Exotisch und doch vertraut

Angeblich gibt es, ausreichend abstrahiert, nur eine begrenzte Zahl an Geschichten, die von der Menschheit erzählt werden. Deswegen ist es umso interessanter, sich ab und zu anzuschauen, wie andere Kulturkreise diese Geschichten erzählen. Beispielsweise Geistergeschichten – die Art, wie verschiedene Kulturen Geister generell betrachten, beeinflusst, wie gruselig/mächtig/hilfreich/… Geister sind. Oder die berüchtigte (SEUFZ) Liebesgeschichte – was sind die kulturellen Hürden, die es zu überwinden gilt? Was sind die Erwartungen der jeweiligen Kultur an eine gute oder womöglich gar ideale Beziehung?

Und je fremder die Kultur einem ist, in der man sich lesend bewegt, desto wichtiger ist die Arbeit der übersetzenden Person. Strebt sie einen verfremdenden Effekt an oder versucht sie, die Geschichte in der Zielsprache möglichst natürlich wirken zu lassen? Werden Details gut erklärt oder angepasst? Haben Symbole (Farben, Tiere, … ) die gleiche Bedeutung wie in der eigenen Kultur?

Oft merkt man gar nicht, was man eigentlich für Erwartungen an die Welt hat, bis man sie aus einem anderen (Kultur-)Blickwinkel betrachtet. Und das geht beim Lesen besonders gut, da man sich in die Position einer erzählenden Figur begibt. Man er-lebt die entsprechende Kultur quasi, wenn auch nur für einige hundert Seiten.

Kultur ist nicht nur im Joghurt nützlich

Nein, ab und zu kann man sich auch etwas Kultur für den Geist gönnen. Aus diesem Grund – und weil Andrea die Echte (im Gegensatz zu Andrea der Lüsternen) einmal mehr ihr exhibitionistisches Talent ausleben wollte – waren der Mann und ich am Freitag im Theater. Es gab Gefährliche Liebschaften … angeblich ein Klassiker, den ich nichtsdestotrotz (noch?) nicht gelesen habe. Man kann ja auch nicht alles kennen. Fotos und eine Besprechung des Stücks findet ihr im Link. Ich stimme nicht allem zu, so bin ich dem Charme des Vicomte nicht direkt erlegen, aber die Aufführung war auf jeden Fall sehenswert.

Natürlich gab es nach dem Stück noch Blumen für Andrea, alles andere wäre nicht standesgemäß gewesen. Und eigentlich sollten Ruhm und Ehre nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Später im Jahr gibt es übrigens noch ein zweites Theaterstück, dem ich passiv zuschauend beiwohne, während Andrea vorne die Rampensau gibt. Natürlich werde ich wieder berichten.

Ich mag meine künstlerisch wertvollen Freunde. ^^