Abenteuer Hängebrücke

Kennt ihr die Geierley-Brücke? Nein? Dann geht mal eben hierhin und lest, ich warte solange.

Da war ich heute. Nicht allein, nein, meine Freundin Paty von Good Vibes Translations, ihres Zeichens Übersetzerin und Hochzeitsrednerin war auch da. Die Brücke ist nämlich ungefähr auf der Hälfte der Strecke zwischen unseren Wohnorten – und wir haben beide Höhenangst. Rübergegangen sind wir dennoch, wir lassen uns von unseren Gehirnen ja nicht vorschreiben, was wir zu tun oder zu lassen haben!

Das sind 360 Meter Stahlseile, Schrauben, Nieten, anderes Metallgedöns und Holzbohlen, etwa 100 Meter über dem Talboden. Was für eine abwegige Idee.

PS: Das zählt als Strongman-Training, da muss ich ja auch über absurde Dinge drüber!

Jugendsünden und was man aus ihnen lernt.

NICHTS.

Screenshot Anmeldebestätigung Strongmanrun Köln 2022, Aufschrift: "#RUNJECK
Köln, 10. September 2022
YEAH - DU BIST DABEI!!!"
Als ob ich nie gejammert hätte.

Erinnert ihr euch noch? Das ist vier Jahre her, ich war ein gutes Stück jünger (und leichter!) und hatte riesigen Schiss vor der ganzen Sache. Heute morgen kam dann der nächste Newsletter mit einer Übersicht über einige der kommenden Hindernisse, und ich erwischte mich beim Gedanken: „Hey, das sieht nach Spaß aus.“

Nachdem ich mich selbst ausgelacht hatte, rechnete ich nach: Noch drei Monate. Ich kann aktuell keine 10 Kilometer am Stück rennen und bin erst seit wenigen Wochen wieder im Fitnessstudio angemeldet.

Ach, was soll’s?

Also habe ich mich angemeldet und fühle mich jetzt ein wenig albern.

Wer von euch kommt mich anfeuern?

Ich war beim Strongman Run in Köln – und ich habe überlebt!

(Dieser Post kommt für einige nicht ganz so überraschend, falls sie die Angeberei auf den anderen Kanälen – Facebook, Instagram, Twitter – schon gesehen haben. Gönnt es mir, so einen Blödsinn macht man ja nicht andauernd.)

Jedes Jahr suche ich mir mindestens eine Herausforderung aus – etwas, das ich so bislang noch nicht geschafft habe. Etwas, das mir Angst macht. Etwas Absurdes.

Für 2018 hatte ich mir vor allem zwei Ziele gesteckt:

  1. Die letzten drei Bände von „Magie hinter den sieben Bergen“ veröffentlichen.
  2. An einem Strongman-Run über zehn Kilometer teilnehmen.

Was den ersten Punkt angeht, bin ich noch dabei und halbwegs guter Dinge – am 21. September bekommt ihr hoffentlich die Möglichkeit, „Feengestöber“ zu kaufen, und danach wird es noch einmal so richtig fantastisch mit „Grimmwald“. Bis dahin muss ich natürlich noch fleißig überarbeiten.

Den zweiten Plan habe ich letztes Wochenende erfüllt. Die Tage davor war ich ein nervliches Wrack – vor der Distanz hatte ich keine Angst, aber einige der Hindernisse, die angekündigt waren, sahen ziemlich hoch aus, und ICH HABE HÖHENANGST. Einige Male war ich kurz davor, einfach abzusagen. Mich still und heimlich zu verdrücken. Oder mir spontan noch das Bein zu brechen, das wäre eine wirklich gute Ausrede gewesen. Aber ich habe mir selbst gut zugeredet, und Samstag Mittag waren wir nach einigen kleineren Planungs-Malheurs doch noch rechtzeitig am Gelände.

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Es war ziemlich voll – kein Wunder, bei etwas mehr als fünftausend Läufern und den mitgebrachten Zuschauern. Für die gab es ein Rahmenprogramm mit Musik und ausreichend Futterstände, um die Wartezeit zu überbrücken. Schließlich ist man ja schon eine Weile unterwegs auf der Strecke.

Vor dem Rennen. Ich war noch trocken, aber schon ziemlich nervös. Außerdem hatte ich bestimmt fünf Paar Kontaktlinsen verbraucht, ehe mal welche in meinen Augen bleiben wollten. Danke, aber für den Alltag bleibe ich lieber bei meiner Brille.

Und ich muss schon sagen, ich hatte die beste Supporttruppe. Die Schilder hatten unter den anderen Läufern auch jede Menge Fans.

Das waren die beiden Hindernisse, vor denen ich Muffensausen hatte. Ganz im Ernst, da war doch massig Platz zum Drumrumlaufen? Die anderen Sachen – halbhohe Hindernisse, Schwimmen, Über-Hürden-Klettern, mehr Schwimmen, Unter-Dingen-Hindurchducken, Hangläufe und dieses Strohdingens, auf dem man schweren schwingenden Säcken ausweichen musste – fand ich nicht soo wild. Anstrengend, aber machbar.

Doch ich habe es geschafft. Mit viel gutem Zureden von den anderen Läufern – die waren wirklich toll! – und meinem Support-Team, das natürlich immer dort auftauchte, wo es brenzlig wurde.

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Das ist Richards Lieblingsfoto.

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Und das ist meins, da hatte ich es nämlich überstanden.

Zu Hause habe ich dann erst einmal vierzehn Stunden geschlafen, und heute tun mir die Beine weh. Aber das war es wert!