Warum macht sie das eigentlich – und warum erzählt sie mir davon?

Völlig überraschend hat mich nach dem Hindernislauf im Regen der traditionelle Rotz ereilt. Keine Sorge, diese Autorin ist stabil gebaut. Aber da ich nichts Aufregendes vom Schreiben oder aus meinem Leben erzählen kann, habe ich stattdessen überlegt: Warum mache ich das alles überhaupt? Und was kannst du daraus lernen?

In einem kargen Flur aus Beton liegen mehrere große, unregelmäßig geformte Objekte, teilweise ausgehöhlt. Die Objekte erinnern entfernt an Wirbelkörper.
Foto von Andrea De Santis, gefunden auf Unsplash.

Wenn du dir überlegen solltest, an einem Hindernislauf teilzunehmen, was würdest du als erstes tun? (Außer dir deinen Kopf untersuchen lassen, denn vernünftige Menschen kommen gar nicht erst auf solche Ideen!) Genau, du überlegst dir einen Plan. Sammelst Informationen darüber, was dich wohl erwartet. Überlegst, was du dafür alles können musst. Und das trainierst du dann.

Diese Vorgehensweise empfiehlt sich für viele Herausforderungen im Leben – auch fürs Schreiben. Aber oft sehe ich, dass Leute erwarten: „Hey, ich habe eine tolle Geschichte im Kopf. Die wird ganz bestimmt ein Bestseller, ich muss sie nur fix aufschreiben. Und schreiben kann ich seit der ersten Klasse, wie schwer kann das schon sein?“

Zuerst einmal: Eventuell hat es seit deiner Schulzeit möglicherweise eine Rechtschreibreform gegeben. Und wie fit bist du mit Satzzeichen? Genau, da fängt es schon an. Und dann gibt es natürlich einige Tricks, um aus einem Text einen guten Text zu machen. Keine Sorge, die zähle ich jetzt nicht erschöpfend auf – das Internet ist voll mit guten und schlechten Tipps, und die, die zu dir passen, musst du schon selbst raussuchen. Aber es gehört eben ÜBUNG dazu, einen guten Text zu schreiben … einen, der im Ohr bleibt, den Leute gerne lesen, bei dem sie innehalten und denken: „Wow, könnte ich das doch nur auch!“

Klar hätte Tolkien schreiben können: „Ein paar Typen mit haarigen Füßen gingen zum Schicksalsberg. Sie gingen sehr lange. Am Ende warfen sie den Ring ins Feuer.“ (Sorry, Spoiler!) Inhaltlich völlig korrekt, aber minimal weniger spannend als die Originalversion von „Herr der Ringe“, wie wir sie kennen. Und das nicht nur, weil ich ein oder zwei Details ausgelassen habe.

Gute Texte sind eine Frage des Timings, der Stilmittel, der Wortwahl. Der Erzählstruktur und des richtigen Tempos. Der Vergleiche und der Überraschung. Unter anderem. Und ich schwöre: Egal, wie gut eine schreibende Person ist, es gibt immer noch etwas, was sie dazulernen kann. Auch ich. Sogar ich! Und diese Zeit muss man sich als schreibende Person auch immer mal wieder nehmen. Übungstexte schreiben, die nur dazu da sind, dass man an ihnen wächst – ohne dass sie parallel schnell Preise gewinnen oder in den Roman wandern. Wörter nachschlagen, Synonyme und Antonyme lesen, Zeichensetzung üben. Ich weiß ja nicht wie es dir geht, aber ein, Buch in dem – Zeichen willkürlich! gesetzt sind, lege ich schneller, wieder weg als du gucken kannst …

Und wenn man das alles regelmäßig übt und immer weiter macht und nie aufgibt, kommt man beim Schreiben des ultimativen Bestseller-Romans auch (fast) ohne Schwierigkeiten über die Hindernisse, die einem unterwegs begegnen.

Soviel zu meinen philosophischen Erkenntnissen für heute. Womit könnte man das Schreiben denn noch alles vergleichen?

Ach, die schreibt auch?

Ja, aber davon hört man im Moment nicht soviel.

Auf grauem Teppich liegt eine Person im schwarzen T-Shirt, die Arme in einer frustrierten Geste nach oben geworfen. Auf dem Gesicht liegt ein Ringbuch, auf dessen Cover ein großes Fragezeichen zu sehen ist, in der linken Hand hält die Person etwas, was ein Stift sein könnte.
Foto von Ryan Snaadt, gefunden auf Unsplash

Nach dem ganzen Chaos war es so schwierig, wieder in eine Schreibroutine reinzukommen und alles aufzuholen, was so aufgelaufen war, und ich bin noch ein wenig matschig von den letzten Monaten und meine ganzen Pläne sind natürlich im Eimer.

Ob ich das Hörbuch zu „Allerseelenkinder“ dieses Jahr im Oktober herausbringe? Wer weiß?

Wird „Willkommen in Schattenfall“, mein Cozy Fantasy-Roman, rechtzeitig vor Halloween fertig? Keine Ahnung!

Aber ich pflüge vorwärts. In winzigen Schritten. Mit dem Optimismus all jener, die keinen richtigen Plan und nur viel Begeisterung für ihre Projekte haben.

Der Sammelband für „Gruftgeflüster“ müsste mal zu Ende gehübscht werden. Eine meiner stärksten Schwächen.

Und da ist noch eine Handreichung für Autor*innen, die ich dieses Jahr herausbringen möchte – ironischerweise darüber, wie man unter widrigen Umständen und immer weiter schreibt, auch wenn die Deadline noch so aberwitzig aussieht. Mal schauen, ob ich da als gutes Beispiel vorangehen kann.

Auf jeden Fall – es geht vorwärts. Im September könnte ich meinen Newsletter mal wieder beleben, ich schulde der Welt ein paar Geschichten. ^^

Vorwärts!

Manchmal habe ich superdurchdachte und verplante Tage, mit festen Schreibzeiten und Tageszielen, die alle erreicht werden, und diesem Gefühl von „Accomplishment“, wenn ich Abends ins Bett gehe.

Aktuell sieht es meist eher so aus, dass ich wie wild mit allen acht Armen rudere, um von allem, was getan werden muss, wenigstens ein bisschen zu schaffen. Und dann sitze ich nach Mitternacht auf dem Sofa und tippe einen Blogbeitrag, der eigentlich total organisiert und wohldurchdacht und natürlich wunderschön ausformuliert sein sollte, damit niemand denkt, ich sei tot. Das Manuskript hat Verlustängste, weil es konstant vernachlässigt wird, die Kater haben den großen Aufstand gestartet und der Mann versucht sich zu erinnern, ob er nicht irgendwann mal mit einer Frau zusammengezogen ist, die regelmäßig gesunde Mahlzeiten kocht.

Das Leben ist halt nicht immer so, wie wir uns das denken.

Ist auch gar nicht so schlimm.

Hauptsache, wir machen weiter.

Über die Alternative denken wir am besten gar nicht nach.

Vorwärts!

Mondfeste? Windfeste? Taubenfest? Hauptsache feiern!

Heute geht es mal wieder um ein Schreibthema: Worldbuilding. Und da es gerade allenthalben ja etwas drisch ist, reden wir über etwas, was die meisten Leute mögen: Feste.

Große Feste, kleine Feste.

Was wird in deiner Welt gefeiert? Geburtstage? Religiöse Feste? Naturereignisse? Was ist in der Gesellschaft, in der deine Geschichte spielt, wichtig? Und warum? Wie äußert sich das? Und vor allem – was sind die Unterschiede?

Bestimmt gibt es bei dir in der Gegend (jetzt in der Realität, nicht in den Geschichten) Schützenfeste. Dann weißt du, wovon ich rede. Fünfzehn Kilometer entfernt wird das Schützenfest schon ganz anders gefeiert als bei dir im Ort. (Mit anderen Worten: Die amüsieren sich ganz falsch!)

Oder wenn du mal in einer anderen Gegend auf einer Hochzeit eingeladen warst – gab es Bräuche oder Spiele, die dich überrascht haben?

Häufig findet man in Fantasy-Geschichten nämlich in erster Linie sehr homogene Gesellschaften. Der ganze Kontinent ist ein Königreich, in dem alles überall immer gleich ist und jeder das Gleiche über Geschichte und Politik wissen.

Hast du mal miterlebt, wie die Kölner und Düsseldorfer sich über Karneval zerfleischen? Oder wie die Bonner und die Beueler traditionell streiten? Es gibt keinen Grund, warum das nicht in deiner fantastischen Welt genau so sein sollte. Das macht den Hintergrund lebendig und reich und kann zu lustigen zusätzlichen Verwicklungen und Missverständnissen führen.

Wichtig ist vor allem, dass die Feste und Gebräuche in deiner fantastischen Welt sinnvoll aufeinander aufgebaut sind. In manchen Konstellationen ergibt es mehr Sinn, den Beginn der Regenzeit zu feiern als den ersten Frühlingstag. Einige Völker werden das erste geschlüpfte Küken feiern, andere huldigen dem größten Weinstock. Nomadenstämme haben andere Prioritäten als Bauern, in den Bergen feiert man anders als am Meer – und wenn die halbjährlichen Überschwemmungen für die Bevölkerung überlebenswichtig sind, werden auch die gefeiert. Gibt es deutlich unterscheidbare Jahreszeiten?

Das wichtigste ist, überhaupt Gelegenheiten zum Feiern zu finden.

Die „Tricks of the Trade“ (ein kurzer Rant)

Als schreibende Person liebe ich Schreibratgeber. Manchmal lese ich sie sogar. Und natürlich durchforste ich auch das Internet, wenn ich prokrastiniere, gerne nach Tipps dazu, wie ich besser werden kann.

Immer wieder finde ich dabei Tipps oder Tricks, wie man das „unweglegbare“ Buch schreibt und Leser langfristig an sich bindet … und da ich auch gerne lese, kenne ich viele dieser Tricks auch von der anderen Seite. Und weißt du was? Die meisten von ihnen machen mich madig.

An oberster Stelle steht dabei der „Cliffhanger“, über den immer wieder gern diskutiert wird. In geringer Dosis eingesetzt, hat er durchaus seine Berechtigung, denke ich, aber so Tipps wie „Lasse jedes Kapitel mit einem Cliffhanger enden, damit die Lesenden das Buch nicht beiseite legen können!“ sind einfach nur ätzend. Möglicherweise nicht für alle, aber ICH MUSS MORGEN ARBEITEN. Am Ende eines Kapitels werde ich das Buch weglegen, das Licht ausmachen und schlafen. (Oder noch ein wenig mit dem Kater spielen, damit er bis zum Morgen Ruhe gibt.) Wenn ich also das Gefühl habe, das die Kapitel keine Sinneinheiten sind, sonder sozusagen willkürlich an der ungünstigsten Stelle beendet werden, nervt mich das. Außerdem, finde ich, zeigt es einen Mangel an Selbstvertrauen bei der schreibenden Person. Wenn die Geschichte und der Schreibstil gut sind, lese ich nämlich das Buch gerne weiter, auch wenn die Charaktere (angeblich ein „no-go“) am Ende eines jeden Kapitels schlafen gehen.

Ebenfalls unnötig finde ich es, konstant „den Einsatz zu erhöhen“. Klar, die Spannung sollte im Verlauf der Geschichte steigen, aber häufig sieht es so aus, dass Situationen immer noch absurder und noch unrealistischer werden – ein höherer Einsatz um jeden Preis! Dann ist nicht nur das Kind schwer krank und das Auto kaputt, sondern am Krankenhaus, wenn man endlich ankommt (auf einem dreibeinigen Muli), gibt es Bombenalarm und der leitende Arzt in der Notaufnahme ist der fiese Ex, der das Kind nur sterben lassen würde, um der Protagonistin einen reinzuwürgen, ohne zu wissen, dass er der Vater des Kindes und möglicherweise auch Halbbruder der Protagonistin ist. Klar, Manche Daily Soaps funktionieren so, aber es gibt einen Punkt, an dem so eine Geschichte nur noch lächerlich wirkt. Extra-Punktabzug dafür, wenn „gigantische Probleme“ sich mit einem einzigen Anruf aufklären ließen oder Figuren aus völlig vorgeschobenen Gründen nicht miteinander reden und das Missverständnis beinahe die Menschheit auslöscht. „Meine Güte, jetzt hätte ich beinahe den roten Weltvernichtungsknopf gedrückt, weil ich dachte, du hasst mich, dabei hattest du nur dein Telefon in der anderen Handtasche vergessen und konntest mir deswegen nicht Bescheid sagen, dass du dich fünfzehn Minuten verspätest!“

Ein zweischneidiges Schwert sind die „sympathischen Charaktere“. Klar, ich lese am liebsten über Leute, deren Motivation ich nachvollziehen kann und mit denen ich zur Not auch ein Wochenende in einer einsamen Blockhütte verbringen würde. Aber zwei Standardlösungen, um Charaktere sympathisch zu machen, sind:

  1. Der Charakter ist ein „Underdog“ und/oder Ausgestoßener mit einem furchtbaren Geheimnis.
  2. Der Charakter ist etwas Besonderes und von allen anderen missverstanden (ein Klassiker: Das „nicht wie alle anderen Mädchen“-Trope).

Um diese Dinge so richtig klarzumachen, sind alle anderen herablassend bis gemein zu ihnen. Und da denke ich mir als Leserin: Wieso zum Henker sollte ich meine kostbare Lesezeit in einer Welt verbringen, in der alle furchtbar zueinander sind? Sogar Aschenputtel hatte ihre singenden Mäuse (oder einen guten Dealer)!

Ebenfalls zweischneidig der Rat: „Enthalte Informationen vor“. Ja, bitte, dringend, je nach Geschichte mehr oder weniger – sonst wäre es kein Mystery, sondern ein Aufsatz in chronologischer Reihenfolge. Aber wenn dieser Kniff plump angewandt wird und konstant etwas angedeutet wird, das wahrscheinlich alle Leute bis auf die lesende Person wissen, wird es schnell langweilig und man merkt, dass damit nur eigentlich nicht vorhandene Spannung ausgestopft werden soll.

Ach so, noch ein stilistischer „Tipp“, den ich persönlich hasse: Kurze Sätze.

Sind leichter zu verstehen.

Leute mögen das.

Die kann man schneller lesen.

Aber merkt ihr es? Der Rhythmus des Textes geht dadurch kaputt, und das Lesen macht keinen Spaß mehr. Klar, wer nicht (auch) wegen der Sprache da ist, wird sich da nicht dran stören. Für mich ist schön eingesetzte Sprache wichtig. Dazu gehören nicht nur gut gewählte Wörter und Ausdrücke, sondern auch ein ordentlicher Rhythmus. In Action-Szenen sind kurze Sätze nützlich, um das Atemlose im Moment auszudrücken. Ruhige Momente vertragen längere Sätze und weiche Silben. Meistens kommt es darauf an, die richtige Mischung zu finden.

Der Mann hat einen Ratschlag, den er gern wiederholt: „Don’t learn the tricks of the trade – learn the trade“ (in etwa: Anstatt Hacks auf einem Gebiet zu lernen, arbeite dich lieber richtig in das Gebiet ein.) Und das finde ich gut und richtig – auch beim Schreiben. Klar gibt es Dinge, von denen man sagen kann: Die funktionieren, wenn du deinen Text leichter lesbar/unterhaltsamer/spannender/… machen willst. Aber anstatt sich mit Abkürzungen und Tricks aufzuhalten, sollte man sich lieber darauf konzentrieren, erst einmal eine wirklich, wirklich gute Geschichte zu schreiben.

Jetzt bist du dran: Hab ich mich da in etwas verrannt? Oder habe ich vielleicht sogar etwas vergessen? Welche „Schreib-Hacks“ hasst du, welche sind nützlich – oder überflüssig?

Starke Charakterteams

Beim Lesen fällt mir immer wieder auf, wie sehr ich es mag, wirklich gut geschriebenen Teams zu begegnen. Man bekommt unterschiedliche Ein- und Ansichten präsentiert, kann Dinge aus unterschiedlichen Blickwinkeln erleben und an mehrere Orten gleichzeitig sein.

Und das bezieht sich nicht nur auf romantische Paare, obwohl die, soweit ich das sehe, das häufigste Team in Büchern sind. Ich bin da mit Helena und Falk ja auch nicht ganz unbeleckt, zugegeben. Aber genau so sehr mag ich es, wenn Leute gute Kolleg*innenteams oder Freundschaften schreiben – ach, sogar reine temporäre Zweckgemeinschaften können ein echtes Lesevergnügen sein.

Natürlich gibt es eine Teamgröße, aber der es unübersichtlich wird – so ab sechs, sieben Leuten? Und zwei allein ist natürlich gut zu schreiben und zu steuern, aber manchmal etwas eintönig, wenn man immer dieselbe Dynamik präsentiert bekommt.

Vor kurzem habe ich „Nettle and Bone“ von T. Kingfisher gelesen und war sehr geflasht, wie gut das kleine Team, das sich im Lauf der Geschichte zusammensetzt, miteinander funktioniert. Ich hatte einen guten Eindruck davon, dass es lauter verschiedene Figuren sind, die unterschiedliche Lebenserfahrungen gemacht haben, auf unterschiedliche Weise sprechen und handeln und auf die gleiche Situation stark unterschiedliche reagieren – je nach ihren Erfahrungen und Persönlichkeiten.

Und wisst ihr, wie schwierig das zu schreiben ist? Im Moment schlage ich mich mit einem vergleichsweise großen Cast wirklich eigensinniger (Neben-)Charaktere herum, und ich bin noch nicht sicher, wer gewinnt. Es fühlt sich an, als dürfe man einen Abend lang mit einer gut aufeinander eingespielten Truppe um die Häuser ziehen.

Welches sind deine liebsten Charakterteams?

Kommt Kunst vielleicht doch von „können“?

Eigentlich finde ich diese Herleitung unpassend, denn Kunstempfinden ist viel zu subjektiv, als das man bestimmen könnte: „Die Person macht Kunst, die kann das!“

Aber in den letzten Tagen dachte ich mir – vielleicht steckt da doch ein Fünkchen Wahrheit drin. Nicht „können“ im Sinn von „in der Lage sein, etwas auf einem professionellen Niveau zu tun“, sondern eher im Sinne von „die Möglichkeit haben/kriegen, etwas zu tun“. Und ich bin da natürlich nicht durch blankes Nachdenken drauf gekommen, denn: Man „lässt“ mich einfach nicht schreiben.

Der Mangel an Blogposts hat es vielleicht schon angedeutet, hier steppt der Bär, und es fallen etliche zusätzliche Arbeiten an. Jetzt ist mein Alltag eigentlich mit spannenden Dingen vollgepackt, und das Schreiben ist fast das spannendste. Es ist aber auch eines der ersten Dinge, die wegfallen, wenn es dringende Aufgaben zu erledigen gibt. Und ich habe jetzt mehrfach erlebt, dass andere Leute mir zusätzliche Aufgaben aufbürden, weil: „Diandra hat ja Zeit, die macht ja nichts neben der Arbeit.“

Äh, hallo????

„Nichts“???

Ich möchte widersprechen.

Die Mitarbeit in der PAN-Stipendiums-Jury ist nicht „nichts“.

Das Sprechtraining für meine eigenen Hörbücher ist nicht „nichts“.

Und die Geschichten, die ich dringend auf euch loslassen muss, sind erst recht nicht „nichts“.

Aber klar, das fällt dann notgedrungen aus, denn andere Leute brauchen Zeit, um für ihren Urlaub zu packen oder weil sie soviel arbeiten. Wenn ich dann ablehne, weil ich noch einen Haufen Leseproben zu lesen habe, der nächste Online-Kurs ansteht oder ich endlich mal wieder meinen anvisierten Wordcount pro Tag schaffen will, gibt es lange Gesichter. „Äh, ja, ähm, dann müssen wir wohl gucken, wie wir das machen.“

Gut, mir ist klar – so richtig hart materialistisch lebenswichtig ist Kunst nicht. Meine nicht, und die anderer Leute auch nicht. Es ist nicht so, als könne ich ein Heilmittel für Krebs erschreiben oder mittels liebevoll aufeinander abgestimmter Sätze den Krieg in der Ukraine beenden. Dennoch möchte ich kurz eine Welt beschwören, in der sämtliche Kunst mangels Zeit fürs Kunstschaffen ausfällt: Keine Musik. Kein Design. Keine mediale Unterhaltung – also natürlich keine Bücher, aber auch keine Serien, Filme, Dokus, keine Computerspiele, Brettspiele. Kein Bastelhobby, keine gemütlichen Einrichtungsgegenstände. Keine witzigen oder verstörenden Werbefilmchen auf YouTube. Überhaupt – kein YouTube.

Braucht man schließlich alles nicht.

Die Kunstschaffenden können dann stattdessen abgestellt werden, um Flugreisende abzufertigen oder so.

Macht doch etwas Sinnvolles mit eurer Zeit.

Sonst macht ihr schließlich „nichts“.

(Merkt man, dass ich ein wenig angefressen bin? ^^ )

Geteiltes Leseleid ist halbes Leseleid? Mitnichten!

Wie ich schon das eine oder andere Mal erwähnt habe, halte ich mich unter meinem eigenen Namen mit Rezensionen meist zurück. Nicht, weil ich zu vornehm für so etwas wäre, sondern weil man sich als schreibende Person mit Rezensionen ganz schön in die Nesseln setzen kann:

Rezensierst du zu gut, bist du eine Gefälligkeits-Bitch, die die Bücher ihrer Freund*innen herumpimpt.

Rezensierst du zu schlecht, bist du ein Neidstinktier.

Rezensierst du irgendwo in der Mitte, hast du wahlweise keine Meinung oder keinen Geschmack.

Und überhaupt, deine Meinung ist ganz falsch!

So oder so ähnlich konnte man das gerade erst wieder auf Twitter beobachten, wo sich einige Leute darüber zerlegten, dass eine Autorin eine Rezension veröffentlichte und die Autorin des besprochenen Buches die Rezension nicht so geil fand. Ich war einmal nur am Rand dabei, holte mir etwas Popcorn und beobachtete mit Befremden, wie Leute, die eigentlich das gleiche wollen (Diskriminierung reduzieren und gute Bücher schreiben) einander an die Gurgel gingen – unterstützt von ihren Freund*innen und Follower*innen, die eifrig mitmischten und beliebig persönlich wurden, auch wenn der ursprüngliche Text es gar nicht hergab.

Jetzt verstehe ich ja beide Seiten.

Wenn ich die Möglichkeit hätte, narrensicher (ich kenn mich ja) ein geschlossenes Pseudonym zu pflegen, würde ich so manche Rezension schreiben, die mit Schimpfwortwarnungen gespickt wäre.

Schreibt hingegen jemand etwas Fieses über meine Bücher, bin ich erst einmal geknickt.

Das eigene Buch ist immer das Schönste und Beste, wie das eigene Kind – und wenn jemand dir sagt: „Dein Kind ist hässlich und stinkt“, ist das eine schwer zu schluckende Kröte.

Jetzt müssen wir Autor*innen allerdings manchmal Profis schauspielern. Dazu gehört, weder fremde Bücher noch Rezensent*innen oder andere Autor*innen unter der Gürtellinie anzugreifen und gleichzeitig Kritik an uns abperlen zu lassen. Eigene Meinungen sollten wir allerdings äußern dürfen, ohne dafür geteert und gefedert zu werden.

Als garstige alte Frau bin ich beispielsweise ein großer Fan vom „Jealous Haters‘ Book Club“, in dem aktuell beliebte Bücher mit problematischen Inhalten durch den Kakao gezogen werden. Würde eines meiner Bücher da auftauchen, wäre ich natürlich auch empört – und diese Empörung würde ich im Kreis guter Freund*innen zelebrieren, die verstehen, dass Autor*innen manchmal Leute mit der stumpfen Feder aufspießen wollen. OFFLINE. Schimpftiraden und Gewaltfantasien gegenüber rezensierenden Personen gehören nicht ins Internet.

Mir ist völlig klar, dass nicht jede Geschichte jeder Person gefallen kann. Wie langweilig wäre das denn? Und mir ist auch klar, dass Leute dazulernen – manche meiner älteren Geschichten würde ich heute auch wieder anders schreiben. Wenn es eine schlechte Rezension gibt, schaue ich: Ist sie konstruktiv? Kann ich etwas daraus lernen? Und dann mache ich weiter, so gut ich kann.

(Sollte man mit so einem Vorgehen Probleme haben, spricht auch nichts dagegen, einfach gar keine Rezensionen anzuschauen. Rezensionen sind nämlich gar nicht für schreibende Personen, sondern für andere lesende Personen.)

Wenn allerdings mal irgendwer auf irgendwen sauer ist oder der Meinung ist, etwas sei bei einer Rezension o.ä. schiefgelaufen und müsse angesprochen werden, hätte ich für die Zukunft mal eine Idee: Wieso setzen wir uns nicht alle gemeinsam hin, akzeptieren, dass ALLE fehlbar sind (Anwesende eingeschlossen) und besprechen solche Dinge dann konstruktiv und mit Respekt? Dieses Ding mit den Lagern und den Mobs und dem „Wenn du mit dem befreundet bist, darfst du nicht mehr mit der befreundet sein!“ finde ich nämlich viel zu anstrengend.

Es hat sich ausgeflüstert

Heute ist er endlich offiziell erschienen – der letzte Band der „Gruftgeflüster“-Reihe. Zwölf Kurzromane, zwölf Monate, zwölf unheimliche Touren ins Rheinland. Jetzt neige ich zu gnadenloser Selbstüberschützung, doch irgendwann zwischendurch war ich selbst nicht sicher, ob ich diesen Plan so durchziehen könnte. Hiermit ist es also bewiesen: Es geht. Ich habe keine Ausreden mehr für „Schreibblockaden“ und Trödelei. Vielleicht erzähle ich bei Gelegenheit mehr darüber, wie das funktioniert hat und worüber ich selbst gestolpert bin – falls Leute mir dieses lächerliche Experiment nachmachen wollen, oder falls jemand Interesse daran hat, schneller und produktiver zu schreiben, und gucken möchte, ob meine Methode für ihn funktioniert. Klar, wir schreiben alle unterschiedlich, aber möglicherweise habe ich ja einen Trick gelernt, der anderen Leuten auch hilft?

Ursprünglich wollte ich übrigens danach einen Monat freinehmen – oder wenigstens bis Ende Februar. Aber ich sitze schon bis an die Ohren in der nächsten Planung, und es wird auf jeden Fall unterhaltsam. Die Ausgangsidee ist „Stars Hollow (aus Gilmore Girls), nur mit Magie.“ Und dann geht natürlich alles schief und Leute verschwinden, und eventuell sind am Ende wieder alle tot. Ich kann da gar nichts für! ^^

Kuschelige Erkenntnis

Entgegen dem, was der Titel verkündet, geht es NICHT um Katzen.

Hast du dich auch manchmal gefragt, warum Bücher und Fernsehserien aus manchen Jahrzehnten so seicht und fröhlich wirken? So … langweilig? Ich meine, komm schon: Alle sind happy, alle sind glücklich, alle sind froh, und überall Liebe und Friede und – du verstehst mich. Wer sollte so etwas gucken wollen?

Gaaaaaaaanz allmählich schwant es mir: Leute, die einen fiesen Alltag haben. Die Unterhaltung der Nachkriegszeit? Seicht. Ablenkung zu Zeiten von Wirtschaftskriegen und globalen Katastrophen? Fröhlich. Mit einer Einschränkung: Es muss eine für das Publikum spürbare Krise sein.

Wie ich drauf gekommen bin? Seit einigen Wochen habe ich keine Lust auf Horrorfilme oder düstere Action. Sonst konnte ich Samstags kaum erwarten, dass der Mann aus dem Haus war, um mich mit Monstern, Serienkillern und unheimlichen Phänomenen zu umgeben. Jetzt schaue ich lieber Disneyfilme (oder vergleichbar bunte, vorhersehbare Dinge). Der Alltag schlaucht, da möchte ich mich lieber ablenken statt aufregen.

Geht dir das auch so?

Auf jeden Fall schlägt sich das auch allmählich auf mein Schreibbedürfnis nieder. Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis die ersten tot sind. Oder bleibt es diesmal am Ende doch kuschelig? ^^