Die (halb-)nackte Wahrheit

Schreiben ist ein traumatisches Erlebnis.

Nicht nur für mich als Autorin, sondern auch für meine Katzen (und eventuell durchs Fenster linsende Nachbarn).

Dazu muss man wissen, dass ich meistens morgens direkt nach dem Aufstehen schreibe. Ich greife höchstens, wenn es kalt ist, beliebige Kleidung vom Stapel neben dem Bett. Und ich bin chronische Nacktschläferin (das ist Teil der Verteidigung gegen eventuell einbrechende Bösewichte). Ansonsten wickle ich mich der Hygiene halber vielleicht noch in eine der umherliegenden Decken, und dann geht es an den Schreibtisch.

Nicht der glamouröse Lebensstil, den ihr euch vorgestellt habt?

So ist das aber. Ich lasse nichts zwischen mich und meine Muse kommen. Schon gar nicht so etwas Banales wie die Suche nach Klamotten.

Hinter den Kulissen

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Das Autorenleben ist schon schön, nicht wahr? Wenigstens tun viele von uns online so, als sei die Schreiberei eine einzige Reihe aus betippten Seiten und Latte Macchiatos. Ich bin da gar keine große Ausnahme.

Was ich alles nicht erzähle:

  • Die extern ans Notebook angeschlossene ergonomische Tastatur, die gegen Karpaltunnelsyndrom helfen soll, kann ganz schön lästig sein.
  • An manchen Abenden quäle ich mich nach Büro, Sport, Haushalt noch einmal für eine Stunde an den Rechner und starre beim Tippen die ganze Zeit über auf den Wortzähler – sobald mein Minimum aufgebraucht ist, fliehe ich. Die Wörter müssen nicht einmal schön sein, nur zahlreich.
  • Bis man das nicht mehr merkt, braucht es mehrere Überarbeitungsrunden. Und ein Jungfrauenopfer.
  • Ich hasse Überarbeiten, aber es ist absolut notwendig. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich dabei oft erst feststelle, wie sehr mein erster/zweiter/drölfter Entwurf „all over the place“ ist und was man alles noch reparieren muss.
  • Marketing ist übrigens noch schlimmer als Überarbeiten. Hier ist meine Geschichte. Kauft sie. Sie ist gut. Muss ich wirklich noch mehr sagen?

Gut, vielleicht habt ihr mich über diese Dinge schon das eine oder andere Mal jammern hören. Weitere Dinge, die ich noch geheimer halte:

  • Es gibt Tage, da will ich alles einfach löschen und wegwerfen und nie wieder einen kreativen Satz schreiben.
  • Die Vorstellung, dass mir das Manuskript nach zwei Dritteln unter den Händen wegsterben könnte, verursacht mir Albträume.
  • Es macht sehr viel Spaß, in einer Bar zu sitzen, Cocktails zu trinken und darüber zu reden, dass ich ja Autorin sei. Und das funktioniert rein theoretisch sogar, wenn man seit Wochen keinen zusammenhängenden Absatz geschrieben hat.
  • Ich bin überzeugt, mein Leben wäre organisatorisch sehr viel einfacher, wenn ich diese lästige Schreiberei einfach sein lassen könnte.
  • Andererseits bin ich unerträglich, wenn ich drei Tage nicht geschrieben habe.

Tja, das ist die ungeschminkte Wahrheit. Kaffee gibt es natürlich trotzdem. Und nachdem man sich ordentlich ausgejammert hat, macht man genau da weiter, wo man aufgehört hat. Der nächste Entwurf wird dann auf einem höheren Level schlecht.

Office Zen (nicht von Microsoft)

Die Kollegin meint, ich hätte mein Office-Zen verloren – diese Gelassenheit gegenüber dem gewöhnlichen und außergewöhnlichen Wahnsinn, der einem begegnet, wenn man sich die Kaffeemaschine mit anderen Kulturkreisen teilt. Und an manchen Tagen merke ich es auch selbst: Ich kann ein richtiger kleiner Wüterich sein. Wie Rumpelstilzchen, nur in niedlich. (Pumuckl vielleicht? Das passt auch von den Haaren.)

Zwischen Tee und Apfelschnitzen habe ich überlegt, wo mein Office-Zen wohl hingekommen sein könnte. Man stellt sich so ein Zen ja immer entspannt auf einer Wiese sitzend vor, wie es an Blumen schnüffelt. Weißes Wallegewand, friedliches Lächeln, entspannte Lotuspose. Hatte meins wohl keinen Bock drauf. Ich glaube, es ist stattdessen unterwegs und erlebt große Abenteuer. Mein Office-Zen ist ein Pirat!