Der Überarbeitungsprozess

Viele Autor*innen, die ich kenne, mögen den Überarbeitungsprozess gar nicht. Mir geht das genau so. Ich meine, der erste Entwurf macht Spaß, da entdeckt man so viele aufregende neue Sachen! Und gewiss ist er genial und muss nicht noch überarbeitet werden, als sei man so ein kleiner durchschnittlicher Buchstabenhacker?

Papier

Fotograf: Forest Simon, gefunden auf Unsplash

Tja, schlechte Neuigkeiten: Sogar wenn du genial bist – und ich wenigstens bin es definitiv nicht – kann dein Buch immer noch besser werden. Deswegen stelle ich hier meine aktuelle Methode vor, wie ich meine „fertigen“ Geschichten zu noch besseren Geschichten mache.

Geschichte schreiben.

Selbsterklärlich. Der Spaßteil.

Geschichte ruhen lassen und alles vergessen.

Je schlechter das Gedächtnis, desto leichter geht das. Es hilft auch, andere Geschichten zu schreiben – allerdings wächst dadurch der Stapel der Geschichten, die du überarbeiten musst.

Geschichte lesen. Großzügig Notizen machen, was alles Mist ist.

Dafür benutze ich ein Notizbuch – da kommt alles rein, was mir auffällt. Name passt nicht? Dinge werden dreimal erklärt, oder gar nicht? Die Tageszeiten springen wild durcheinander? Jemand, der eigentlich cool und sympathisch sein sollte, wirkt wie ein altes Ekel? Kommt alles auf die Liste

„Große“ Probleme lösen.

An dieser Stelle springe ich zu Kapiteln, die fette Probleme haben, und löse erst einmal nur die. Da wird Wissen eingefügt, Unlogisches abgeraspelt, Überflüssiges abgeschabt. Manchmal müssen komplett neue Kapitel geschrieben werden.

„Kleine“ Probleme lösen.

Ähnlich wie der Schritt davor, aber für weniger auffällige Dinge. Dafür muss ich meistens gründlicher aufpassen, damit alles am Ende stimmt. Alles, was gelöst ist, wird auf meiner Problemliste durchgestrichen, das hat psychologischen Effekt.

Geschichte nochmal lesen. Notizen machen, was jetzt alles nicht mehr stimmt.

Natürlich habe ich beim Überarbeiten auch Dinge verschlimmbessert. Aber das ist nicht schlimm(besser), denn ich kann ja auch …

„Neue“ Probleme lösen.

Wie oben. Arbeitsaufwand abhängig davon, ob es große oder kleine Probleme sind. Das ist auch der Punkt, an dem ich spätestens alles wegwerfen, meinen Schreibtisch niederbrennen und in die Karibik auswandern will, um Zuckerrohr anzubauen.

Feinschliff.

Wenn ich der Meinung bin, dass alle fiesen Fehler gefunden und behoben sind, gehe ich noch einmal alles durch – diesmal Seite für Seite und Kapitel für Kapitel. Jetzt werden sprachliche Makel und Fehler behoben. Wenn ich noch einmal Probleme finde, die mir vorher entgangen sind, bearbeite ich sie mit, das geht jetzt in einem Aufwasch.

So, und wenn das alles getan ist, geht das Projekt an meine Testleser, Lektoren und anderen überaus wichtigen Hilfswichtel, die natürlich noch Dutzende Dinge finden, die mir nicht aufgefallen sind. Also wieder zurück auf Problemlösung.

Und am Ende steht eine Geschichte, die, wenn schon nicht genial, dann doch wenigstens lesenswert ist. :-)

Fehler und Macken

Wir alle haben sie Fehler und Macken, die einen nicht unbedingt liebenswert erscheinen lassen. Allerdings gehören sie zum Leben dazu.

Um euch nicht mit all meinen persönlichen Schwächen zu überfordern, konzentriere ich mich heut auf einige Schreibmacken, die mir an mir selbst seit Juli im Überarbeitungsmarathon aufgefallen sind.

Die größe Macke sind Wortwiederholungen.

Zum einen habe ich Lieblingswörter, die ich immer wieder verwende, obwohl es hervorragende Alternativen gibt. Zum anderen verwende ich oft ein Wort zwei- oder dreimal dicht hintereinander. Mein Gehirn glaubt wohl, wenn es einmal einen guten Ausdruck gefunden habe, solle man den nicht vorschnell wieder verwerfen. An manchen Tagen treibt mich das echt zur Verzweiflung – erst einmal müssen mir diese Wiederholungen ja überhaupt auffallen, und danach brauche ich passende Alternativen … bei denen ich dann darauf achten muss, dass die nicht irgendwo ganz in der Nähe schon im Text stehen.

Die zweite große Macke sind Bandwurmsätze.

Als Faustregel gilt, ein guter Satz dürfe nur so lang sein wie der Atem des Lesers. Zu viele Einschübe und Nebensätze dürfe er auch nicht haben. Außerdem sei die Aufmerksamkeit des Lesers begrenzt – er wolle schnell wissen, worauf ein Satz hinausläuft. Tja, das fällt mir schwer. Kurze Sätze klingen für mich oft arg abgehackt. Darum achte ich beim Überarbeiten stark auf Bandwurmsätze und hacke sie in Stücke, wo es geht. Natürlich will ich meine Leser nicht über-, aber vor allem nicht unterfordern, darum wehre ich mich entschieden gegen einen reinen Hauptsatzstil.

Und eine dritte Macke fällt mir auch spontan ein – Modalpartikel.

(Das ist teilweise gelogen – ich musste den Fachausdruck erst nachschlagen.) In meinem Fall sind das vor allem abschwächende Partikel wie „wohl“, „wahrscheinlich“ und „vielleicht“. Gelegentlich ergeben die im Text durchaus Sinn, aber oft nehmen sie dem entsprechenden Satz einfach den Wumms. Es macht schließlich einen Unterschied, ob ich schreibe: „Er war ein Verräter.“ Oder: „Er war wohl ein Verräter.“ Manchmal ist es wichtig, eine gewisse Unsicherheit auszudrücken, aber ab und zu wünsche ich mir, dass ich direkt zur stärkeren Sprachvariante greifen würde.

Zum Glück gibt es die Überarbeitungsrunden. Sobald ich weiß, zu welchen Dummheiten ich neige, passe ich in dieser Hinsicht auf wie ein Lux. Irgendwas entgeht mir natürlich trotzdem immer, aber ich werde mit jedem Mal besser.

 

Zwischen Fantasie und Papier

Seit Montag befinde ich mich offiziell in der Überarbeitungsphase des siebten „Magie hinter den sieben Bergen“-Romans. Geschrieben habe ich ihn aufgrund meines idiotischen straffen Zeitplans im Januar und Februar. Zeit genug für eine verstreute Person wie mich, alle möglichen Details zu vergessen.

Folglich beginnt die Überarbeitungsphase damit, dass ich einmal alles durchlese und mir Notizen mache: Wo ist etwas nicht so herausgekommen, wie ich es geplant hatte? Was wird nicht deutlich? Was ergibt überhaupt keinen Sinn?

Leider stellt sich dabei immer wieder raus, dass einige hübsche Details auf dem Weg zwischen Fantasie und Papier (oder heute wohl eher zwischen Kopf und Tastatur) auf der Strecke geblieben sind.

Ich bin ein wenig frustriert. Die schöne Geschichte, die ich geplant hatte, ergibt im Moment noch gar keinen Sinn. Einzelne Stücke sind da, aber noch nicht so verbunden, dass der Leser Freude daran hätte.

Tja, darum gibt es die Überarbeitungsphasen. Auch wenn ich sie nicht besonders mag, sind sie für ein gelungenes Endprodukt genau so wichtig wie der erste Entwurf – vielleicht sogar wichtiger! Bei „Lilienschwester“ ist die Überarbeitung zu kurz gekommen, und das merkt man auch. Vielleicht hole ich das irgendwann nach und baue ein richtiges Buch draus, wenn ich Zeit habe. Aber jetzt ist erst einmal die Geistergeschichte dran. Ich möchte ja, dass ihr auch am Ende alle „begeistert“ seid.

(Einem schlechten Wortwitz konnte ich noch nie widerstehen.)

IMG_9854

Der „Writer’s Tears“ Whisky ist in solchen Zeiten übrigens mein steter Begleiter. ^^

Lektoratsleiden

Wie viele Runden sind es jetzt schon?

Einige Autoren schwärmen davon. Andere – so wie ich – leiden ganz fürchterlich.

Die Rede ist vom Lektorat.

Immer wieder höre ich, dass die ganzen Überarbeitungen doch das Schönste seien, denn am Ende stünde eine wirklich logische, polierte, in sich geschlossene Geschichte, die man getrost der Außenwelt präsentieren könne.

Mir geht es da anders. Den ersten Entwurf schreibe ich mit Feuereifer. Es juckt mich in den Fingern, an die Tastatur zu kommen, damit ich mich austoben kann. Alles ist neu und aufregend! Die Überarbeitungsrunden … nicht so sehr. Eigentlich, finde ich heimlich, könnte ich diese lästigen Nebensachen durchaus meinem persönlichen Sekretär überlassen.

Diese Idee hat leider zwei Haken:

Erstens habe ich keinen persönlichen Sekretär. (Ich prangere das an!)

Und zweitens handelt es sich bei den Überarbeitungen eben nicht nur um „lästige Nebensachen“. Ich weiß nicht, wie oft ich es schon gesagt habe, aber: Nur weil etwas in meinem Kopf Sinn ergibt, bedeutet das noch lange nicht, dass es auch den Erstkontakt mit der Realität überlebt. Und da kommen meine heißgeliebten Helferlein ins Spiel – Lektoren, Testleser, kluge Köpfe. Die gucken sich das alles an, ziehen eine Augenbraue hoch – oder auch beide – und dann geht die echte Arbeit los.

Heute morgen ist Bob das nächste Mal ins Lektorat zurückgekehrt. Und ich hoffe wirklich, da bleibt er erst einmal. Ich will nämlich unbedingt an der nächsten Geschichte mit „Magie hinter den sieben Bergen“ arbeiten!