Wenn ich einmal alt wär …

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Je länger die aktuelle Situation anhält, und je absurder die Lagen werden, desto lieber möchte ich meine Alterspläne jetzt schon umsetzen. Zu blöd, dass das im Moment alles so nicht geht. Aber ich kann ja träumen.

Wovon ich träume?

Eine Hütte im Wald. Sie muss nicht groß sein, oder luxuriös. Hauptsache, ich habe fließendes Wasser, Internet und Strom (für Notebook und Kaffeemaschine) und zwei Betten – eines für mich, eines für ausgewählte Gäste.

Zu dieser Hütte sollte ein kleiner Garten gehören. Ich mag Gärten, auch wenn ich nie genug Zeit für viel Gartenarbeit hätte. Deswegen nur ein kleiner Garten. Vielleicht große genug für Hühner und ein paar Kräuter. Ein Apfelbaum wäre auch nett, und vielleicht ein Holunder. Ein großer Hund, der mir Gesellschaft leistet.

Wenn es in der Nähe einen Bach gibt, wäre mein Glück perfekt.

An so einem Ort möchte ich im Wesentlichen ruhige Tage verbringen. In die Natur hinausgehen, mich um Garten und Hütte kümmern, Brot backen, Bücher schreiben. Viel lesen. Ab und zu nette Leute treffen. Wahrscheinlich kleine Kinder erschrecken, die sich im Rahmen von Mutproben an mein Häuschen heranschleichen. Wenn es sich ergibt, würde ich die Umgebung unheimlich dekorieren – ich wäre ja nur alt, nicht langweilig.

Gut, wahrscheinlich wäre ich unglaublich langweilig. Ich würde Tage und Wochen damit verbringen, mit niemandem zu sprechen und mir immer fantastischere Geschichten auszudenken. Wenn ich in den nächsten Ort ginge, um Lebensmittel nachzukaufen oder etwas auf die Post zu bringen, wäre ich die seltsame Alte, die niemandem etwas tut.

Am liebsten würde ich morgen direkt umziehen.

Kaffeeklatsch bei Autor*innen

Im Moment ist ja viel Zeit für Tagträumereien. Heute ganz groß im Geschäft: Welche Autor*innen würde ich gerne zum Kaffee einladen? (Alternativ auf einen richtig verwahrlosten Tequila-Cocktail, ihr kennt das. Frühstück geht auf mich.)

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Ich habe das große Glück, viele tolle Autor*innen schon persönlich getroffen zu haben – wenigstens konnte ich mich auf Messen an ihnen reiben, das ist doch auch mal was wert. Deswegen muss ich mal fix überlegen, was ich mir noch Lustiges vorstellen könnte …

  1. Neil Gaiman treffen und stotternd befangirlen. Mit quietschroten Wangen, ihr werdet mich von Weitem sehen.
  2. Frances Hardinge beim Recherchieren für ihre Geschichten stalken. Da sind immer so viele tolle Details drin, ich stelle mir das sehr aufregend vor.
  3. Anja Bagus habe ich schon getroffen, aber mit der muss ich irgendwann in Ruhe mal ein Stück Mandarinenkäsesahnetorte essen. (Richtiger Kuchen?)
  4. Nnedi Okorafor würde ich gerne im Detail über nigerianischen Aberglauben ausquetschen. Unter anderem.
  5. Gilt es als leichtfertig, wenn ich gerne mit Stephen King wandern gehen wollte?

Ihr seht, ich habe noch Pläne. Welche Autor*innen würdet ihr gerne treffen?

Schon wieder nur 24 Stunden???

Das könnte mein konstantes Mantra sein. Denn ich habe Pläne. Und Ideen. Und Ziele. Und Verpflichtungen. Und außerdem – ich prangere das an! – muss ich ja auch noch Geld verdienen. (Lieber Arbeitgeber, falls du das liest: Ich arbeite sehr gerne bei dir und mag das Gehalt. Bitte feuere mich nicht!)

In der verganenen Woche war ich zweimal zum Fitnessstudio verabredet. Das ist wichtig für meinen Rücken, denn der ist ein wenig schreibtischlädiert – gut, auch durch meine miserable Körperhaltung, ich geb’s zu.

Außerdem hatte ich vier Termine fürs Nornennetz, das ich sehr mag und die ich auch gerne wahrgenommen habe. So etwas gehört dazu, wenn man etwas erreichen will.

Und wir hatten einen Pärchenausflug geplant (nach Köln, die Fahrtdetails kennt ihr ja bereits).

Addiert dazu einen regulären Job, einen Haushalt und meine Vorliebe fürs Joggen, dann könnt ihr euch vorstellen, wie es hier zugeht. Der Haushalt ist nämlich das erste, was unter chronischem Zeitmissmanagement leidet. Erst danach wird das Schreiben kompromittiert.

Die Kompromittierung fällt mir übrigens im Moment leichter, weil es um die Überarbeitungsphase geht. Aber ich schlage mich tapfer, und bei näherer Betrachtung finde ich mein aktuelles Manuskript gar nicht mal ganz schrecklich. Da kann man was draus machen – wenn man sich die Zeit nimmt.

Hat einer von euch zufällig eine Zeitmaschine übrig? ^^

Bucket List? Wer hat Zeit für eine Bucket List?

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Symbolbild, Fotograf: Joel Muniz, gefunden bei Unsplash

Die Bucket List geistert ja seit ein paar Jahren durch die sozialen Medien: Dinge, die man in seinem Leben unbedingt noch getan haben will. Ferne Länder bereisen, ein Wandgemälde fertigstellen, Blut aus dem Schädel seines Erzfeindes trinken. Was einen eben glücklich macht.

Ihr könnt euch schon denken: So etwas besitze ich nicht.

Ich besitze auch keine „Fuck it!“-List, obwohl dieses Konzept mir allein vom Namen her näher steht. (Ehe ihr jetzt kichert: Das ist KEINE Liste von Leuten, mit denen man fünf erotische Minuten verbringen möchte.) Bei der „Fuck it!“-Liste geht es um Dinge, die einem das restliche Leben über gestohlen bleiben können: Der Zwang, für die Schwiegermutter das eigene Haus auf Hochglanz zu bringen; internalisiertes Bodyshaming; gehässiger Tratsch.

Aber so ein paar langfristige Pläne habe ich schon. Weniger eine Bucket List, mehr eine Art Lebensentwurf-Zielscheibe. Was darauf zu sehen ist?

Ein Motorrad.

Eine Hütte im Grünen, mit eigenen Hühnern und Gemüse-/Kräutergarten.

Regale voll mit selbstgeschriebenen Büchern.

Das sind mehr so Langzeit-Projekte als Dinge, die man abhaken könnte. Und wenn ich auf dem Weg dorthin noch einige Abenteuer erleben kann – so mit Wandern und Zelten und Nassgeregnet-Werden – wäre das auch nicht schlecht. Irgendwann verziehe ich mich dann als verdrehte, glückliche Alte in den Wald und erschrecke spielende Kinder.

Und jetzt zu euch: Team „Bucket“ oder Team „Fuck it“? Oder kleine listenfreie Rebellen?

Kleine und große Träume

Als ich klein war – also so richtig klein – hatte ich ultralangweilige Zukunftsträume. Ich wollte drei Kinder, einen großen Garten und einen Hund. Dass man für Kinder einen Mann braucht und ein Garten Arbeit macht, war mir irgendwie nicht bewusst. Wahrscheinlich habe ich nicht groß drüber nachgedacht, was das wirklich bedeutet, sondern einfach nur ein Stereotypen-Puzzle zum Thema „Erwachsen sein“ gebastelt.

Später wurde es dann etwas konkreter. Ich wollte zu verschiedenen Zeiten LKW-Fahrerin, Tierärztin, natürlich auch mal Rockstar sein (dabei bin ich unglaublich schüchtern!). Bibliothekarin hätte ich cool gefunden. Autorin tauchte immer mal wieder auf und ging eigentlich nie so wirklich weg. Psychologin hätte ich mir spannend vorgestellt, Köchin, Piratin oder auch Übersetzerin.

Das mit den LKW ist in erster Linie daran gescheitert, dass mein Vater mir mit Enterbung gedroht hat für den Fall, dass ich den LKW-Führerschein mache. Da er selbst LKW-Fahrer war, bis er in Rente ging, gibt es bei uns nicht viel zu erben, aber die Drohung hat mich vom Ernst der Lage überzeugt.

Die Tierärztin habe ich mir wegen der ganzen Tierbesitzer aus dem Kopf geschlagen, zu denen man nett sein muss, weil sie einen bezahlen – egal, wie dumm sie sich anstellen und wie schlecht es ihren Tieren dadurch geht.

Piratin war irgendwie aus der Mode, als ich in die Oberstufe kam, außerdem werde ich gelegentlich seekrank. Und wisst ihr, wie schrecklich die Arbeitszeiten für Köche sind? Dann lieber doch nicht.

Dann wird sie eben Rockstar – ähm, eher nicht. Ziemlich schüchtern. Kann nicht tanzen. Singt passabel, hat aber sonst keine Ahnung von Musik. Der Drang ins Rampenlicht ist weniger ausgeprägt. Keine Ahnung, warum ich mal meinte, das sei ein toller Job.

Das Psychologiestudium halte ich immer noch in der Hinterhand. Nach dem Abi war ich überzeugt, die ganzen Disziplinen wie Statistik etc. nicht zu wuppen. Inzwischen denke ich mir: Ach was, ich bin doch schlau! Vielleicht mache ich das später mal aus Spaß.

Und zur Bibliothekarin hat es mich nicht getrieben, weil es da schon vor zwanzig Jahren hieß, die Berufsaussichten seien eher schlecht, und auf X stellen kämen XX Bewerber. Heute denke ich mir natürlich, ich hätte es trotzdem probieren können.

Wenigstens Übersetzerin bin ich geworden. Auch da – Unkenrufe seit Jahren. Computerübersetzungen würden den Markt aufräumen. Habt ihr mal Google Translate o.ä. benutzt? Ganz im Ernst … noch ist mein Job sicher.

Und Autorin bin ich ja irgendwie auch. Mal im Ernst: Ich kann nicht meckern.

Endspurt 2018!

Draußen nieselt es, drinnen düdelt die Musik im Hintergrund, Kaffee und Tee stehen links von mir. Offiziell hat das Büro heute geschlossen, aber für Notfälle und nervige Klienten gibt es eine Notbesetzung. Das bin heute ich. Gestern Abend haben wir noch auf den Geburtstag einer Freundin angestoßen, so richtig wach bin ich also nicht, doch das gilt für die anderen Abteilungen ganz ähnlich. Keine Ahnung, was die gestern alle getrieben haben. Mir kann’s recht sein, so kann ich in Ruhe arbeiten.

2018 war, wenn man alles betrachtet, gar kein schlechtes Jahr. Ich habe eine Menge Dinge geschafft, von denen ich vorher nicht wusste, ob sie möglich sind – beispielsweise habe ich drei Bücher veröffentlicht und den kleinen Strongman-Run überstanden. Außerdem war ich auf der LBM und in Dublin. Die Sammelbände (Winter, Sommer, Anderswelt) waren ein ungeplantes Extra, genau wie die Lesung auf dem BuCon.

Was ich für 2019 geplant habe? Oh, da sind einige Ideen. Ich möchte mehr Müll vermeiden, Torten backen und dekorieren, viel laufen, viel schreiben und mir das eine oder andere Naturwunder hier in der Nähe anschauen. Außerdem hoffe ich, ein wenig mehr in der Welt herumzukommen und vielleicht dem einen oder der anderen von euch zu begegnen, beispielsweise auf der LBM 2019.

„Tu deinem Leib des öfteren etwas Gutes, …

… damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen.“ (Teresa von Avila, 16. Jahrhundert)

Etwas Gutes? Damit können doch eigentlich nur Leckereien gemeint sein, oder? Und ein wenig Entspannung auf dem Sofa? Habe ich dieses Wochenende ausgiebig ausprobiert – aber so ganz zufrieden bin ich mit dem Ergebnis nicht.

Ich bin vollgefuttert. Und unausgeschlafen, weil mein Gehirn heute morgen schon um drei knallwach war. Und mein Rücken tut weh – wir brauchen ein neues Sofa, das ist mal sicher. Und von dem ganzen Fett und Zucker in der guten Torte ist meine Haut in die Pubertät zurückkatapultiert worden.

Tja, so hat die liebe Teresa das wohl nicht gemeint. Wenn ich meine Seele gerade fragen würde, ob sie gern in meinem Körper wohnt, käme als Antwort wohl: „Also, Malle wär geiler.“

Ich denke mir, mit dem „Guten“ war nicht unbedingt die gnadenlose Faulenzerei/Völlerei gemeint. Aber auch nicht das andere Extrem, in das viele Leute heutzutage fallen: Gesundheitsoptimierung/Fitnesswahn. Die „gute“ Wahrheit muss irgendwo in der Mitte liegen. Ich weiß beispielsweise: Wenn ich zu viele Kohlenhydrate esse, steigt mein Migränerisiko. Zu wenige Kohlenhydrate verursachen hingegen den berüchtigten „brain fog“, weil das Gehirn fast ausschließlich mit Kohlenhydraten funktioniert (das ist alles etwas komplizierter, aber für den Hausgebrauch soll es reichen). Sitze ich den ganzen Tag am Rechner, kriege ich Rückenprobleme. Treibe ich zuviel Sport, bleibt nicht genügend Zeit zum Schreiben und ich werde unausstehlich – allerdings bin ich dann Abends schön erschöpft und schlafe gut durch.

Diesen Monat bin ich schriftstellerisch noch einmal komplett eingespannt – ein Manuskript wartet noch auf die Überarbeitung, ehe ich Anfang November von Helena und Falk Abschied nehme und mich in einem weniger halsbrecherischen Tempo neuen Welten zuwende. Danach werde ich mir ein wenig Zeit nehmen, meinen Alltag umzustrukturieren. Es muss doch einen Weg geben, das „Gute“ mit dem, was man tun muss, in einer angenehmen Weise zu kombinieren.

Sobald ich den Stein der Weisen gefunden habe, lasse ich euch natürlich daran teilhaben. ^^

Urlaub daheim

Eigentlich hatten wir dieses Jahr einen besonderen Urlaub geplant: Ich hatte Richard überredet, mit mir nach Prag zu fahren. Gut, nicht direkt „überredet“ – wir haben sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie ein Urlaub aussehen soll, also entscheiden wir abwechselnd, und der jeweils andere hat ein Veto-Recht, falls ihm ein Ziel gar nicht passt.

Richard hat sich in den letzten Jahren ausgesucht: Mallorca, Sizilien, Amsterdam.

Ich habe ausgesucht: Island, Berlin, Luxemburg. Und halt Prag.

Leider ist dieser Urlaub nicht zustande gekommen. Es gab einfach zu viele Dinge, die nicht gepasst haben, und am Schluss haben wir entschieden, dass wir lieber einfach zu Hause bleiben, anstatt auf den letzten Drücker noch schlecht vorbereitet zu verreisen, nur um weggefahren zu sein.

So hatte ich viel Zeit, um Feengestöber fertigzumachen.

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Außerdem haben wir natürlich nicht nur auf dem Sofa gesessen und uns leidgetan. Wir waren im Wald, haben viele schlechte Filme gesehen – wir sind beide Fans von SchleFaZ – und sind auch einmal an einen nahegelegenen Eifelsee gefahren.

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Außerdem waren wir auf Pützchens Markt.

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Das Wetter hat meistens mitgespielt. Und zu guter Letzt waren wir, wie fast jedes Jahr, einen Tag in De Efteling. Das ist ein Vergnügnungspark, gut zweihundert Kilometer von Bonn entfernt. Natürlich gibt es auch das Phantasialand direkt vor unserer Haustür, aber dort konzentriert man sich in erster Linie auf Achterbahnen … und das ist explizit nicht das, woran wir den meisten Spaß haben. De Efteling ist eher für Familien ausgelegt, sehr weitläufig, mit viel Grün und allen möglichen Sorten von Fahrgeschäften auch für „langweilige“ Leute wie uns. IMG_0443

Zum Ausruhen haben wir uns zwischendurch die „Raveleijn“-Show angeschaut – Raben, Pferde, Stunts und ein riesiger feuerspeiender Drache. Sieht ziemlich cool aus, oder?IMG_0448

Tja, heute regnet es. Morgen habe ich noch einmal frei, muss mir allerdings jede Menge Papierkram vornehmen, und dann ist es erst einmal wieder vorbei mit Urlaub bis nächstes Jahr.

Drückt mir die Daumen, dass uns Prag bis dahin nicht davonläuft!

Ich war beim Strongman Run in Köln – und ich habe überlebt!

(Dieser Post kommt für einige nicht ganz so überraschend, falls sie die Angeberei auf den anderen Kanälen – Facebook, Instagram, Twitter – schon gesehen haben. Gönnt es mir, so einen Blödsinn macht man ja nicht andauernd.)

Jedes Jahr suche ich mir mindestens eine Herausforderung aus – etwas, das ich so bislang noch nicht geschafft habe. Etwas, das mir Angst macht. Etwas Absurdes.

Für 2018 hatte ich mir vor allem zwei Ziele gesteckt:

  1. Die letzten drei Bände von „Magie hinter den sieben Bergen“ veröffentlichen.
  2. An einem Strongman-Run über zehn Kilometer teilnehmen.

Was den ersten Punkt angeht, bin ich noch dabei und halbwegs guter Dinge – am 21. September bekommt ihr hoffentlich die Möglichkeit, „Feengestöber“ zu kaufen, und danach wird es noch einmal so richtig fantastisch mit „Grimmwald“. Bis dahin muss ich natürlich noch fleißig überarbeiten.

Den zweiten Plan habe ich letztes Wochenende erfüllt. Die Tage davor war ich ein nervliches Wrack – vor der Distanz hatte ich keine Angst, aber einige der Hindernisse, die angekündigt waren, sahen ziemlich hoch aus, und ICH HABE HÖHENANGST. Einige Male war ich kurz davor, einfach abzusagen. Mich still und heimlich zu verdrücken. Oder mir spontan noch das Bein zu brechen, das wäre eine wirklich gute Ausrede gewesen. Aber ich habe mir selbst gut zugeredet, und Samstag Mittag waren wir nach einigen kleineren Planungs-Malheurs doch noch rechtzeitig am Gelände.

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Es war ziemlich voll – kein Wunder, bei etwas mehr als fünftausend Läufern und den mitgebrachten Zuschauern. Für die gab es ein Rahmenprogramm mit Musik und ausreichend Futterstände, um die Wartezeit zu überbrücken. Schließlich ist man ja schon eine Weile unterwegs auf der Strecke.

Vor dem Rennen. Ich war noch trocken, aber schon ziemlich nervös. Außerdem hatte ich bestimmt fünf Paar Kontaktlinsen verbraucht, ehe mal welche in meinen Augen bleiben wollten. Danke, aber für den Alltag bleibe ich lieber bei meiner Brille.

Und ich muss schon sagen, ich hatte die beste Supporttruppe. Die Schilder hatten unter den anderen Läufern auch jede Menge Fans.

Das waren die beiden Hindernisse, vor denen ich Muffensausen hatte. Ganz im Ernst, da war doch massig Platz zum Drumrumlaufen? Die anderen Sachen – halbhohe Hindernisse, Schwimmen, Über-Hürden-Klettern, mehr Schwimmen, Unter-Dingen-Hindurchducken, Hangläufe und dieses Strohdingens, auf dem man schweren schwingenden Säcken ausweichen musste – fand ich nicht soo wild. Anstrengend, aber machbar.

Doch ich habe es geschafft. Mit viel gutem Zureden von den anderen Läufern – die waren wirklich toll! – und meinem Support-Team, das natürlich immer dort auftauchte, wo es brenzlig wurde.

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Das ist Richards Lieblingsfoto.

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Und das ist meins, da hatte ich es nämlich überstanden.

Zu Hause habe ich dann erst einmal vierzehn Stunden geschlafen, und heute tun mir die Beine weh. Aber das war es wert!

Die besten Pläne

Dienstag war wieder so ein Tag.

Ich hatte ungefähr drölfzig Dinge vor, die alle ganz dringend stattfinden mussten, und ich wusste auch direkt die Reihenfolge, in der alles passieren musste, damit ich garantiert siegreich aus der Schlacht gegen Zeit und Arbeit hervorgehe: Büro, Lauftraining, Abendessen kochen (und essen!), zwei Kapitel überarbeiten, Bett. Vor allem das Laufen war wichtig, denn die langen Läufe lässt mein innerer Schweinehund gerne mal ausfallen. Zehn Kilometer sollten es werden.

Dann kam alles ganz anders.

Zuerst erhielt ich, noch im Büro, eine Nachricht des Mannes: Er war unterwegs zum Friseur, hatte aber seinen Schlüssel zu Hause vergessen. Kurze Rücksprache – zu dem Zeitpunkt, an dem ich mit seiner Rückkehr rechnete, wäre ich eigentlich noch schwitzend irgendwo im Wald.

Kein Problem. Dann eben erst Kapitel überarbeiten, bis er nach Hause kommt, laufen, Abendessen. Ich kam nach Hause, und weil es so schön friedlich war, machte ich erst einmal ein kleines Nickerchen mit den Katzen.

Als ich etwas später am Schreibtisch saß, der nächste Anruf: Der Mann hatte nach dem Friseur noch eingekauft – vor allem Eis, was bei diesem Wetter ja sozusagen überlebenswichtig ist. Leider hatte er vor dem Einkauf auch ein Päckchen bei der Post abgeholt, dieses dann aber leider in der Bankfilliale vergessen. In der Zwischenzeit hatte ich schon das Abendessen vorbereitet, das man quasi nur noch den Herd einschalten und ein paar Dinge rühren musste, und das erwies sich langfristig als Glücksfall.

Damit das Eis nicht schmilzt – hey, wir haben unsere Prioritäten eindeutig im Griff! – kam er also schnell nach Hause. Ich saß in Sportsachen am Rechner. Weil es in der Nähe der Bank aber keine Parkplätze gibt und er auch einen dichten Terminplan für den Abend hatte, habe ich ihn noch einmal schnell in die Stadt gefahren und in Banknähe ausgesetzt. Dann einmal um den Block kurven, während er zur Bank hetzt.

Das Päckchen war noch da, welch Glück!

Fünfzehn Minuten später waren wir wieder an der Wohnung. Jetzt war es aber höchste Zeit, wenn ich noch laufen wollte! Das Schreibtischpensum hatte ich mehr als erledigt. Nur noch schnell die Schlammschuhe anziehen, „Zombies, run!“ auf die Ohren – und los.

Zum Glück ist es im Moment Abends noch lange hell, so kam ich in den Genuss eines halbwegs kühlen Waldlaufs. Außerdem konnte ich eine neue Strecke probieren, bei der sich gleich mehrere Steigungen auf meine Geschwindigkeit auswirken. Hangläufe sind ja gut für die Ausdauer und so. Letztendlich war ich um 21:00 h wieder zu Hause und bekam auch gleich eine SMS, dass der Mann ebenfalls wieder auf dem Heimweg sei. Schnell Herd anstellen, unter die Dusche – und dann gerade irgendwie noch rechtzeitig mit Bier und Futter auf das Sofa fallen, ehe der Tag komplett rum war.

Zum Glück bin ich nicht nur sehr verplant, sondern auch sehr spontan. Aber ich schwöre, wenn der ganze Terminstress um ist, mache ich mal zwei Wochen nichts. Das dürfte, wenn ich richtig geplant habe, irgendwann im November sein. ^^