Früher war alles besser – Klassiker lesen

Wie ich ja schon das eine oder andere Mal erwähnt habe, lesen wir mit dem Nornennetz im Moment in einer Lesechallenge wichtige Bücher berühmter Autorinnen – unseren „Hidden Powers“ Nornenschuber. Im März war „Ronja Räubertochter“ dran, danach „Die Farbe Lila“ und dann „Pride and Prjudice“. Diesen Monat ist es „Orlando“ von Virginia Woolf. (Details findet ihr hier.)

Viele dieser Bücher gelten als Klassiker. Ich habe sie noch nicht alle gelesen – und ich muss sie gar nicht alle gut finden. (P&P gefällt mir auch im dritten Anlauf nicht besonders, aber ich verstehe, warum andere es mögen.) Aber oft gibt es eben einen guten Grund dafür, dass etwas ein Klassiker geworden ist. Deswegen lohnt es sich meiner Meinung nach, gelegentlich über den Tellerrand hinaus auf die Klassiker zu schielen und vielleicht den einen oder anderen zur Hand zu nehmen.

Allerdings macht es einen nicht automatisch zu einem besseren Menschen, wenn man verkündet: „Also, ich lese ja kein Buch, das nach 1920 veröffentlicht wurde.“ Das macht einen nur … ja, zu was? Auf jeden Fall zu einer Person, der viele gute Bücher entgehen.

Guten Freunden gibt man ein Buch – und liest es dann gemeinsam

Habt ihr schon einmal gemeinsam mit jemandem ein Buch gelesen? Ich bin gerade dabei, sozusagen, bei der „Hidden Powers“-Nornenschuber-Challenge im Nornennetz. Falls ihr überlegt, noch einzusteigen, findet ihr die Details (inklusive der noch kommenden Bücher) hier. In der Vergangenheit habe ich Leserunden bei Lovelybooks veranstaltet, aber so richtig warm geworden bin ich mit dem Format nicht. Als Veranstalter*in steckt man da richtig viel Mühe rein, und wenn dann kaum Antworten zurückkommen … für zukünftige Bücher verteile ich lieber so Rezensionsexemplare oder verstecke Rätsel o.ä. zwischen Kapiteln.

Wenn es gerade keine orchestrierten Challenges gibt, tausche ich oft Bücher mit Freund*innen oder empfehle welche und bekomme Empfehlungen – merkwürdigerweise reden wir dann allerdings selten über die Bücher, die wir gelesen haben. Und manchmal, wenn wir doch über die Bücher reden, kommen wir zu sehr unterschiedlichen Urteilen. Aber das ist ja das Schöne an Büchern – sie laden dich ein, auf eine Reise zu gehen, ohne den Weg vorzuschreiben. ^^

 

Das Aussehen ist nicht alles, man muss auch schön sein – oder?

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Die Autorin auf dem Balkon, mit modischer Kürzesthaarfrisur.

Wir haben es ja alles gehört – es dauert noch eine Weile, bis die Friseure wieder öffnen. Den Run auf die ersten Termine mag ich mir gar nicht vorstellen. Ihr vielleicht? Lieber nicht. Also habe ich die Sache selbst in die Hand genommen.

Wahrscheinlich habt ihr auch von den selbstgemachten Buchcovern schon den Eindruck gewonnen, dass mir Äußerlichkeiten nicht besonders wichtig sind. Das liegt vielleicht daran, dass schon früher immer wieder betont wurde, wie schön doch meine beiden älteren Schwestern im Vergleich zu mir waren. Gut, dann war ich eben die Schlaue. Hat mir viel Zeit erspart, die man andernfalls in der Jugend für Makeup und so Kram verschwendet. Ja, ich kann das alles, aber ich muss es nicht.

Deswegen wundert mich auch, wenn Leute mir erzählen, diese Frisur sei „mutig“. Kinners? Es sind nur Haare! Die wachsen nach. Am Kopf darunter ändert sich nicht viel. (Bis auf die Falten im Echtlederbezug.)

Der Mann war nicht besonders angetan von diesem Plan, zugegeben … er hat mich noch als langhaarige Blondine kennengelernt. Aber er liebt mich auch ohne Haare und mit „Schreckschraubenbrille“. Wie sich das gehört. (Seine Haare werden während der Kontaktsperre übrigens immer länger.)

Worauf ich hinauswill? Wenn ich das nur wüsste! Vielleicht könnte ich die Gelegenheit nutzen und darüber spekulieren, wie viele gute Bücher man verpasst, weil einem das Cover nicht zusagt. Oder wie viele Bücher man nur aufgrund des Covers kauft, um sich hinterher zu ärgern, weil die Geschichte nicht das ist, was man erwartet hat. Aber das kennt ihr bestimmt alles selbst schon. Manchmal lassen wir uns eben von Äußerlichkeiten blenden, im Guten wie im Schlechten. Ich weiß inzwischen sicher, dass ich für Design weder Talent noch Geduld habe, und verlasse mich wenigstens bei meinen Büchern auf das Können von echten Profis. Dauert eh noch eine Weile, ehe das nächste veröffentlicht wird (aber ich arbeite dran, versprochen!). Bis dahin … bleibt luftig!

Wenn wir nicht zur Buchmesse können, kommt die Buchmesse eben zu uns

 

(ACHTUNG, die Links im folgenden Text führen teilweise zu Twitter und FB – wenn ihr da nicht hinwollt, nicht klicken. ^^ )

Als ich anfing, diesen Beitrag zu planen, glaubte ich noch, die LBM würde dieses Jahr ganz normal stattfinden. Inzwischen wissen wir ja alle, dem ist nicht so. Aber davon lassen wir Buchleute uns nicht die Petersilie verhageln. Corona? Wir lachen dir ins Gesicht! In den letzten Tagen sind unzählige Aktionen zum Thema „Online-Buchmesse“ gestartet worden. Ich glaube, die Leute haben mehr Stress, als wenn sie nach Leipzig gefahren wären. Einmal mehr bin ich ganz verliebt in all die Verrückten, die für ein bisschen Papier soviel Arbeit auf sich nehmen – gut, nicht für das Papier, sondern für die Geschichten darauf. Aber das Papier riecht so gut, und man kann es sich signieren lassen!

Tja, alles vorstellen kann ich gar nicht, dazu fehlen mir Zeit und Überblick, aber ich weiß zum Beispiel vom Twitter-Hashtag #bücherhamstern, unter dem Leute lesens- und kaufenswerte Bücher vorstellen (oder Verlage, bei denen man solche bestellen kann). Außerdem gibt es #onlinelbm von Skoutz mit Spielen, Lesungen, Interviews und allem Kram, den man so auf der Messe kriegt (außer Pommes, und das prangere ich an!). Und zu guter Letzt fällt mir spontan noch das Leipziger Buchfieber, zu dem sich diverse Verlage, Verlägchen und Autor*innen zusammengetan haben. Und die Nornen haben sich mit #Nornentwittern noch eine zusätzliche Aktion ausgedacht. Auch wenn ich also traurig bin, dass ich euch nicht auf der Messe sehe (und wahrscheinlich nicht erkenne), so gibt es wenigstens genügend buchzentrierte Aktionen, mit denen wir uns die kommenden Tage vertreiben können.

Und was mache ich jetzt mit den Urlaubstagen? Entweder Netflix oder Frühjahrsputz – es bleibt spannend!

 

 

Schade um die schöne Messe

Die „Buchbubble“ hat es bestimmt schon mitbekommen – die Leipziger Buchmesse 2020 findet nicht statt. Ob man das jetzt für Panikmache hält oder für eine sinnvolle Maßnahme, um die Ausbreitung von Corvid-19 zu verhindern, sei einmal dahingestellt. Ich finde es trotzdem schade, dieses Jahr so viele tolle Leute nicht in Leipzig zu treffen. Andererseits bin ich selber gesundheitlich gerade auch angeschlagen und dankbar, wenn ich mich ein paar Tage auskurieren kann, denn: Urlaub eingereicht habe ich ja schon, und den nehme ich auch. Vielleicht besuche ich statt der Bücher meine Familie, die ist auch toll. Das muss ich alles noch überlegen und planen.

Stattdessen gibt es allerdings, dem Internet sei Dank, viele tolle Aktionen. Als Beispiel sei hier das Hashtag #bücherhamstern genannt, unter dem Leute auf Twitter die Bücher vorstellen, die sie sonst zur Buchmesse mitgenommen hätten. Auch sonst gibt es viele Aktionen auf den üblichen SoMe-Kanälen, mit denen man sich vom 12. bis zum 15. März toll die Zeit vertreiben kann.

Vom Nornennetz stehen wir jetzt natürlich vor einem ordentlichen Haufen Vorbereitungen, die wir gerade nicht brauchen können. Aber die lagern wir für das nächste Jahr ein. Da treffen wir uns nämlich alle in Leipzig wieder, wenn nicht gerade die Welt untergeht.

Upps, jetzt hab ich’s gejinxt.

Bücher über Bücher über Bücher

Inzwischen kann man aus meiner Lesereise einige Rückschlüsse ziehen. Beispielsweise habe ich in den letzten drei Jahren jeweils etwas mehr als 40 Bücher pro Jahr gelesen. Das ist nicht einmal ein Buch pro Woche – eigentlich deprimierend, wenn man so drüber nachdenkt. Andererseits: Immerhin mehr als 40 Bücher pro Jahr. Auf diese Weise werde ich noch sehr, sehr lange Freude an meinen Beständen haben. (Natürlich kaufe ich trotzdem weiter Bücher. Wo kämen wir denn sonst hin?)

Außerdem zeigt sich eventuell ein Trend zu Themen und Genres. Die abgebrochenen Bücher, die mich nicht gepackt haben, stehen nicht drauf – sollte ich die vielleicht hinzufügen? Nee, eher nicht. Manchmal ist es einfach nicht das richtige Buch zur richtigen Zeit bei der richtigen Person, das sagt wenig über das Buch aus und mehr über meinen Kopf.

Dieses Jahr habe ich keine Lese-Vorsätze, außer natürlich: Lesen! Und ich könnte an meiner Weltreise weiterbauen. Zum Glück haben die Nornen mit einer gigantischen Aktion zum Frauenwahlrecht (bald!) bereits einige interessante Buchvorschläge aufgetan, und den Nornenschuber gibt es ja auch. Da sollte ich ein wenig Anregung finden, um auch mal wieder über den Tellerrand hinauszuschauen.

Wie sieht es bei euch aus? SUB-Abbau in Angriff genommen? Wilde Eskalationen im Buchladen? Hochfliegende Pläne? Und wenn ihr neue Bücher habt, zeigt mir eure Schätze! ^^

Ein Buch, das mein Leben beeinflusst hat?

Schwierig. Viele Bücher haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen – weil sie so gut waren, weil sie so schlecht waren oder weil ich dringend wissen wollte, wie die Autorin etwas Bestimmtes hinbekommen hat.

Das Buch, das mich zum genau richtigen (oder falschen, wie man’s nimmt) Zeitpunkt erwischte, war allerdings „Eine Braut fürs Jenseits“ von Kurt Luit – Horrorgeschichten für Erwachsene, die meine Eltern mir überließen, als ich noch zum Kindergarten ging. Ein fragwürdiges pädagogisches Konzept, ist mir klar. Aber schon damals las ich alles, was ich in die Finger bekam. Einige Geschichten fand ich gruselig. Andere verstand ich nicht – der Horror war zu erwachsen für mein Kinderhirn. Und nach dem ersten Buch, das ich geschenkt bekommen hatte („Die Kinderbibel“ von Ann de Vries) war es eine Offenbarung, denn: Bücher mussten nicht mit belehrendem Zeigefinger im Tonfall daherkommen. Die Guten wurden gar nicht immer belohnt. Und offenbar hatte Gott auch nicht immer und überall seine Finger drin.

In Kombination erklären diese beiden ersten Bücher wohl eine Menge über mein heutiges Schreiben. ^^

Die Sache mit der Tasche

Wie ich vielleicht schon das eine oder andere Mal erwähnt habe, könnt ihr HIER immer mal wieder nachschlagen, was ich gerade lese oder bereits gelesen habe.

Unter „Currently reading“ stehen, wie man eventuell sieht, meistens mehrere Titel, eigentlich immer wenigstens zwei. Das liegt aber nicht daran, dass ich zu sensibel bin, mich auf ein Buch zu konzentrieren, oder zu leicht gelangweilt – nein, das hat ganz praktische Gründe: Meine Handtasche.IMG_2813[1]

(Oh mein Gott, sie ist von ihrer Handtasche besessen und hört Stimmen!)

Nein, so schlimm ist es (noch?) nicht. Aber meine Handtasche ist klein – Kaffeetasse zum Vergleich – und perfekt. Sie war ein Geschenk, stammt aus einem Laden, der nur faire Ware handelt, und lässt sich so bepacken, dass ich alles Notwendige dabei habe, ohne mir den Rücken krumm zu machen: Portemonnaie, Telefon, Kalender, Brillenetui, Taschentuch, Lippenpflege, Haustürschlüssel und Kindle. Dann ist das Teil kompakt bepackt. (Das ist auch immer praktisch, wenn man irgendwo ist, wo es Taschenkontrollen am Eingang gibt – ein Blick vom Sicherheitspersonal und ich darf durchgehen, kein Wühlen notwendig.)

Was allerdings nicht passt, sind Taschenbücher. Und da ich manche Bücher, die ich dringend lesen möchte, auf Papier habe (zum Beispiel das wunderschöne „Der Kater unterm Korallenbaum“ von Christina Löw, mit Widmung), lese ich die eben zuhause. Auf dem Balkon, im Bett, auf dem Sofa, im Büro/Gästezimmer – wo man eben so liest.

Ab und zu kommen übrigens noch Sachthemenbücher hinzu, die lese ich aber wirklich immer nur häppchenweise, wenn es mir gerade in den Kram (und in den Kopf) passt.

Und ihr? Merkwürdige Lesegewohnheiten? Spannende Erkenntnisse über die Bücherwirtschaft?

Heimaturlaub für Lesende

Es gibt bestimmte Orte, da fährt man immer wieder gerne hin und freut sich das ganze Jahr über auf den Moment, wenn man endlich wieder an „seinem“ perfekten Urlaubsort ist.

Manche Bücher sind genauso – man kann sie immer wieder aufschlagen und ist sofort hin und weg, in einer vertrauten und immer wieder spannenden Welt. Wenn man diese Bücher zu unterschiedlichen Lebenszeiten liest, entdeckt man immer wieder neue Details, die plötzlich an Bedeutung gewinnen, und verliebt sich im besten Fall jedes Mal ein wenig mehr.

Eines dieser Bücher ist für mich (nicht das schon wieder!) „American Gods“ von Neil Gaiman. „Stardust“ (deutsch „Der Sternwanderer“) ist ein zweites. Und natürlich, obwohl für mich eher untypisch: „The Time Traveller’s Wife“. Ich bin nicht für Romantik. Außer in diesem einen Fall. Es ist merkwürdig. Ich liebe dieses Buch. Und dann gibt es die Kindheitsschätze, beispielsweise „Die unendliche Geschichte“, davon haben wir sogar das Brettspiel im Regal stehen (und ich gebe es nicht weg). „Haifischfrauen“ von Kiana Davenport, „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabriel García Marquez. Wunderschöne Bücher, die ich gerne immer wieder besuche.

Manchmal kommt man aber auch nach vielen Jahren an einem Ort an, an dem man früher gerne Urlaub gemacht hat, und stellt fest, dass sich irgendwas verändert hat. Die Atmosphäre ist nicht mehr magisch, sondern bedrückend. Es gibt zuviel Asphalt, zu wenig Bäume, und die verwunschene Ruine sieht auf einmal nur marode aus. Vielleicht versucht man noch für ein paar Tage, den alten Zauber wiederzubeleben, aber es ist für gewöhnlich sinnlos. Zurück bleibt die Hoffnung, dass diese Entzauberung die alten Erinnerungen nicht verderben konnte.

Auch solche Bücher habe ich. „Die Nebel von Avalon“ gehört dazu. Früher eines meiner Lieblingsbücher, heute … geht nicht mehr. Tut mir leid, es ist schade drum. „Die Tochter der Wälder“ von Juliet Marillier und „Winterrose“ von Patricia A. McKillip gehören ebenfalls dazu, und „Die Geisha“ von Arthur Golden. Ich erinnere mich noch gut an die Begeisterung beim ersten Lesen, kann sie aber heute nicht wieder hervorrufen.

Manche Bücher kenne ich noch nicht so lange und hoffe natürlich, dass sie sich auch zu „Traumurlaubsbüchern“ entwickeln. Aber so richtig sicher kann man das nie vorhersagen. Woher sollte ich auch jetzt schon wissen, was für eine Leserin ich in zehn oder dreißig Jahren sein werde?

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