Arbeitsteilung

Der Mann und ich sind inzwischen seit dreizehn Jahren zusammen. Wie jedes gute Paar haben wir im Lauf der Zeit eine Art Arbeitsteilung entwickelt:

Ich kümmere mich um die Mahlzeiten, er bringt den Müll raus.

Ich füttere morgens die Katzen, er schickt mir tagsüber aus dem Home Office lustige Katzenbilder.

Ich plane andauernd neue absurde abwegige Dinge, er bremst mit allen vier Extremitäten fest in die Erde gestemmt und würde am liebsten gar nichts verändern.

Stellt euch das so vor, als würde ein enthusiastischer großer sabbernder Hund mit aller Macht vorwärts zerren, während am anderen Ende der Leine ein kleiner sturer Esel hängt.

Wir kommen vorwärts, aber langsam. Was nicht unbedingt blöd ist, denn so fallen wir auch nicht über unerwartete Klippen. Ich glaube, ab und zu hat des Mannes Vorsicht mich schon vor spannenden, aber unglücklichen unfreiwilligen Abenteuern bewahrt. Er wiederum ist, mir sei Dank, immer mal wieder gezwungen, etwas Absurdes Neues auszuprobieren. Das ist mein komplett selbstloser Beitrag zur Alltagsverbesserung. Denn wie heißt es so schön in „Findet Nemo“? „Du kannst ihm doch nicht versprechen, dass ihm nie etwas passiert. Dann passiert ihm ja nie etwas!“

Gegensätze ziehen sich an … glaube ich

Manchmal muss es eben ein Fertiggericht sein. Lasagne zum Beispiel. Die mache ich mir am liebsten in der Mikrowelle warm wegen der schönen Käseknusperkruste. Der Mann isst sie lieber aus der Mikrowelle. Im Ofen werden ihm die Ecken zu trocken.

Ich hätte am liebsten konstant die Fenster offen. Ihm kann es in der Wohnung nicht muckelig genug sein.

Als Morgenmensch bin ich abends ab neun zu nichts mehr zu gebrauchen. Da läuft er gerade erst zu Höchstformen auf.

Ich hasse Sauce Hollandaise, er kann nicht genug davon kriegen.

Dafür findet er Tomatensauce doof, in der könnte ich baden.

Wenn ich Abends einmal sitze, passiert nichts mehr, deswegen muss ich in Bewegung bleiben. Er hingegen braucht regelmäßige Pausen, über den Tag verteilt, und danach geht es zuverlässig weiter.

Ich möchte ein Motorrad kaufen. Das hält er für eine nicht nur dumme, sondern tödliche Idee.

Ein Leben ohne Hund kann ich mir nicht vorstellen. Er hat Respekt vor Hunden.

Ich mag Urlaube, in denen man viel erlebt und sieht, und lege an einem gewöhnlichen Sightseeing-Tag schnell mal zwanzig Kilometer zurück. Er ist mehr der Langschläfer und Genießer, wenn er denn man Urlaub hat.

Diese Woche ist unser erster Kuss zwölfeinhalb Jahre her. Wenigstens in unserem Fall scheint das mit der Überschrift also zu stimmen.

pexels-photo-791765

Photo by Victor Freitas on Pexels.com

Meine romantischste Erinnerung

Puh, mit Romantik habe ich es gar nicht so – da könnt ihr den Mann gerne nach fragen. Er hat es schon schwer mit mir. ^^

An eine Sache denke ich aber gerne öfter zurück. Wir waren Studenten und kannten einander noch nicht lange. Hatten gerade erst angefangen, miteinander auszugehen. Und ihr wisst ja, Studenten haben nie Geld. Wir spazierten also am Rhein entlang und redeten, wie man das so macht. Und irgendwann kletterten wir auf eine dieser kleinen schwimmenden Anlegeplatten hinunter, die zu den Rudervereinen gehören. Das ist nicht besonders erlaubt, aber es war spät – der Sommerhimmel war schon tief lavendelfarben, und vom anderen Rheinufer konnte man fast nur noch die Lichter sehen. Am Wasser war es recht frisch, und ab und zu schwappte die Bugwelle eines der vorbeiziehenden Kähne uns herum. Und wir saßen einfach und redeten, und so dicht am Wasser war es unglaublich leicht, private Dinge zu teilen …

Tja, aber sonst bin ich nicht besonders romantisch. Wobei, wartet … wir haben ein „unser Lied“:

Trommelwirbel!

Ich habe eine großartige Neuigkeit zu verkünden. Es ist atemberaubend. Ihr werdet es nicht glauben.

11026050_948015951884340_6448503245731532822_n

Zum aller-aller-ersten Mal in meinem Leben habe ich kurze Haare. Also, so richtig kurz. Und es war ein Abenteuer.

Machen wollte ich das ja schon seit Jahren. Aber, wenn man, so wie ich, eigentlich immer lange Haare hatte und sich eigentlich nie besondere Mühe gegeben hat mit der Frisur (oder mit irgendetwas), dauert das ja manchmal ein wenig, bis man sich aufraffen kann. Und weil ich ja bis zum letzten Moment nicht wusste, ob ich mich wirklich traue, war nur eine Freundin eingeweiht. Die hat sogar unter falschem Namen einen Termin mit ihrer Friseurin vereinbart. Sonst wusste niemand was – nicht einmal Richard. Also, der erst recht nicht.

Bei Bier und Kuchen wurde dann bei der Freundin zuhause nach der Arbeit losgeschnippelt. Meine Anforderung war: So kurz wie möglich, kein nerviger Pony. Beim Rest habe ich dann mal der Fachfrau vertraut. Schließlich sehe ich meinen Hinterkopf selbst so selten, da bin ich echt keine Expertin.

Bei der Heimkehr Abends war Richard dann auch angemessen erschreckt. Aber ich glaube, er gewöhnt sich da schon noch dran. Das, was IM Kopf ist, ist ja immer noch das gleiche. ^^

Kleidergeister

Erinnert ihr euch noch an diesen Post? Sehr gut, denn ich habe die Fortsetzung für euch!

Anfang Januar hatte ich plötzlich Schlafanzughosen in der Wäsche, die keiner von uns beiden kannte. Damals dachte ich: Oh, die kommen wohl aus dem Einbauschrank, der in unserer neuen Wohnung war. Kann ja mal passieren, der Vormieter vergisst beim Räumen etwas in einer dunklen Ecke, und irgendwann kramt man das versehentlich hervor. (Dafür hat man Katzen.)

Wir haben also den Schrank einmal komplett ausgeräumt und bei der Gelegenheit gleich sauber gemacht. Kann ja nicht schaden.

Vorgestern Abend dann war ich auf der Suche nach den Katzen. Die verstecken sich gerne im Schuh-Fach des Schrankes und schnüffeln an meinen getragenen Ballerinas. Ich also auf die Knie und mit der Taschenlampe in das Fach leuchten. Und was finde ich?

IMG_0431

Das sieht doch verdächtig nach weißen Tennissocken aus!

Nein, keiner von uns trägt weiße Socken. Und ja, da bin ich mir ganz sicher.

IMG_0433

Hier der ausgerollte Beweis. Socken. Mit Tennis. Ich dachte, die seien in den achtzigern verboten worden?

Auf jeden Fall hab ich das direkt mal Richard am Telefon erzählt. Was soll er denn denken, wenn er nach Hause kommt und wir haben fremde Männersocken in der Wohnung liegen? Und wir haben angefangen zu spekulieren und eine Reihe aufregender Theorien aufgestellt:

  1. Auf dem Dach wohnt jemand, der in unserer Abwesenheit durch eine Luke in die Wohnung steigt, den Kühlschrank plündert und seine Socken bei uns wäscht.
  2. Ein Stalker mit nachgemachtem Schlüssel reibt sich in unserer Abwesenheit an meinen Schuhen, wie der Kater. Warum er dabei die Socken auszieht? Fragt mich was leichteres.
  3. Wir haben Kleidergeister.

Gut. Vielleicht wäre es auch möglich, dass wir die eine Ecke des Schrankes beim Ausräumen einfach übersehen haben. Aber die anderen Geschichten finde ich viel spannender!

Zugegeben, ein wenig gruselt es mich jetzt schon, unter der Woche allein zuhause zu sein… ^^

Wie ein unaufmerksames Zimmermädchen beinahe ein bisschen unsere Beziehung gefährdet hätte

Vor ein paar Tagen war ich auf dem Sprung, Freunde und Familie besuchen. Richard war außergewöhnlich früh aufgestanden, um sich die PHOTOKINA anzuschauen, und ich wollte noch schnell seine Beraterwäsche aus dem Beraterkoffer in die neue Waschmaschine stopfen.

Beim Sortieren fand ich das da:

IMG_0327Ich kenn mich da ja nicht so gut aus, aber das sah nicht aus wie ein Produkt für Männer. Und meine war das auch nicht. Also fotografierte ich den Stein des Anstoßes und schickte Richard eine Nachricht: „Guck mal, was in deinem Koffer war. Bist du etwa heimlich ein Cross-Dresser“

Seine Antwort: „WTF?“

Ich wieder: „Ich weiß grad nicht, was ich denken soll. Wie fändest du das, wenn bei deiner Rückkehr fremder Leute Boxershorts in der Wohnung lägen?“

Er: „Keine Ahnung, glaub ich.“

Ja, wir sind sehr eloquent. Auf jeden Fall musste ich los, und die Unterhaltung wurde erst einmal auf Eis gelegt. Was natürlich nicht ganz einfach war. Zwar bin ich 99,99785% sicher, dass Richard mir auf ewig treu ergeben ist. Zumal, als wir damals zusammenzogen, ich mit Katzen- und X-Box-Entzug gedroht habe, sollte er mich jemals hintergehen.

(Ich weiß, wo es richtig wehtut.)

Egal. Sonntag Abend hab ich ihm dann als erstes den Stein des Anstoßes vorgelegt. Richard hatte die Sache natürlich direkt vergessen. Wir haben dann zusammen überlegt, woher das Ding kommen könnte: Meine? Keinesfalls. Von einer der gelegentlich übernachtenden Freundinnen? Zu klein. Multiple Persönlichkeiten? Unwahrscheinlich. (Richard: „Ich hoffe nicht, das Ding sieht ziemlich unbequem aus!“)

Die Lösung war dann so simpel wie blöde: Der Schlüpper lag in Richards Hotelzimmer, in dem Fach, in dem er seine (überwiegend schwarze) getragene Wäsche sammelt. Und Donnerstag Morgen beim Packen hat er das Ding dann wohl unbewusst mitgeschleppt, auf dass es zuhause bei uns ein wenig für Abwechslung sorge.

„Das soll ich dir also glauben?“

– „Überleg doch mal, Schatz: Wenn ich dich betrügen würde, dann doch nicht mit jemandem, der so langweilige Unterwäsche trägt!“

Zugegeben, das klang logisch. Außerdem war er in der ganzen Angelegenheit so entspannt und offen überrascht, dass ich ihm die blöde Geschichte abkaufe – er ist ein ziemlich mieser Lügner. Vertrauensselig, wie ich bin, naiv und voll Glauben an das Gute in der Menschheit, glaube ich ihm also. Richard ist einer von den Guten, wirklich. Letztendlich lachten wir also über den Schrecken. Ich schlug vor, er solle sich beim Hotel beschweren und eine Wiedergutmachung verlangen, schließlich habe dieser Schlüpper fast seine Beziehung ruiniert. Das wollte er aber auch nicht: „Und was, wenn das Zimmermädchen dann meinetwegen Ärger kriegt?“

(Laaaaangweilig!)

Und die Moral von der Geschicht: Es ist nicht immer, wie es scheint. Manchmal muss man sich entscheiden, anderen zu vertrauen. Und: Es ist gut, von Zeit zu Zeit seine Drohungen zu erneuern. (Oder: Mach das Licht an, wenn du deinen Koffer packst.)

Reisen, Pläne, Kompromisse

In den letzten Wochen waren wir wieder viel unterwegs. Freunde mussten verheiratet, andere Freunde besucht und die Familie beglückt werden. Ich war in Prag und Luxemburg, und zum Schluss noch einmal im wunderschönen Bad Hersfeld, wo eine liebe Freundin erst heiraten und sich dann partout in einem Meer aus Spitze, Tüll und Glitzer in einen Mini quetschen musste. Ein Bild für die Götter. ^^

Wie dem auch sei, wo die langen Trips jetzt endlich hinter uns liegen, stehen Renovierungsmaßnahmen ins Haus, und große Entscheidungen. Wenn alle Fenster ausgetauscht und die letzte Dämmstoffplatte außen ans Haus getackert sind, steht uns eine saftige Mieterhöhung ins Haus, die wir uns nicht leisten wollen. Aber die Suche nach einer neuen Wohnung, die unseren Ansprüchen genügt, wird sich wahrscheinlich schwieriger gestalten. Glücklicherweise haben wir noch etwa ein halbes Jahr, ehe wir tatsächlich raus wollen, aber zunächst einmal müssen die Parameter geklärt werden: Mieten oder kaufen? Stadt oder Land? Oder vielleicht gar auswandern? Zum Glück sind wir gut darin, Kompromisse zu finden – auch wenn ich manchmal versucht bin, Richard hart eins über den Schädel zu geben, auf Amnesie zu hoffen und ihm einzureden, der Umzug und alle Details seien auf seinem Mist gewachsen. ^^

(Geschrieben wurde auch, allerdings muss das im Moment alles ein wenig zurückstehen. Ich überlege noch, wie ich euch entschädigen kann. Vielleicht mit einem schönen Haiku?)

Gedankenblitze

verstopfen mein Gehirn.

Kopfschmerzen drohen.

Lasst Blumen sprechen!

IMG_9024

 

Wie einige von euch vielleicht erraten haben, waren meine beste Freundin und ich in Prag. Ein Tag jeweils für An- und Abreise, blieben zwei Tage zum Sightseeing. Die Fotos erspare ich euch mal, denn ich bin eine ganz furchtbare Touristen-Fotografin. Es gibt Bilder von JEDER EINZELNEN STATUE auf der Karlsbrücke. Die könnt ihr auch im Internet angucken, erspart allen beteiligten viel Ärger und Mühe. Lasst mich nur sagen, wir sind viel zuviel gelaufen und haben sehr gut geschlafen.

Jedenfalls kehrte ich am Sonntag abend nach Hause zurück, und neben meinem Notebook stand dieses Blümchen. Und wollt ihr wissen, was Richard dazu sagte?

„Jetzt kannst du überall erzählen, dein Mann hätte dir ein Veilchen verpasst.“

Was für ein alter Romantiker. ^^

Strohwitwen-Dasein

Ab Montag ist es soweit. Für ein paar Wochen ist Richard bei einem neuen Projekt eingeteilt und so weit von zuhause entfernt unabkömmlich, dass es sich nicht lohnt, jeden Abend nach Hause zu kommen.

Das erzeugt gequirlte Gefühle.

Auf der einen Seite freue ich mich darauf, all die Dinge zu kochen, die er wirklich nicht mag. Brokkoli-Buttermilch-Suppe mit Tomatenstückchen. Linsensuppe galore. Tomaten-Quiche. Griespudding zum Abendbrot. Morgens wird meine Lieblingsmusik laufen, wenn ich auf dem Sofa frühstücke – bei weit geöffneter Balkontür. Und abends kann ich mich ganz entspannt mit meinem Arbeitsgerät im Wohnzimmer ausbreiten, ohne dass der Fernseher läuft. Aufstehen und schlafen, wann immer ich will. Gemüse grillen.

Andererseits gibt es eine Menge Sachen, die mir fehlen werden. Etwa abends gemeinsam auf dem Sofa liegen und eine hirnlose Crime-Serie nach der anderen gucken, während er mir den Rücken krault. Die politischen, kulturellen und manchmal sinnfreien Diskussionen beim Frühstückstisch. Neben meinem Lieblings-Mann schlafen. Abendliche Spaziergänge zu zweit, bei denen ich mich mehr oder weniger erfolgreich in Geduld übe, während Richard das drölfzigste Foto von der Kuhweide macht. Nach dem Arbeitstag Dampf ablassen und dabei zuschauen, wie er mit den Katzen spielt.

Glücklicherweise sind es erst einmal nur ein paar Wochen. Aber natürlich wissen wir nicht, bei welchem Projekt er anschließend landet. Vielleicht Köln, vielleicht aber auch München. Und auch wenn wir natürlich täglich skypen und uns an den Wochenenden sehen werden, ist das wohl irgendwie nicht das gleiche.

Heute und morgen finden die letzten Notfall-Einkäufe, Wäsche-wasch-Aktionen und Vorbereitungen statt. Mit ein paar Freunden geht es Samstag Abend zu „Rhein in Flammen“ und eingentlich steht auch noch ein Familienbesuch auf dem Programm. Und danach kann ich dann testen, ob mir das Stroh-Witwen-Dasein gefällt. Mögliche Aktionen:

  • Strohpuppen basteln
  • Strohblumen trocknen
  • Strohrum trinken

Und ihr so?