Blick über die Schulter, Tag 14

Auch der heutige Tag ist vollgepackt mit Terminen. Mal im Vertrauen, eigentlich hatte ich mir so eine Pandemie etwas … geruhsamer vorgestellt. Aber gleich finden Arsch an Arsch zwei digitale Treffen statt, die ich nur ungern verpassen möchte. Also gibt es vorgekochtes Essen, die Katzen werden vom Mann versorgt und die Schreibzeit ist begrenzt.

In solchen Momenten bin ich sehr dankbar für meinen Plot. Ich weiß immer grob, was als nächstes kommt, und bei der angepeilten Länge der Geschichte ist alles auch noch einigermaßen übersichtlich. Heute konnte ich eine elementare Szene abschließen und werde mich gleich noch kurz auf den Übergang zum Finale stürzen, ehe ich sozial sein kann.

Die letzte Szene war recht dialoglastig, das fällt mir normalerweise schwer. Aber Niklas, mein Protagonist, ist ein kluger Junge und lässt sich nicht so leicht aus der Fassung bringen. Dialoge zeigen oft sehr gut, wie jemand tatsächlich ist – Wortwahl, Kommuikationsstrategie, Konfliktbewältigungsverhalten sind wichtige Indikatoren für die Persönlichkeit. Wenn ich eine in sich funktionierende Figur geschaffen habe, ergeben Dialoge sich oft von selbst. Ist meistens leider nicht der Fall, aber heute schon. Beim Überarbeiten kann ich testen, ob die Dialoge und das Innenleben von Niklas auch zueinander passen. Sonst muss ich eines von beidem anpassen. In diesem Fall, denke ich, werden meistens die Dialoge gewinnen.

Letzter Satz: „Niklas schnappte sich die Giraffe und rannte los.“

Endstand: 12.470

Blick über die Schulter, Tag 13

Sie schwächelt! Habt ihr’s nicht geahnt? Welche andere Erklärung gäbe es für die unverzeihliche Lücke?

Ganz einfach – ich habe euch vergessen. Gestern war nämlich die große Sperrmüllaktion Numero Uno des Jahres (mindestens eine kommt noch, wenn wir die nächsten Umbauten in Angriff nehmen), und nach drei Stunden war ich einfach zu matschig, um euch noch an meinen Babyschritten auf dem Weg zum Erfolg teilhaben zu lassen.

Dafür habe ich heute ein kurzes Update für euch. Wirklich, ganz kurz. Schmucklos.

Endsatz des Tages: „Die wild durcheinanderwirbelnden Lichter und die Geräuschkulisse, die sich anhörte, als ob ein paar betrunkene Kobolde in einer Besteckschublade miteinander kopulierten, verstärkten seine Orientierungslosigkeit.“

Stand: 11.012 Wörter

Blick über die Schulter, Tag 11

Auf einem grauen Sofa, halb unter einer hellblauen Decke, liegt ein weißer Kater mit schwarzen Marken und räkelt sich genüsslich.
Kurt ist ein sehr motivierender Schreibkater.

Sonntage sind für Tonaufnahmen, aber dieser Sonntag ist auch fürs Schreiben. Um ein wenig Wochenend-Gefühl zu ermogeln, habe ich mich mit Kaffee und zwei Katern ins Wohnzimmer verzogen, und auf dem Fernseher laufen Marvel-Filme. Manchmal hilft es, mein „Nörgelhirn“ mit bunter Unterhaltung abzulenken. Ich muss nur darauf achten, dass die Unterhaltung nicht in der gleichen Sprache abläuft wie das Schreiben, sonst gibt es merkwürdige Überschneidungen. Die Kater interessieren sich weniger für die Unterhaltung – oder meinen Rechner – sondern mehr für Streicheleinheiten und Futterrationen. So haben alle etwas, worauf sie sich freuen können.

Über Nacht hat mein Gehirn einige Kleinigkeiten im letzten Kapitel, das ich gestern Abend geschrieben habe, aussortiert, und ich habe die ersten zwei Stunden des Schreibtages mit Korrekturen verbracht. Je besser der erste Entwurf ist, desto einfacher gehen später die „echten“ Überarbeitungen vonstatten.

Mein größtes Problem gerade ist, dass die Geschichte sich noch nicht gruselig genug liest – sie ist eher abenteuerlich als gruselig, und für ein „Gruftgeflüster“ reicht das natürlich nicht. Im Moment ist es nur ein „Geflüster“. Das, so hoffe ich, lässt sich mit ein paar einfachen sprachlichen Kniffen beheben. Es ist überraschend, wie leicht sich die Stimmung eines Textes ändern lässt, wenn man nur auf Wortebene arbeitet.

Aber das ist ein Problem für einen anderen Tag. Es wird Zeit, dass ich mich der Hörbuchaufnahme widme.

Endstand: 9.191 Wörter

Blick über die Schulter, Tag 10

Großaufnahme einer Keksdose aus Metall, ausgelegt mit einem Stück Küchenrolle. Darauf ein Berg Haferflockenkekse.
Jemand Lust auf Kekse? ^^

Ich würde niemals sinnlos prokrastinieren! Irgendwer muss schließlich Kekse backen, nicht wahr?

Gerade ist Halbzeit, und ich bin mit meinem Fortschritt einigermaßen zufrieden. Wenn ich einen entspannten Tag daheim habe, lasse ich den Rechner oft aufgebaut und setze mich immer mal wieder hin, um zu schreiben, bis mir nichts mehr einfällt, und dann mache ich etwas anderes.

Der Tierarztbesuch heute morgen war wenig aufregend, dem Kater geht es gut, der Haushalt kann noch einen Moment warten. Nur dieses Backbedürfnis musste dringend befriedigt werden. Später ist noch mindestens eine größere Schreibsession dran, aber jetzt muss ich erst neue Wörter für mein Hirn sammeln.

Zwischenstand: 6.488 Wörter

Über den Tag verteilt geht es in kleinen Stücken weiter. Ich schreibe „auf Sicht“ – bei jeder Szene schreibe ich alles, was ich weiß, und lese mir den kommenden Plotpunkt noch einmal durch, ehe ich den Schreibtisch wieder verlasse. Wahrscheinlich ist noch mindestens eine weitere Session drin, ehe ich am Ende des Tages wieder als vernünftige Erwachsene fungieren muss.

Die Kekse sind übrigens ziemlich lecker geworden. Wahrscheinlich schleppe ich gleich zur Abwechslung einige Regalteile für den Sperrmüll nächste Woche ins Erdgeschoss hinunter.

Zwischenstand: 7.692 Wörter

Zeit für Feierabend. Vorhin habe ich leichtfertigerweise an einer Stelle pausiert, an der ich nicht genau wusste, wie ein bestimmtes Problem zu lösen sei, das hat viel Zeit gefressen beim Wieder-Einsteigen. Im Grunde genommen habe ich eine halbe Stunde lang den gleichen Absatz immer wieder getippt, gelöscht und minimal umstrukturiert. Aber jetzt fluppt die Szene, ich bin müde und morgen ist auch noch ein Tag.

Endstand: 8.223 Wörter

Blick über die Schulter, Tag 9

Unzählige abgegriffene Bücher, dicht an dicht und von unten nach oben gestapelt, mit Schnur zusammengehalten.
Foto von Carles Rabada, gefunden auf Unsplash

Soviel Arbeit und so wenig Ergebnis … seid ihr auch beeindruckt, wie langsam ich vorankrieche? Aber ich tauche auf und ich tue, was ich kann. Heute war wieder so ein fragmentierter Tag voller kleiner und Kleinstaufgaben, voller Zeitfresser und „Uppsis“, die meine Schreibzeit gefressen haben.

Ich habe keine gute Ausrede. Das Leben passiert. Kaffee hilft. Und Entschlossenheit. Und Geduld. Und die Hoffnung, am Wochenende ein wenig Boden gutmachen zu können. Außer einem Tierarztbesuch steht nicht viel an, ich sollte also ein paar Absätze geschrieben kriegen.

Dieses langsame Vorankommen hat natürlich den Vorteil, dass ich fast unmerklich bis zum Hals in der Welt versinke, in der gerade furchtbare Dinge passieren. Die Charaktere drehen ungeduldige Runden in meinem Kopf, die Atmosphäre verdichtet sich. Ich werte das mal völlig optimistisch als gute Zeichen dafür, dass es – wenn denn endlich einmal Zeit ist! – fix vorangehen wird.

Heute habe ich einen letzten Satz des Tages für euch: „Auf Riesenrad hatte er genauso wenig Lust wie auf kandiertes Obst.“

Ende: 5.340 Wörter

Darauf ein Helles.

Und lacht mal: Nächstes Wochenende muss der erste Entwurf definitiv stehen – besser vorher.

Blick über die Schulter, Tag 8

Orrr, ich bin frustriert … heute fressen lauter kleine Aufgaben meine Schreibzeit. Ich schaue mal, dass ich trotz allem noch ein paar hundert Worte bis neun geschrieben kriege – potenziell schlechte! – und dann ist es auch gut.

Warum ihr solche Nicht-Nachrichten lesen sollt? Weil so knackig geplante Projekte wie das „Gruftgeflüster“ auch im regulären Alltag stattfinden. Dann muss Papierkram erledigt werden oder es stehen unerwartete Termine an, irgendwas geht kaputt oder etwas anderes muss geplant werden, und plötzlich ist es Abend und der Tag ist futsch. Von so etwas darf man sich nicht zu arg ärgern lassen. Mal schauen, was ich bis neun noch gerissen kriege.

Ende: 4.927 Wörter

Blick über die Schulter, Tag 7

Auch heute ist nicht viel passiert. Ich kämpfe ein wenig mit der Atmosphäre und den verschiedenen Charakteren, aber ich komme langsam voran. Am Wochenende spätestens wird sich im Manuskript mehr tun. Na, ist euch vom Mit-Lesen schon langweilig? ^^

Ein Kunstgriff, an dem ich viel arbeite und mich abmühe, sind die unterschiedlichen Ausdrucksweisen verschiedener Personen. Wie jemand redet, sagt viel über den Charakter aus – soziale Herkunft, Bildung, Dialekt, … – und auch darüber, wie Leute zueinander stehen. Es macht schon einen Unterschied, ob ich jemanden mit „Ey Digga!“ begrüße – oder mit „Mein sehr verehrter Herr Minister!“ Allerdings finde ich es schwierig, Leute konstant in ihrem eigenen Ton reden zu lassen, wenn ich schreibe. Bei Beschreibungen etc. kann ich MEINEN Ton verwenden (oder einen meiner Töne), doch für die verschiedenen Charaktere ist das schwieriger. Hoffen wir, dass ich das irgendwann meistere, aber es ist noch ein weiter Weg. Und dann kommen wir zum Problem Jugendsprache – wie schreibe ich Jugendliche so, dass sie nicht komplett lächerlich klingen? Keine Ahnung. ^^

(Zum Glück gibt es die Überarbeitungsphase für genau solche Probleme.)

Ende: 4.315 Wörter

Schreib-Beef: Wie professionell muss ein Buch sein?

Seit ein paar Tagen tobt auf Twitter, meiner liebsten kurzweiligen SoMe-Plattform, eine schwierige Diskussion. Viele Leute fühlen sich angegangen, diskriminiert, beleidigt und/oder missverstanden. Und ich kann, ehrlich gesagt, beide Seiten ein wenig verstehen. Deswegen setze ich mich hier mal länglich zwischen alle Stühle und verscherze es mir potenziell mit allen.

Wenn ich den Überblick richtig im Kopf habe, fing es an mit einer Autorin, die ein SP-Buch (also eines, das ohne Verlag veröffentlich wurde), kritisierte. Sie nannte weder Autor*in noch Titel, aber unterlegte ihre Kritik mit Zitaten und Beispielen. Unter anderem ging es um ein unvollständiges Impressum, einen merkwürdigen Disclaimer, der im Widerspruch zum Buchinhalt stand, und grammatische Probleme. (Wer das nachlesen möchte, kann das aktuell hier tun. Ich fasse aber auch noch kurz zusammen.)

Dieser Kritik, soweit ich sie gelesen habe, stimme ich erst einmal zu. Die kritisierende Autorin hat gute Argumente. Sie brachte auch Vorschläge, wie man solche Dinge im eigenen Buch vermeiden könne – etwa durch ein professionelles Lektorat und Korrektorat sowie Recherche zu Gestaltung und juristischen Dingen.

Andere Leute fühlten sich diskriminiert – weil nicht jeder das Geld für professionelle Dienstleistungen hat; weil manche Eigenschaften (im weitesten Sinne) wie Lernschwächen oder Neurodivergenzen es schwierig machen, den üblichen Wegen zu folgen; weil es beim Schreiben mehr um Kunst gehen solle und weniger um Regeln. Auch diese Kritikpunkte kann ich gut verstehen.

Was ich weniger verstehen kann, sind die persönlichen Beleidigungen, die da schnell flogen (oder die einige Leute sich selbst aufluden, weil sie einen persönlichen Angriff lasen, wo es wahrscheinlich – was weiß ich denn, was in den Köpfen anderer Leute vorgeht??? – keinen gab).

Mal schauen, wie wir das alles dekonstruieren können.

  1. Korrekte Sprache, inkl. Grammatik: Es gibt sprachliche Regeln. Die sind wichtig, weil Sprache letztendlich ein Zeichensystem ist, auf dass Menschen sich geeinigt haben, um zu kommunizieren. Viele Aussagen kann man auch noch verstehne, wenn es geringe Abwaichugnen gibt. Allerdings werden Texte schwieriger zu verstehen, wenn die Fehlerquote steigt, und je anstrengender es ist, etwas zu lesen, desto weniger Vergnügen und Entspannung bietet der Text. Da das Lesen von Geschichten idealerweise ein schönes Hobby ist, sollten solche unnötigen Anstrengungen meiner Meinung nach weitestgehend vermieden werden. Mir ist klar, dass ein fehlerfreies Buch ungefähr so oft vorkommt wie ein Einhorn, das im Lotto gewonnen hat. Als schreibende Person sollte man sich trotzdem die größtmögliche Mühe geben, die sprachlichen Regeln zu lernen, um sich möglichst präzise ausdrücken zu können. Da sind auch Lernschwächen etc. keine gute Ausrede – ich bin selbst von Dyslexie betroffen (weswegen ich sprachlich falsche Texte nur mit größter Mühe lesen kann!), was ihr allerdings in meinen eigenen Texten nicht merkt. Dazu gehört harte Arbeit. Dinge wie Kommasetzung oder die korrekte Verwendung von Zeiten kann man lernen und üben. Je besser man in diesen grundlegenden Fähigkeiten ist, desto eher kann man sich beispielsweise ein Korrektorat sparen. Damit kommen wir zu …
  2. Lektorat und Korrektorat: Wenn ihr nicht genau wisst, was das ist – bei einem Lektorat klopft eine bösartige sehr genau lesende Person einen Text auf strukturelle und inhaltliche Schwächen ab. Gibt es Logikfehler? Verschwindet ein Bleistift von einer Szene zur nächsten? Wiederholen bestimmte Momente sich oft? Etc. pp. Beim Korrektorat wird später der endgültige Text auf sprachliche Fehler und Schwächen abgeklopft. Das sind Dienstleistungen, die für Selfpublisher*innen zu verschiedenen Preisen von mehr oder weniger professionell vorgehenden Personen angeboten werden. Sogar bei günstigen Preisen steht auf der Endrechnung bei einem Roman schnell ein vierstelliger Betrag. Den hat nicht jede*r von uns eben zuhause rumliegen und übrig – vor allem dann nicht, wenn das entsprechende Buch diesen Betrag höchstwahrscheinlich kurzfristig nicht einspielen wird.
  3. Professionalität in der Kunst: Das ist ein anderes Ding. Dieses Sprichwort, dass Kunst angeblich von „können“ stammt, hasse ich heiß und innig. Ist so eine Grundsatzfrage, denn diese Denkweise impliziert, dass nur die Leute Kunst betreiben dürften, die überdurchschnittlich gut in dieser Kunst seien, dass es eine absolute „Güteskala“ für Kunst gebe und dass Kusnt auch immer unter kapitalistischen Gesichtspunkten betrieben werden solle – Lohnt sich das überhaupt? Wir alle kennen die Geschichten von malenden Elefanten, die sich garantiert nicht darum scheren, ob jemand ihre Bilder gut findet – die malen einfach und amüsieren sich dabei wie Bolle. Ist das dann Kunst oder nicht? Wann malt jemand nur ein Bild resp. wann wird jemand beim Malen zum Künstler? Da hängt irgendwo ganz tief verschwurbelt so ein Genie- und Elitebegriff drin, der macht mir unbehaglich.

Gut, aber wie lösen wir diese Dinge denn jetzt?

Erst einmal ein Geständnis: Wenn ich selbst veröffentliche, nehme ich als einzige professionelle bezahlte Dienstleistung die Covergestaltung in Anspruch. Nicht, weil ich in allem anderen so genial wäre, sondern weil ich einfach keinen Dukatenscheißer daheim habe und mein Schreiben sich selbst finanzieren (und idealerweise sogar lohnen) soll. Optische Gestaltung von Dingen fällt mir generell schwer, deswegen war das die erste Baustelle, die ich frohen Herzens Fachmenschen überlassen habe. Lektorat und Korrektorat haben meine Texte nur, wenn ein Verlag dahintersteckt, der genau das leistet. Könnten sie mit den entsprechenden Hilfestellungen besser sein? Eventuell. Möglicherweise. Ach, was sag ich – wahrscheinlich. Sind sie auch ohne lesbar? Das muss jemand anders entscheiden (aber die Rückmeldungen sind überwiegend positiv und eventuelle Kritik meist berechtigt). Meine nächste Baustelle, auf der ich dazulernen will, ist der Buchsatz, aber dieser Plan hat gerade nicht die höchste Priorität. Kommt schon noch.

Und wie schaffe ich das also?

Alles, was auf Sprachebene läuft, habe ich mir beigebracht, und gelegentlich lerne ich sogar heute noch etwas Neues. Ich habe ein paar Tricks, um gängige Expressionen der Dyslexie abzufangen, und muss an der Stelle eben härter arbeiten als manch andere Person. Mit der Zeit wird es einfacher. (Das ist meine persönliche Erfahrung, andere Menschen mögen das anders empfinden.) Natürlich könnte ein Korrektorat wohl noch Dinge finden, aber ich gebe mir härteste Mühe, einen einigermaßen sauberen Text zu produzieren.

Wenn die Deadline mich jagt, mache ich mein eigenes Lektorat. Geht nicht, sagen einige. Geht doch, sage ich – wenn man ein wenig vergesslich ist und sehr gründlich (und selbstkritisch!) arbeitet. Am liebsten verwende ich Ausdrucke und Listen, um mich zu organisieren. Falls mehr Zeit ist, wende ich mich gerne an meine Testleser, die allerdings auf freiwilliger Basis arbeiten (ich bezahle sie in Dankbarkeit und Kinkerlitzchen) und natürlich auch kein professionelles Lektorat ersetzen sollen. Ab und zu tausche ich Hilfestellungen mit anderen Autor*innen oder hole mir Rat.

Und endlich zur Professionalität – das Internet ist voll guter und gutgemeinter Ratschläge. So lästige Dinge wie die Impressumspflicht, Finanzamtquerelen und Do/Don’t-Listen für öffentliche (SoMe-)Auftritte als Autor*in sind von viel klügeren Leuten als mir zuhauf besprochen und analysiert. Natürlich muss man alles ein wenig vorsortieren und kritisch lesen, einige Dinge ausprobieren und wieder verwerfen. Glücklicherweise wird es dank dieser Fülle an leicht zugänglichen Informationen immer einfacher, auch als Laie mit begrenzter Zeit und Geduld ein halbwegs professionell aussehendes Buch zu präsentieren. Und falls mir später auffällt, ich hätte etwas besser machen sollen – gut, dann mache ich es beim nächsten Buch besser. (Ich halte mich selten damit auf, bereits veröffentlichte Bücher noch einmal – und noch einmal und noch einmal – zu überarbeiten. Wasser auf dem Weg zur Küste und so.)

Meiner Meinung nach ist es letztendlich egal, wie ihr euer bestmögliches Buch erreicht. Wichtig ist nur, dass ihr euch klarmacht, welche Möglichkeiten es gibt, welche Schritte unternommen werden sollten – und die dann in irgendeiner Weise umsetzt, anstatt eure Idee von eurer eigenen künstlerischen Genialität als Schutzschild gegen Lernprozesse und Kritik einzusetzen. Was ihr nicht als Service einkaufen könnt/wollt, müsst ihr eben selbst leisten, so gut es geht. Und wenn ihr etwas nicht könnt, müsst ihr rausfinden, wie es geht. Die Leute, die euer Buch am Ende kaufen, interessieren sich nämlich im ersten Moment einen lauwarmen Pups für die Hürden auf eurem Weg zum Buch. Die gucken sich nur das Buch selbst an und entscheiden dann, ob sie ihm (und damit euch) eine Chance geben oder nicht.

(Es ist übrigens auch völlig in Ordnung, nur zum Vergnügen zu schreiben und zu veröffentlichen, ohne sich stunden- und jahrelang selbst zu kasteien. Das oben gesagte gilt in erster Linie für Leute, die an sich selbst den Anspruch haben, auf einer professionellen Ebene Bücher zu präsentieren.)

Blick über die Schulter, Tag 5

Einen Tag 4 gab es nicht, weil Sonntage in die Soundbox gehören und ich nach drei Stunden Tonaufnahme und Schneiden zu müde war, um noch etwas anderes zu machen. Ab und zu muss auch mal Pause sein.

Heute Mittag habe ich meine begnadete Coverfee mit den Details (ISBN-Barcode, Klappentext, mögliche Elemente für das Cover) beworfen und bin jetzt gespannt, was sie draus macht. Jetzt beginnt der „Routinepart“: Das Schreiben. Ich bin nicht sicher, wie ich euch das zeigen kann – höchstens die tägliche Wortzahl und ggf. der letzte Satz wären für euch interessant, und falls ich zwischendurch etwas „drumrum“ mache.

Zu Beginn der Schreibsession werfe ich einen Blick auf das, was ich zuletzt geschrieben habe, und überarbeite auch schon ein wenig. Das hilft mir, in die Stimmung zu kommen, und macht die Überarbeitungsphase etwas einfacher. Die kommt in etwa zwei Wochen, wenn der erste Entwurf geschrieben ist, und findet in der Tat auf dem Papier statt. Am Bildschirm lese ich einfach nicht so gründlich, sorry. ^^

Der Mann hat mir übrigens einige Fotos von vergangenen Volksfesten geschickt, zur Inspiration, und ich frage im Freundeskreis nach Erlebnissen auf Jahrmärkten, die ich in der Atmosphäre verbasteln kann. Falls ihr euch einen Platz in der Danksagung verdienen möchtet, hinterlasst eure Anekdote (egal, ob lustig/romantisch/unheimlich/empörend/…) in den Kommentaren!

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