Exotisch und doch vertraut

Angeblich gibt es, ausreichend abstrahiert, nur eine begrenzte Zahl an Geschichten, die von der Menschheit erzählt werden. Deswegen ist es umso interessanter, sich ab und zu anzuschauen, wie andere Kulturkreise diese Geschichten erzählen. Beispielsweise Geistergeschichten – die Art, wie verschiedene Kulturen Geister generell betrachten, beeinflusst, wie gruselig/mächtig/hilfreich/… Geister sind. Oder die berüchtigte (SEUFZ) Liebesgeschichte – was sind die kulturellen Hürden, die es zu überwinden gilt? Was sind die Erwartungen der jeweiligen Kultur an eine gute oder womöglich gar ideale Beziehung?

Und je fremder die Kultur einem ist, in der man sich lesend bewegt, desto wichtiger ist die Arbeit der übersetzenden Person. Strebt sie einen verfremdenden Effekt an oder versucht sie, die Geschichte in der Zielsprache möglichst natürlich wirken zu lassen? Werden Details gut erklärt oder angepasst? Haben Symbole (Farben, Tiere, … ) die gleiche Bedeutung wie in der eigenen Kultur?

Oft merkt man gar nicht, was man eigentlich für Erwartungen an die Welt hat, bis man sie aus einem anderen (Kultur-)Blickwinkel betrachtet. Und das geht beim Lesen besonders gut, da man sich in die Position einer erzählenden Figur begibt. Man er-lebt die entsprechende Kultur quasi, wenn auch nur für einige hundert Seiten.

Isch ‚ABE gar kein Herz!

(Wer sich an diese Werbung erinnert, ist mindestens ungefähr so alt wie ich.)

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Andererseits, wenn ich ein Herz hätte, blieben die Plätze darin wenigen ausgewählten Buchhelden vorbehalten.

Als erstes fällt mir Henry aus „Die Frau des Zeitreisenden“ von Audrey Niffenegger ein – gerade, weil er nicht perfekt ist. Er stiehlt und betrügt, er trinkt und prügelt sich, ohne einer von diesen verwegenen „Bad Boys“ zu sein, von denen im Moment soviel geschwärmt wird. Henry hat Probleme, und das Zeitreisen ist nur eins davon. (Andere schließen den Tod seiner Mutter und das Wissen um die eigene Zukunft mit ein.) Er hat ein schwieriges Leben und bemüht sich, das Beste draus zu machen, vor allem für seine Frau und seine Tochter. Dass das nicht immer so klappt, wie man sich das wünscht, könnt ihr euch ja vorstellen.

Auch Ryan aus „Verdisgris Deep“ von Frances Hardinge ist ein Held, der einem schnell ans Herz wächst. Seine Familie ist kompliziert, und seine Eltern streiten viel. Und als sei das alles nicht genug, gibt es plötzlich Ärger mit einer Quellhexe. All das und die Komplikationen, die sich daraus ergeben, stellen seine wichtigsten Freundschaften auf die Probe. Ziemlich viel auf einmal für einen Teenager, doch Ryan gibt nicht auf.

Und zu guter Letzt … puh, jetzt wird es schon eng. Womöglich noch Rudolf Gombrowski aus „Unterleuten“ von Juli Zeh. Er bemüht sich sehr, das Dorf und die Dorfgemeinschaft zusammenzuhalten, scheitert dabei jedoch an der Geschichte genau dieses Dorfes mit all ihren Querelen, kombiniert mit den unvorhergesehenen Problemen, die die „Neuen“ im Dorf mit sich bringen. Sein Ende scheint aus seiner Sicht unvermeidlich, ist allerdings eigentlich nicht nötig.

Die Heldinnen meines Herzens präsentiere ich euch dann bei anderer Gelegenheit. Verratet mir erst einmal – welche Buchcharaktere haben euch richtig nachhaltig beeindruckt und berührt?

Früher war alles besser – Klassiker lesen

Wie ich ja schon das eine oder andere Mal erwähnt habe, lesen wir mit dem Nornennetz im Moment in einer Lesechallenge wichtige Bücher berühmter Autorinnen – unseren „Hidden Powers“ Nornenschuber. Im März war „Ronja Räubertochter“ dran, danach „Die Farbe Lila“ und dann „Pride and Prjudice“. Diesen Monat ist es „Orlando“ von Virginia Woolf. (Details findet ihr hier.)

Viele dieser Bücher gelten als Klassiker. Ich habe sie noch nicht alle gelesen – und ich muss sie gar nicht alle gut finden. (P&P gefällt mir auch im dritten Anlauf nicht besonders, aber ich verstehe, warum andere es mögen.) Aber oft gibt es eben einen guten Grund dafür, dass etwas ein Klassiker geworden ist. Deswegen lohnt es sich meiner Meinung nach, gelegentlich über den Tellerrand hinaus auf die Klassiker zu schielen und vielleicht den einen oder anderen zur Hand zu nehmen.

Allerdings macht es einen nicht automatisch zu einem besseren Menschen, wenn man verkündet: „Also, ich lese ja kein Buch, das nach 1920 veröffentlicht wurde.“ Das macht einen nur … ja, zu was? Auf jeden Fall zu einer Person, der viele gute Bücher entgehen.

Guten Freunden gibt man ein Buch – und liest es dann gemeinsam

Habt ihr schon einmal gemeinsam mit jemandem ein Buch gelesen? Ich bin gerade dabei, sozusagen, bei der „Hidden Powers“-Nornenschuber-Challenge im Nornennetz. Falls ihr überlegt, noch einzusteigen, findet ihr die Details (inklusive der noch kommenden Bücher) hier. In der Vergangenheit habe ich Leserunden bei Lovelybooks veranstaltet, aber so richtig warm geworden bin ich mit dem Format nicht. Als Veranstalter*in steckt man da richtig viel Mühe rein, und wenn dann kaum Antworten zurückkommen … für zukünftige Bücher verteile ich lieber so Rezensionsexemplare oder verstecke Rätsel o.ä. zwischen Kapiteln.

Wenn es gerade keine orchestrierten Challenges gibt, tausche ich oft Bücher mit Freund*innen oder empfehle welche und bekomme Empfehlungen – merkwürdigerweise reden wir dann allerdings selten über die Bücher, die wir gelesen haben. Und manchmal, wenn wir doch über die Bücher reden, kommen wir zu sehr unterschiedlichen Urteilen. Aber das ist ja das Schöne an Büchern – sie laden dich ein, auf eine Reise zu gehen, ohne den Weg vorzuschreiben. ^^

 

Bücher über Bücher über Bücher

Inzwischen kann man aus meiner Lesereise einige Rückschlüsse ziehen. Beispielsweise habe ich in den letzten drei Jahren jeweils etwas mehr als 40 Bücher pro Jahr gelesen. Das ist nicht einmal ein Buch pro Woche – eigentlich deprimierend, wenn man so drüber nachdenkt. Andererseits: Immerhin mehr als 40 Bücher pro Jahr. Auf diese Weise werde ich noch sehr, sehr lange Freude an meinen Beständen haben. (Natürlich kaufe ich trotzdem weiter Bücher. Wo kämen wir denn sonst hin?)

Außerdem zeigt sich eventuell ein Trend zu Themen und Genres. Die abgebrochenen Bücher, die mich nicht gepackt haben, stehen nicht drauf – sollte ich die vielleicht hinzufügen? Nee, eher nicht. Manchmal ist es einfach nicht das richtige Buch zur richtigen Zeit bei der richtigen Person, das sagt wenig über das Buch aus und mehr über meinen Kopf.

Dieses Jahr habe ich keine Lese-Vorsätze, außer natürlich: Lesen! Und ich könnte an meiner Weltreise weiterbauen. Zum Glück haben die Nornen mit einer gigantischen Aktion zum Frauenwahlrecht (bald!) bereits einige interessante Buchvorschläge aufgetan, und den Nornenschuber gibt es ja auch. Da sollte ich ein wenig Anregung finden, um auch mal wieder über den Tellerrand hinauszuschauen.

Wie sieht es bei euch aus? SUB-Abbau in Angriff genommen? Wilde Eskalationen im Buchladen? Hochfliegende Pläne? Und wenn ihr neue Bücher habt, zeigt mir eure Schätze! ^^

Ein Buch, das mein Leben beeinflusst hat?

Schwierig. Viele Bücher haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen – weil sie so gut waren, weil sie so schlecht waren oder weil ich dringend wissen wollte, wie die Autorin etwas Bestimmtes hinbekommen hat.

Das Buch, das mich zum genau richtigen (oder falschen, wie man’s nimmt) Zeitpunkt erwischte, war allerdings „Eine Braut fürs Jenseits“ von Kurt Luit – Horrorgeschichten für Erwachsene, die meine Eltern mir überließen, als ich noch zum Kindergarten ging. Ein fragwürdiges pädagogisches Konzept, ist mir klar. Aber schon damals las ich alles, was ich in die Finger bekam. Einige Geschichten fand ich gruselig. Andere verstand ich nicht – der Horror war zu erwachsen für mein Kinderhirn. Und nach dem ersten Buch, das ich geschenkt bekommen hatte („Die Kinderbibel“ von Ann de Vries) war es eine Offenbarung, denn: Bücher mussten nicht mit belehrendem Zeigefinger im Tonfall daherkommen. Die Guten wurden gar nicht immer belohnt. Und offenbar hatte Gott auch nicht immer und überall seine Finger drin.

In Kombination erklären diese beiden ersten Bücher wohl eine Menge über mein heutiges Schreiben. ^^

Die Sache mit der Tasche

Wie ich vielleicht schon das eine oder andere Mal erwähnt habe, könnt ihr HIER immer mal wieder nachschlagen, was ich gerade lese oder bereits gelesen habe.

Unter „Currently reading“ stehen, wie man eventuell sieht, meistens mehrere Titel, eigentlich immer wenigstens zwei. Das liegt aber nicht daran, dass ich zu sensibel bin, mich auf ein Buch zu konzentrieren, oder zu leicht gelangweilt – nein, das hat ganz praktische Gründe: Meine Handtasche.IMG_2813[1]

(Oh mein Gott, sie ist von ihrer Handtasche besessen und hört Stimmen!)

Nein, so schlimm ist es (noch?) nicht. Aber meine Handtasche ist klein – Kaffeetasse zum Vergleich – und perfekt. Sie war ein Geschenk, stammt aus einem Laden, der nur faire Ware handelt, und lässt sich so bepacken, dass ich alles Notwendige dabei habe, ohne mir den Rücken krumm zu machen: Portemonnaie, Telefon, Kalender, Brillenetui, Taschentuch, Lippenpflege, Haustürschlüssel und Kindle. Dann ist das Teil kompakt bepackt. (Das ist auch immer praktisch, wenn man irgendwo ist, wo es Taschenkontrollen am Eingang gibt – ein Blick vom Sicherheitspersonal und ich darf durchgehen, kein Wühlen notwendig.)

Was allerdings nicht passt, sind Taschenbücher. Und da ich manche Bücher, die ich dringend lesen möchte, auf Papier habe (zum Beispiel das wunderschöne „Der Kater unterm Korallenbaum“ von Christina Löw, mit Widmung), lese ich die eben zuhause. Auf dem Balkon, im Bett, auf dem Sofa, im Büro/Gästezimmer – wo man eben so liest.

Ab und zu kommen übrigens noch Sachthemenbücher hinzu, die lese ich aber wirklich immer nur häppchenweise, wenn es mir gerade in den Kram (und in den Kopf) passt.

Und ihr? Merkwürdige Lesegewohnheiten? Spannende Erkenntnisse über die Bücherwirtschaft?

Heimaturlaub für Lesende

Es gibt bestimmte Orte, da fährt man immer wieder gerne hin und freut sich das ganze Jahr über auf den Moment, wenn man endlich wieder an „seinem“ perfekten Urlaubsort ist.

Manche Bücher sind genauso – man kann sie immer wieder aufschlagen und ist sofort hin und weg, in einer vertrauten und immer wieder spannenden Welt. Wenn man diese Bücher zu unterschiedlichen Lebenszeiten liest, entdeckt man immer wieder neue Details, die plötzlich an Bedeutung gewinnen, und verliebt sich im besten Fall jedes Mal ein wenig mehr.

Eines dieser Bücher ist für mich (nicht das schon wieder!) „American Gods“ von Neil Gaiman. „Stardust“ (deutsch „Der Sternwanderer“) ist ein zweites. Und natürlich, obwohl für mich eher untypisch: „The Time Traveller’s Wife“. Ich bin nicht für Romantik. Außer in diesem einen Fall. Es ist merkwürdig. Ich liebe dieses Buch. Und dann gibt es die Kindheitsschätze, beispielsweise „Die unendliche Geschichte“, davon haben wir sogar das Brettspiel im Regal stehen (und ich gebe es nicht weg). „Haifischfrauen“ von Kiana Davenport, „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabriel García Marquez. Wunderschöne Bücher, die ich gerne immer wieder besuche.

Manchmal kommt man aber auch nach vielen Jahren an einem Ort an, an dem man früher gerne Urlaub gemacht hat, und stellt fest, dass sich irgendwas verändert hat. Die Atmosphäre ist nicht mehr magisch, sondern bedrückend. Es gibt zuviel Asphalt, zu wenig Bäume, und die verwunschene Ruine sieht auf einmal nur marode aus. Vielleicht versucht man noch für ein paar Tage, den alten Zauber wiederzubeleben, aber es ist für gewöhnlich sinnlos. Zurück bleibt die Hoffnung, dass diese Entzauberung die alten Erinnerungen nicht verderben konnte.

Auch solche Bücher habe ich. „Die Nebel von Avalon“ gehört dazu. Früher eines meiner Lieblingsbücher, heute … geht nicht mehr. Tut mir leid, es ist schade drum. „Die Tochter der Wälder“ von Juliet Marillier und „Winterrose“ von Patricia A. McKillip gehören ebenfalls dazu, und „Die Geisha“ von Arthur Golden. Ich erinnere mich noch gut an die Begeisterung beim ersten Lesen, kann sie aber heute nicht wieder hervorrufen.

Manche Bücher kenne ich noch nicht so lange und hoffe natürlich, dass sie sich auch zu „Traumurlaubsbüchern“ entwickeln. Aber so richtig sicher kann man das nie vorhersagen. Woher sollte ich auch jetzt schon wissen, was für eine Leserin ich in zehn oder dreißig Jahren sein werde?

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Warum ich eigentlich nicht rezensiere – jetzt aber doch wieder ein bisschen

Eigentlich ist es ja schlechter Stil, sich über die Konkurrenz zu äußern. Man kommt sehr schnell in den Verdacht, wahlweise Vetternwirtschaft zu treiben oder sich in Rufmord zu versuchen. Was der Hauptgrund dafür ist, dass ich eigentlich keine Rezensionen mehr schreibe – weder hier noch auf den einschlägigen Verkaufsplattformen. (Ein anderer ist der, dass mancher Kollege so eine Rezension schon in den falschen Hals bekommen und sich noch jahrelang später aufmerksamkeitseffektiv darüber aufgeregt hat. Niemand hat Zeit für sowas.)

Allerdings bin ich ja auch Leserin.

Und ich weiß, wie wichtig Rezensionen für Autorinnen sind – gerade für so kleine unbedeutende wie mich, die keinen gigantischen Verlag oder wenigstens ein ausgewachsenes Werbebudget haben. Und vor allem bei neuen Büchern sind Rezensionen unglaublich wichtig. Wer ein halbes Jahr ohne Rezension auf der Homepage herumtreibt, hat fast keine Chance, von einem zufällig auf das Produkt gefallenen Käufer erhört zu werden.

Deswegen betteln wir Autorinnen oft fast schon unverschämt um Rezensionen.

Und deswegen möchte ich auch wieder regelmäßiger selbst Rezensionen schreiben. Wahrscheinlich nicht hier. (Wer wissen möchte, was ich gelesen habe, kann das hier sehen, und wenn ich ein Buch auslese, bedeutet das schon, dass es nicht ganz schlimm gewesen sein kann.) Aber anonym. Auf den Verkaufsplattformen. Und – das muss ich mir jetzt eben auferlegen – nur wenn ich etwas Nettes über das Buch sagen kann. Keine Verrisse, auch wenn es mir noch so schwer fällt.

(Wusstet ihr noch nicht? Ich bin eine garstige, ständig meckernde, nörgelnde alte Frau, und ich habe dabei sehr viel Spaß.)

Das wollte ich eigentlich nur mal so in den Raum gestellt haben. Und jetzt geht los und bewertet meine Bücher!

Lesestopper

Oder vielleicht eher Lesestolpersteine? Egal, auf jeden Fall habe ich in den letzten Tagen eine ganze Reihe Bücher angefangen und wieder abgebrochen, und ich wollte einmal ein paar Gründe teilen, aus denen ich ein Buch abbreche. Als meistens missmutig motzende Muhme bin ich nicht besonders geduldig – ein Buch hat also nicht viel Zeit, mich zu überzeugen. Andererseits probiere ich (nicht nur beim Essen) eigentlich wirklich jeden Sch*** – also auch jedes Genre. Wiederholt. Ich lerne einfach nicht dazu.

Aber zurück zum Thema. Was hat mich dazu gebracht, Bücher ungelesen von meinem Kindle zu löschen?

  • Ein unsympathischer Charakter. Stört mich nicht, wenn Leute schlechtgelaunt sind, „böse“ Dinge tun oder sich ungebührlich verhalten – aber wenn der innere Monolog von Missgunst, Überheblichkeit und Gehässigkeiten geprägt ist, verliere ich schnell die Lust, eine Person auf ihrem Abenteuer zu begleiten.
  • Die große Liebe auf Seite drei. Üblicherweise ist es ein gutaussehender, mysteriöser Fremder, dem die Protagonistin mehr oder weniger zufällig begegnet und dem sie sofort verfällt, ohne zu wissen, ob er nicht vielleicht heimlich in der Nase bohrt oder immer Löcher in den Socken hat. Ich kann nicht einmal nachvollziehen, warum viele Leute sich so etwas wünschen oder so etwas für angemessene Unterhaltung halten. (Da schlägt das Griesgrämige in mir durch.)
  • Die berüchtigte Spiegelszene direkt am Anfang des Buches – die Protagonistin (wieder typischerweise eine Frau, auch wenn ich in letzter Zeit einen männlichen Charakter ebenfalls im Spiegel ertragen musste) steht vor dem Spiegel, beschreibt detailliert ihr Aussehen, das natürlich überirdisch schön ist, und krittelt parallel an sich herum. Jeder soll direkt wissen, dass sie sich für hässlich hält, während uns unter die Nase gerieben wird, dass sie nach normalen Massstäben ja wenigstens eine elf auf der GNTM-Jury-Richterskala ist. Wollt ihr wissen, was ich morgens vor dem Spiegel denke? Bittesehr:  Dieser Pickel wird auch immer größer. Ich muss gleich daran denken, den Katzen neues Wasser hinzustellen. Verflixt, ich bin spät dran. Wo sind meine Socken? Ob Richard schon wach ist? Und wo habe ich eigentlich gestern diesen Antrag hingelegt? Kein Wort über meine hinreißenden Sommersprossen , meine alabasterbleiche Haut oder die Tatsache, dass meine grünen Augen ja funkeln wie ein Maimorgen. Mache ich das falsch?
  • Rechtschreib- oder Grammatikfehler im Rudel. Tut mir leid, das reißt mich einfach raus. Zum einen erwarte ich von Autoren, dass sie ihr Handwerkszeug einigermaßen beherrschen, und zum anderen – wenn ihr das nicht könnt, müsst ihr das irgendwie kompensieren. Eure Geschichte kann die Geilste auf der Welt sein, ich werde das nie erfahren, wenn eure Fehler mir auf der ersten Seite bereits körperliche Schmerzen bereiten. (Allen karmischen Gesetzen zufolge müsste es in diesem Absatz mindestens einen Fehler geben. Das ist mir klar.)
  • Ewig lange Expositionen und Hintergrundinformationen. Die zehntausendjährige Geschichte des kasimuffischen Reiches kann ich später im Buch noch nachlesen, aber wenn ich sie kennen muss, um den Anfang der Geschichte zu verstehen, läuft etwas schief.

Vielleicht bin ich zu streng. Aber es gibt so viel mehr Bücher, als ich jemals werde lesen können, und ich möchte meine Zeit nicht mit Geschichten verschwenden, über die ich mich nur ärgern werde. Und jetzt mal im Ernst – es ist doch nicht so schwer, die gröbsten Schnitzer zu vermeiden. (Versuche ich demnächst auch.)

Habt ihr Dinge, die euch vor einem Buch oder Film die Flucht ergreifen lassen?