Fassungs-los

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Es gibt da diesen humorvollen und nur minimal sexistischen Spruch: „Frauen sind wie Diamanten – man muss sie mit Fassung tragen.“ Und wie bei Diamanten fangen auch bei Frauen die Probleme angeblich an, wenn sie fassungs-los werden. Ob das so ist, weil sie dann schwieriger festzuhalten sind?

Nun, unabhängig der Juwelenvergleiche gibt es natürlich auch bei mir Ansatzpunkte, wenn man mich denn gerne aus der Fassung bringen will. Und obwohl ich so eine zynische, garstige, abgebrühte Person bin, ist blanke Gemeinheit wohl der einfachste Hebel. Funktioniert umso besser, wenn sie von jemandem kommt, den ich mag und/oder dem ich vertraue. Stolz zur Schau gestellte Ignoranz kann mich auch fassungslos machen, wenigstens für den Moment. Mein Hirn braucht dann erst einen Moment, um abzugleichen, was die betreffende Person weiß und wie die Welt tatsächlich ist. Verschwörungstheorien sind für so etwas unglaublich gut geeignet (und zugegeben, ich konsumiere sie für den Unterhaltungswert unglaublich gerne). Und eine dritte Methode, mich aus der Fassung zu bringen, ist den Leuten vorbehalten, die ich mag: Die müssen dafür nur etwas Dummes machen, womit sie sich potenziell in Gefahr bringen.

Natürlich muss man dazu sagen, dass meine Fassung weniger ein eleganter Goldring ist und mehr so eine Art Schiffstau mit viel Spielraum. Was man da eigentlich drunter versteht – immer die passende Miene und die richtigen Gesten für die jeweilige Situation – liegt mir nicht. Ich habe keine Kontrolle über meinen Gesichtsausdruck und kann mich auch nur selten davon abhalten, etwas Unangemessenes zu sagen, wenn es mir eine Pointe bringt. Man kriegt eben die frische Landluft nicht aus dem Landei. (Was mich jetzt mehr oder weniger zu einem Windei macht, aber damit kann ich gut leben.)

Fassen wir also zusammen: Ein Diamant bin ich definitiv nicht. Vielleicht ein Kiesel, oder eine Kartoffel. Da passen Erbsen und Spiegelei auch viel besser zu als eine Goldfassung. Und findet ihr nicht, dass die Farben mir viel besser stehen? ^^

Durch das Fenster der PPNV betrachtet

PPNV ist natürlich der Private Personen-Nah-Verkehr – mit den Öffis zu fahren wird im Moment ja eher nicht empfohlen, wenn man es verhindern kann.

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Und da der Mann gegenwärtig von daheim arbeiten kann, schnappe ich mir für die knapp sieben Kilometer zur Arbeit im Moment morgens das Auto. Ja, eigentlich könnte man die Distanz auch mit dem Fahrrad zurücklegen, aber erstens habe ich keins und zweitens ist da ein fieser Berg mit einer Zwei-Kilometer-Steigung von knapp zehn Prozent, dafür müsste ich erst trainieren – wenn ich denn ein Fahrrad hätte.

Und obwohl ich gerne Auto fahre, vermisse ich die Öffis. Vor allem wegen der jetzt fehlenden Lesezeit. Das geht so schlecht, wenn man selbst am Steuer sitzt. Und Podcasts o.ä. fallen mir beim Autofahren schwer, weil ich mich doch ein wenig auf den Restverkehr konzentriere.

Im Moment bin ich übrigens doppelt so schnell am Büro wie sonst. Die Staus fallen nämlich weg. Schon erstaunlich, wer alles eigentlich nicht auf der Straße sein müsste. Zugegeben, wir auch nicht unbedingt, aber erklär das mal einer dem Chef. Wahrscheinlich sind viele der Leute, die sonst die Hauptverkehrsadern verstopfen, im Home Office. (Das stelle ich mir so vor, weil die Alternative wäre, dass all diese Leute ihre Stelle verloren hätten, das wäre nicht so schön.) Ich bin jedenfalls gespannt, ob diese modifizierte Arbeitsweise – inklusive freier Straßen – nach der Krise beibehalten bleibt. Und ja, dann fahre ich auch wieder mit Bus und Bahn. Irgendwann muss ich die ganzen Bücher ja auflesen, die sich bei mir stapeln.

Die Macht der Gewohnheit

Gerade im Moment, wo sich so viele Dinge ändern, sind Gewohnheiten etwas Merkwürdiges. Ich meine, in meinem Alltag ändert sich gar nicht soviel – noch müssen wir ins Büro, in den Wald darf man auch noch und ich schreibe sowieso allein zuhause. Für mich fallen die Fitnessstudiotermine und ein bis zwei Treffen mit Freunden aus, aber es gibt so viele Dinge zu erledigen, dass mir das bis jetzt noch gar nicht auffällt. Vielleicht braucht mein Gehirn auch nur länger, um zu begreifen, wie ätzend gerade alles ist.

Andere Gewohnheiten vermisse ich schon – Leute zur Begrüßung zu umarmen, nach dem Sport fix noch eine Kleinigkeit essen gehen. Und manche Dinge mache ich noch, obwohl man sie wahrscheinlich im Moment unterlassen sollte, wie etwas Tee oder Kaffee für die Kolleginnen mitzukochen oder die Handcremetube zu teilen. Es fällt mir auch schwer, mir nichts ins Gesicht zu fassen – das ist da halt! Ich habe sogar leichtfertig Bananenbrot für die Kolleginnen gebacken. Sind Backwaren sicher? Wer weiß. Soweit ich weiß, sind wir alle gegenwärtig gesund (schnell auf Holz klopfen!) und das Bananenbrot war ja im Ofen.

Zum Glück gehen diese Zeiten auch vorbei. Und bis dahin denke ich mir auch ein paar andere Dinge aus, um euch ein wenig aufzumuntern und abzulenken. Katzenfotos gehen immer, habe ich gehört.

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„Keine Paparazzi!“

Irrationale Ängste

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Irrationale Ängste? Kann ich. Erst einmal: Spinnen. Die Biester sind eigentlich total freundlich, nützlich und faszinierend – trotzdem habe ich riesigen Schiss vor ihnen. Natürlich tue ich ihnen nichts. Stattdessen setze ich sie artig auf den Balkon, wenn ich sie in unserer Wohnung finde. Sogar die riesigen Exemplare, die kaum noch unter das Wasserglas passen. Einmal hat eine Kreuzspinne auf unserem Balkon überwintert und den kompletten Wandschrank eingewebt, das war faszinierend. Und gruselig. Aber vor allem faszinierend.

Das Blöde an irrationalen Ängsten ist ja, dass sie nicht weggehen, nur weil einem klar ist, dass sie irrational sind. Oder wie ist das bei euch? Mein Hirn funktioniert so nicht. Wenn das einmal beschlossen hat, sich zu fürchten, hält es mit der familieneigenen Sturheit daran fest.

Wenn ich Treppen gehe beispielsweise. Ich meine, ich gehe ja schon ziemlich lange, und überwiegend erfolgreich. Und da ich Stufen zähle, als würde ich dafür bezahlt, weiß ich auch genau, wie viele Stufen es im Büro oder in unserem Wohnhaus gibt. Aber sobald das Licht aus ist – huch, da könnte sich ja ein bodenloser Schlund auftun, in den ich stürze und stürze und stürze und … – nicht? Lieber auf Nummer sicher gehen! Und schon klammert sie sich ans Geländer. Kann man nichts machen.

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Jederzeit toll aussehen

Ist sie verrückt geworden?

Gibt sie nachher vielleicht sogar Styletipps?

Nein, meine Süßen. Ich kenne meine Grenzen. (Ich überschreite sie auch regelmäßig, aber ich kenne sie.)

Allerdings habe ich neulich wieder bei einer Bekannten online gelesen, sie habe kaum mehr ordentliche Sachen anzuziehen. Sich richtig schick neu einkleiden wolle sie allerdings erst, wenn sie ihr „Wunschgewicht“ erreicht habe.

Ja nu. Und was, wenn es bis zu diesem „Wunschgewicht“ noch drei Jahre dauert? Oder wenn sie es vielleicht – was niemand ihr wünscht – nie erreicht? Geht sie bis dahin in Kartoffelsäcken?

Ich rede natürlich an dieser Stelle aus Erfahrung, denn genau solche Dinge habe ich mir auch schon vorgenommen. Und alles, wo ich „rausgeschrumpft“ war, direkt in die Altkleidersammlung gegeben. Dann habe ich wieder zugenommen und hatte nicht einmal mehr die alten ranzigen Sachen zum Anziehen.

Inzwischen denke ich mir: Es ist eine feine Sache, alles zu tun, damit man sich im eigenen Körper wohl fühlt. Unabhängig davon, ob man abnehmen möchte, sind gesunde Ernährung und Sport auf vielen Ebenen gut für Körper und Geist. Und es ist auch nicht schlecht, abnehmen zu wollen.

ALLERDINGS sollte man darüber nicht die Lebensfreude vergessen. Egal, wo man sich im Leben gerade befindet, man hat immer das Recht darauf, sich gut zu fühlen und auch so auszusehen. Sogar wenn man einige Reservekilos mit sich herumschleppt und gerade Käsekuchen isst. Also: Kauf das Kleid, gönn dir eine ordentliche Jacke und lass dir nicht einreden, dass du die falsche Form für Mode hättest.

(Und wo ich gerade dabei bin: Frauen wollen ordentliche Taschen!!!)

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Zeichen der Zeit

Phone Book

Fotografin: Carolyn V, gefunden auf Unsplash

Es gibt merkwürdige Anzeichen dafür, dass man alt wird. Zum Beispiel kennt man Dinge, die jüngere Leute nicht mehr kennen. Heute morgen war ich auf der Suche nach einem schönen Beispielbild zum Thema „Telefonbuch“, und was habe ich gefunden?

Das da oben.

Es ist ein schönes Bild, keine Frage.

Aber ich sitze hier und wundere mich: Verwenden Leute noch Telefonbücher? Diese alten dicken Schinken aus Papier? Wann habe ich zuletzt diese Stapel im Supermarkt gesehen, von denen man sich eines mitnehmen kann? Und wann HABE ich zuletzt eines mitgenommen?

Ähnlich geht es „meiner Generation“ mit Musikkassetten, Walkmans oder tragbaren CD-Spielern oder Fernsehzeitschriften. Dass man sich Lieblingslieder aus dem Radio aufgenommen hat, klingt für die heutige Jugend (die übrigens auch nicht schlimmer oder besser ist, als wir es damals waren) ziemlich abwegig.

Dann denke ich daran, dass mein Vater einen VW-Käfer hatte, den er mit einem Standgebläse und einem langen Kabel, das über die Terrasse lag, im Winter morgens vorgeheizt hat.

Dass wir tatsächlich noch Telefone mit über Kabel angeschlossenem Hörer hatten.

Dass ich mich an eine Zeit mit nur drei Fernsehsendern erinnere und superaufgeregt war, als Sat1 und RTL dazukamen. Wenigstens glaube ich, dass das die ersten beiden Privatsender waren, die ich bewusst gesehen habe. ProSieben kam später.

Andere „Errungenschaften“ wie das elektrische Bratenmesser sind einfach so wieder verschwunden. Entsprechende Bilder rufen sofort die Erinnerung an die Achtziger wach. Ich glaube, jeder Haushalt hatte so ein Ding. Benutzt haben wir es nie, wenn ich zurückdenke.

Außerdem gab es Parties mit gigantischen kalten Platten – gefüllte Eier, Käsehäppchen, in Schinken oder Wurst gerollte saure Gurken, kleine Türmchen aus Salamiwürfeln und Silberzwiebeln und Unmengen an Dips. Macht man sowas überhaupt noch?

Bestimmt lacht man in dreißig Jahren über alles, was heutzutage „modern“ ist. Smartphones, die man täglich aufladen muss? Klingt gar nicht so smart. Autos zum Selbersteuern? Wie retro! Und was soll das heißen, man musste WLAN bestellen und zuhause einen Anschluss haben, wenn man ins Internet wollte? Wie krass!

Ja, ich weiß. Krass sagt man schon lange nicht mehr. Verzeiht mir, ich bin eine alte Frau. ^^

Schon wieder nur 24 Stunden???

Das könnte mein konstantes Mantra sein. Denn ich habe Pläne. Und Ideen. Und Ziele. Und Verpflichtungen. Und außerdem – ich prangere das an! – muss ich ja auch noch Geld verdienen. (Lieber Arbeitgeber, falls du das liest: Ich arbeite sehr gerne bei dir und mag das Gehalt. Bitte feuere mich nicht!)

In der verganenen Woche war ich zweimal zum Fitnessstudio verabredet. Das ist wichtig für meinen Rücken, denn der ist ein wenig schreibtischlädiert – gut, auch durch meine miserable Körperhaltung, ich geb’s zu.

Außerdem hatte ich vier Termine fürs Nornennetz, das ich sehr mag und die ich auch gerne wahrgenommen habe. So etwas gehört dazu, wenn man etwas erreichen will.

Und wir hatten einen Pärchenausflug geplant (nach Köln, die Fahrtdetails kennt ihr ja bereits).

Addiert dazu einen regulären Job, einen Haushalt und meine Vorliebe fürs Joggen, dann könnt ihr euch vorstellen, wie es hier zugeht. Der Haushalt ist nämlich das erste, was unter chronischem Zeitmissmanagement leidet. Erst danach wird das Schreiben kompromittiert.

Die Kompromittierung fällt mir übrigens im Moment leichter, weil es um die Überarbeitungsphase geht. Aber ich schlage mich tapfer, und bei näherer Betrachtung finde ich mein aktuelles Manuskript gar nicht mal ganz schrecklich. Da kann man was draus machen – wenn man sich die Zeit nimmt.

Hat einer von euch zufällig eine Zeitmaschine übrig? ^^

Der Alltag hat mich wieder

Allmählich ist alles Liegengebliebene aufgearbeitet, alles Liegengebliebene weggeräumt und alles Liegengebliebene verarbeitet. Der Alltag hat uns wieder. Nur manchmal erwische ich mich dabei, dass ich an einem der üblichen Plätze die kleine Miezi auftauchen sehe. Oder dass ich ein hübsches Kleidungsstück sehe und mir denke: „Das kannst du nicht kaufen, die Miezi wird alle Fransen abreißen.“ Erfahrungsgemäß wird das noch eine Weile dauern, das Herz ist offenbar ein Gewohnheitstier. Greebo, ihr Bruder, ist im Moment sehr anhänglich, aber ansonsten fängt er sich gut, denke ich. Wir müssen mal schauen, ob wir ihm beizeiten Gesellschaft adoptieren.

Und jetzt zurück zum Plan.

Nicht der Postmessepost

(Ich verspreche, ein kurzer Messebericht mit vielen bunten Bildern kommt noch, aber mir fehlt gerade ein Kabel, und stattdessen habe ich zu viele Gedanken. Hier sind ein paar.)

Das Büro, in dem ich arbeite, ist nicht gerade die Speerspitze der Innovation. Dementsprechend arbeiten hier wenige karriereorientierte junge Giganten, sondern mehr so … normale Leute. Menschen, die nach dem Büro nach Hause gehen und froh sind, dass man ihnen für den Monatslohn nur selten ein Körperteil abschneidet. Nicht mehr die Jüngsten. Menschen, die gelernt haben, Kompromisse einzugehen – wenn man Familie (oder wenigstens Kinder) hat oder die Angehörigen krank und pflegebedürftig sind, wenn die eigene Ausbildung aus dem Heimatland vom Staat nicht anerkannt wird oder man aus diversen Gründen kaum Anspruch auf Unterstützung hat, dann arbeitet man halt, beispielsweise hier, und macht das Beste aus der Situation.

Keine Sorge, das ist kein Jammer-Beitrag. Nur, damit ihr euch die Leute hier vorstellen könnt. Wir kommen morgen her, stempeln ein, arbeiten bis Feierabend, trinken zwischendurch einen Kaffee oder Tee und vergessen alles, was im Büro passiert ist, sobald wir am frühen Abend das Gelände verlassen. Wir sind nicht „die Elite“, nicht „die Großen von Morgen“, keine „Wunderkinder“.

Unter diesen völlig normalen, langweiligen Menschen gibt es allerdings viele, die im fortgeschrittenen Alter noch schnell ihre Kreativität entdecken – und da wird es spannend. Die Dame aus der Buchhaltung, die mit knapp 50 Jahren anfängt, Saxophon zu lernen (denn das allein aufgezogene Kind ist endlich aus dem Haus und sie hat jetzt etwas Zeit für sich). Der Laufbursche, der in seiner Freizeit Schmuckvögel züchtet, seit er  endlich einen kleinen Garten hat. Die Fahrerin, die Abends noch Kleider näht, weil sie es möchte. Diese Liste ließe sich fortsetzen. Einige designen, andere spielen Theater, singen, …

Wenn man da so drüber nachdenkt, wundert einen das vielleicht im ersten Moment. Diese Leute, die nie irgendwas „Künstlerisches“ gemacht haben, entdecken plötzlich ihre schöpferische Ader? Was soll das – Midlife-Crisis? Füllen sie mit der „Kunst“ die Leere, die nach der Nestflucht der Kinder (oder dem Verblassen der eigenen Jugendträume) übrigbleibt?

Nö. Also, ich glaube das nicht. Meiner Meinung nach gibt es ein anderes Problem, das viele Leute trifft: Wenn wir aufwachsen, wird uns weißgemacht, dass „Kunst“ etwas sei, was man machen kann, wenn für alles andere gesorgt ist. Wenn man einen festen Job hat, ein Haus, wenn die Familie versorgt ist, der Autokredit abbezahlt, die Küche sauber – und wenn man DANN noch Energie hat, kann man ja mal so ein bisschen Kunst. Es sei denn, man gehört zu den Genies, denen alles von klein auf in die Wiege gelegt wurde. Die erkennt man am Glorienschein und der Muse auf der Schulter oder so.

Dabei ist Kunst eigentlich überlebenswichtig. Bilder, Skulpturen, Texte und Musik sind die ältesten Ausdrucksformen. Schon immer wollten Menschen ausdrücken, was in ihnen war, und es für die Nachwelt hinterlassen (sogar wenn die Nachwelt davon vielleicht nie etwas mitbekommt). Ich spreche jetzt mal für mich selbst: Wenn ich ein paar Tage nicht geschrieben habe – und ich bin weder ein Genie noch berühmt, die Zeit fürs Schreiben ist von den „wichtigen“ Alltagsdingen gestohlen – werde ich unleidig. Glücklicherweise sind künstlerische Hobbies in meiner Familie weit verbreitet. Auch wenn immer gesagt wurde, ich solle mich erst um einen vernünftigen Job kümmern, ehe ich an meiner Schriftstellerkarriere arbeite, wurde ich nicht aktiv entmutigt. Wir Kinder hatten Zugang zu Büchern, Stiften und Papier und, soweit das Budget es zuließ, zu Musikinstrumenten. Alle meine Schwestern haben immer irgendwas geschaffen, was vorher nicht da war. Trotz Kindern, Häusern, Jobs. Und wir sind, trotz aller Begrenzungen, behaupte ich mal, gerade dadurch glücklichere Menschen.

Also: Für mehr Kunst. Ohne Berücksichtigung von Genie, Talent oder wirtschaftlicher Plausibilität. Für mehr Kunst, weil Kunst wichtig ist. Und vor allem für mehr Kunst, die „nichts bringt“, einfach, weil man es möchte.

Ergibt das außerhalb meines Kopfes überhaupt Sinn? ^^

 

Schlechte Angewohnheiten, Ticks und Macken

Wer von euch erinnert sich noch an die Serie „Monk“? Hach, was sind wir alle alt retro. Für die drei Küken, die sich nicht erinnern, und für die Trendverweigerer, die die Serie nie geguckt haben: Es ging um einen genialen Ermittler, der nach dem Tod seiner Frau diverse Macken wie Putzfimmel etc. entwickelt und das Leben nur mit Hilfe einer Assistentin meistern kann. Das führt in der Serie zu allerhand angeblich lustigen Momenten und wird auch irgendwie nie so konsequent durchgesetzt, wie man es sich wünschen würde.

Aber überhaupt, Macken. Eigentlich hat doch jeder welche. Ich suche mir etwa immer mal wieder Lieblingsformulierungen aus, die ich dann eine Weile exzessiv verwende. Und im Büro ist genau sortiert, welches die Kaffee- und welches die Teetasse ist. Ordnung muss sein. Und zu guter Letzt – das ist wirklich lästig – knibbele ich mir oft die Lippe auf, wenn ich gestresst bin. Das ist blöd und kindisch und tut weh, aber ich arbeite noch dran.

Als Autor schaut man übrigens ganz anders auf die Exzentrizitäten seiner Mitmenschen. Man könnte sie nämlich durchaus entlehnen, um eigene Charaktere authentischer zu gestalten. Nur muss man dann darauf achten, dass  man das auch konsequent durchhält. Bei „Monk“ hat mich sehr gestört, dass Ticks und Macken nur mal auftauchten und wieder verschwanden, wenn sie keine weiteren Lacher generieren konnten. Helena in „Magie hinter den sieben Bergen“ mag etwa keine Anglizismen, allerdings habe ich das in den ersten zwei oder so Büchern nicht so konsequent durchgesetzt, wie ich es hätte tun sollen. Tja, was kann ich sagen? Ich lerne eben noch dazu. Vielleicht mache ich mal Neuauflagen, die dem Spleen Rechnung tragen …

Welche Eigenarten meine Protagonistin Sonja aus dem „Mantikor“-Manuskript hat, weiß ich selbst noch gar nicht so genau … da gucken wir in den kommenden Wochen drauf. Aber ich bin mir fast sicher, dass es mit Farben zu tun hat, oder mit Sortieren. Oder vielleicht mit beidem.

Und jetzt zurück. Habt ihr liebenswerte Macken oder kennt ihr Leute mit Eigenarten, die euch unglaublich auf den Keks gehen?