstieg mit Band 1 von 9 – oder dem ersten von drei Sammelbänden, in denen ihr alle Geschichten samt Magie und Märchen findet, plus ein wenig Hintergrundinformation.
(Das war die Werbung!!!)

Warum sind traumatisierte Figuren nie so richtig traumatisiert?

N

brown and white bear plush toy

Photo by Pixabay on Pexels.com

Neulich hatten wir es ja schon über Klischees. Jetzt gucken wir uns mal eines davon etwas näher an: Den Kommissar mit dem Trauma. Im schlimmsten Fall hat er zur Kompensation Macken und Marotten entwickelt, wie Monk. Und genau bei dem hat mich gestört, dass, je länger die Serie lief, diese Kompensationsmechanismen immer mehr zur Lachnummer verkamen.

Viele Autor*innen vergessen die Traumata, die sie ihren Charakteren anhängen, um ihnen Tiefe zu geben oder auch im Verlauf der Geschichte, immer mal wieder. Oder sie unterschätzen, wie sehr sich so ein Trauma auf jemanden auswirkt. Der oder die wird dann im Verlauf der Geschichte – zum Beispiel durch „Liebe“ (Würggeräusch) – „geheilt“ oder „überwindet“ sein Trauma.

Ja Mensch, wenn das doch so einfach ist??? Muss man nur mehr drüber reden, dann können sich unzählige Leute den Weg zum Therapeuten sparen. Einfach mal ein wenig traumatindern oder sich etwas mehr anstrengen. So schwer kann das ja alles nicht sein.

Es gibt auch Bücher, in denen das besser gelöst ist. Die „Hunger Games“-Reihe hat beispielsweise ihre Fehler, aber ich mag, dass die Figuren im Verlauf mit den Folgen des Erlebten umgehen müssen – und dafür nicht immer die besten Entscheidungen treffen. Aber das Leben geht weiter.

Wenn wir als Autor*innen hingehen und unsere Figuren quälen, sollten wir uns also schon ein wenig Gedanken über das Wie und Warum und die Konsequenzen machen. Schließlich hoffen wir, dass unsere Geschichten die Leser nachhaltig verändern. Wie sollen wir das schaffen, wenn nicht einmal unsere Charaktere Narben zurückbehalten?