Starke Charakterteams

Beim Lesen fällt mir immer wieder auf, wie sehr ich es mag, wirklich gut geschriebenen Teams zu begegnen. Man bekommt unterschiedliche Ein- und Ansichten präsentiert, kann Dinge aus unterschiedlichen Blickwinkeln erleben und an mehrere Orten gleichzeitig sein.

Und das bezieht sich nicht nur auf romantische Paare, obwohl die, soweit ich das sehe, das häufigste Team in Büchern sind. Ich bin da mit Helena und Falk ja auch nicht ganz unbeleckt, zugegeben. Aber genau so sehr mag ich es, wenn Leute gute Kolleg*innenteams oder Freundschaften schreiben – ach, sogar reine temporäre Zweckgemeinschaften können ein echtes Lesevergnügen sein.

Natürlich gibt es eine Teamgröße, aber der es unübersichtlich wird – so ab sechs, sieben Leuten? Und zwei allein ist natürlich gut zu schreiben und zu steuern, aber manchmal etwas eintönig, wenn man immer dieselbe Dynamik präsentiert bekommt.

Vor kurzem habe ich „Nettle and Bone“ von T. Kingfisher gelesen und war sehr geflasht, wie gut das kleine Team, das sich im Lauf der Geschichte zusammensetzt, miteinander funktioniert. Ich hatte einen guten Eindruck davon, dass es lauter verschiedene Figuren sind, die unterschiedliche Lebenserfahrungen gemacht haben, auf unterschiedliche Weise sprechen und handeln und auf die gleiche Situation stark unterschiedliche reagieren – je nach ihren Erfahrungen und Persönlichkeiten.

Und wisst ihr, wie schwierig das zu schreiben ist? Im Moment schlage ich mich mit einem vergleichsweise großen Cast wirklich eigensinniger (Neben-)Charaktere herum, und ich bin noch nicht sicher, wer gewinnt. Es fühlt sich an, als dürfe man einen Abend lang mit einer gut aufeinander eingespielten Truppe um die Häuser ziehen.

Welches sind deine liebsten Charakterteams?

Was ich immer schon einmal lesen wollte (sollte?)…

Bestimmt hast du auch mal eine dieser Listen gesehen: 100 oder so Bücher, die man gelesen haben sollte. Und dann stehen da ein paar Klassiker drauf, ein paar modernere Bestseller und irgendwas, worüber jeder, der sich für eine*n Intellektuelle*n hält, gelegentlich redet – meist in einem sehr verdrehten Kontext (schielt auf „Schöne neue Welt“ und „1984“). Die Auswahl wirkt zufällig, stark beschränkt auf die westliche Welt (Ausnahmen: Isabel Allende und Gabriel Garcia Marquez) und irgendwie freudlos.

Vor unscharfem Hintergrund sieht man einen Stapel verschieden großer Hardcover, von denen nur das untere Ende zu sehen ist.
Foto von Claudia Wolff, gefunden auf Unsplash.

Wenn du eine Leseratte bist, gehst du diese Listen doch immer wieder durch und guckst, was du von den Sachen schon gelesen hast. Bist du ambitioniert, nimmst du dir außerdem vor, deinen „Punktestand“ zu erhöhen und dir das eine oder andere Buch von der Liste doch noch zu Gemüte zu führen – kann nicht sein, dass nur ich das mache.

Und wenn du diesen Kreislauf einige Male durchlaufen hast, fragst du dich irgendwann: WARUM sollte ich all diese Bücher gelesen haben?

Gut, bei einigen ist es klar – sie gehören sozusagen zum Allgemeinwissen und werden so oft referenziert, dass die Lektüre sich lohnt, allein schon, um eine Blamage zu vermeiden („Animal Farm“!).

Andere sind nicht grundlos Klassiker, sie bringen sprachliche und/oder gesellschaftliche und/oder historische Feinheiten mit, die man auch heute noch durchaus genießen kann.

Darüber hinaus fällt mir aber gerade, außer dem Angeber-Kommentar in den sozialen Medien („Hab ich natürlich alle gelesen, wer denn nicht? Alles Banausen hier!“), tatsächlich kein einziger guter Grund ein.

Beispiel: Diese Woche habe ich „What moves the Dead“ von T. Kingfisher gelesen (sehr empfehlenswert, steht wahrscheinlich auf keiner dieser Listen). Im Nachwort erwähnt die Autorin, dass – was gebildeteren Leuten eventuell direkt klar geworden wäre – sie sich auf eine Geschichte von Edgar Allen Poe bezieht, die „jeder“, der eine englische Schule besucht hat, bestimmt gelesen habe. Ich war auf keiner englischen Schule und habe die Geschichte nicht gelesen. Dachte kurz, das könne ich aber doch nachholen. Dann erinnerte ich mich daran, wie sehr der aus heutiger Sicht schwurbelige Stil von Poe mich in der Vergangenheit genervt hat, und habe es bleiben lassen. Möglicherweise entgehen mir dadurch Feinheiten in „What moves the Dead“, aber ich werde damit leben können.

Lesen sollte einem immer etwas geben. Idealerweise macht es Spaß, man lernt etwas dazu, erlebt neue Abenteuer, nimmt andere Perspektiven ein, erfährt etwas über sich selbst und/oder die Welt. Etwas zu lesen, nur damit man es gelesen hat, erscheint mir wenig vernünftig. Schließlich hat niemand von uns einen Zeitscheißer zuhause!

(Ja, ich habe auch schon überlegt, welche Bücher ich auf meine „Diese hundert Bücher solltest du gelesen haben!“-Liste packen würde. Konnte mich bis jetzt zügeln. Falls du Empfehlungen brauchst, kannst du in meine Liste gelesener Bücher schauen – wenn ich ein Buch auslese, ist es meistens schon nicht ganz furchtbar.) Und da stehen auch garantiert mehr als hundert Bücher drauf.

Aber zurück zum Thema: Welches Buch würdest du empfehlen, das ich unbedingt lesen sollte?

Geteiltes Leseleid ist halbes Leseleid? Mitnichten!

Wie ich schon das eine oder andere Mal erwähnt habe, halte ich mich unter meinem eigenen Namen mit Rezensionen meist zurück. Nicht, weil ich zu vornehm für so etwas wäre, sondern weil man sich als schreibende Person mit Rezensionen ganz schön in die Nesseln setzen kann:

Rezensierst du zu gut, bist du eine Gefälligkeits-Bitch, die die Bücher ihrer Freund*innen herumpimpt.

Rezensierst du zu schlecht, bist du ein Neidstinktier.

Rezensierst du irgendwo in der Mitte, hast du wahlweise keine Meinung oder keinen Geschmack.

Und überhaupt, deine Meinung ist ganz falsch!

So oder so ähnlich konnte man das gerade erst wieder auf Twitter beobachten, wo sich einige Leute darüber zerlegten, dass eine Autorin eine Rezension veröffentlichte und die Autorin des besprochenen Buches die Rezension nicht so geil fand. Ich war einmal nur am Rand dabei, holte mir etwas Popcorn und beobachtete mit Befremden, wie Leute, die eigentlich das gleiche wollen (Diskriminierung reduzieren und gute Bücher schreiben) einander an die Gurgel gingen – unterstützt von ihren Freund*innen und Follower*innen, die eifrig mitmischten und beliebig persönlich wurden, auch wenn der ursprüngliche Text es gar nicht hergab.

Jetzt verstehe ich ja beide Seiten.

Wenn ich die Möglichkeit hätte, narrensicher (ich kenn mich ja) ein geschlossenes Pseudonym zu pflegen, würde ich so manche Rezension schreiben, die mit Schimpfwortwarnungen gespickt wäre.

Schreibt hingegen jemand etwas Fieses über meine Bücher, bin ich erst einmal geknickt.

Das eigene Buch ist immer das Schönste und Beste, wie das eigene Kind – und wenn jemand dir sagt: „Dein Kind ist hässlich und stinkt“, ist das eine schwer zu schluckende Kröte.

Jetzt müssen wir Autor*innen allerdings manchmal Profis schauspielern. Dazu gehört, weder fremde Bücher noch Rezensent*innen oder andere Autor*innen unter der Gürtellinie anzugreifen und gleichzeitig Kritik an uns abperlen zu lassen. Eigene Meinungen sollten wir allerdings äußern dürfen, ohne dafür geteert und gefedert zu werden.

Als garstige alte Frau bin ich beispielsweise ein großer Fan vom „Jealous Haters‘ Book Club“, in dem aktuell beliebte Bücher mit problematischen Inhalten durch den Kakao gezogen werden. Würde eines meiner Bücher da auftauchen, wäre ich natürlich auch empört – und diese Empörung würde ich im Kreis guter Freund*innen zelebrieren, die verstehen, dass Autor*innen manchmal Leute mit der stumpfen Feder aufspießen wollen. OFFLINE. Schimpftiraden und Gewaltfantasien gegenüber rezensierenden Personen gehören nicht ins Internet.

Mir ist völlig klar, dass nicht jede Geschichte jeder Person gefallen kann. Wie langweilig wäre das denn? Und mir ist auch klar, dass Leute dazulernen – manche meiner älteren Geschichten würde ich heute auch wieder anders schreiben. Wenn es eine schlechte Rezension gibt, schaue ich: Ist sie konstruktiv? Kann ich etwas daraus lernen? Und dann mache ich weiter, so gut ich kann.

(Sollte man mit so einem Vorgehen Probleme haben, spricht auch nichts dagegen, einfach gar keine Rezensionen anzuschauen. Rezensionen sind nämlich gar nicht für schreibende Personen, sondern für andere lesende Personen.)

Wenn allerdings mal irgendwer auf irgendwen sauer ist oder der Meinung ist, etwas sei bei einer Rezension o.ä. schiefgelaufen und müsse angesprochen werden, hätte ich für die Zukunft mal eine Idee: Wieso setzen wir uns nicht alle gemeinsam hin, akzeptieren, dass ALLE fehlbar sind (Anwesende eingeschlossen) und besprechen solche Dinge dann konstruktiv und mit Respekt? Dieses Ding mit den Lagern und den Mobs und dem „Wenn du mit dem befreundet bist, darfst du nicht mehr mit der befreundet sein!“ finde ich nämlich viel zu anstrengend.

Mein Buchproblem

Etliche aufgeschlagene Taschenbücher auf einem wilden Haufen.
Foto von Gülfer ERGİN, gefunden auf Unsplash

Ich habe ein Buchproblem. Gut, gaaaaaaanz langsam wird es besser. Aber nach wie vor fällt es mir schwer, mich von Büchern zu trennen. Auch solchen, bei denen ich weiß, dass ich sie nicht (noch einmal) lesen will.

Du musst wissen, ich war schon immer eine Leseratte. Als ich vielleicht zehn war, kaufte meine Mutter mir irgendwann verzweifelt eine dicke Ausgabe von „Der Graf von Monte Christo“ – in der Hoffnung, dass ich damit einen Sommer lang beschäftigt sei. Ich liebe das Buch bis heute, besitze diese Ausgabe immer noch … und natürlich hat sie nicht für den ganzen Sommer gereicht. Ich war eines dieser Kinder, die tausend Seiten an einem Sommertag im Garten lesen können, anstatt mit anderen Kindern ins Freibad zu fahren.

Leider gab es kein ausreichendes Budget, um mit dieser Lesewut mitzuhalten. Und auch die kleine Stadtbibliothek, in die wir jeden Sonntag einfallen durften, war ihr nicht gewachsen. Anstatt nach Büchern zu suchen, die ich lesen wollte, suchte ich nach Büchern, die ich noch nicht gelesen hatte – oder alternativ nach solchen, die ich gemocht hatte und auch noch einmal lesen wollte. Die Mitarbeiterinnen (alles Damen aus der Gemeinde, die aushelfen wollten) hörten schnell auf, mich aus dem Erwachsenenbereich zu scheuchen, denn ich las die Bücher schneller, als sie sie anschaffen konnten.

Es war ein Festtag, wenn ich Geld übrig hatte, um in den Buchladen einzufallen. Und bei begrenztem Budget konnte ich stundenlang nach der besten Ausbeute fürs kleine Geld graben.

Inzwischen ist mein Buch-Budget nicht mehr so begrenzt. Ich bin nicht unendlich reich, aber ich kann mir rein theoretisch die meisten Bücher, die ich haben möchte, in dem Moment kaufen, in dem ich sie haben möchte. Nur hat mein Unterbewusstsein noch nicht so ganz mitbekommen, dass das inzwischen viel mehr Bücher sind, als ich Zeit zum Lesen habe. Und auch, dass es so viele Bücher auf der Welt gibt, wenn das Budget stimmt, dass ich sie niemals alle in einem Leben lesen kann.

Rein theoretisch könnte ich mir also leisten, wählerischer zu werden. Da ich das aber noch nicht so wirklich verinnerlicht habe, sind Buchhandlungen mein Endgegner. Ich kann innerhalb weniger Minuten gigantische Stapel für mich lesenswerter Bücher zusammentragen, ohne mich zu entscheiden, und kaufe Bücher, wie andere Leute Shots trinken (im Rausch und mit bösen Konsequenzen).

Die müssen natürlich dann auch nach Hause getragen werden. Und gelesen. Und in Bücherregale einsortiert. Und der Platz in Regalen ist begrenzt.

Also miste ich gaaaaaanz langsam meine Bücherregale aus. Wenn ich ein Buch anlese und es mir nicht gefällt, kommt es auf den Stapel. Ein Buch, das ich einmal gelesen habe und nicht wiederlesen werde, kommt auf den Stapel. Bücher, die ich in einem schwachen Moment irgendwoher mitgebracht habe, ohne sie wirklich je lesen zu wollen, kommen auf den Stapel.

Und gelegentlich trage ich diesen Stapel zum nächsten öffentlichen Bücherschrank – in der Hoffnung, dass sie dort in die Hände anderer Leseratten fallen, deren begrenztes Budget ihnen nicht erlaubt, unbegrenzt neue Bücher nach Hause zu tragen.

Rein theoretisch habe ich mir selbst schon vor einiger Zeit eine Buchkaufverbot auferlegt. Natürlich mit Ausnahmen: Wenn ein neues Buch von einem*r meiner Lieblingsautoren*innen rauskommt. Wenn ein Titel total spannend klingt. Wenn ich eine Aufmunterung brauche. Wenn ich die Chance habe, ein spannend klingendes Buch mit Autogramm zu bekommen. Oder auch einfach mal nur so.

Wie managst du deine Bücherflut?

Immer nur Pizza lesen?

Bestimmt hast du auch einen Lesegeschmack – eine bestimmte Sorte Bücher, die du einfach am liebsten liest. Normalerweise sortiert man da nach Genre: Thriller, Krimi, Horror, Liebesgeschichte, … ? Und dann kommen vielleicht noch bestimmte Zutaten hinzu, wie der Schauplatz (Skandinavien-Krimi) oder die Art handelnder Person (starke Frauen im historischen Setting).

Hat sich dein Lesegeschmack im Lauf der Jahre geändert?

In den vergangenen Tagen bin ich auf der Suche nach neuem Lesestoff meine Regale durchgegangen und habe festgestellt, dass eine ganze Reihe Bücher, die ich irgendwann mal unbedingt lesen wollte, mich kaltlässt. So bin ich ins Grübeln gekommen: Was lese ich im Moment denn gerne?

Ganz früher waren es historische Romane, davon konnte ich nicht genug kriegen.

Dann kamen die Thriller, ruhig möglichst düster.

Zwischendurch habe ich gerne lustige Dinge gelesen.

Bei Fantasy bin ich immer schon wählerisch gewesen. High Fantasy reizt mich in den seltensten Fällen, es darf nicht zu romantisch sein und Geschichten über Auserwählte langweilen mich. Glücklicherweise gibt es abseits von diesen Pfaden noch eine Menge spannender Geschichten, mit denen man sich aufhalten kann.

Ab und zu lese ich auch ein „richtiges“ Buch. Du weißt schon – so eins, das man guten Gewissens auf dem Kaffeetisch liegen lassen kann, wenn Besuch kommt. Möglicherweise mit „Spiegel Bestseller“-Aufkleber oder so.

Im Moment bin ich mir nicht ganz sicher, was ich als nächstes lesen will. Mehrere Krimis, die ich in die Hand genommen habe, habe ich nach wenigen Seiten wieder weggelegt. Das Buch über die Langstreckenwanderfrau war spannend, aber bestimmt nicht die Einstiegsdroge für (Auto-)Biographien oder so. Und weil die Welt gerade eh schon düster genug ist, würde ich eher etwas Buntes, Fröhliches lesen. Ach, da findet sich in meinem Regal bestimmt auch etwas. Was Bücher angeht, bin ich wie so ein überzuckertes Eichhörnchen ohne Sinn und Verstand.

Aber was liest du im Moment? Empfehlungen? „Abratungen“? Was war dein Lese-Highlight der letzten drei Monate?

Lesefortschritte

Seit Anfang 2017 führe ich Liste über die Bücher, die ich gelesen habe – ohne Bewertung, nur Enddatum, Titel, Autor*in.

Diese Liste hat eigentlich keinen tieferen Sinn. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr draufgucken und versuchen, herauszufinden, was für einen Buchgeschmack ich habe. Allerdings sagt die Liste nichts darüber aus, ob ich die Bücher mochte oder nicht – nur, dass ich sie beendet habe. Abgebrochene Bücher stehen zum Beispiel nicht darauf.

Allerdings habe ich aus dieser Liste gelernt, dass ich im Jahr etwa 40 Bücher lese. Für letztes Jahr stehen weniger drauf, allerdings hat da die Umstellung des WordPress-Editors einige Titel gefressen. Wir kommen also wieder ungefähr beim gleichen Wert an.

Warum ist das spannend?

Ich lese nicht besonders schnell, da sind wir uns einig.

In meinem produktivsten Jahr (2018) habe ich drei Romane geschrieben, überarbeitet und veröffentlicht.

Jemand, der ungefähr so schnell liest wie ich, hätte also noch Platz auf seiner Leseliste für ungefähr 37 weitere Bücher.

Viele Autor*innen schreiben weniger als drei Bücher im Jahr. Wir haben andere Dinge zu tun (Büro, Haushalt, Bingewatching), wir überarbeiten, wir schreiben Kurzgeschichten, wir werfen auch mal Zeug weg oder drücken uns vor dem Überarbeiten.

Daraus folgt – und ich glaube, ich habe das schon öfter gesagt – dass andere Autor*innen nicht wirklich Konkurrenz für uns sind. Außer bei Preisverleihungen, und die sind eher selten. Jemand, der nur meine Bücher läse, hätte seit 2018 nichts Neues zu tun bekommen. Das wäre sehr schade. deswegen hoffe ich hart, dass Leute, die meine Bücher lesen, auch die Bücher vieler anderer toller Autor*innen finden und lesen (und mich darüber nicht vergessen, aber das ist wohl Glückssache).

Von Büchern, die wir schon immer lesen wollten/sollten und irgendwie doch noch nicht gelesen haben

Jeder kennt sie. Bücher, die man „gelesen haben muss“. Die zum Bildungskanon gehören. Bücher, bei denen es eine Art Auszeichnung ist, wenn man sie gelesen hat.

Das sind die Bücher, bei denen einige sich darüber profilieren, wie toll und grandios sie diese Bücher doch fanden, während andere sich darüber profilieren, dass diese Bücher doch total überbewertet seien.

Und ich höre mal auf, von „diesen Büchern“ zu reden.

Denn ich habe mit „diesen Büchern“ ein Problem.

Natürlich gibt es Bücher, die so unglaublich sind, dass sie ihren Platz auf dem zeitlosen Altar literarischer Anbetung verdient haben. Meiner Meinung nach stehen viele Bücher aber nur dort, weil eine lange Tradition von Elitemitgliedern einander – und uns – immer wieder versichert, wie bedeutend „diese Bücher“ (sie hat es schon wieder gesagt!) doch seien. Uns wird also eine Vorauswahl serviert, auf die wir herzlich wenig Einfluss haben.

Eigentlich sind „diese Bücher“ der kleinste gemeinsame Nenner der sogenannten „Bildungselite“ … und mal im Ernst, was die so denken, ist nicht unbedingt repräsentativ.

Inzwischen verbringe ich sehr viel Zeit damit, die Bücher zu lesen, die mir von Leuten empfohlen werden, deren Geschmack ich vertraue. Und ob das dann „Klassiker“ sind oder aktuelle Bestseller oder kleine, auf Eichenblättern handgedruckte Mikroliteratur (und jetzt möchte ich so etwas unbedingt einmal basteln, die Götter mögen mir beistehen!), ist nebensächlich. Wenn eine*r meiner Buchspezialist*innen sagt: „Hier, dieses Buch ist toll, weil …“, schaue ich mir das Buch an. Und wenn es dann nicht ganz furchtbar aussieht, lese ich es auch. Oder versuche es wenigstens.

Das bedeutet natürlich, dass ich auf den ganzen elitären Cocktailparties der gehobenen Klasse nie meine pointierte Meinung über „Krieg und Frieden“ kundtun kann.

Aber ich habe viel mehr Spaß beim Lesen. Und darauf kommt es letztendlich an, nicht wahr?

Fast hätt‘ ich’s getan …

Ein dicht gepacktes Bücherregal mit vielen verschiedenen ordentlich aufgestellten englischsprachigen Titeln, überwiegend Taschenbücher.
Foto von Ugur Akdemir, gefunden auf Unsplash

Sicher kennt ihr eines meiner liebsten Mantras: „Das Leben ist zu kurz für schlechte Bücher.“ Und mit „schlecht“ meine ich nicht objektiv schlechte Bücher, sondern die Bücher, die nicht zu mir als Leserin passen. Wenn das Lesen keinen Spaß macht und ich auch keine neuen Einblicke gewinne, ist es nicht das richtige Buch für mich. Und angesichts der Mengen an Büchern, die es bereits gibt, und all der neuen Bücher, die jedes Jahr veröffentlicht werden, wird es noch wichtiger, eine Auswahl zu treffen.

Trotzdem habe ich mich drei Wochen durch ein Buch gequält, auf das ich mich nicht gefreut habe. Erkennt man leicht daran, dass ich erst zu gut der Hälfte durch war, als ich es heute morgen endlich von meinem Kindle gelöscht habe. Das Buch war nicht schlecht geschrieben und handelte auch von genau den Dingen, die im Klappentext erwähnt waren, aber der Funke sprang einfach nicht über.

Wenn ich jetzt daran denke, was ich in der Zeit alles Hübsches hätte lesen können … ich glaube, ich muss wieder rücksichtsloser vorgehen, was die Buch-Auswahl angeht.

Wie ist es bei euch – lest ihr alles aus, was ihr einmal angefangen habt? Wie viele Chancen gebt ihr einem neuen Buch? Und was macht ihr mit Büchern, die euch nicht gefallen, wenn ihr sie erst einmal zuhause habt?

Buch- und altersübergreifende Beziehungen

Bei Kinderbüchern, habe ich gelernt, gibt es eine Faustregel: Das Alter der Hauptcharaktere sollte etwas höher sein als das der Zielgruppe – damit die Lesenden zu ihnen aufsehen können.

Jetzt, wo ich schon seit längerem an meinem Kinderbuch laboriere, bringt mich das in Schwierigkeiten. Ich weiß ungefähr, wie alt meine Protagonistin ist. Daraus ergib sich durch Subtraktion die Zielgruppe, wenigstens ungefähr. Aber in diesen Jahren entwickeln sich junge Menschen unglaublich schnell. Das, was meine Protagonistin sagt und tut, ist für das etwas jüngere Zielpublikum also eventuell gar nicht angemessen.

Dann denke ich an die Kinder-, Teenie-, Young-Adult- und New-Adult-Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Wenn es dort eine gefühlte Diskrepanz zwischen dem Alter und dem Verhalten gab, hat mich das gestört. Kinder und Jugendliche sind schließlich nicht einfach nur naivere Versionen von Erwachsenen, sondern komplette Menschen mit Ideen und Theorien und Erfahrungen und Beobachtungsgabe. Im echten Leben überraschen sie mich eher damit, wie klug sie sind und was für Rückschlüsse sie aus dem ziehen, was sie um sich herum beobachten.

Der eingangs genannten Faustregel zufolge bin ich aber ja gar nicht die Zielgruppe für diese Bücher (und das schon seit etlichen Jahren nicht mehr!). Wieviel zählt meine eigene Einschätzung also? Wie wahrscheinlich ist es, dass sowohl Zielgruppen-Mitglieder als auch erwachsene Lesende wie ich sich einem Charakter gleichermaßen verbunden fühlen können?

Ich persönlich mag es bei dieser Art von Büchern, wenn das Entdecken und Dazulernen noch einmal mit-erlebbar wird, wenn man daran erinnert wird, wie es ist, wenn man eben noch nicht (wenigstens gefühlt) alles gesehen hat. Jungen Charakteren verzeiht man auch eher, wenn sie nicht immer kaltschnäuzig und kalkulierend vorgehen, die Welt hat sie noch nicht abgehärtet.

Zugegeben, manchmal denke ich aus meiner Erwachsenenwarte auch: Meine Güte, was für eine vorwitzige Rotznase! Du gingest mir ja so sehr auf den Zeiger, wenn ich mit dir auskommen müsste! Gleichzeitig bin ich mir fast immer sicher, dass mein früheres, jüngeres Lese-Ich mit genau diesen Charakteren gerne befreundet gewesen wäre, und das versöhnt mich dann wieder ein bisschen.

Wie ist das bei euch? Lest ihr überhaupt noch Kinderbücher? Oder habt ihr alte Lieblinge, von denen ihr euch nicht trennen könnt? Überhaupt, haut ruhig mal ein paar Empfehlungen raus. ^^

Exotisch und doch vertraut

Angeblich gibt es, ausreichend abstrahiert, nur eine begrenzte Zahl an Geschichten, die von der Menschheit erzählt werden. Deswegen ist es umso interessanter, sich ab und zu anzuschauen, wie andere Kulturkreise diese Geschichten erzählen. Beispielsweise Geistergeschichten – die Art, wie verschiedene Kulturen Geister generell betrachten, beeinflusst, wie gruselig/mächtig/hilfreich/… Geister sind. Oder die berüchtigte (SEUFZ) Liebesgeschichte – was sind die kulturellen Hürden, die es zu überwinden gilt? Was sind die Erwartungen der jeweiligen Kultur an eine gute oder womöglich gar ideale Beziehung?

Und je fremder die Kultur einem ist, in der man sich lesend bewegt, desto wichtiger ist die Arbeit der übersetzenden Person. Strebt sie einen verfremdenden Effekt an oder versucht sie, die Geschichte in der Zielsprache möglichst natürlich wirken zu lassen? Werden Details gut erklärt oder angepasst? Haben Symbole (Farben, Tiere, … ) die gleiche Bedeutung wie in der eigenen Kultur?

Oft merkt man gar nicht, was man eigentlich für Erwartungen an die Welt hat, bis man sie aus einem anderen (Kultur-)Blickwinkel betrachtet. Und das geht beim Lesen besonders gut, da man sich in die Position einer erzählenden Figur begibt. Man er-lebt die entsprechende Kultur quasi, wenn auch nur für einige hundert Seiten.