Prolog – ja oder nein?

Prologe gehören zu den größten Dummheiten, die man als Autor*In begehen kann.

Heißt es wenigstens.

Man soll die Geschichte am Anfang beginnen, mit Spannung oder einem Trompetenschlag. Der Leser soll direkt in die Geschichte hineingesogen werden, ohne Chance, sich aus dem Gewirr je wieder zu befreien.

Und ein Prolog macht genau das eben nicht. Der ist ja vor der eigentlichen Geschichte angesiedelt und oft aus einer komplett anderen Perspektive erzählt als die eigentliche Geschichte.

Also sollte man sich beim Schreiben gut überlegen, ob man den Prolog wirklich braucht. Oder kann man die enthaltenen Informationen nicht besser in Rückblenden oder häppchenweise unterbringen?

Jetzt kennt ihr mich natürlich schon eine Weile. Habt vielleicht sogar mal etwas von mir gelesen. Dann könntet ihr wissen, dass jeder einzelne verf***te Band von „Magie hinter den sieben Bergen“ mit einem Prolog anfängt.

Was hat sie sich dabei nur gedacht?

Erst einmal, ehrlich gesagt, nicht so viel. Bei „Allerseelekinder“ fühlte sich das für die Geschichte richtig an, und als mir einige Wochen nach Veröffentlichung aufging, dass da mehr drin steckt, war es nur logisch, diesen Aufbau beizubehalten.

Immerhin habe ich versucht, in den Prologen so viele ungelöste Fragen aufzuwerfen, dass Leser direkt wissen wollen, wie Helena jetzt in diesen Schlamassel passt. Ob das jetzt so gut gelungen ist, kann ich als „Mami“ der Geschichten nicht beantworten – ich finde sie alle wunderschön, auch wenn sie ihre Macken und Schwächen haben.

Bei anderen Geschichten war ein Prolog nicht nötig, und ich habe mich nicht so recht verbrezelt, auf Gedeih und Verderb einen zu schaffen, wo keiner nötig war.

Meine überaus eindeutige Antwort auf den Titel des Beitrages wäre also ein herzliches JEIN. Und ihr? Habt ihr vielleicht sogar einen Lieblingsprolog? Oder einen, der besonders überflüssig war?

Schreiben lernen durch Lesen

Was für Grundschüler nicht so arg erfolgversprechend ist – auch wenn kluge Köpfe gelegentlich stur etwas anderes behaupten – ist für Autorinnen unerlässlich: Schreiben lernen durch Lesen.

Zum einen schreiben wir nämlich überwiegend, weil wir Geschichten lieben.

Zum anderen lesen Autorinnen anders als reine Leserinnen. Wir können sehen (oder wenigstens ahnen), was hinter den Kulissen vorgeht. Mit dieser Spiegelszene soll das Aussehen des Protagonisten gezeigt werden, der die Geschichte selbst erzählt. Der rote Mantel, der dreimal in einer Szene erwähnt wird, spielt später bestimmt noch eine wichtige Rolle. Und diese verschwurbelte Satzkonstruktion soll bestimmt verschleiern, wer der tatsächliche Bösewicht ist.

Wir sehen leicht, wo andere Autorinnen gestolpert sind, doch wir können auch genießen, wo eine einen Meistergriff getan hat – eine schöne Formulierung, eine knackige Wendung, ein komplett neuer Blickwinkel auf eine alltägliche Handlung. Schönes Weltenschaffen ist eine Kunst, die man nicht hoch genug schätzen kann. Knackige Namen für Charaktere, mit denen man direkt einen Blick auf ihre Herkunft, die Epoche und den Kulturkreis, in dem die Geschichte spielt, werfen kann, zergehen auf der Zunge. Und eine Beschreibung, die komplett ohne Adjektive auskommt, aber dennoch ein lebendiges Bild hervorruft, nistet sich schnell im Gedächtnis ein.

In den schönsten Momenten denken wir: So etwas möchte ich auch können. Ich muss wissen, wie sie das geschafft hat. Wenn ich groß bin, will ich schreiben wie die da.

Einige Autorinnen, die ich kenne, lesen selbst nicht – sie haben Angst, das Gelesene könne ihren Stil verfälschen.

Diese Angst teile ich nicht. Mein Stil ist nicht so zerbrechlich, dass er unter der Last schöner (oder auch mal schrecklicher) Eindrücke zerbröselt. Und er ist vor allem nicht so perfekt und gefestigt, dass man ihn nicht mehr gießen, düngen und befruchten könnte.

Außerdem macht mir das Lesen Spaß. Und ich hoffe, dass ich anderen Leuten mit meinen Geschichten ein vergleichbares Vergnügen bereiten kann, wie ich es manchmal abends auf dem Sofa erlebe, wenn ich durch die letzten Seiten eines Buches fliege und gleichzeitig hoffe, die Geschichte möge noch nicht enden.

Klappentexte – die Nemesis des Autors

Und der Autorin.

Ein Klappentext soll nämlich alles können: Neugierde wecken, ohne den Leser zu frustrieren. Informieren, ohne zuviel zu verraten. Knackig sein und gleichzeitig den Stil des Buches vorwegnehmen. Und er darf nicht zu lang sein, sonst liest nämlich niemand bis zum Ende – aber zu wenig schreiben soll man bitte auch nicht!

Der Klappentext ist quasi die eierlegende Wollmilchsau unter den Texten.

Ich tue mich mit Klappentexten immer ein wenig schwer … vor allem, weil sämtliche Informationen zum Buch, das es zu bewerben gilt, in meinem Kopf natürlich präsent sind. Beim Schreiben kann ich also nur schwer einschätzen, was für einen Leser relevant ist und was nicht – oder ob er überhaupt versteht, worum es gehen könnte.

Zum Glück kennen alle Autoren dieses Leid, und wer andere Autoren kennt, kann sich oft Feedback holen. Da wird gemeinsam gefeilt und gelitten, debattiert und um jede Formulierung gefeilscht, bis alle verzweifeln und der Klappentext endlich das tut, was man sich von ihm erhofft: Die Leser ins Buch locken wie der gebogene Hexenfinger, der den verlorenen Kindern bedeutet, es sei ja viel wärmer und komplett harmlos im Lebkuchenhaus, also kommt nur herein …