Waldgeflüster

Waldgeflüster Cover Front

MAGIC CONSULTANT AND SOLUTIONS.

In und um Bonn sterben Straßenkämpfer unter mysteriösen Umständen. Aus diesem Grund bittet die Polizei Falk drei Monate nach seiner Entlassung aus dem Wandelnden Friedhof um einen gefährlichen Gefallen.
Natürlich lässt Helena nicht zu, dass ihr Assistent sich ganz allein in Lebensgefahr bringt. Sie sucht sich unwahrscheinliche Verbündete, um Falk auch gegen dessen Willen zur Seite zu stehen – und als er in Lebensgefahr gerät, ist sie die einzige, die ihn retten kann.

“Waldgeflüster” gibt es in den folgenden Formaten:

Als eBook für Kindle

… und als Taschenbuch.

*** LESEPROBE ***

(…)

Dankenswerterweise hielt Falk den Mund. Wenn man es genau nahm, hatten wir gar keinen Vertrag. Zumindest keinen schriftlichen. Er wohnte hier, tat, was ich ihm sagte – zumindest wenn es um Arbeit ging – und bekam dafür jede Woche einen angemessenen Betrag Bargeld in die Hand gedrückt. Was er damit tat, wusste ich nicht. Ein Konto hatte er, soweit ich das wusste, noch nicht wieder eingerichtet. Vielleicht rauchte er die Scheine einfach, mir konnte das egal sein.

Nach einem Moment des Nachdenkens beschloss Raphael, dass er mich nicht um jeden Preis aus dem Raum verbannen wollte. „Nun, ich bin hergekommen, um mir die Expertise von deinem Mitarbeiter anzuhören.“

„Worum geht‘s?“, fragte Falk.

Raphael nahm sich einen Keks aus der Schachtel. Ein paar Krümel fielen auf seine sorgfältig gebügelte Jeanshose. Er schnippte sie auf den Teppichboden. „Um Ihre Erfahrung mit illegalen Straßenkämpfen.“

Falks Kaffeetasse verharrte auf halbem Weg zwischen Tisch und Mund.

„Warte, woher weißt du davon?“, fragte ich. Diese Akten sollten längst versiegelt sein.

Raphael drehte sich in meine Richtung. „Erinnerst du dich, dass wir bei unserer ersten Verabredung beschlossen haben, nicht über unsere Jobs zu reden?“

Ich nickte.

„Nun, ich bin Leiter einer Spezialeinheit für Vergehen, bei denen Magie im Spiel ist. Darum habe ich Zugriff auf Informationen, die dem gewöhnlichen Publikum nicht zugänglich sind.“

Die Rädchen drehten sich in meinem Kopf. „Warte, kennst du etwa den Radinger?“

Er nickte. „Das war mein Vorgänger.“

Und außerdem der Typ, dem ich meine gegenwärtige Karriere zu verdanken hatte. Seine Spezialeinheit hatte mich damals bei einer Trickdiebstahl-Aktion erwischt, und anstatt mich in den Bau wandern zu lassen, hatten sie mich davon überzeugt, das Studium der Magie an der Bonner Universität aufzunehmen. Und hier war ich dann hängen geblieben. Das war schon eine Ewigkeit her. Aber vor allem …

„Heißt das, du hast meine Akte gelesen?“

Raphael nickte. „Ich muss schließlich darüber informiert sein, mit wem wir im Einzelnen zusammenarbeiten.“

Also, ich fand ja, das hätte er mir trotzdem erzählen sollen. Direkt zu Anfang unserer kurzen Beziehung. Die es dann garantiert nicht gegeben hätte. Ich spürte ein unangenehmes Gefühl in meiner Magengrube. Dieser Mistkerl …

„Aber deswegen bin ich gerade gar nicht hier.“ Er holte einen braunen Umschlag aus der Innentasche seiner schwarzen Jacke und warf ihn vor Falk auf den Tisch. „Würden Sie sich das bitte ansehen?“

Falk machte keinerlei Anstalten, den Umschlag in die Hand zu nehmen. „Das war nicht Teil der Abmachung. Mit Austritt aus dem Wandernden Friedhof sollten alle meine Vorstrafen gelöscht sein.“ Er runzelte die Stirn.

„Sind sie auch“, erklärte Raphael.

„Nur nicht so echt“, vermutete ich.

Sein betretener Blick gab mir Recht.

„Wahrscheinlich reitet er genau so eine Datenkrake wie die Amerikaner. Wie verträgt sich das eigentlich mit dem Recht des Individuums auf Privatsphäre, oder mit den gültigen Datenschutz-Bestimmungen?“

„Das steht hier nicht zur Debatte“, wehrte Raphael ab. „Ich bitte nur darum, dass Sie, Falk, sich diese Bilder ansehen, und mir sagen, was Ihnen dazu einfällt.“

Ich weiß nicht, ob ich den Umschlag aufgemacht hätte. Neugier ist eine meiner schlimmsten Eigenschaften, aber bei weitem nicht so ausgeprägt wie meine Sturheit. Aber diesmal lag die Entscheidung nicht bei mir, sondern bei Falk. Er riss das Papier mit dem Daumennagel auf und langte hinein.

Nachdem er sie einen Moment betrachtet hatte, warf Falk die Bilder mit der bunten Seite nach oben auf den Couchtisch. Ich beugte mich ein wenig vor und blickte in das blasse Gesicht eines Mannes, der definitiv nicht schlief. Seine Augen waren bereits eingetrübt, und ein klaffender Riss zog sich quer über seine Stirn. Außerdem hatte ihm jemand ein paar Haarbüschel ausgerissen. Von seinen bläulich verfärbten Lippen flockte Schaum.

„Was sollen mir die Bilder sagen?“, fragte Falk.

(…)