Die Macht der Fantasie (hoffentlich)

Ein Vorteil von viel Fantasie ist, dass man damit Bücher schreiben kann.

Ein Nachteil ist, dass man mitunter zu abwegigen Gedankenexperimenten neigt. Ein Beispiel: Heute morgen wachte ich auf und hatte so einen juckenden Kladatsch am rechten Augenlid. Nicht besonders schön, aber auch nicht aufregend. Etwas rot, etwas geschwollen, juckt ein wenig. Höchstwahrscheinlich hatte ich einen Krümel in einer Falte kleben und deswegen ist alles gereizt. Rede ich mir wenigstens ein. Meine Fantasie andererseits, hilfreiche kleine Fee, die sie ist, hüpft panisch brüllend in meinem Kopf rum: Fleischfressende Staphylokokken! Fleischfressende Staphylokokken!

Ja, das ist eher unwahrscheinlich. Weiß ich selbst. Aber meiner Fantasie ist da ganz allein in meinem Kopf offenbar langweilig, also denkt sie sich Horrorszenarien aus. Irgendwer muss den Job schließlich machen.

Und falls du mich demnächst mit Augenklappe siehst, hatte meine Fantasie offenbar ausnahmsweise einmal recht. ^^

Mein diabolischer Plan 2022

Gruftgeflüster ist beinahe komplett – du erinnerst dich, 12 Kurzromane in 12 Monaten. Nur noch die Killerclowns, dann habe ich es geschafft. Also wird es allmählich Zeit, einen Ausblick auf das kommende Schreibjahr zu wagen.

Große Projekte

  • Das Kinderbuch. Ich habe es nicht vergessen, ich gebe nicht auf und ich weiß eine Menge aufregender neuer Dinge über die Welt und die Charaktere. Ob das hilft? Wer weiß?
  • Geschichten aus Schattenfall – ich möchte mit verschiedenen Autor*innen zusammen Geschichten schreiben, die in der mysteriösen/unheimlichen/magischen Stadt Schattenfall spielen. Dort sammeln sich Menschen mit seltenen Talenten und weniger menschliche Kreaturen und erleben so Dinge. Für den Einstieg werde ich Thomas aus Hexenhaut dorthin schicken, wenigstens für eine Weile. Falls du dich also gefragt hast, wie es ihm seit dem tragischen Zerbrechen der Ehe seiner Eltern ergangen ist und was der Junge so treibt, musst du dich nur noch ein bisschen gedulden.
  • Außerdem gibt es zwei quasi-fertige Manuskripte, die ein Zuhause suchen. Was genau ich mit denen mache, muss ich noch schauen, es gibt ja heutzutage einige Möglichkeiten.

Kleine und fortlaufende Projekte

  • Ich möchte wieder mehr Kurzgeschichten schreiben – zum einen für Ausschreibungen, aber auch für meinen Newsletter, damit sich das Klicken wenigstens lohnt. Das ist natürlich ein wenig davon abhängig, wie sich meine freie Zeit entwickelt.
  • Die Hörbuch-Sache habe ich auch noch nicht aufgegeben – dieses Jahr will ich wenigstens eines davon veröffentlichungsreif machen, und dann sehen wir weiter. Wenn du vorab spinxen, deinen Senf dazu abgeben und im Rahmen meiner ewigen Dankbarkeit für die Nachwelt erhalten bleiben willst, kannst du mich auf Patreon unterstützen. Und natürlich musst du nicht die Katze im Sack kaufen – einige Kapitel sind für alle frei hörbar. Außerdem gibt es dort gelegentlich Extras zum Download, wenn du das möchtest, den Vorab-Blick auf Cover etc. … und wenn ich mal so richtig Zeit habe, schicke ich den Patreons schöne Dinge zum Anfassen.

Irgendwie klingt das alles nach gar nicht soviel, oder? Aber ich bin sicher, da kommt noch etwas.

Trends und Tricks und eine alte Lästerzunge

Glücklicherweise hat es sozusagen Tradition, sich über bestimmte Covertrends lustig zu machen. Schon seit Jahren geistern Witze über die „Shirtless Dudes“ auf gewissen historischen Romanen durch die Szene, und die „Bodice Ripper“ sind sogar nach dem für sie typischen Cover benannt.

Einerseits ist es ja praktisch, sich an gewissen Vorgaben zu orientieren – als Leser hat man direkt eine Idee, was man bekommt, und als Autorin findet man einfacher die Leute, denen das eigene Buch gefällt. Daher kommt offenbar der Trend mit den sehr hellen Krimi- und Thrillercovern, auf denen weiße und rote Elemente dominieren, und auch heitere Liebesromane mit allen möglichen Varianten an Nachtisch und Gebäck findet man nicht erst seit gestern in den Regalen. Bestimmte Romane, die sich vor allem an Leserinnen wenden, haben auf dem Cover die Frau von hinten, oft in historischem Gewand und mit eher sanften Farben im Hintergrund.

Über manche Trends kann ich mich allerdings nur wundern. Gehäuft begegnen einem beispielsweise Cover, auf denen ein Paar in inniger Umarmung zu sehen ist – nur der Hintern der Frau ragt wie ein Aussichtspunkt in die Landschaft, denn offenbar dürfen sich ihr Untenrum und sein Untenrum auf keinen Fall berühren. Wahrscheinlich bewahren die da den Heiligen Geist auf oder so – was weiß denn ich? Möglicherweise soll diese Pose besonders sexy wirken, ich denke nur an Rückenschmerzen. Oder umarmt man sich heute so? Mache ich das falsch? Meine Güte, ich habe keine Ahnung von der Erotik des 21. Jahrhunderts!!!

Ja, ich gebe es zu – ich bin eine alte Lästerzunge.

Sind euch lustige, merkwürdige oder geradezu absurde Covertrends aufgefallen? Und gibt es möglicherweise auch Trends, die euch gefallen?

(Ich mag Scherenschnitt-Cover, möglichst in Verbindung mit bunten Aquarell-Effekten, auch wenn die natürlich ebenfalls ziemlich totgeritten sind.)

Emily in Paris kann mich mal – oder was Autor*innen und Leser*innen in die Geschichte mitbringen

Blick auf die Seine und den Eiffelturm im Zwielicht.
Foto von Chris Karidis, gefunden auf Unsplash

Vor einigen Tagen empfahl eine Bekannte, man müsse doch unbedingt Emily in Paris gesehen haben. Und obwohl das jetzt nicht unbedingt nach etwas klingt, das ich gerne gucken würde, lasse ich mich doch durchaus gelegentlich vom Gegenteil überzeugen – ich mag Überraschungen. Allerdings habe ich es seitdem noch zweimal probiert, und ganz im Ernst: Es ist nicht meins.

Möglicherweise war das Problem, dass wir mit der ersten Folge von Staffel 2 angefangen haben. Und da wurden zwei Dinge ziemlich schnell klar: Die Protagonistin hat genau drei Gesichtsausdrücke. Und sie ist mir unglaublich unsympathisch. (Achtung, es folgen Spoiler. Winzige Spoiler.)

Halt, halt, halt! Das hat nichts mit „nicht wie andere Mädchen“ zu tun – auch wenn ich selbst nicht viel mit Mode etc. anfangen kann, gönne ich anderen Menschen ihre Freude daran an den meisten Tagen ohne garstige Kommentare. Aber es wurde relativ schnell erwähnt, dass Emily mit dem Partner ihrer angeblich besten Freundin geschlafen hatte. Und unabhängig von den Umständen (wie gesagt, ich habe die erste Staffel nicht gesehen) empfinde ich das als ziemlich unverzeihlich. Mit einer Figur, die so etwas tun kann, möchte ich nicht mehr Zeit verbringen als unbedingt nötig.

Hurra, ein moralisches hohes Ross, auf das ich mich setzen kann! Und sogar mit Anlauf, denn vor einigen Jahren war ich selbst in einer vergleichbaren ungünstigen Situation. Nicht in der von Emily, sondern in der ihrer Freundin. Als ich davon erfuhr, war die entsprechende Beziehung schon seit einigen Jahren vorbei und ich wusste ziemlich genau, auf was für eine traurige Version Mensch ich damals meine Gefühle ausgerichtet hatte. Dass allerdings eine Person, der ich lange und gründlich vertraut hatte, dazu in der Lage gewesen war, mit meinem Ex zu schlafen, als er noch nicht mein Ex war, hat mir auch lange danach den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich habe ziemlich daran geknabbert, mein Weltbild und diese Freundschaft wieder auf ein einigermaßen stabiles Fundament zu hieven. Und deswegen fällt es mir jetzt lächerlich schwer, für Emily irgendeine Form von Sympathie zu empfinden.

Viele Schreibratgeber empfehlen, man solle seinen Charakteren Schwächen und Fehler mitgeben. Das ist eine tolle Idee, denn es macht sie menschlich. Wir können uns leichter mit Figuren identifizieren, die nicht rundum perfekt sind. Schau mal, die sind ja fast wie wir! Aber natürlich läuft man dann auch Gefahr, dass Lesende ihre eigene Vergangenheit mitbringen, wenn sie die Geschichte lesen, und auf negative Aspekte stärker reagieren, als man es beim Schreiben beabsichtigt hat. Für schwerwiegende Themen gibt es die Möglichkeit, Triggerwarnungen oder „Content Notes“ für die jeweilige Geschichte bereitzustellen (bei meinen Geschichten stehen sie auf der jeweiligen Unterseite hier). Bei kleineren Dingen, die weniger traumatisch sind, muss man es bis zu einem gewissen Punkt in den Händen der Lesenden lassen, wie sie damit umgehen.

Wenn du mal eines (oder auch mehrere) meiner Bücher gelesen hast, weißt du, dass ich meine Charaktere nicht schone. Sie erleben furchtbare Dinge, sie müssen schreckliche Entscheidungen treffen und manchmal machen sie Fehler. Aber es gibt Dinge, die meine Charaktere nicht tun, weil ich mit ihnen dann keine Zeit mehr verbringen wollte. Grausam zu Tieren sein beispielsweise, unnötig Gewalt anwenden, oder eben Freund*innen die Partner*innen ausspannen.

Bei welchen fiktiven „menschlichen Schwächen“ ist für dich die Grenze erreicht? Was tolerierst du von Figuren in Büchern oder Serien/Filmen und was nicht?

Rück-/Zwischenblick: Gruftgeflüster

228.322 Wörter in einem Jahr. Geschrieben und veröffentlicht.

Stell dir die einmal gestapelt vor!

Hätten die Geschichten mit mehr Zeit besser sein können? Möglicherweise. Sogar wahrscheinlich. Andererseits hatte ich einen Plan, und ein Ziel, und bis jetzt habe ich beides eingehalten.

„In den eisigen Klauen der Frostdämonen“ ist beinahe fertig (und viel lustiger, als es gruselig ist, dafür entschuldige ich mich!). Danach schauen wir uns noch die Killerclowns vom Karneval an, und dann ist es vollbracht. Keine Ahnung, was ich dann weiter mache. Eigentlich macht mir „Gruftgeflüster“ zu viel Spaß, um es komplett aufzugeben. Andererseits habe ich so viele andere Projekte, an denen ich arbeiten möchte, und nicht genügend Zeit. Und der Veröffentlichungsrhythmus ist natürlich Wahnsinn.

Als nächstes möchte ich wieder mehr Zeit, um richtig in Geschichten und Welten einzutauchen, Charaktere eine Weile zu beobachten, ehe ich sie in Abenteuer und Katastrophen stürze. Das Kinderbuch ist in meinem Kopf immer noch lebendig, auch wenn es sich hartnäckig wehrt, sich in etwas Lesbares verwandeln zu lassen. Die ersten Testlese-Rückmeldungen damals waren sehr positiv, das gibt mir natürlich Hoffnung. Und da ist noch das Mutanten-Familiendrama, und das Dämonen-Scheidungsdrama – sagt mal, menschelt es hier zufällig? Wie peinlich! ^^

Aber eins weiß ich nach dieser Tour de Force ganz sicher: Ich werde nie wieder eine Ausrede für Schreibblockaden haben. Nachdem ich das hier geschafft habe, kann mich nichts mehr aufhalten. (Wahnsinniges Gelächter.)

Sonst ist dieses Jahr nicht viel passiert, betrachtet das hier also als liebevolle Zusammenfassung. Ich gehe jetzt mein Brot aus der Form stürzen und schreibe dann noch ein wenig weiter. Da warten noch einige dramatische Wendungen auf mich – und hoffentlich wird es jetzt endlich mal unheimlich!

Die Schrift macht die Musik

Gräuliche Backsteinwand mit unzähligen unleserlichen Graffiti-Tags und einer Ananas.
Foto von Pineapple Supply Co., gefunden auf Unsplash

Als ich noch zur Schule ging, bekam ich oft Schelte wegen meiner Handschrift.

Überrascht?

Also, ich nicht. Meine Handschrift war nie wie die vieler Mädchen, die wunderschöne geschwungene Bögen und kleine Herzchen oder Smilies auf ihren Buchstaben hatten. Ein wenig krakelig, ein wenig schief, und ich habe bis heute ein überraschendes Arsenal von Buchstabenvarianten. Außerdem fällt es mir schwer, ohne Hilfsmittel gerade Zeilen zu schreiben.

Schön war (und ist) das wirklich nicht.

Aber um eine Sache habe ich mich immer bemüht: Leserlich zu schreiben. Auch wenn es viel Text ist oder ich unter Zeitdruck stehe. Denn ich finde es unglaublich unhöflich, unleserlich zu schreiben. Schließlich ist Schrift ein Kommunikationssystem. Wir wollen, dass das, was geschrieben wird, beim Empfänger ankommt.

Bei manchen Kolleg*innen gleicht die Handschrift eher der Beilage eines Rätselspiels. Dann muss man entweder minutenlang rätseln – und unabhängig davon, dass ich Rätselspiele mag, hat niemand da auf der Arbeit Zeit für. Also muss ich dann hinübergehen und den*die Kolleg*in fragen, WAS ZUM HENKER DA WOHL STEHT. (Ja, in diesem Ton.) Neulich habe ich einen besonders schludrigen Schuldigen gefragt, ob er sich zufällig an der Hand verletzt hätte.*

Manchen Leuten fällt es schwer, sauber oder „schön“ zu schreiben. Das ist gar nicht wild. Aber wer unleserlich schreibt, obwohl er*sie es besser könnte, sagt damit doch letztendlich: „Ist mir doch egal, ob du das lesen kannst, ich bin zu wichtig, um mit dir ordentlich zu kommunizieren – meine Zeit ist kostbarer als deine.“ Und deswegen finde ich, dass unleserliche Schrift unhöflich ist.

Wie seht ihr das – bin ich zu streng?

*Hatte er übrigens nicht.

Der Mann spielt mit seinem Leben

Und zwar leichtfertig!!!

Bestimmt erinnert ihr euch dunkel, dass ich euch noch knapp drei „Gruftgeflüster“ schulde. Eines ist sozusagen fertig und kann fast schon in den Druck. Die anderen beiden schreibe ich euch dann. Auf jeden Fall ist das manchmal doch etwas stressiger, als ich erwartet hatte, weil einfach so unglaublich viel Zeug dazwischen kommt. Und wenn mal nichts dazwischen kommt, bin ich krank. Mein Immunsystem ist halt nichts mehr gewohnt und nimmt – wie so ein Kindergartenkind – jeden Schnupfen mit, den es kriegen kann.

Auf jeden Fall habe ich gestern laut gedacht: „Wenn ich Band Zwölf fertig habe, könnte ich eigentlich einen Monat lang explizit nicht schreiben.“

Und da war er, der große Moment! Der Mann, der daneben saß, antwortete nämlich leichtfertig: „Was machst du dann mit all der freien Zeit? Wirst du dich nicht langweilen?“

Es sei dem Suppenkoma zugerechnet, dass ich ihn nicht direkt ausgeschaltet habe. Außerdem mag ich ihn ja auch irgendwie ein bisschen (mehr). Aber ihm scheint komplett nicht klar zu sein, wie viele Dinge ich zurückstelle, um Zeit zum Schreiben zu finden. Beispielsweise möchte ich schon lange wieder mehr:

  • fotografieren
  • basteln
  • malen
  • zeichnen
  • Kuchen dekorieren
  • komplizierte Dinge kochen
  • spontane Ausflüge machen

Die Liste ist endlos. Aber da schon das bisschen Schreibzeit, das ich mir zusammenstehle, von der Zeit abgeht, in der ich eigentlich „wichtige“ Dinge und den Haushalt machen müsste, wird sie in absehbarer Zeit wohl nicht viel kürzer werden.

Puh, zum Glück war da das Suppenkoma. Stellt euch nur mal vor, wie viel Zeit dafür draufgegangen wäre, die Leiche zu beseitigen und mir ein Alibi zu beschaffen!

Für das nächste Jahr stehen bis jetzt zwei große Projekte fest, die ich abschließen möchte, und zwei weitere Manuskripte könnte ich so lange weiter polieren und verbessern, bis sie passen. Meine „Frei“-Zeit ist also gut gefüllt. (Und wenn jemand sich bei euch also das nächste Mal beschwert, dass er*sie sooooo lange auf das nächste Buch von seinem*r Lieblingsautor*in warten müsse – wenn wir Schreibenden alle Haushaltshilfen hätten, ginge das viel, viel schneller. ^^)

Mehr Marketing-Kram

Ist sie nicht schön, die neue Internet-Welt? Ich habe euch ja schon vom kleinen Zaubermeister erzählt, den ich online gefunden habe. Und auch sonst ist es doch richtig toll, wie viele Leute man online erreichen kann!

Nur blöd, dass es so viele Plattformen gibt, die man abdecken muss. Twitter, Facebook, Instagram, TikTok – wo verstecken die potenziellen Leser sich heutzutage?

Klar, auf Facebook sind nur alte Leute. Hat man mir gesagt. Gerüchten zufolge lesen die aber auch. Die Twitter-Crowd soll sehr kurzlebig und gehässig sein, und für Instagram braucht man vor allem tolle Fotos. TikTok – dazu kann ich jetzt gar nichts sagen, ich war nur 60 Sekunden dort und war von den Geräuschen und dem Gewackel auf dem Bildschirm direkt überfordert. (Ja, ich bin eher ein Fall für Facebook. Man reiche mir meine Gehhilfe!)

Und die Leute, die einen schon gefunden haben, soll man natürlich auch noch unterhalten – im Blog (winkt) oder per Newsletter!

Und ich denke mir: Denk doch mal nach. Das allein ist ein Ganztagsjob. Wann soll man denn bitte schreiben, Marketing betreiben und vielleicht auch noch mal ein Käsebrot essen? Deswegen stümpere ich fröhlich vor mich hin. Habe keine polierten Auftritte für sämtliche Plattformen, optimiere nicht ständig Fotos und Texte und mich selbst, um noch leichter verdaulich und publikumsmagnetisch zu werden.

Schließlich kann man es mit der Werbung ja auch übertreiben.

Von der Fantasie zum Produkt

Manche Produktentwickler sollten die Namen der wunderbaren Dinge, die sie auf die Menschheit loslassen, dreimal laut aussprechen, ehe sie sie in den Katalog schreiben.

Oder einmal anders – ganz ehrlich: Was stellt ihr euch unter einem „kleinen Zaubermeister“ vor?

Möglicherweise seid ihr ja nicht so abgrundtief verdorben wie ich, aber als ich vorhin in einem Blog übers Brotbacken las: „… und jetzt öle den Kleinen Zaubermeister vorsichtig ein“, dachte ich NICHT an eine Brotbackform. Um ehrlich zu sein, ich war fest davon überzeugt, ich sei falsch abgebogen und hätte einen Anwärter auf den „Bad Sex in Fiction“-Award vor mir. (Das ist eine augenzwinkernde Auszeichnung für schlecht geschriebene Sexszenen in der Literatur.) Sie ölte den kleinen Zaubermeister vorsichtig ein, spürte seine ganze Länge in ihren vor Begierde zitternden Händen … Kommt schon, begebt euch ruhig auf mein Niveau herunter, es ist spaßig hier unten!

Gut, andererseits – was weiß ich schon von Marketing? Immerhin wissen wir jetzt alle, was der „Kleine Zaubermeister“ ist. Und dank dieses eindrucksvollen Missverständnisses werden wir es auch so schnell nicht vergessen. ^^

Friedhöfe – kennste einen …

… kennste alle?

Das glaub ich nicht.

Und weil die Dezember-Ausgabe „Gruftgeflüster“ unter anderem auf Bonner Friedhöfen spielt, ist das diese Woche meine Recherche-Aufgabe – nach der Arbeit schaue ich mir einen oder zwei der über dreißig Friedhöfe auf Bonner Stadtgebiet an, mache Fotos und notiere mir Eindrücke: Was hört man? Wonach riecht es? Welche Art Material wurde für die Wege verwendet? …

Jaaaaaa, es ist wirklich so, dass viele Friedhöfe schon eine Reihe Gemeinsamkeiten haben. Aber mich interessieren die Kleinigkeiten, die Besonderheiten, die Trivialitäten. Zum Beispiel habe ich heute gelernt, dass es auf einigen Bonner Friedhöfen Bienenvölker gibt. Und ab und zu stolpert man über die Gräber bekannte Personen (nicht wortwörtlich, natürlich, wir bleiben artig auf den Wegen). In Prag beispielsweise, vor einigen Jahren, haben wir zufällig das Grab von Dvořák gesehen. Überhaupt, der Friedhof war schon hart anders, als wir das von hier gewohnt sind. Viel enger, und viel weniger Blumen, zum Beispiel.

Generell bin ich eigentlich gerne auf Friedhöfen. Meist ist es ruhig, eher grün, es gibt abgeschiedene Ecken … und man lernt eine Menge darüber, was für ein Verhältnis Leute zu ihren Toten und zum Leben nach dem Tod haben.

Was ist der schönste Friedhof, den ihr je gesehen habt?