Blutbäder sind gut für die Haut

Das wusste schon die „Blutgräfin“ Elisabeth Báthory (nach der ich meine Elisaschneck benannt habe). Gerüchten zufolge badete sie regelmäßig im Blut schöner junger Frauen, um sich ihr jugendliches Aussehen zu bewahren. Dafür wurde sie im Jahr 1611 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Jetzt kann man dieses ungewöhnliche Hausmittel gutheißen oder nicht (Scherz! Natürlich heiße ich es NICHT gut, Leute als wandelnde Einweg-Lotionsspender zu verwenden!), die bildliche Vorstellung ist eher unappetitlich – der Geruch! Die Sauerei! Wie das klebt! Und wohin mit den ganzen leeren Jungfern?

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Auch beim Schreiben ergeben sich gelegentlich ähnliche Fragen, wenn es um Gewalt geht. Zeigen oder lieber nur andeuten? Wie explizit sollte man werden? Darf man sich blumiger Ausschmückungen bedienen? Ist das, was ich da schreibe, überhaupt realistisch möglich?

(Lustigerweise gelten die gleichen Fragen auch für Sexszenen.)

Manche Leser verprellt man mit expliziter Gewaltdarstellung. Andere haben weniger Probleme mit Gewalt, solange das Haustier überlebt. Und für noch andere wird es durch explizite Szenen erst so richtig spannend. Den einen „richtigen“ Weg gibt es also nicht.

Ein paar Dinge kann man aber bedenken:

  • Brauche ich die Gewalt für meine Geschichte? Manchmal passieren eben schlimme Dinge, und die können sogar plotrelevant sein. Dann ist es oft keine Lösung, sie auszublenden. Fies ins Detail gehen muss man natürlich trotzdem nicht. Früher wurden aufwändige Szenen im Theater beispielsweise oft nur indirekt durch Späher wiedergegeben (spontan fällt mir dazu „Götz von Berlichingen“ ein, da müsste das so gewesen sein). Anstatt das blutige Gemetzel also auf drei Seiten auszubreiten, könnt ihr auch einen Boten davon erzählen lassen.
  • Welches Alter haben meine Leser? Tendenziell sollte es immer weniger explizit sein, je jünger die Zielgruppe ist. Kinder wissen zwar auch schon, dass schlimme Dinge passieren können, aber für sie ist Gelesenes (oder Gesehenes) oft noch unmittelbarer real, also sollte man ihnen einige Dinge wenigstens auf dem Papier ersparen.
  • Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob etwas so funktioniert, wie ihr meint, dass es funktionieren könnte, stellt es nach. Bitte nicht am lebenden Objekt, aber beispielsweise mit Actionfiguren oder Salzstreuern. So könnt ihr wenigstens herausfinden, wer wann wo ist und wie es ihm danach gehen könnte.
  • Und bleibt ein bisschen realistisch. Der unsportliche Nerd, der die Welt retten muss, wird sich mit größter Wahrscheinlichkeit NICHT durch kilometerlanges Herumhangeln vor der Sternenschlange retten. Ich habe es probiert. Ich habe Nerd-Ärmchen. Wenn mein Leben davon abhinge, irgendwohin zu hangeln, würde ich einfach gefressen. Isso.

Absurde Genremischungen – vielleicht gar nicht so absurd?

Was sind die absurdesten Genremischungen, die ihr euch vorstellen könnt?

Ein Geisterwestern?

Ein utopischer Roadmovie?

Eine kindertaugliche Dystopie?

Romantik-Horror mit Science-Fiction-Elementen und Einhörnern?

Solche Mixe können funktionieren, müssen es aber nicht. Man muss genau schauen, wie man die überwiegend ungeschriebenen Genreregeln auf plausible Art miteinander vermischt. Und man läuft natürlich Gefahr, Genrefans zu enttäuschen. Aber ich persönlich finde ja Buchbeschreibungen wie „Lesbische Totenbeschwörer erforschen ein Spukhaus im Weltall“ (eigene Übersetzung, Blurb zu Gideon the Ninth) sehr verlockend. Ja, das kann grandios schiefgehen. Aber wenn die Autorin ihr Handwerk versteht, dürfte das sehr, sehr grandios sein.

 

Auch imaginäre Freunde können streiten – fantastische Konflikte

Ja, Worldbuilding ist schwierig. Man muss sich alles ausdenken, und alles muss zueinander passen. Wie funktioniert öffentlicher Nahverkehr in einer Welt, in der Menschen auf Bäumen leben, weil der Boden mit säureproduzierenden Schlingpflanzen bedeckt ist und Riesenvögel jeden fressen, der den Kopf aus dem Blätterdach streckt? Was für Toiletten benutzen Meerleute? Passen meine Schimpfwörter zum Erleben meiner Charaktere?

Und es ist damit noch nicht getan. Denn auch imaginäre Welten sind nicht homogen. Es sei denn, natürlich, jeder Charakter lebt auf seinem eigenen kleinen Planeten wie in „Der kleine Prinz“. Wahrscheinlich gibt es unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichem Wissen, unterschiedlichen politischen Ansichten und sogar unterschiedlichen Religionen.

Gut, man muss nicht alles bis ins kleinste Detail ausarbeiten. Aber Konflikt ist der Treibstoff für die meisten guten Geschichten. Und wenn wir uns nicht einmal in der eigenen Familie auf das Salatdressing oder die Feierabendserie einigen können, wie kann es dann sein, dass in einer fantastischen Welt alle einer einzigen Religion anhängen oder alle den Herrscher gleichermaßen gut (oder böse) finden? Wäre es nicht viel realistischer – ja, der Begriff eignet sich auch für Fantasy – wenn beim Abendessen darüber diskutiert wird, dass der dreiköpfige Großfußkaiser nicht nur schlecht ist? Ich meine, er frisst zwar jede Woche drei weißhaarige Jungfrauen, aber immerhin hat er für kostenlosen Hyperloop-Transport gesorgt und das Schulwesen revolutioniert! Und einen schönen Bonus gibt es auch: Gewissenskonflikte.

Die Protagonistin KÖNNTE den korrupten Politiker bloßstellen, der sein Gehalt durch Sklavenhandel mit Praktikanten aufbessert, die dann in den Glühwurmmienen schuften müssen – aber ihr Bruder, dessen rechte Hand, wäre dann arbeitslos und könnte ebenfalls in Schwierigkeiten geraten.

Die beiden Geschwister KÖNNTEN verraten, dass ihre Stiefmutter Schuhe aus Menschenhaut trägt, aber dann würe ihr Vater wieder Single und sehr traurig.

Diese beiden Priester hier haben sich zusammengetan, um die Welt vor dem Untergang zu retten, können sich aber nicht einigen, ob der heilige Kristall tatsächlich göttlich oder nur ein göttliches Symbol ist. Ein falsches Wort, schon reden sie nicht mehr miteinander und der eine reitet in die Nacht hinaus, um sich zu betrinken. Soll doch der Symbolkasper die Welt alleine retten!

Machen wir es also ruhig etwas komplizierter.

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Du, es und ich – wer erzählt?

Die Erzählperspektive ist Gegenstand konstanter Diskussion. Welche ist die beste? Welche darf man keinesfalls verwenden?

Zunächst einmal: „Dürfen“ darf man als Autor*in alles. Aber können sollte man es schon. Es lohnt sich also, die Regeln zu lernen – vor allem, wenn man sie brechen will. Andererseits muss man auch nicht jeden Fehler selbst machen. Lieber aus den Fehlern anderer lernen und dafür superkreative neue eigene Fehler machen.

Vor nicht allzu langer Zeit las ich einen Artikel, in dem argumentiert wurde, viele Autoren würden „es“ ja „falsch“ machen – sie würden in der dritten Person erzählen, seien aber nicht dicht genug an der Person dran.

Nein, es gibt immer noch kein „falsch“. Wie dicht oder nicht dicht man an der Figur dran ist, bleibt jedem selbst überlassen … und es eröffnet viele tolle neue Möglichkeiten.

In älteren Büchern kann man oft miterleben, wie die Perspektive innerhalb weniger Absätze mehrfach wechselt. Erst ist man in einer Figur, dann wird ein Absatz in allwissender Perspektive (quasi „von oben draufguckend“) erzählt, dann gleitet man in die nächste Person. Heutzutage gilt das als eher verpönt – stattdessen wird empfohlen, wenigstens für komplette Textsegmente in einer Sichtweise zu bleiben. Ich persönlich finde beide Vorgehensweisen reizvoll. Wichtig ist für die schreibende Person vor allem, sich darüber bewusst zu sein, aus welcher Perspektive man gerade schreibt. Wenn man wirklich „in“ einem Charakter ist, wird man weniger Zeit darauf verschwenden, das Aussehen der Figur zu beschreiben, denn: Die Person weiß ja, wie sie aussieht. Als allwissender Erzähler hat man eine gewisse Distanz zu den Gefühlen der agierenden Personen, darf dafür aber auch verraten, was man will – Vorahnungen, Rückblenden, Dinge, die ein bestimmter Charakter noch nicht weiß, … (das erhöht die Spannung).

Manchmal ist es interessant, wie in alten Märchen aus der Sicht einer Figur zu erzählen und gleichzeitig eine gewisse Distanz zu wahren. Dann können die Leser sich selbst überlegen, wie die Figur sich wohl fühlt und was sie denkt.

Ebenfalls beliebt ist die Ich-Erzählerin. Gut, einige Leute halten das für ein „No Go“, aber einmal mehr: Alles ist erlaubt, solange es gut umgesetzt ist. Beim Ich-Erzähler kann man sich aussuchen, ob man „aus der Situation heraus“ erzählt oder ob man das Ganze im Rückblick erzählt, wie eine Geschichte am Lagerfeuer. Die erste Version kann mehr Tempo aufnehmen, die zweite erlaubt Anspielungen und Vorgriffe.

Eher selten sind Geschichten, die in der zweiten Person erzählen – also „du“ und „ihr“. Einmal durfte ich an so einer Ausschreibung teilnehmen, das war eine interessante Erfahrung. Leider gibt es nicht viele Situationen, in denen sich so eine Perspektive lohnt. Andererseits … wer ist gegen Schreibexperimente?

Am Wochenende habe ich übrigens Wasteland von Judith C. Vogt und Christian Vogt ausgelesen. Die Geschichte (sehr empfehlenswert, btw!) wird aus zwei verschiedenen Ich-Perspektiven erzählt und setzt einen wichtigen Punkt exzellent um: Die verschiedenen Stimmen. Denn natürlich erzählen unterschiedliche Leute auf unterschiedliche Weise. Dies betrifft die Wortwahl, den roten Faden, das Tempo, die Wahrnehmung, … – und wenn man einen beliebigen Absatz aus dem Buch liest, erkennt man direkt, wer von beiden erzählt.

Wir fassen also zusammen: Ihr dürft zum Erzählen jede Perspektive einnehmen, die euch gefällt. Allerdings müsst ihr euch auch wirklich darüber im Klaren sein, was ihr aus der jeweiligen Perspektive sehen/wahrnehmen/wissen/erleben könnt.

Über-Arbeitet???

Die letzte Runde großer Textkorrekturen ist immer noch mal wieder erstaunlich arbeitsintensiv. Ich sitze hier mit drei Text- und Notizinstanzen: Dem angeblich endgültigen Text, einem Textfeld für Notizen zu Dingen, die ich im Verlauf der Geschichte noch ändern, verschieben, oder einfügen sollte, und dem offenen Manuskript, in dem ich kleinere Dinge direkt ändere.

Die Notizen aus dem Textfeld werden gelöscht, wenn sie abgearbeitet sind. Außerdem gibt es dort einige „nice to have“-Notizen: Details, die ich einfügen könnte, wenn ich den richtigen Platz dafür finde, und Hintergründe, die der Leser nicht unbedingt zu wissen braucht, die aber interessant sein könnten.

Und ich sammle Wörter oder Ausdrücke, die ich exzessiv verwendet habe. Diesmal sind es Dinge wie „ein wenig“ oder alles, was mit Ruhe zu tun hat: Sich beruhigen, sich ausruhen, … Solche Kleinigkeiten lassen sich mit der Suchfunktion im Manuskript leicht aufspüren und anpassen – wenn man sich ihrer bewusst ist.

Nach dieser Runde werde ich mal wieder davon überzeugt sein, dass ich das bestmögliche Manuskript vor mir liegen habe. Und wenn ich dann später draufgucke oder jemand anderes draufgucken lasse, gibt es wieder etliche Baustellen. Aber irgendwann muss man loslassen, nicht wahr?

Es ist ein bisschen, als würde man einen Fallschirm packen. Man will keine Fehler machen, denn das Ding soll einen tragen. Andererseits darf man auch nicht sein ganzes Leben damit verschwenden, seine Falttechnik zu perfektionieren. Irgendwann muss man springen und hoffen, dass es einen trägt. Und dann faltet man den nächsten Schirm.

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Warum sind traumatisierte Figuren nie so richtig traumatisiert?

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Neulich hatten wir es ja schon über Klischees. Jetzt gucken wir uns mal eines davon etwas näher an: Den Kommissar mit dem Trauma. Im schlimmsten Fall hat er zur Kompensation Macken und Marotten entwickelt, wie Monk. Und genau bei dem hat mich gestört, dass, je länger die Serie lief, diese Kompensationsmechanismen immer mehr zur Lachnummer verkamen.

Viele Autor*innen vergessen die Traumata, die sie ihren Charakteren anhängen, um ihnen Tiefe zu geben oder auch im Verlauf der Geschichte, immer mal wieder. Oder sie unterschätzen, wie sehr sich so ein Trauma auf jemanden auswirkt. Der oder die wird dann im Verlauf der Geschichte – zum Beispiel durch „Liebe“ (Würggeräusch) – „geheilt“ oder „überwindet“ sein Trauma.

Ja Mensch, wenn das doch so einfach ist??? Muss man nur mehr drüber reden, dann können sich unzählige Leute den Weg zum Therapeuten sparen. Einfach mal ein wenig traumatindern oder sich etwas mehr anstrengen. So schwer kann das ja alles nicht sein.

Es gibt auch Bücher, in denen das besser gelöst ist. Die „Hunger Games“-Reihe hat beispielsweise ihre Fehler, aber ich mag, dass die Figuren im Verlauf mit den Folgen des Erlebten umgehen müssen – und dafür nicht immer die besten Entscheidungen treffen. Aber das Leben geht weiter.

Wenn wir als Autor*innen hingehen und unsere Figuren quälen, sollten wir uns also schon ein wenig Gedanken über das Wie und Warum und die Konsequenzen machen. Schließlich hoffen wir, dass unsere Geschichten die Leser nachhaltig verändern. Wie sollen wir das schaffen, wenn nicht einmal unsere Charaktere Narben zurückbehalten?

Neustart – können sich Figuren komplett neu erfinden und wenn ja, warum tragen Komissare dann immer alles Leid mit sich herum?

Ehe ich eine Geschichte anfange, plotte ich immer mehr oder weniger ausgiebig. Das hilft mir, den Überblick zu behalten und tolle Ideen für die Geschichte nicht zu vergessen. Beispielsweise hatte ich in meiner aktuellen Plot-Excel-Tabelle erst ein eigenes Sammelbecken für tolle Szenen, die ich irgendwie unterbringen möchte, die dann in den Plot sortiert wurden.

Außerdem kann ich mir Notizen an Szenen machen. In einer Szene wird etwas über die Gesellschaft der entsprechenden Welt erklärt, und daneben im Notizfeld steht: BITTE KEINE KLISCHEES!!!

Denn wir wissen ja alle, wie solche pseudospätmittelalterlichen, diffuse mediterranen Gesellschaften funktionieren. Oder? Könnte ja sein, dass aufgrund der historischen Entwicklung vor Ort ein Tabu besteht, Fisch zu essen. Oder dass Häuser alle blau gestrichen werden. Oder … (es ist vor dem ersten Kaffee, verzeiht mir den Mangel an Einfallsreichtum).

Auf jeden Fall muss ich mir diese Gesellschaft noch angucken, aber ich weiß wenigstens, was ich vermeiden will, und dank dieser Notiz werde ich mich bezeiten hoffentlich daran erinnern.

Andere beliebte Klischees in Büchern:

DER KOMMISSAR: Er ist geschieden, Alkoholiker und/oder Raucher, hat ein (fast) erwachsenes Kind und/oder eine Ex-Frau, mit denen er sich nicht gut versteht. Außerdem gibt es eine unschöne Erinnerung, weswegen er den Fall, um den es geht, nicht übernehmen will – zu persönlich. Natürlich ist er so genial, dass er von den Oberen quasi gezwungen wird.

DAS HÄSSLICHE ENTLEIN: Hat nie im Leben eine einzige „make-over“-Sendung gesehen oder ein Girlie-Magazin in Händen gehalten und weiß deswegen nicht, welchen Effekt eine komplizierte Frisur und sieben Lagen Make-Up auf den eigenen Wert auf der Konventionellen Attraktivitäts-Skala haben. Pluspunkte, wenn sie sich bisher noch keine Körperteile rasiert hat. Da ihr Charakter völlig egal ist, verlieben sich alle in sie, sobald sie ein Sommerkleid trägt.

DIE TRAUMATISIERTE: Außen tough, innen sensibel und verstört. Muss meistens gerettet werden, das geht am besten durch die Genitalien eines gutaussehenden Mannes, den sie erst nicht leiden kann.

DER MILLIARDÄR: Früher war er nur Millionär, aber das ist aus der Mode geraten. Von allen missverstanden, hält sich vielleicht sogar selbst für einen schlechten Menschen. Auch zutiefst sensibel, wird von den Genitalien einer Frau gerettet, die er eigentlich nur wie ein Objekt behandeln wollte. Tja, einmal nicht aufgepasst, schwupps verliebt. (Die Rettende ist oft eine Mischung aus Ente und Traumatisierter.)

DER*DIE REBELL*IN: Jung. Gegen alles. Total unverstanden. Hält „Fight Club“ für ernstzunehmende Kunst. Alle Erwachsenen sind gegen einen. Stimmungsschwünge. Je älter der*die Lesende wird, desto stärker wird das Bedürfnis, ihn*sie zu würgen.

Zugegeben, wenn man die alle in einen Film oder ein Buch stecken würde, könnte das lustig werden. Vielleicht mache ich das irgendwann.

 

Und am Ende waren sie mal wieder alle tot

Oder wenigstens fühlt es sich so an. Ich habe getan, was ich alleine tun kann, die Geschichte ist erzählt und poliert, das Manuskript fertig und auf dem Weg in die große weite Welt. Die letzten zwei Tage habe ich, ungesundes Zeug in mich hineinstopfend, in Gammelklamotten am Rechner gelebt, um noch einmal alles durchzugehen. Jetzt erfülle ich das Klischee der verwirrten, ungekämmten Autorin. Welches Jahr haben wir? Wo bin ich? Was ist das für ein helles Licht da draußen?

Leider dauert es noch eine Weile, bis ihr selbst nachlesen könnt, ob sie tatsächlich alle tot sind. Bis dahin werde ich euch mit anderen Dingen ablenken. Zum Beispiel habe ich jetzt ein paar Wochen Urlaub und schon lange nicht mehr meine Soundbox aufgebaut. Ich könnte euch eine Geschichte vorlesen, wie wäre das? Ist ja schon seit langem versprochen.

Aber nicht heute. Heute lege ich mich auf eine Lieferdienstpizza, breche einen von den guten Beerenweinen an und bin für einen Abend ein nutzloses Mitglied der Gesellschaft. Und morgen mache ich mit dem nächsten Manuskript weiter. Was soll ich sagen? Es wird zauberhaft!

Wie ein Gruß aus einer anderen Zeit

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Briefe – wer kennt sie noch? Nicht diese furchteinflößende Dinger, die man vom Finanzamt kriegt, sondern schöne, persönliche, handgeschriebene Briefe. Vielleicht sogar auf hübschem Papier und in bunten Umschlägen?

Ich gestehe – ich bin ein Fan. Und ein paar Brieffreundschaften habe ich über die Jahre sogar ins Erwachsenenleben gerettet. Auf der anderen Seite der Feder sitzen sehr geduldige Leute, denen es nur wenig ausmacht, wenn ich mal wieder zwei Monate nicht zum Schreiben komme, weil das Leben so hektisch ist.

Und da wären wir auch schon beim größten gleichzeitig Vor- UND Nachteil von Briefen: Sie brauchen Zeit.

Es ist ein Luxus, sich eine Stunde hinzusetzen und in aller Ruhe, möglichst noch von Hand (nächstes Geständnis: Manchmal tippe ich meine Briefe, damit wenigstens mal wieder ein Lebenszeichen auf Reisen geht), einen persönlichen Monolog für eine konkrete andere Person zu formulieren.

Außerdem ist ein Brief immer eine Momentaufnahme. Bis er beim Empfänger angekommen ist, ist der Inhalt vielleicht schon gar nicht mehr wahr! Auch das macht ihren Reiz aus.

Nun zu euch: Hattet oder habt ihr Brieffreunde? Wie sind eure Erfahrungen mit persönlichen Briefen? Und ganz wichtig: Was sind eure Quellen für hübsches Briefpapier? Ich bin immer auf der Suche. ^^

Handschriften und andere Rätsel

Bei uns auf der Arbeit wird viel gelästert. Vor allem über die Handschrift von Ärzten. Nicht einmal andere Ärzte können die Handschrift von Ärzten entziffern. Ein Kollege der medizinischen Geschmacksrichtung erklärte das mal so:

In einer Medizinvorlesung wird so schnell so viel Wichtiges gesagt, das man alles mitschreiben muss, dass man sich das Schönschreiben wegen all der wichtigen Dinge einfach abgewöhnt.

So etwas erlebt man in anderen, nicht-medizinischen Vorlesungen ja nicht.[/sarkasmus]

Meine Theorie ist ja eher, dass Ärzte davon ausgehen, dass sie sowieso kein Normalsterblicher versteht, dann ist das mit der Handschrift auch nicht so schlimm. ^^

Übrigens muss ich ganz leise lästern, wenn wir von Handschriften reden. Meine ist zwar einigermaßen leserlich – dank unermüdlicher Übungen und der Tatsache, dass in meinem Studium einfach nicht soviel Wichtiges erzählt wurde – aber dafür ändert sie sich im Verlauf einer Seite durchaus mehrmals. Briefe von mir sehen also immer ein wenig aus, als seien sie von mehreren miteinander um den Stift kämpfenden Geisteskranken verfasst worden (und der Inhalt vermittelt wahrscheinlich ein ähnliches Bild).

In Sprachen mit anderen Schriftsystemen sieht das übrigens ganz ähnlich aus. Ich hatte nie diese niedliche Mädchenschrift. Sogar auf Arabisch wirken meine Buchstaben, als seien sie von einem genervten Fünftklässler unter Androhung körperlicher Züchtigung dahingeschmiert. Aber man kann sie wenigstens lesen.

Ob ich mich vielleicht irgendwann doch mal an Kalligraphie versuchen sollte?

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