Isch ‚ABE gar kein Herz!

(Wer sich an diese Werbung erinnert, ist mindestens ungefähr so alt wie ich.)

close up of tree against sky
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Andererseits, wenn ich ein Herz hätte, blieben die Plätze darin wenigen ausgewählten Buchhelden vorbehalten.

Als erstes fällt mir Henry aus „Die Frau des Zeitreisenden“ von Audrey Niffenegger ein – gerade, weil er nicht perfekt ist. Er stiehlt und betrügt, er trinkt und prügelt sich, ohne einer von diesen verwegenen „Bad Boys“ zu sein, von denen im Moment soviel geschwärmt wird. Henry hat Probleme, und das Zeitreisen ist nur eins davon. (Andere schließen den Tod seiner Mutter und das Wissen um die eigene Zukunft mit ein.) Er hat ein schwieriges Leben und bemüht sich, das Beste draus zu machen, vor allem für seine Frau und seine Tochter. Dass das nicht immer so klappt, wie man sich das wünscht, könnt ihr euch ja vorstellen.

Auch Ryan aus „Verdisgris Deep“ von Frances Hardinge ist ein Held, der einem schnell ans Herz wächst. Seine Familie ist kompliziert, und seine Eltern streiten viel. Und als sei das alles nicht genug, gibt es plötzlich Ärger mit einer Quellhexe. All das und die Komplikationen, die sich daraus ergeben, stellen seine wichtigsten Freundschaften auf die Probe. Ziemlich viel auf einmal für einen Teenager, doch Ryan gibt nicht auf.

Und zu guter Letzt … puh, jetzt wird es schon eng. Womöglich noch Rudolf Gombrowski aus „Unterleuten“ von Juli Zeh. Er bemüht sich sehr, das Dorf und die Dorfgemeinschaft zusammenzuhalten, scheitert dabei jedoch an der Geschichte genau dieses Dorfes mit all ihren Querelen, kombiniert mit den unvorhergesehenen Problemen, die die „Neuen“ im Dorf mit sich bringen. Sein Ende scheint aus seiner Sicht unvermeidlich, ist allerdings eigentlich nicht nötig.

Die Heldinnen meines Herzens präsentiere ich euch dann bei anderer Gelegenheit. Verratet mir erst einmal – welche Buchcharaktere haben euch richtig nachhaltig beeindruckt und berührt?

Wieviel „ich“ ist in meinen Texten?

Puh, schwierige Frage … meine Charaktere sind eigenständige Figuren und oft nicht einer Meinung mit mir. Andererseits teilen wir schon viele der gleichen Werte und Ideen über das Leben. Ich bin nicht notwendigerweise mit meinen Charakteren befreundet, aber ich möchte keine Zeit mit Leuten verbringen, die ich im echten Leben aktiv verabscheuen müsste.

Viele meiner Figuren sind Frauen – weil ich diese Perspektive besser verstehe und weil ich, ehrlich gesagt, denke, dass es schwierig ist, beim Schreiben das Geschlecht überzeugend zu wechseln. Viele Autor*innen, die ich bewundere, schaffen das sehr gut, aber immer wieder sehe ich auch Beispiele, bei denen Charaktere zu Klischees oder Karikaturen verkommen.

Nachdem ich das gesagt habe, fällt mir natürlich ein, dass in meinem unfertigen Manuskript der Protagonist ein Mann ist – vielleicht geht es deswegen so schleppend voran? Nah, eher nicht. Ich prokrastiniere einfach zu gerne. Ob Harald überzeugend ist, müsst ihr dann später für mich entscheiden.

Auf den Mund gefallen war bislang auch noch keiner meiner Charaktere, das haben sie definitiv von mir.

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Ich – einfach unverbesserlich? Wohl eher nicht … ^^