Stille Kunst

Samstag Abend hatten der Mann und ich ein Date, bei dem wir uns endlich mal wieder beide so richtig jung fühlen konnten: In der Bundeskunsthalle wurde „Metropolis“ gezeigt. Zwar nur mit Musik vom Band, aber dafür in ungefähr fast vollständiger Länge. Was ich nämlich vorher auch nicht wusste: Kurz nach der Erstaufführung wurde der Film vehement gekürzt und überarbeitet, und etwa ein Viertel des Materials (wenn ich mich korrekt an die einleitende Ansprache erinnere) galt lange als verschollen. Erst vor wenigen Jahren tauchte in Buenos Aires das fehlende Material (größtenteils) wieder auf, allerdings in schlechterem Zustand. Fachleute hatten dieses Material liebevoll wieder eingefügt und das, was noch fehlte, durch erklärende Texte ergänzt.

Also hatten wir gut 140 Minuten Film – ohne ein einziges gesprochenes Wort. Und ich muss sagen, ich bin beeindruckt, wie gut verständlich die Figuren auch sprachlos waren. Gut, für heutige Verhältnisse waren manche Szenen vielleicht ein bisschen überspielt, aber wir haben uns definitiv nicht gelangweilt. Und wenn man dazu noch bedenkt, mit was für bescheidenen Mitteln die Special Effects erreicht werden mussten, ist „Metropolis“ ein Film, den man duchaus auch heute noch gucken kann und soll.

Übrigens wusste ich vorher gar nicht, dass die Vorlage für „Metropolis“ von einer Autorin stammt, nämlich von Thea von Harbou, welche als eine der bedeutendsten Frauen des frühen deutschen Films gilt. Auch im Bereich der Belletristik war sie überaus produktiv – umso merkwürdiger, dass man den Namen heutzutage so selten hört. Ich werde auf jeden Fall recherchieren.

Es spoilert (ein bisschen): Captain Marvel

Disclaimer: Der folgende Text enthält minimalstwinzige Spuren von Sarkasmus und Erdnüssen.

Spoiler Warnung im Titel für den Fall, dass ihr euch „Captain Marvel“ noch ungespoilert anschauen wollt. Falls nicht – oder falls ihr noch zögert – habe ich direkt eine große Warnung für euch.

GUCKT IHN NICHT!

DER FILM ENTHÄLT LAUTER MÄNNERHASSERPROPAGANDA!!!

Ich als schwache Frau mit reduzierter intellektueller Kapazität wäre da ja gar nicht drauf gekommen. Gut, ich war auch ein wenig übermüdet, als wir am Freitag im Kino waren. Vielleicht ist es mir deswegen nicht direkt aufgefallen. Andererseits, mit so einem glasklaren Männerverstand kann ich einfach nicht mithalten. Ist mir ja auch klar. (Leises Weinen.)

Zum Glück gibt es Specialist-Nerd-Seiten, die solche Dinge im Detail erklären – und ich verlinke sie hier auch mal direkt, damit ihr euch alles im Original antun (und ggf. darunter kommentieren, falls denn gewünscht) könnt. Profitiert von der Weisheit von Cosmic Book News!

Falls ihr euch das nicht antun wollt, eine kurze Zusammenfassung. Natürlich nur unter Vorbehalt, ist schließlich von mir.

  1. Der Film ist voller „anti-male imagery“ und „feminist male-bashing elements“ (was auch immer das sein mag).
  2. Angeblich ist Carols Dad in den Rückblenden gemein zu ihr. Meine Theorie war ja, dass sie beim Kartfahren einen Unfall baut und er sagt: Tu das nicht. Blöde Idee. (hatte er ja auch Recht, sie hat einen Unfall gebaut). Und im Ernst, dieses „Ich hab’s dir doch gesagt“ in verschiedenen Variationen ist das Lieblingslied aller Eltern, die ich kenne. Nicht nur von Vätern. Und wahrscheinlich auch nicht nur Töchtern gegenüber.
  3. Carols Baseballteam ist gemein. (Ist mir komplett entgangen, ich hielt das für eine normale Sport-/Wettbewerbssituation. Bin offenbar nicht ausreichend sensibilisiert.)
  4. Der Typ auf dem Motorrad flirtet mit und beleidigt Carol. Eine Situation, wie sie im echten Leben NIEMALSNIENICHT vorkommen würde. (Räusper.)
  5. Und was ist falsch daran, eine erwachsene, ausgebildete Pilotin als „junge Dame“ zu bezeichnen? WAS NUR???
  6. Maria lässt ihre Tochter allein, um die Welt zu retten. Also, um genau zu sein, lässt sie sie nicht allein, sondern bringt sie vorher zu den Großeltern. Wie kann sie nur? Warum macht sie es nicht wie Hawkeye, der aus Rücksicht auf seine Familie von allen gefährlichen Kampfhandlungen Abstand nimmt? Ähm, Moment …
  7. Die Kree scannen Nick Fury und stufen ihn als „wertlos“ ein. Tja, die Kree – die intergalaktische Speerspitze des Feminismus. (Einmal ganz zu schweigen davon, dass Nick Fury den Kree im Nahkampf wirklich nichts entgegenzusetzen hätte.)
  8. Mar-Vell ist, im Gegensatz zu den Original-Comics, ein weiblicher Charakter – angeblich, weil es undenkbar sei, dass Captain Marvel ihre Fähigkeiten von einem Mann kriegt. Wenn ich das richtig verstanden habe – ihr müsst bedenken, ich war müde und intellektuell durch meine Weiblichkeit eingeschränkt – hat sie ihre Fähigkeiten dadurch bekommen, dass dieses Energie-Antriebs-Dingsie explodiert ist. Welches Geschlecht das hat, darauf habe ich nicht geachtet, ganz im Ernst. (Dass die Künstliche Intelligenz der Kree die Form der weiblichen Mar-Vell annimmt, anstatt als Mann aufzutreten, ist in diesem Fuílm nur logisch, wenn man als Prämisse annimmt, dass die KI/AI sich als ein Vorbild resp. eine Autoritätsperson präsentiert.)
  9. Es gab „Girl Songs“, beispielsweise von der Band No Doubt. Die kennt heute eh kaum noch wer, oder? Aber in den 90ern waren die DER SHIT. Habe ich gehört.
  10. Und jetzt, das ALLERALLERSCHLIMMSTE, mit mehrfacher Hervorhebung, um das komplette Drama ausreichend zu würdigen: NICK FURY SPÜLT DIE TELLER!!! Ich kann mein Entsetzen darüber, diesen Helden derart entmannt zu sehen, gar nicht in Worte fassen.

Außerdem hat Brie Larson sich sowieso den Hass des männlichen (und damit einzig relevanten) Publikums zugezogen, weil sie sich nicht auszieht und in einem Interview gesagt hat, sie wünsche sich mehr Diversität bei Filmkritikern. Wie kann sie nur??!

Meine eigene Meinung zum Film ist natürlich längst nicht so relevant wie diese glasklare Analyse der fiesen Männerhasser-Feministinnen-Agenda von Disney: Ich fand den Film unterhaltsam, er ist nicht mein Lieblings-Avenger-Film, und die Figur Captain Marvel ist für mich eher uninteressant, weil sie keine sichtbaren Schwächen (i.e. kein „Kryptonit“) hat. Im Ernst, wenn es so eine starke Figur im Marvel-Universum gibt, hätten die anderen Avengers-Filme eigentlich aus 5 Minuten Aufräumen und anschließendem gemeinsamem Besuch im Chinarestaurant bestehen müssen. Beide Twists (die guten Skrull und dieses Patch bei ihr im Nacken) waren für mich zu offensichtlich, aber ich mochte die Diversität im Film – gute und böse Männer und Frauen, komplexe Charaktere.

Aber wenn der arme Nick Fury Teller spülen muss, kann an dem Film nichts Gutes dran sein. Schaut ihn also lieber nicht.

Die bunten Siebziger. Eine verfressene Odyssee.

Gestern nach der Arbeit ging es für Andrea und mich ins Kino. Also, erst ging es in die Fußgängerzone, um Sonne zu genießen und Cupcakes zu essen.

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Stilecht aus dem Wonnetörtchen, von Andrea liebevoll in der Hand transportiert. Hinten Straciatella, vorne Mango-Zitrone. Yum!

Danach sind wir ein wenig durch die Innenstadt geschlendert, um die Sonne zu genießen. Eigentlich wollten wir einen bestimmtne Dönerladen ausprobieren, aber nach der Cupcake-Fülle … lieber bummeln gehen. Und irgendwie sind wir dann in unserem früheren Stammlokal gelandet. Um fünf Uhr nachmittags.

Dort konnten wir uns auch nicht lange aufhalten, denn EIGENTLICH waren wir fürs Kino verabredet. Mit Filmbeginn um 18:30. Kultur für das Best-Ager-Publikum, sozusagen. Wir wollten „Der Junge muss an die frische Luft“ gucken.

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Ausgewogenes Abendessen – ein Snack in jeder Hand

Was kann ich sagen? Vorher wusste ich nichts über den Film – nur, dass Andrea ihn gucken wollte. Und Andrea wusste nichts über den Film – nur, dass sie den Hauptdarsteller so knuffig fand.

Keine von uns wurde enttäuscht. Der Film ist leicht und lustig und ernst, mit den typischen Farben, die wir Jungspunde noch von vergilbten Familienfotos erkennen, und Liedern, wie wir sie früher noch auf Schallplatte hatten. Unbedingt anschauen, wenn ihr ihn noch findet!

Irgendwie habe ich jetzt das Bedürfnis, winzige Mettigel zu machen. ^^