Jederzeit toll aussehen

Ist sie verrückt geworden?

Gibt sie nachher vielleicht sogar Styletipps?

Nein, meine Süßen. Ich kenne meine Grenzen. (Ich überschreite sie auch regelmäßig, aber ich kenne sie.)

Allerdings habe ich neulich wieder bei einer Bekannten online gelesen, sie habe kaum mehr ordentliche Sachen anzuziehen. Sich richtig schick neu einkleiden wolle sie allerdings erst, wenn sie ihr „Wunschgewicht“ erreicht habe.

Ja nu. Und was, wenn es bis zu diesem „Wunschgewicht“ noch drei Jahre dauert? Oder wenn sie es vielleicht – was niemand ihr wünscht – nie erreicht? Geht sie bis dahin in Kartoffelsäcken?

Ich rede natürlich an dieser Stelle aus Erfahrung, denn genau solche Dinge habe ich mir auch schon vorgenommen. Und alles, wo ich „rausgeschrumpft“ war, direkt in die Altkleidersammlung gegeben. Dann habe ich wieder zugenommen und hatte nicht einmal mehr die alten ranzigen Sachen zum Anziehen.

Inzwischen denke ich mir: Es ist eine feine Sache, alles zu tun, damit man sich im eigenen Körper wohl fühlt. Unabhängig davon, ob man abnehmen möchte, sind gesunde Ernährung und Sport auf vielen Ebenen gut für Körper und Geist. Und es ist auch nicht schlecht, abnehmen zu wollen.

ALLERDINGS sollte man darüber nicht die Lebensfreude vergessen. Egal, wo man sich im Leben gerade befindet, man hat immer das Recht darauf, sich gut zu fühlen und auch so auszusehen. Sogar wenn man einige Reservekilos mit sich herumschleppt und gerade Käsekuchen isst. Also: Kauf das Kleid, gönn dir eine ordentliche Jacke und lass dir nicht einreden, dass du die falsche Form für Mode hättest.

(Und wo ich gerade dabei bin: Frauen wollen ordentliche Taschen!!!)

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Ranzig gegen den Rest der Welt

Diesen Monat habe ich im Netz einen merkwürdigen Trend beobachtet. Reihenweise werden Kommentare geschrieben, in denen gegen bequeme (überwiegend) Frauenkleidung gestänkert wird.

High-Waist-Jeans machen Frauen „unfickbar“.

Jogginganzüge im trauten Heim sind ein Zeichen für gesellschaftliche Verwahrlosung.

Dass man als Frau über dreißig gefälligst keine Creolen mehr tragen solle, ist ja schon länger klar.

Und jetzt, ehe wir einander falsch verstehen: Ich finde, jede*r sollte sich so schön oder ranzig machen, wie er*sie bitte eben möchte.

Aber mein persönlicher Wert bemisst sich nicht daran, wie „fickbar“ ich im Alltag aussehe oder ob ich auf dem Sofa im Ballkleid herumhänge, in schlackerigen Yogahosen (die noch nie ein Yogastudio auch nur von fern gesehen haben) oder – GASP! – nackt. Und meine Beziehung scheitert auch nicht daran, wie hoch ich meine Hose ziehen kann, da ist der Mann Leid gewohnt. (Ich übrigens auch. Wenn er ein modisches Abenteuer begehen will, kauft er kein blaues Shirt, sondern ein blaues T-Shirt mit Muster.)

Einige meiner Freundinnen legen großen Wert darauf, in jeder Lebenslage stylisch auszusehen, und ich finde das toll. Andere haben es lieber bequem. Dritte wollen oder können einfach nicht viel Geld für ihre Garderobe ausgeben und/oder haben nicht die Zeit (oder Lust), sich umständlich aufzubrezeln.

Meine Philosophie ist ja meistens: Seid froh, dass ich nicht nackt bin.

Und das muss dann auch erst einmal reichen.