Der Alltag hat mich wieder

Allmählich ist alles Liegengebliebene aufgearbeitet, alles Liegengebliebene weggeräumt und alles Liegengebliebene verarbeitet. Der Alltag hat uns wieder. Nur manchmal erwische ich mich dabei, dass ich an einem der üblichen Plätze die kleine Miezi auftauchen sehe. Oder dass ich ein hübsches Kleidungsstück sehe und mir denke: „Das kannst du nicht kaufen, die Miezi wird alle Fransen abreißen.“ Erfahrungsgemäß wird das noch eine Weile dauern, das Herz ist offenbar ein Gewohnheitstier. Greebo, ihr Bruder, ist im Moment sehr anhänglich, aber ansonsten fängt er sich gut, denke ich. Wir müssen mal schauen, ob wir ihm beizeiten Gesellschaft adoptieren.

Und jetzt zurück zum Plan.

Nicht der Postmessepost

(Ich verspreche, ein kurzer Messebericht mit vielen bunten Bildern kommt noch, aber mir fehlt gerade ein Kabel, und stattdessen habe ich zu viele Gedanken. Hier sind ein paar.)

Das Büro, in dem ich arbeite, ist nicht gerade die Speerspitze der Innovation. Dementsprechend arbeiten hier wenige karriereorientierte junge Giganten, sondern mehr so … normale Leute. Menschen, die nach dem Büro nach Hause gehen und froh sind, dass man ihnen für den Monatslohn nur selten ein Körperteil abschneidet. Nicht mehr die Jüngsten. Menschen, die gelernt haben, Kompromisse einzugehen – wenn man Familie (oder wenigstens Kinder) hat oder die Angehörigen krank und pflegebedürftig sind, wenn die eigene Ausbildung aus dem Heimatland vom Staat nicht anerkannt wird oder man aus diversen Gründen kaum Anspruch auf Unterstützung hat, dann arbeitet man halt, beispielsweise hier, und macht das Beste aus der Situation.

Keine Sorge, das ist kein Jammer-Beitrag. Nur, damit ihr euch die Leute hier vorstellen könnt. Wir kommen morgen her, stempeln ein, arbeiten bis Feierabend, trinken zwischendurch einen Kaffee oder Tee und vergessen alles, was im Büro passiert ist, sobald wir am frühen Abend das Gelände verlassen. Wir sind nicht „die Elite“, nicht „die Großen von Morgen“, keine „Wunderkinder“.

Unter diesen völlig normalen, langweiligen Menschen gibt es allerdings viele, die im fortgeschrittenen Alter noch schnell ihre Kreativität entdecken – und da wird es spannend. Die Dame aus der Buchhaltung, die mit knapp 50 Jahren anfängt, Saxophon zu lernen (denn das allein aufgezogene Kind ist endlich aus dem Haus und sie hat jetzt etwas Zeit für sich). Der Laufbursche, der in seiner Freizeit Schmuckvögel züchtet, seit er  endlich einen kleinen Garten hat. Die Fahrerin, die Abends noch Kleider näht, weil sie es möchte. Diese Liste ließe sich fortsetzen. Einige designen, andere spielen Theater, singen, …

Wenn man da so drüber nachdenkt, wundert einen das vielleicht im ersten Moment. Diese Leute, die nie irgendwas „Künstlerisches“ gemacht haben, entdecken plötzlich ihre schöpferische Ader? Was soll das – Midlife-Crisis? Füllen sie mit der „Kunst“ die Leere, die nach der Nestflucht der Kinder (oder dem Verblassen der eigenen Jugendträume) übrigbleibt?

Nö. Also, ich glaube das nicht. Meiner Meinung nach gibt es ein anderes Problem, das viele Leute trifft: Wenn wir aufwachsen, wird uns weißgemacht, dass „Kunst“ etwas sei, was man machen kann, wenn für alles andere gesorgt ist. Wenn man einen festen Job hat, ein Haus, wenn die Familie versorgt ist, der Autokredit abbezahlt, die Küche sauber – und wenn man DANN noch Energie hat, kann man ja mal so ein bisschen Kunst. Es sei denn, man gehört zu den Genies, denen alles von klein auf in die Wiege gelegt wurde. Die erkennt man am Glorienschein und der Muse auf der Schulter oder so.

Dabei ist Kunst eigentlich überlebenswichtig. Bilder, Skulpturen, Texte und Musik sind die ältesten Ausdrucksformen. Schon immer wollten Menschen ausdrücken, was in ihnen war, und es für die Nachwelt hinterlassen (sogar wenn die Nachwelt davon vielleicht nie etwas mitbekommt). Ich spreche jetzt mal für mich selbst: Wenn ich ein paar Tage nicht geschrieben habe – und ich bin weder ein Genie noch berühmt, die Zeit fürs Schreiben ist von den „wichtigen“ Alltagsdingen gestohlen – werde ich unleidig. Glücklicherweise sind künstlerische Hobbies in meiner Familie weit verbreitet. Auch wenn immer gesagt wurde, ich solle mich erst um einen vernünftigen Job kümmern, ehe ich an meiner Schriftstellerkarriere arbeite, wurde ich nicht aktiv entmutigt. Wir Kinder hatten Zugang zu Büchern, Stiften und Papier und, soweit das Budget es zuließ, zu Musikinstrumenten. Alle meine Schwestern haben immer irgendwas geschaffen, was vorher nicht da war. Trotz Kindern, Häusern, Jobs. Und wir sind, trotz aller Begrenzungen, behaupte ich mal, gerade dadurch glücklichere Menschen.

Also: Für mehr Kunst. Ohne Berücksichtigung von Genie, Talent oder wirtschaftlicher Plausibilität. Für mehr Kunst, weil Kunst wichtig ist. Und vor allem für mehr Kunst, die „nichts bringt“, einfach, weil man es möchte.

Ergibt das außerhalb meines Kopfes überhaupt Sinn? ^^

 

Schlechte Angewohnheiten, Ticks und Macken

Wer von euch erinnert sich noch an die Serie „Monk“? Hach, was sind wir alle alt retro. Für die drei Küken, die sich nicht erinnern, und für die Trendverweigerer, die die Serie nie geguckt haben: Es ging um einen genialen Ermittler, der nach dem Tod seiner Frau diverse Macken wie Putzfimmel etc. entwickelt und das Leben nur mit Hilfe einer Assistentin meistern kann. Das führt in der Serie zu allerhand angeblich lustigen Momenten und wird auch irgendwie nie so konsequent durchgesetzt, wie man es sich wünschen würde.

Aber überhaupt, Macken. Eigentlich hat doch jeder welche. Ich suche mir etwa immer mal wieder Lieblingsformulierungen aus, die ich dann eine Weile exzessiv verwende. Und im Büro ist genau sortiert, welches die Kaffee- und welches die Teetasse ist. Ordnung muss sein. Und zu guter Letzt – das ist wirklich lästig – knibbele ich mir oft die Lippe auf, wenn ich gestresst bin. Das ist blöd und kindisch und tut weh, aber ich arbeite noch dran.

Als Autor schaut man übrigens ganz anders auf die Exzentrizitäten seiner Mitmenschen. Man könnte sie nämlich durchaus entlehnen, um eigene Charaktere authentischer zu gestalten. Nur muss man dann darauf achten, dass  man das auch konsequent durchhält. Bei „Monk“ hat mich sehr gestört, dass Ticks und Macken nur mal auftauchten und wieder verschwanden, wenn sie keine weiteren Lacher generieren konnten. Helena in „Magie hinter den sieben Bergen“ mag etwa keine Anglizismen, allerdings habe ich das in den ersten zwei oder so Büchern nicht so konsequent durchgesetzt, wie ich es hätte tun sollen. Tja, was kann ich sagen? Ich lerne eben noch dazu. Vielleicht mache ich mal Neuauflagen, die dem Spleen Rechnung tragen …

Welche Eigenarten meine Protagonistin Sonja aus dem „Mantikor“-Manuskript hat, weiß ich selbst noch gar nicht so genau … da gucken wir in den kommenden Wochen drauf. Aber ich bin mir fast sicher, dass es mit Farben zu tun hat, oder mit Sortieren. Oder vielleicht mit beidem.

Und jetzt zurück. Habt ihr liebenswerte Macken oder kennt ihr Leute mit Eigenarten, die euch unglaublich auf den Keks gehen?

Het prikkelt in Nederland!

Kennt ihr doch sicher noch, oder? Bin ich etwa alt? Nein, ich bin nicht alt – die AHOIBRAUSE-Werbung mit Hape Kerkeling? Ja, genau die!

Aber darum geht es gerade gar nicht.

Es kribbelt mir in den Fingern.

Es wuselt in meinem Kopf.

Ich kann es nicht länger unterdrücken – ich muss wieder schreiben!

Direkt nach Grimmwald war ich ziemlich erschlagen – und dann musste Anderswelt noch für den Druck vorbereitet werden, inklusive einer supergeheimen Extraszene aus Falks Sicht. Und ich hatte dem Mann hoch und heilig versprochen, dass ich dieses Jahr kein neues Manuskript anfangen würde … aber irgendwas muss ich mit all der ungenutzten Energie anfangen!

Im Moment schreibe ich morgens eine Art Erfahrungsbericht über das wilde letzte Jahr. Keine Ahnung, ob das nur für mich ist oder ob ich da irgendwann etwas mit mache. Und parallel wende ich im Geiste verschiedene Szenen, Plotpunkte und Charaktere, um zu sehen, wie sie zusammenpassen. Vielleicht gehören sie tatsächlich alle in die gleiche Geschichte? Oder sind es komplett unterschiedliche Ideen, die getrennt voneinander behandelt werden sollten?

Diese Bastelarbeit gilt noch nicht als Manuskript, also habe ich mein Versprechen nicht gebrochen … und sie ist gerade kreativ genug, um mich glücklich zu machen.

Ganz vielleicht habe ich demnächst sogar mal wieder die eine oder andere Kurzgeschichte für euch. Der Besuch hier soll sich ja auch lohnen. Was meint ihr?

Man wird ja wohl noch träumen dürfen: Der ideale Autorinnenalltag

Wie versprochen habe ich euch einige Bilder herausgesucht, die für mich zu einem perfekten Autorinnenalltag gehören könnten. Wenn ihr genau hinschaut, erinnert ihr euch vielleicht, denn diese Bilder habt ihr alle schon einmal gesehen. Sooo weit bin ich vom eigentlichen perfekten Autorinnenleben nämlich gar nicht entfernt.

Der perfekte Tag würde mit einem Kaffee auf dem Balkon oder im Garten beginnen – egal, ob zu Hause oder im Urlaub. Danach ginge es erst einmal an den Schreibtisch, denn entgegen meinem aktuellen Zeitplan schreibe ich morgens eigentlich am besten (quasi ehe der Tag mir alles ruinieren konnte). Dort würde ich bis Mittag bleiben, eine Kleinigkeit essen – und dann ginge es raus, entweder in die Natur, zum Sport oder auf ein Abenteuer mit Freunden, denn auch ein kreativer Geist braucht Input. Danach wäre Zeit für Haushalt, Abendessen und noch ein wenig Arbeit. Und natürlich würde der perfekte Tag mit Büchern und meinem Lieblingsmann auf dem Sofa enden.

Vielleicht würde mich dieser Tagesablauf nach zwei Wochen schon unglaublich nerven, wer weiß? Aber im Moment stelle ich mir das eigentlich sehr anregend vor.

Und jetzt zu euch – wie sieht euer perfekter Alltag aus?

Aus dem glamourösen Leben einer Autorin

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Nein, dieser Post dient NICHT nur dazu, euch noch einmal den wunderschönen Sammelband Nr. 2 in seiner ganzen Papierpracht zu zeigen. (Auch, aber nicht nur.) Das Bild eignet sich einfach perfekt, um meinen Schreiballtag zu illustrieren.

Ihr wisst ja, ich gehe Quasi-Vollzeit ins Büro. Und nebenbei zum Sport – irgendwas muss ich für meinen Rücken ja tun, der wird nicht jünger. Außerdem gibt es Gerüchten zufolge irgendwo in diesem Chaos einen Haushalt. Nicht, dass ich das bezeugen könnte, ich habe ihn seit Tagen nicht gesehen!

Tja, und dann ist da das liebe Schreiben. Wie ihr auf dem Bild vielleicht erkennen könnt, sitze ich an meinem Schreibtisch – das ist die Holzkante ganz oben am Rand. Den Rest kann ich euch gerade nicht zeigen, denn er ist unter Papier, Büchern und Kabeln vergraben. Das Karierte ist mein unglaublich sexy, flauschig-warmer Pyjama (wenigstens die Hose). Das zugehörige Oberteil könnt ihr leider nicht sehen, da ist eine lesende Eule drauf abgebildet. ^^

In dieser oder einer ähnlichen hochprofessionellen Uniform setze ich mich an den meisten Tagen Abends nach dem Essen noch einmal an den Rechner. Meistens steht neben mir ein Tee, mein Hintern ruht auf einem superbequemen Sitzkissen und ich bin zusätzlich in eine Decke gekuschelt. Der Mann und ich haben eine laufende Verabredung für zehn auf dem Sofa, und in der Zeit bis dahin will ich möglichst viel geschafft kriegen. Idealerweise wäre das natürlich nur die kreative Arbeit, aber seien wir mal realistisch: Oft genug schmuggelt sich der Papierkram dazwischen. Schreiben beantworten, Artikel abarbeiten, Rechnungen zahlen. Und ganz manchmal habe ich auch einfach keine Lust und vertrödle stattdessen die Zeit. Dafür wurde das Internet ja praktisch erfunden.

Während ich Abends hier sitze, leisten mir übrigens beide Katzen Gesellschaft – und zwar jeden Abend. Ronja lauert in erster Linie darauf, wann sie das Sitzkissen wieder für sich hat (es is twirklich superbequem), und Greebo … keine Ahnung, der liegt einfach auf der letzten freien Ecke des Tisches und schnurrt. Vielleicht mag er mich, bei Katzen kann man das nie so genau sagen.

Tja, und so wird dann gearbeitet. Nicht der ideale Arbeitsplatz, aber ich mache das Beste aus dem, was ich habe.

Die Tage erzähle ich euch dann, wie ich mir das perfekte Autorinnenleben vorstelle. Seid ihr dabei?

„Tu deinem Leib des öfteren etwas Gutes, …

… damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen.“ (Teresa von Avila, 16. Jahrhundert)

Etwas Gutes? Damit können doch eigentlich nur Leckereien gemeint sein, oder? Und ein wenig Entspannung auf dem Sofa? Habe ich dieses Wochenende ausgiebig ausprobiert – aber so ganz zufrieden bin ich mit dem Ergebnis nicht.

Ich bin vollgefuttert. Und unausgeschlafen, weil mein Gehirn heute morgen schon um drei knallwach war. Und mein Rücken tut weh – wir brauchen ein neues Sofa, das ist mal sicher. Und von dem ganzen Fett und Zucker in der guten Torte ist meine Haut in die Pubertät zurückkatapultiert worden.

Tja, so hat die liebe Teresa das wohl nicht gemeint. Wenn ich meine Seele gerade fragen würde, ob sie gern in meinem Körper wohnt, käme als Antwort wohl: „Also, Malle wär geiler.“

Ich denke mir, mit dem „Guten“ war nicht unbedingt die gnadenlose Faulenzerei/Völlerei gemeint. Aber auch nicht das andere Extrem, in das viele Leute heutzutage fallen: Gesundheitsoptimierung/Fitnesswahn. Die „gute“ Wahrheit muss irgendwo in der Mitte liegen. Ich weiß beispielsweise: Wenn ich zu viele Kohlenhydrate esse, steigt mein Migränerisiko. Zu wenige Kohlenhydrate verursachen hingegen den berüchtigten „brain fog“, weil das Gehirn fast ausschließlich mit Kohlenhydraten funktioniert (das ist alles etwas komplizierter, aber für den Hausgebrauch soll es reichen). Sitze ich den ganzen Tag am Rechner, kriege ich Rückenprobleme. Treibe ich zuviel Sport, bleibt nicht genügend Zeit zum Schreiben und ich werde unausstehlich – allerdings bin ich dann Abends schön erschöpft und schlafe gut durch.

Diesen Monat bin ich schriftstellerisch noch einmal komplett eingespannt – ein Manuskript wartet noch auf die Überarbeitung, ehe ich Anfang November von Helena und Falk Abschied nehme und mich in einem weniger halsbrecherischen Tempo neuen Welten zuwende. Danach werde ich mir ein wenig Zeit nehmen, meinen Alltag umzustrukturieren. Es muss doch einen Weg geben, das „Gute“ mit dem, was man tun muss, in einer angenehmen Weise zu kombinieren.

Sobald ich den Stein der Weisen gefunden habe, lasse ich euch natürlich daran teilhaben. ^^

Die besten Pläne

Dienstag war wieder so ein Tag.

Ich hatte ungefähr drölfzig Dinge vor, die alle ganz dringend stattfinden mussten, und ich wusste auch direkt die Reihenfolge, in der alles passieren musste, damit ich garantiert siegreich aus der Schlacht gegen Zeit und Arbeit hervorgehe: Büro, Lauftraining, Abendessen kochen (und essen!), zwei Kapitel überarbeiten, Bett. Vor allem das Laufen war wichtig, denn die langen Läufe lässt mein innerer Schweinehund gerne mal ausfallen. Zehn Kilometer sollten es werden.

Dann kam alles ganz anders.

Zuerst erhielt ich, noch im Büro, eine Nachricht des Mannes: Er war unterwegs zum Friseur, hatte aber seinen Schlüssel zu Hause vergessen. Kurze Rücksprache – zu dem Zeitpunkt, an dem ich mit seiner Rückkehr rechnete, wäre ich eigentlich noch schwitzend irgendwo im Wald.

Kein Problem. Dann eben erst Kapitel überarbeiten, bis er nach Hause kommt, laufen, Abendessen. Ich kam nach Hause, und weil es so schön friedlich war, machte ich erst einmal ein kleines Nickerchen mit den Katzen.

Als ich etwas später am Schreibtisch saß, der nächste Anruf: Der Mann hatte nach dem Friseur noch eingekauft – vor allem Eis, was bei diesem Wetter ja sozusagen überlebenswichtig ist. Leider hatte er vor dem Einkauf auch ein Päckchen bei der Post abgeholt, dieses dann aber leider in der Bankfilliale vergessen. In der Zwischenzeit hatte ich schon das Abendessen vorbereitet, das man quasi nur noch den Herd einschalten und ein paar Dinge rühren musste, und das erwies sich langfristig als Glücksfall.

Damit das Eis nicht schmilzt – hey, wir haben unsere Prioritäten eindeutig im Griff! – kam er also schnell nach Hause. Ich saß in Sportsachen am Rechner. Weil es in der Nähe der Bank aber keine Parkplätze gibt und er auch einen dichten Terminplan für den Abend hatte, habe ich ihn noch einmal schnell in die Stadt gefahren und in Banknähe ausgesetzt. Dann einmal um den Block kurven, während er zur Bank hetzt.

Das Päckchen war noch da, welch Glück!

Fünfzehn Minuten später waren wir wieder an der Wohnung. Jetzt war es aber höchste Zeit, wenn ich noch laufen wollte! Das Schreibtischpensum hatte ich mehr als erledigt. Nur noch schnell die Schlammschuhe anziehen, „Zombies, run!“ auf die Ohren – und los.

Zum Glück ist es im Moment Abends noch lange hell, so kam ich in den Genuss eines halbwegs kühlen Waldlaufs. Außerdem konnte ich eine neue Strecke probieren, bei der sich gleich mehrere Steigungen auf meine Geschwindigkeit auswirken. Hangläufe sind ja gut für die Ausdauer und so. Letztendlich war ich um 21:00 h wieder zu Hause und bekam auch gleich eine SMS, dass der Mann ebenfalls wieder auf dem Heimweg sei. Schnell Herd anstellen, unter die Dusche – und dann gerade irgendwie noch rechtzeitig mit Bier und Futter auf das Sofa fallen, ehe der Tag komplett rum war.

Zum Glück bin ich nicht nur sehr verplant, sondern auch sehr spontan. Aber ich schwöre, wenn der ganze Terminstress um ist, mache ich mal zwei Wochen nichts. Das dürfte, wenn ich richtig geplant habe, irgendwann im November sein. ^^

Das Rennschneckenphänomen

Ihr wisst ja, ich laufe. Also, für Sport. So richtig. Gut, eigentlich nicht richtig, aber schon regelmäßig, und auch seit mehreren Jahren.

Trotzdem lässt die Performance optisch wohl noch immer zu wünschen übrig. Elegant wie eine Gazelle? Eher nicht. Flink wie ein Reh? Würde ich nicht sagen.

Fakt ist allerdings, dass die regelmäßige Übung sich bemerkbar macht. Und besonders bemerkbar ist sie, wenn ich im Wald einen anderen Läufer überhole. Jetzt ist das vielleicht ein subjektiver Eindruck, aber dieses spezielle Problem habe ich in erster Linie mit Läufern, noch nie mit Läuferinnen. Ist vielleicht eine Testosteronfrage, oder …

Wovon ich rede?

Vom Läuferehrgeiz. Ich stelle mir das so vor: Der Mann federt durch den Wald, sportlich, kraftvoll, überschäumend vor Energie. Dann kommt von hinten so eine kleine, rundliche Frau mit zuppeliger Frisur und ausgelatschten Schuhen angescrollt. Und was macht die? Überholt den Mann einfach so! Sie atmet hörbar, Schweiß läuft ihr über das Gesicht und eigentlich sehen ihre Beine auch gar nicht aus, als würde sie gerade einen Hochleistungslauf hinlegen. Trotzdem ist sie, während der Mann das alles überlegt, schon einige Meter vorausgehüppelt.

Der Mann legt einen Zahn zu. Er hat sich heute Abend ein wenig gehen lassen. Liegt wahrscheinlich weit hinter seiner üblichen Geschwindigkeit. Er nähert sich dem Laufopfer, während ihm ein merkwürdiger Druck in den Kopf steigt.

Die kleine Frau hüppelt weiter. Obwohl sie sich garantiert anstrengen muss, um soviel schneller als normal zu laufen, wird sie weder lauter noch roter. Ihre Schuhe sehen ziemlich schlimm aus – voller Schlamm, mit rissigen Nähten und abgeknickter Ferse. Mehr kann der Mann nicht mehr erkennen, denn die Luft geht ihm aus, und er fällt zurück. Als er die Kontrolle über seinen Atem lockert, hört er ein Altmännerkeuchen. Irgendwas stimmt da doch nicht. Morgen geht er sicherheitshalber mal zum Arzt, sich gründlich durchchecken lassen.

Abschalten

Zugegeben, meine Tage sind eigentlich immer voll mit tollen Dingen. Wenn ich nicht im Büro bin – und den Job liebe ich wirklich – treibe ich Sport oder sitze zu Hause an meinen Manuskripten. Wie heißt es so schön? Suche dir einen Job, den du liebst, und du wirst nicht einen Tag arbeiten.

Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Alles bringt Aufgaben mit sich, die nicht so lustig sind, und manchmal habe ich auch einfach mal keine Lust. Da braucht es dann Aufmunterung, Disziplin und Kaffee (und gelegentliche Bestechung), um mein Pensum trotzdem zu erfüllen.

Ein typischer Tagesablauf sieht so aus:

  • Aufstehen um 06:00 h; anziehen, Frühstück und Bürofutter vorbereiten, Katzen versorgen, Haushalt.
  • Um 08:15 h mache ich mich auf den Weg ins Büro
  • 09:00 – 16:00 h: Büro. Könnt ihr euch vorstellen: Nette Kollegen, Berge von Arbeit, mehr Kaffee. Eine halbe Stunde bezahlter Mittagspause muss auch sein. Später Heimweg, unterwegs oft ein kleiner Einkauf.
  • Zwischen 16:45 und 18:15, grob gerechnet, treibe ich meistens eine Art von Sport. Entweder im Fitnessstudio, oder ich gehe laufen. Natürlich nicht die ganzen neunzig Minuten, in diese Zeit fallen auch noch Umziehen und Duschen. Mal geht das etwas schneller, mal brauche ich zwanzig Minuten länger.
  • Danach bezwinge ich den restlichen Haushalt – gut, das Nötigste – und bereite das Abendessen zu, dass es meistens …
  • … so gegen 19:30 h gibt, inklusive einer kleinen Pause für Zeitschriften etc.
  • 20:00 – 22:00 h: Wieder nur so ein Näherungswert, aber in der Zeit sitze ich idealerweise am Schreibtisch und sauge mir hanebüchene Geschichten aus den Fingern. Eine muss es ja tun.

Tja, das sind dann also etwa sechzehn Stunden voll mit Action. Genug, um danach einfach nur tot ins Bett zu fallen. Aber das alleine reicht natürlich nicht. Ich brauche ein wenig Zeit, um abzuschalten und mich geistig auf den Feierabend einzustellen. Also haue ich mich noch einmal für mindestens eine halbe Stunde aufs Sofa, oft mit einer Katze auf dem Schoß, und starre an die Wand. Manchmal läuft eine Serie bei Netflix, manchmal schaue ich mir alte Forensik-Dokus an. Meistens kriege ich nicht viel dabei mit. Und, aber das ist eine geheime Schwäche – ich gönne mir so spät Abends gerne noch eine kulinarische Kleinigkeit: Eis, ein paar Nüsse oder Chips, ein alkoholfreies Bier oder einen Pudding. Quasi als Belohnung für einen weiteren langen Tag.

Also, dieses Nur-Sitzen-und-die-Wand-Anstarren kriege ich Abends richtig gut hin.  Für mehr ist zu der Zeit auch keine Energie mehr. Blöderweise ist das die Zeit, zu der der Mann allmählich immer aktiver wird. Dann möchte er sich unterhalten, zeigt mir Artikel oder erzählt, was er tagsüber Spannendes gelernt hat – wenn er beruflich unterwegs ist, ist das auch die Zeit, zu der wir noch einmal telefonieren. Und während er erzählt, bin ich ihm fast wehrlos ausgeliefert. Aber ich mag ihn. Also reiße ich mich noch einmal ein paar Minuten zusammen und posiere als aufnahmefähiges Individuum, bis es gegen 23:00 h Schlafenzeit wird. Das habe ich mir dann auch so richtig verdient. ^^

Und wie schaltet ihr so ab?