Der schlechteste Schreibratschlag, den ich je bekommen habe

„Um Rechtschreibung und Zeichensetzung brauchst du dich nicht zu kümmern, dafür ist das Korrektorat da.“

Ja, so oder so ähnlich habe ich auch geguckt. Stellt euch vor, man würde einem angehenden Bäcker erklären, er brauche nichts von Mehlsorten oder Zusatzstoffen zu wissen, das würde heute eh alles automatisch gemischt!

Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung sind nun einmal das Handwerkszeug für Autorinnen. Wahrscheinlich ist man nicht perfekt, aber man sollte sich schon große Mühe geben, so gut zu sein wie eben möglich. Sicher wird trotz allem das Korrektorat noch einen Eimer voll Fehler zu Tage fördern, aber dennoch …

… oder stellt euch einmal vor, ihr wärt Verleger. Auf eurem Tisch landet ein Manuskript, das vielleicht genial ist -aber so genau weiß man das nicht, denn wegen der großen Anzahl an Fehlern ist das Ding einfach nicht deutlich lesbar. Würdet ihr euch die Mühe machen, in so etwas zu investieren?

Meine Rechtschreibung ist auch nicht immer tippitoppi – ich schludere beim Korrekturlesen, vertippe mich häufig und generell ist mein Wissen auf dem Stand der späten Neunziger, seitdem hat es gefühlt ein Dutzend Reformen gegeben. Im Großen und Ganzen, allerdings, hoffe ich schon, dass meine Texte lesbar und wenigstens fehlerarm sind. Und wenn ich ein Buch sehe, bei dem schon die ersten Seiten vor Fehlern nur so strotzen, lese ich, ehrlich gesagt, auch nicht weiter. Soviel Professionalität muss sein.

Schreibrituale

Eigentlich habe ich nicht viele Schreibrituale – aber ein paar Tricks, um schnell in die Materie zu kommen. Beispielsweise haben fast alle meine Bücher eine eigene Playlist. Wenn ich die einschalte, bin ich innerhalb weniger Takte wieder mitten in der Geschichte und kann direkt da weitermachen, wo ich aufgehört habe.

Wenn es schwer geht, nehme ich das Manuskript auch manchmal mit aufs Sofa und lasse im Hintergrund eine Serie laufen, die ich bereits kenne. Das lenkt die Innere Kritikerin genug ab, dass ich vor mich hin prödeln und einen schlechten ersten Entwurf schreiben kann – denn schlechtes Geschriebenes kann man zwar überarbeiten, aber brilliantes Ungeschriebenes bleibt leider ungelesen. Je nachdem, in welcher Sprach ich gerade arbeite, wähle ich als Tonspur eine andere, die ich verstehe, damit sich nicht Zitate aus der Serie in mein Manuskript mogeln.

Gegessen wird am Schreibtisch eher selten, aber eine Tasse Tee oder Kaffee habe ich gerne dabei, wenn ich länger sitzen bleiben kann. Und natürlich einen Kater, der mich alleine durch schnarchende Anwesenheit inspiriert.

Wieviel „ich“ ist in meinen Texten?

Puh, schwierige Frage … meine Charaktere sind eigenständige Figuren und oft nicht einer Meinung mit mir. Andererseits teilen wir schon viele der gleichen Werte und Ideen über das Leben. Ich bin nicht notwendigerweise mit meinen Charakteren befreundet, aber ich möchte keine Zeit mit Leuten verbringen, die ich im echten Leben aktiv verabscheuen müsste.

Viele meiner Figuren sind Frauen – weil ich diese Perspektive besser verstehe und weil ich, ehrlich gesagt, denke, dass es schwierig ist, beim Schreiben das Geschlecht überzeugend zu wechseln. Viele Autor*innen, die ich bewundere, schaffen das sehr gut, aber immer wieder sehe ich auch Beispiele, bei denen Charaktere zu Klischees oder Karikaturen verkommen.

Nachdem ich das gesagt habe, fällt mir natürlich ein, dass in meinem unfertigen Manuskript der Protagonist ein Mann ist – vielleicht geht es deswegen so schleppend voran? Nah, eher nicht. Ich prokrastiniere einfach zu gerne. Ob Harald überzeugend ist, müsst ihr dann später für mich entscheiden.

Auf den Mund gefallen war bislang auch noch keiner meiner Charaktere, das haben sie definitiv von mir.

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Ich – einfach unverbesserlich? Wohl eher nicht … ^^

Inspirationen aus dem „echten“ Leben

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Häufig fragen Leute, was in meinen Geschichten denn „echt“ ist. Ich meine, ich habe Monster und Magie und Tentakel und Götter und Zombies und … – da wird diese Frage doch wohl noch erlaubt sein! ^^

Aber wenn ihr mitgelesen habt, wisst ihr natürlich auch schon: Schauplätze beispielsweise nehme ich oft aus dem echten Leben. Sämtliche Plätze, die Helena und Falk in und um Bonn besuchen, gibt es so oder so ähnlich auch in echt. Und auf dem Foto mit dem dramatischen Licht da oben seht ihr das Venn aus „Lichterspuk“ – die Trockenheit macht sich bemerkbar, es gibt weniger Wasser als in anderen Jahren. Und Irrlichter haben wir am Wochenende auch nicht gesehen, allerdings waren wir auch tagsüber da. Stattdessen sind wir der winzigsten aller Kröten begegnet. Die wollte auch nicht mit uns reden – vielleicht hatte sie Angst, wir verwandeln sie in einen Menschen, und plötzlich muss sie Papiere beantragen oder so.

Einige Cafés und Kneipen, die ich mag, habe ich auch als Schauplätze verwendet. Im „Cartoon“ („Allerseelenkinder“) war ich als Studentin häufiger – und müsste dringend mal wieder hin. Die brasilianische Cocktailbar gibt es auch, einige von euch kennen sie vielleicht inzwischen sogar aus eigener Erfahrung.

Bei Personen bin ich vorsichtiger mit dem „Leihen“. Andrea bildet da die große Ausnahme, aber mit ihr war das auch abgesprochen. Sie findet es cool, ihren eigenen Roman zu haben. Manchmal bin ich versucht, lästige Leute in Leichen zu verwandeln, aber auch da übe ich mich meistens in Zurückhaltung. Und Haustiere … das wäre eigentlich noch eine Idee. Wenn es sich einmal anbietet, stelle ich euch vielleicht Max vor, der war toll. <3

Der beste Schreibratschlag, den ich je bekommen habe???

Ich glaube, das war tatsächlich: HAU RAUS!

Schreib.

Auch wenn der erste Entwurf sch*** ist. Oder die ersten fünfzig.

Alles Schlechte, was auf Papier steht, kannst du nämlich überarbeiten und Leuten zeigen – die perfekten, grandiosen Geschichten in deinem Kopf bleiben für immer ein Geheimnis.

Und in diesem Sinne habe ich heute morgen noch fix eine Kurzgeschichte eingereicht, die (wie üblich) hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben ist. Aber ich scheitere jedes Mal besser. ^^

Prolog – ja oder nein?

Prologe gehören zu den größten Dummheiten, die man als Autor*In begehen kann.

Heißt es wenigstens.

Man soll die Geschichte am Anfang beginnen, mit Spannung oder einem Trompetenschlag. Der Leser soll direkt in die Geschichte hineingesogen werden, ohne Chance, sich aus dem Gewirr je wieder zu befreien.

Und ein Prolog macht genau das eben nicht. Der ist ja vor der eigentlichen Geschichte angesiedelt und oft aus einer komplett anderen Perspektive erzählt als die eigentliche Geschichte.

Also sollte man sich beim Schreiben gut überlegen, ob man den Prolog wirklich braucht. Oder kann man die enthaltenen Informationen nicht besser in Rückblenden oder häppchenweise unterbringen?

Jetzt kennt ihr mich natürlich schon eine Weile. Habt vielleicht sogar mal etwas von mir gelesen. Dann könntet ihr wissen, dass jeder einzelne verf***te Band von „Magie hinter den sieben Bergen“ mit einem Prolog anfängt.

Was hat sie sich dabei nur gedacht?

Erst einmal, ehrlich gesagt, nicht so viel. Bei „Allerseelekinder“ fühlte sich das für die Geschichte richtig an, und als mir einige Wochen nach Veröffentlichung aufging, dass da mehr drin steckt, war es nur logisch, diesen Aufbau beizubehalten.

Immerhin habe ich versucht, in den Prologen so viele ungelöste Fragen aufzuwerfen, dass Leser direkt wissen wollen, wie Helena jetzt in diesen Schlamassel passt. Ob das jetzt so gut gelungen ist, kann ich als „Mami“ der Geschichten nicht beantworten – ich finde sie alle wunderschön, auch wenn sie ihre Macken und Schwächen haben.

Bei anderen Geschichten war ein Prolog nicht nötig, und ich habe mich nicht so recht verbrezelt, auf Gedeih und Verderb einen zu schaffen, wo keiner nötig war.

Meine überaus eindeutige Antwort auf den Titel des Beitrages wäre also ein herzliches JEIN. Und ihr? Habt ihr vielleicht sogar einen Lieblingsprolog? Oder einen, der besonders überflüssig war?

Die (halb-)nackte Wahrheit

Schreiben ist ein traumatisches Erlebnis.

Nicht nur für mich als Autorin, sondern auch für meine Katzen (und eventuell durchs Fenster linsende Nachbarn).

Dazu muss man wissen, dass ich meistens morgens direkt nach dem Aufstehen schreibe. Ich greife höchstens, wenn es kalt ist, beliebige Kleidung vom Stapel neben dem Bett. Und ich bin chronische Nacktschläferin (das ist Teil der Verteidigung gegen eventuell einbrechende Bösewichte). Ansonsten wickle ich mich der Hygiene halber vielleicht noch in eine der umherliegenden Decken, und dann geht es an den Schreibtisch.

Nicht der glamouröse Lebensstil, den ihr euch vorgestellt habt?

So ist das aber. Ich lasse nichts zwischen mich und meine Muse kommen. Schon gar nicht so etwas Banales wie die Suche nach Klamotten.

ROMANCE ISN’T DEAD*

Oh nein! Ist sie kaputt?

Tja, vielleicht, aber mit diesem Blogbeitrag hat das nichts zu tun.

Oder möglicherweise doch. Denn mein Unterbewusstsein hat mir ein Problem verpasst: Mein nächstes Manuskript wird ROMANTISCH!

Ich weiß, was ihr jetzt sagt. Man soll nur über das schreiben, womit man sich auskennt. Und an den meisten Tagen beschränkt meine romantische Ader sich darauf, dass ich ohne (lautes) Murren getragene Socken einsammle und Abends trotzdem noch meine Schokolade mit dem Mann teile. Wie soll so jemand in einer Weise über Romantik schreiben, die einen aus den Socken haut?

(Ja, genau nämliche Socken, die man anschließend wieder aufsammeln und waschen muss, für immer und immer und immer … )

Falls es euch tröstet: Ich versuche es gar nicht erst. Oder wenigstens nicht auf die Weise, die ein rosa Cover mit Blütenblättern und aquarell-Scherenschnitten oder mysteriöse Frauenaugen und einen unbekleideten Bad Boy verlangt. Stattdessen schreibe ich – wenigstens ist das so geplant, ich bin erst wenige tausend Worte im Plot drin – über Langzeitbeziehungen und Missverständnisse und darüber, wie man unterschiedliche Lebenspläne miteinander kombiniert, so dass niemand zu kurz kommt.

Und nur, damit es nicht zu langweilig wird, wird der Bonner Personennahverkehr das Tor zur Hölle.

(Wer regelmäßig damit fährt, weiß, dass das noch nicht der fantastische Teil meiner ERzählung wird. Aber mehr möchte ich euch an dieser Stelle noch nicht verraten – nicht weil ich Angst hätte, dass jemand von euch meine grandiosen Plot-Ideen stiehlt, sondern weil eine Geschichte selten so endet, wie ich die Planung begonnen habe, und mein Erfolgsgeheimnis besteht darin, am Ende so zu tun, als sei das alles genau so gelaufen, wie ich wollte.)

 

* Der Titel ist übrigens eine Anspielung auf Oscar Wilde, der einen Feuerwerkskörper in einem Märchen sagen lässt: „Romance is dead“ – ich liebe Oscar Wilde.

Was ich von meiner schlechtesten Rezension gelernt habe

Am 23.06.2014 schrieb eine unzufriedene Amazon-Kundin über „Allerseelenkinder“:

Bin etwas enttäuscht, es ließ sich recht flüssig lesen, aber spannend war anders. Ich empfand das Buch teilweise sogar als billigen Abklatsch von Harry Potter. Hier ist noch reichlich Luft nach oben.

Serviert wurde das ganze mit zwei Sternen. Jetzt könnt ihr euch vielleicht vorstellen, dass Autor*Innen es nicht besonders zu schätzen wissen, wenn man ihr „Baby“ als hässlich bezeichnet. Und nichts anderes ist eine schlechte Rezension für unsere Eitelkeit – ich bin da gar keine Ausnahme.

Seitdem habe ich noch einige andere schlechte Bewertungen für meine Geschichten kassiert, aber das hier war die erste, deswegen ist sie mir im Gedächtnis geblieben. Lange habe ich mich über den Harry-Potter-Vergleich empört: Wenn ich schon ein Abklatsch bin, dann doch bitte einer von richtigen Urban-Fantasy-Romanen und nicht von einer klassischen britischen Internatsgeschichte mit Zauberbesen!

Auf lange Sicht habe ich durch diese Rezension jedoch etwas ziemlich Wichtiges gelernt: Ich kann nicht beeinflussen, von wo ich meine Leser*Innen abhole. Es liegt kein Stück in meiner Macht, was sie vorher gelesen haben, welche Erfahrung sie mit ähnlichen Büchern gemacht haben und vor allem: WIE SIE LESEN, WAS ICH GESCHRIEBEN HABE.

Habe ich meine Arbeit gut gemacht, dann können diejenigen, die meine Geschichten lesen, ungefähr nachvollziehen, was in meinem Kopf vorging. Aber es gibt soooo viele Stolperfallen: Ein Symbol kann aufgrund subjektiver Erfahrungen oder unterschiedlicher kultureller Hintergründe komplett unterschiedlich gelesen werden. Eine Formulierung ist vielleicht missverständlich. Eine Anspielung wird eventuell nicht verstanden, weil der*die Leser*In das Material, auf das Bezug genommen wird, nicht kennt. Ach, das sind nur die Probleme, die mir spontan einfallen. Bestimmt gibt es noch tonnenweise weitere Stolperfallen. Zu subtil geschrieben? Oder vielleicht doch zu viele Andeutungen?

Das einzige, was ich als Autorin leisten kann: Ich kann versuchen, die bestmögliche Geschichte zu erzählen, und konstant daran arbeiten, mein Handwerkszeug zu verbessern. Was die Leser*Innen dann damit machen, wenn die Geschichte erst einmal in der Welt ist, darauf habe ich keinen Einfluss mehr.

Eine neue Geschichte ist wie ein neues Leben

Angeblich gibt es Autor*Innen, die auf Anhieb ihren ultimativen Text nennen können. Den Text, der all ihr „Schreib-Sein“ enthält. Ihr verwöhntes Lieblingskind, sozusagen.

Zu dieser Gruppe gehöre ich definitiv nicht.

Meine Lieblingsgeschichte ist IMMER diejenige, an der ich als nächstes arbeite. Jede neue Idee, für die ich noch keine Zeit habe, ist garantiert der tollste Text der Welt, die grandioseste Geschichte, die es je geben wird, und überhaupt ganz wunderbar.

Die Geschichte, die ich gerade fertig überarbeitet habe, kann ich garantiert nicht mehr sehen. (Und dann noch einen Durchgang!)

Das klingt jetzt ein wenig so, als seien meine fertigen Bücher so etwas wie verflossene fiktive Romanzen, aber so schlimm ist es nicht. Ich brauche nur ein wenig Abstand. Schließlich weiß ich ganz genau, was ich an jeder Geschichte so besonders fand, dass ich sie unbedingt schreiben musste. Ich kenne üblicherweise auch ihre Schwächen und ahne wenigstens, was ich falsch gemacht habe (schielt hinüber zu „Lilienschwester“, das wegen schreiberischer Ungeduld nie eine echte Chance hatte). Wenn ich also nach einer Weile meine eigenen Geschichten noch einmal lese, freue ich mich immer wieder über die gelungenen Momente, und über die weniger gelungenen verdrehe ich eben die Augen – wie eine Mutter angesichts der Eskapaden ihrer erwachsenen Kinder.

Ich weiß, es gibt Autor*Innen, die immer wieder ihre eigenen Geschichten überarbeiten und verbessern. Goethe war so einer, von dem habt ihr bestimmt schon gehört. Allerdings versuche ich, die Überarbeitungen auf ein Minimum zu reduzieren. Tippfehler ausbügeln, fiese Wortwiederholungen oder Fehlformulierungen entfernen. Viel mehr mache ich im Text nicht, auch wenn es möglich wäre. Denn alle Zeit, die ich auf diese Verbesserungen verwenden würde, würde mir für neue Geschichten fehlen.

Wahrscheinlich bin ich ein „Allem Anfang wohnt ein Zauber inne“-Junkie. Meine einzige Hoffnung auf bessere Geschichten sind langfristig wohl bessere erste Entwürfe, aber das kann noch einen Moment dauern. ^^

(Und falls es euch interessiert: Gerade jetzt bin ich verliebt in eine Geschichte, die Romantik und Dämonen enthält. Es wird episch!)