Neustart – können sich Figuren komplett neu erfinden und wenn ja, warum tragen Komissare dann immer alles Leid mit sich herum?

Ehe ich eine Geschichte anfange, plotte ich immer mehr oder weniger ausgiebig. Das hilft mir, den Überblick zu behalten und tolle Ideen für die Geschichte nicht zu vergessen. Beispielsweise hatte ich in meiner aktuellen Plot-Excel-Tabelle erst ein eigenes Sammelbecken für tolle Szenen, die ich irgendwie unterbringen möchte, die dann in den Plot sortiert wurden.

Außerdem kann ich mir Notizen an Szenen machen. In einer Szene wird etwas über die Gesellschaft der entsprechenden Welt erklärt, und daneben im Notizfeld steht: BITTE KEINE KLISCHEES!!!

Denn wir wissen ja alle, wie solche pseudospätmittelalterlichen, diffuse mediterranen Gesellschaften funktionieren. Oder? Könnte ja sein, dass aufgrund der historischen Entwicklung vor Ort ein Tabu besteht, Fisch zu essen. Oder dass Häuser alle blau gestrichen werden. Oder … (es ist vor dem ersten Kaffee, verzeiht mir den Mangel an Einfallsreichtum).

Auf jeden Fall muss ich mir diese Gesellschaft noch angucken, aber ich weiß wenigstens, was ich vermeiden will, und dank dieser Notiz werde ich mich bezeiten hoffentlich daran erinnern.

Andere beliebte Klischees in Büchern:

DER KOMMISSAR: Er ist geschieden, Alkoholiker und/oder Raucher, hat ein (fast) erwachsenes Kind und/oder eine Ex-Frau, mit denen er sich nicht gut versteht. Außerdem gibt es eine unschöne Erinnerung, weswegen er den Fall, um den es geht, nicht übernehmen will – zu persönlich. Natürlich ist er so genial, dass er von den Oberen quasi gezwungen wird.

DAS HÄSSLICHE ENTLEIN: Hat nie im Leben eine einzige „make-over“-Sendung gesehen oder ein Girlie-Magazin in Händen gehalten und weiß deswegen nicht, welchen Effekt eine komplizierte Frisur und sieben Lagen Make-Up auf den eigenen Wert auf der Konventionellen Attraktivitäts-Skala haben. Pluspunkte, wenn sie sich bisher noch keine Körperteile rasiert hat. Da ihr Charakter völlig egal ist, verlieben sich alle in sie, sobald sie ein Sommerkleid trägt.

DIE TRAUMATISIERTE: Außen tough, innen sensibel und verstört. Muss meistens gerettet werden, das geht am besten durch die Genitalien eines gutaussehenden Mannes, den sie erst nicht leiden kann.

DER MILLIARDÄR: Früher war er nur Millionär, aber das ist aus der Mode geraten. Von allen missverstanden, hält sich vielleicht sogar selbst für einen schlechten Menschen. Auch zutiefst sensibel, wird von den Genitalien einer Frau gerettet, die er eigentlich nur wie ein Objekt behandeln wollte. Tja, einmal nicht aufgepasst, schwupps verliebt. (Die Rettende ist oft eine Mischung aus Ente und Traumatisierter.)

DER*DIE REBELL*IN: Jung. Gegen alles. Total unverstanden. Hält „Fight Club“ für ernstzunehmende Kunst. Alle Erwachsenen sind gegen einen. Stimmungsschwünge. Je älter der*die Lesende wird, desto stärker wird das Bedürfnis, ihn*sie zu würgen.

Zugegeben, wenn man die alle in einen Film oder ein Buch stecken würde, könnte das lustig werden. Vielleicht mache ich das irgendwann.

 

Kleider machen Leute, oder: Seid froh, dass ich angezogen bin

Die Tage spielte der Mann eines dieser typischen Jump/Run/Fight-Spiele auf der Konsole, und wie so oft saß ich daneben und wusste alles besser.

Es ging unter anderem darum, mit Hilfe von Robotern gegen andere Roboter zu kämpfen. Und die helfenden Roboter hatten als weiblich zu lesende Körper – inklusive hoher Absätze.

Wenn ich mir überlege, wie groß im Moment noch die Schwierigkeiten sind, auch nur vierbeinige Roboter im Gelände nicht umkippen zu lassen, halte ich das ja schon für etwas weit hergeholt.

Und überhaupt, welchen Sinn hat es, Kampfrobotern sexy Körper und Absätze zu geben? Wenn ich als Roboter ein Mitspracherecht hätte, dann hätte ich stattdessen doch lieber drei zusätzliche Maschinengewehre.

Wahrscheinlich wollten die Designer nur ein wenig spielen und die verschiedenen Roboter leichter voneinander unterscheidbar machen. Aber einen Augenblick mitdenken hätte nicht geschadet. Wer baut Roboter so, dass sie extra unsicher stehen? (Ja, ich halte mich an den Absätzen stärker auf als an der schmalen Taille und den Robobrüsten – in denen sind vielleicht Geschosse versteckt.)

Solche unlogischen Entscheidungen begegnen einem oft in Filmen und Büchern. Da tragen Amazonen keinerlei Rüstung, Waldläuferinnen lange Kleider (mit denen man sich garantiert nicht im Gebüsch verfängt – für euch getestet [/sarkasmus]) und Piraten unter der sengenden Sonne gehen gerne ohne Hemd. Ich verstehe durchaus den optischen Appeal solcher Entscheidung, aber als Erschaffer solcher Welten sollte man immer im Hinterkopf behalten – eure Figuren leben in diesen Welten! Die haben es unbequem, wenn ihr Mist baut. Oder schlimmer noch, sie fallen über ihre Absätze, bleiben mit dem Ballkleidsaum hängen und erwürgen sich, wenn sie von der Klippe fallen!

Vor kurzem haben wir mit einigen Autorinnen überlegt, dass wir mal ein eigenes Shooting für Coverfotos machen müssten, denn – genau solche dusseligen Klamottenentscheidungen findet man auch oft auf Stock Photos, wie viele Leute sie eben für ihre Cover verwenden (ist eine Preis- und Aufwandsfrage). Man findet eben keine vollständig und praktisch bekleidete Kriegerin mit Schwert. Stattdessen laufen zierliche Damen im Abendkleid, die noch nie eine einzige Schwiele an ihren weißen Fingern hatten, barfuß um Mitternacht ins Unterholz. Geiler Plan.

In Serien sehe ich das auch oft – vor allem Polizistinnen in US-Serien, die auf Absätzen Verdächtige verfolgen. (Ja, die Sache mit den Absätzen stört mich echt. Die sind unbequem. Und schlecht für die Füße. Ist mir völlig egal, wie hübsch die sind.) Wenn du weißt, dass du den ganzen Tag zu Fuß unterwegs bist, ziehst du DIE Schuhe an? Natürlich, die passen schließlich zum Spitzentop, unter dem man wirklich keinen sinnstiftenden BH anziehen kann.

Gut, mir ist ja meistens schon das Basis-Make-Up für einen gewöhnlichen Arbeitstag zuviel. Die Kolleg*innen können wirklich mehr als glücklich sein, dass ich angezogen komme. Und zur nächsten Feier, bei der auf der Einladung „festliche Abendgarderobe“ steht, ziehe ich mir einen Pyjama an und wälze mich in Glitzer. Aber sogar die Freundinnen, die viel auf ihr Aussehen geben, gehen nicht in hohen Schuhen spazieren oder radfahren. Die sind nämlich alle schlau.

(Bei Männern gibt es bestimmt ähnliche Mode-Dummheiten, die ich nur nicht kenne, weil ich so selten Männerkram trage. Helft mir aus!)