„Sie stand auf und ging hinüber ins Wohnzimmer“

Da können wir uns alle etwas drunter vorstellen, oder? Und da passiert ja auch nicht viel, muss man also nicht mehr schreiben.

Es sei denn, das Aufstehen verrät etwas über den Charakter, von dem wir gerade schreiben.

Ich illustriere das mal mit meinem „Aufstehen und ins Wohnzimmer Gehen“ von heute morgen: Aufgewacht bin ich, als Kurt zu mir ins Bett gehopst ist, um sich ein paar Streicheleinheiten abzuholen. Dann bin ich senkrecht, hab meine bequeme Hose angezogen und dachte mir: „Komm, mach dir mal einen faulen Morgen. Nach den letzten zwei Tagen hast du den verdient.“ (Der Gesundheitszustand des anderen Katers hatte sich kurzfristig derbe verschlechtert und es stand zur Debatte, ob wir ihn einschläfern lassen oder ob Medikamente noch einmal helfen, ihn zu stabilisieren; wir haben viel geflucht und wenig geschlafen, bis es wieder besser aussah.) Also ins Bad und ab zu den Katern. Die müssen nämlich morgens als erste versorgt werden. Parallel schnell die Küche aufräumen und ein paar organisierende Handgriffe in Wohnzimmer und Bad, damit alles wieder bewohnbar ist. Wäsche aufhängen, die wohnt sonst in der Waschmaschine, bis sie eine eigene intelligente Zivilisation entwickelt. Schnecken versorgen. Kaffee zubereiten. Bis ich dann tatsächlich auf dem Sofa saß und zu meiner entspannenden Handarbeit greifen konnte, um den faulen Tag zu beginnen, war eine Stunde vergangen.

Was sagt das über mich aus? Ich faulenze ganz falsch!

Andere Charaktere greifen möglicherweise als erstes zum Telefon oder zur Zigarette, werfen eine Schmerztablette ein oder malen sich schnell ein komplettes Gesicht, ehe sie den Tag beginnen. Vielleicht meditieren sie auch oder gehen hinaus in den Garten, Hühner füttern. Möglicherweise gibt es keine Küche, sondern nur Kaffee aus der Bäckerei auf der Ecke. Und einige Figuren gehen überhaupt erst ins Bett, wenn die Sonne aufgeht.

Manchmal kann man sich all diese lästigen Alltags-Handgriffe beim Schreiben (wenigstens für die Charaktere, wenn schon nicht für das eigene Leben) sparen. Manchmal kann man sie aber auch verwenden, um den Lesenden die Figuren auf eine neue Weise vorzustellen. Vor allem aber muss das, was man in solchen Situationen über die Figuren erfährt, zu dem passen, was man in actionreichen Szenen über sie erfährt. Es muss sich aber nicht unbedingt mit dem decken, was sie von sich selbst erzählen. Ich behaupte von mir selbst ja auch, ich hätte den Haushalt ganz gut im Griff. (HUST.)

Hast du mal darüber nachgedacht, was deine Lieblingsfigur morgens nach dem Aufstehen wohl als erstes tut?

Spooooooooooky!!!

Auf einer Abtropffläche aus Edelstahl steht eine schwarze Tasse mit einem Arbeiterskelett, das auf einer Mondsichel Pause macht. Dahinter, in einem Köcher aus Metall, tropfen zwei Spatel mit Spinnen-Aufdruck ab. An der Wand lehnt ein Schneidebrett, auf dem man verschiedene Totenköpfe in hell auf Grau und Blau sieht. Am Bildrand Radieschen.
An die Küchenarbeit!

Der Herbst ist da, und es wird unheimlich! Möglicherweise bin ich heute in einem Wohlfühlwarengeschäft ein wenig eskaliert – jetzt haben wir saisonal angemessene Tassen und Schüsseln, Handtücher und Katzenspielzeug. Ich habe keine Selbstkontrolle, wenn es um Halloween geht! Wenigstens kann ich mir einreden, dass ich das ja alles dringend für meinen Geburtstag brauche. 🎃

Vorwärts!

Manchmal habe ich superdurchdachte und verplante Tage, mit festen Schreibzeiten und Tageszielen, die alle erreicht werden, und diesem Gefühl von „Accomplishment“, wenn ich Abends ins Bett gehe.

Aktuell sieht es meist eher so aus, dass ich wie wild mit allen acht Armen rudere, um von allem, was getan werden muss, wenigstens ein bisschen zu schaffen. Und dann sitze ich nach Mitternacht auf dem Sofa und tippe einen Blogbeitrag, der eigentlich total organisiert und wohldurchdacht und natürlich wunderschön ausformuliert sein sollte, damit niemand denkt, ich sei tot. Das Manuskript hat Verlustängste, weil es konstant vernachlässigt wird, die Kater haben den großen Aufstand gestartet und der Mann versucht sich zu erinnern, ob er nicht irgendwann mal mit einer Frau zusammengezogen ist, die regelmäßig gesunde Mahlzeiten kocht.

Das Leben ist halt nicht immer so, wie wir uns das denken.

Ist auch gar nicht so schlimm.

Hauptsache, wir machen weiter.

Über die Alternative denken wir am besten gar nicht nach.

Vorwärts!

Von Flöhen und Märkten

Magst du Flohmärkte auch so sehr wie ich? Es ist einfach immer wieder spannend. Nicht so sehr, welche Schätze man findet, sondern vor allem, wovon Leute sich trennen. Das bedeutet nämlich auch, dass sie die Dinge, die sie jetzt so dringend loswerden wollen, irgendwann mal unbedingt haben mussten (oder geschenkt bekommen haben). Deswegen mag ich auch die echten Gebrauchtmärkte lieber als die semiprofessionellen Märkte, auf denen man vor allem günstiges Stückgut in neu bekommt. Was kann ich sagen? Als Autorin bin ich nun einmal besonders neugierig, und nirgends sonst kriegt man soviel Einblick in fremde Haushalte wie auf dem Flohmarkt.

Deswegen war ich am Samstag auch unterwegs. Es gibt in Bonn nämlich achtmal im Jahr, und zwar von Frühjahr bis Herbst jeweils am dritten Samstag im Monat, den Rheinauenflohmarkt. Der gehört angeblich sowohl zu den schönsten als auch zu den größten Flohmärkten Deutschlands, und er ist für mich sogar mit dem Fahrrad gut zu erreichen. Ich glaube, ich habe es noch nie geschafft, wirklich den ganzen Markt abzulaufen. Irgendwann ist immer die Energie auf und der Fuß lahm, dann brauche ich dringend einen Kaffee und eine Portion Backfisch.

Meist kehre ich ohne besondere Ausbeute vom Flohmarkt nach Hause zurück. Wir haben eh schon genug Kram herumstehen. Aber Büchern kann ich (natürlich) nur schwer widerstehen, und manchmal findet man etwas, von dem man bis zu dem Augenblick gar nicht wusste, dass man es brauchen könne – einen hübschen Wenderock aus Indien oder die perfekte Holzente. Oft halte ich Ausschau nach Dingen, die ich für Bastelprojekte brauchen könnte. Aber ja, ein Buch ist eigentlich immer drin.

Als Kind habe ich das eine oder andere Mal auch auf Flohmärkten verkauft, aber das wurde mir immer schnell langweilig.

Wie stehst du zu Flohmärkten? Yay oder nay? Stöberst du gern oder ist das alles nur gigantische Zeitverschwendung? Gehörst du vielleicht sogar zu den verkaufenden Personen?

Streiten will gelernt – und geübt – sein

Der Mann und ich haben ein Luxusproblem: Wir diskutieren und streiten gern und ausdauernd – aber selten über Beziehungsthemen, und eher z.B. über Politik. Das kann sich dann schon über Stunden hinziehen, wir graben Quellen für unsere Standpunkte aus und vergleichen Statistiken. In manchen Themengebieten bemühen wir Zitate und analysieren die genau darauf, was da denn jetzt steht/gesagt wurde und wie verlässlich die Quelle ist.

Bei Dingen, die uns persönlich betreffen, streiten wir vielleicht zweimal im Jahr. Gut, ab und zu diskutieren wir, aber alles, was sich in weniger als zehn Minuten friedlich ausräumen lässt, qualifiziert für mich nicht als Streit.

Gestern beispielsweise haben wir auf Netflix „Unser Vater Dr. Cline“ geschaut und über die Motive der verschiedenen Beteiligten diskutiert, auch wohl hitziger. (Details zum Fall, wenn du interessiert bist, gibt es beispielsweise hier.) Dadurch zieht sich das Schauvergnügen durchaus in die Länge, weil wir immer wieder pausieren, um zu reden, aber ich finde es wirklich faszinierend, verschiedene Blickwinkel zu vergleichen.

Gerade angesichts der Tatsache, wie unterschiedlich er und ich in den meisten Dingen sind, wundern Familie und Freunde sich öfter mal darüber, wie selten wir streiten. Ich glaube, wir haben beide das Glück, dass

a) jede*r glaubt, er*sie sei eigentlich etwas schlauer als der*die andere und

b) wir sehr geduldig miteinander umgehen.

Egal, ob er mal wieder Tassen und Flaschen auf dem Wohnzimmertisch hat stehenlassen oder ich mein Handarbeitszeug im halben Wohnzimmer ausbreite, nach fünfzehn Jahren haben wir viel Toleranz für die Machen der anderen Person entwickelt. So weiß ich, dass er vor allem früh am Tag Probleme mit der Pünktlichkeit hat, und er erkennt die Anzeichen dafür, dass ich zu müde bin und jeden Augenblick quengelig werden kann (üblicherweise ab spätestens 21 Uhr).

Natürlich gibt es Dinge an der jeweils anderen Person, die uns grandios nerven, und es ist wichtig, auch mal Dampf abzulassen. Aber dafür hat man ja Freund*innen, bei denen man schimpfen kann, oder zur Not das Notizbuch für kleinere Rants. ^^

Einige Leute behaupten, ich sei zu harmoniebedürftig und ein „Pushover“, und vielleicht haben sie damit auch Recht – ich vergeude ungern Energie auf Streit, wenn ich mit weniger Aufwand eine Sache anders richten kann. Andere Leute behaupten ja, Streit halte die Leidenschaft jung. Wie ist das bei dir?

Probier’s mal mit Gemütlichkeit!

Ein schwarzweißer Kater hat es sich auf einem grauen Sofa auf einer rosa gestreiften Häkeltasche gemütlich gemacht und schaut aufmerksam auf die Person hinter der Kamera.
Symbolbild

Das war dringend nötig. So viele Dinge, die ich dringend zu erledigen hätte – so viele Dinge, die ich tun oder vorbereiten will! Stattdessen habe ich den Sonntag auf dem Sofa verbracht, ungesundes Zeug gegessen, endlich(!!!) „Stranger Things“ aufgesehen und ein Häkelprojet beendet, das schon seit Wochen hier liegt. Die Aufgaben laufen ja nicht weg, nicht wahr?

Das Schwiegersohnlächeln

Vor einigen Tagen bog ich vorschriftsmäßig mit Blinken im Schrittempo an der dafür vorgesehenen Stelle auf den Parkplatz unseres lokalen Supermarktes ein.

Ein junger Mann, die Nase fest am Smartphone-Bildschirm, lief mir einfach in die Spur, ohne zu gucken.

Er bemerkte mein (bremsendes) Auto, sah auf und knipste ein 300-Watt-Schwiegersohn-Lächeln an.

In dem Moment erkannte ich den jungen Mann.

Er ist der Spitzenkandidat einer konservativen Partei für die anstehende Landtagswahl. Dieses Lächeln sieht man hier aktuell auf gigantischen Plakatwänden.

Und um ehrlich zu sein: Leute, die auf Kommando so lächeln können, sind mir ein wenig unheimlich. Echtes Lächeln ist immer ein wenig „goofy“, mit Falten und Zähnen und einem etwas dusseligen Gesichtsausdruck. Das Schwiegersohnlächeln muss man üben. Wahrscheinlich kann man Personal-Schwiegersohnlächeln-Trainer bestellen. Wer so lächelt, verfolgt einen Zweck und will bitte unbedingt sympathisch rüberkommen.

Wie so ein Staubsaugerverkäufer.

Wie dem auch sei, er ging beiseite, ich habe ihn nicht überfahren und ihn später im Vorbeigehen am Wahlwerbestand seiner Partei vor dem Supermarkt gesehen. Da war das Smartphone natürlich verschwunden, das Lächeln festgetackert und mindestens drei ältere Damen sehr eingenommen von der ehrlichen, warmherzigen Art des jungen Mannes, der doch bestimmt auch sehr kompetent sei.

Möglicherweise ist er das sogar.

Möglicherweise hat er diesen Eindruck aber auch nur trainiert, wie das Schwiegersohnlächeln.

Urlaub – vom Winde verweht

Bei dem Wetter ist nicht viel mit Rausgehen, hm? Entweder es weht oder es regnet, und oft beides gleichzeitig. Das Wetter ist ziemlich fleißig im Moment.

Immerhin langweile ich mich in meinem Urlaub nicht. Auch wenn ich nicht so oft wandern gehe, wie ich gedacht hatte, eine kurze Runde im Wald ist zwischen Sturmböen immer drin. Außerdem lese und schreibe ich natürlich, zeichne und häkle mir einen gigantischen Schal.

Auf hellem Grund eine durchsichtige Kunststoffschablone mit einem Autorinnenlogo: Ein D und ein L, ineinander verschlungen, und die Silhouette eines Drachen. Die Schablone ist mit roter Farbe beschmiert.
Wenn man mit Farbe klecksen kann, bin ich dabei!

Eigentlich mache ich also nichts anderes als sonst, wenn ich tagsüber im Büro bin … nur dass ich mehr Zeit dafür habe und mich zwischendurch für ein Nickerchen hinhauen kann. Gut, dass ich nur zwei Wochen Urlaub habe, denn daran könnte ich mich gewöhnen!

Kuschelige Erkenntnis

Entgegen dem, was der Titel verkündet, geht es NICHT um Katzen.

Hast du dich auch manchmal gefragt, warum Bücher und Fernsehserien aus manchen Jahrzehnten so seicht und fröhlich wirken? So … langweilig? Ich meine, komm schon: Alle sind happy, alle sind glücklich, alle sind froh, und überall Liebe und Friede und – du verstehst mich. Wer sollte so etwas gucken wollen?

Gaaaaaaaanz allmählich schwant es mir: Leute, die einen fiesen Alltag haben. Die Unterhaltung der Nachkriegszeit? Seicht. Ablenkung zu Zeiten von Wirtschaftskriegen und globalen Katastrophen? Fröhlich. Mit einer Einschränkung: Es muss eine für das Publikum spürbare Krise sein.

Wie ich drauf gekommen bin? Seit einigen Wochen habe ich keine Lust auf Horrorfilme oder düstere Action. Sonst konnte ich Samstags kaum erwarten, dass der Mann aus dem Haus war, um mich mit Monstern, Serienkillern und unheimlichen Phänomenen zu umgeben. Jetzt schaue ich lieber Disneyfilme (oder vergleichbar bunte, vorhersehbare Dinge). Der Alltag schlaucht, da möchte ich mich lieber ablenken statt aufregen.

Geht dir das auch so?

Auf jeden Fall schlägt sich das auch allmählich auf mein Schreibbedürfnis nieder. Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis die ersten tot sind. Oder bleibt es diesmal am Ende doch kuschelig? ^^

Renovieren – das Abenteuer des kleinen Menschen

Schon seit längerem trage ich mich mit dem Gedanken, mein Büro zuhause zu renovieren. Einen Plan habe ich auch schon. Und weil ich noch Vorjahresurlaub aufbrauchen muss, den ich in die zweite Februarhälfte gelegt habe, dachte ich mir: Das passt doch gut zusammen.

Zimmer ausgemessen. Überlegt, was alles weg muss (eigentlich alles bis auf den Schreibtisch und die Schnecken). Ein wenig geplant. Möbel angeschaut. Optionen als zu teuer verworfen. Bei einem obskuren schwedischen Möbelhaus einen Einkaufswagen vollgeklickt. Beim Preis zweimal geschluckt, dann Bestellvorgang gestartet.

Hurra, alles kann geliefert werden. Aber sie bieten keine Liefertermine für den Februar – wenn ich das Zeug haben will, und definitiv vor meinem Urlaub haben will, kommt es am Samstag.

Diesem Samstag. Dem kommenden. Jetzt gleich. Sozusagen übermorgen.

Und natürlich sieht mein Büro aus wie ein Schlachtfeld. Schließlich arbeite ich da, ich räume da nicht auf.

Also zwei Nachmittage … und einen Vormittag, wie ich die Speditionen kenne …, um Sachen in Kisten zu packen und die ersten für den Sperrmüll bestimmten Dinge in den Keller zu schaffen. Schließlich brauche ich Platz für eine gefühlte halbe Million Pakete. Das beißt sich gar nicht mit dem Plan, das letzte „Gruftgeflüster“ fertigzumachen, keinesfalls! (Lacht irre.)

Und wie ich mich kenne: Wenn das Zeug erst da ist, werde ich es nicht, wie es eine vernünftige Autorin tun würde, bis zum Urlaub liegen lassen. Geduld ist nicht meine Stärke, genau so wenig wie Vernunft.

Es bleibt also spannend. Freu dich auf Vorher-Nachher-Bilder, Schimpftiraden und hoffentlich spätestens Ende Februar auf ein neu eingerichtetes Büro, in dem ich mich vor der Kreativität verstecken kann.

Und jetzt du: Renovieren – yay oder nay?