Drei Dinge, die ich Leuten aus meiner Vergangenheit sagen will

Zu der Nachbarin, die mich aus dem Fenster ihrer Wohnung heraus beschimpft hat, weil ich im Garten gelesen habe, anstatt etwas „Nützliches“ zu tun: 

Sie sind eine garstige alte Vettel mit einem erbärmlichen, vorhersehbaren Leben. Und offenbar ertragen Sie es nicht, wenn eine Fünfzehnjährige, die neben der Schule den Familienhaushalt organisiert und größtenteils führt, sich einen sonnigen Nachmittag freinimmt. Sie haben keine Ahnung davon, wie ich meine Zeit verbringe – dafür weiß ich ganz genau, was die armseligen fünfzehn Minuten quietschender Bettfedern jeden Mittwoch Abend bedeuten.

Zu der Hausärztin, die mich für ein privates Gespräch einbestellte, als mein Vater ihr von meiner Vorliebe für Gift- und Heilpflanzen erzählte:

Die Gespräche mit Ihnen haben mir immer viel bedeutet. Sie haben sich nie über die Ideen einer verdrehten Jugendlichen lustig gemacht. Und Sie haben mir viele interessante Dinge über Pflanzen und besondere Hausmittel beigebracht, oder darüber, was man sich von wütenden Mitmenschen alles nicht gefallen lassen muss. Außerdem: Vielen Dank, dass Sie mich nicht zum Psychiater geschickt haben. Ich schwöre, ich bin harmlos!

Zu der Mitschülerin, die von ihrer ganzen neunten Klasse gemobbt wurde – ja, auch von mir:

Es tut mir Leid. Natürlich wusste ich es eigentlich besser. Aber als Neue in der Klasse, aus einer armen Familie und selbst auf einem der wackligeren sozialen Plätze war ich froh, dass es jemanden gab, auf den die anderen noch mehr herabblickten. Das waren leicht verdiente Lacher, und das Kurze Gefühl des Dazugehörens hat mir viel bedeutet. Ich schäme mich dafür, dass ich meinte, so etwas auf Deine Kosten leihen zu können. Hoffentlich hast du an deiner nächsten Schule nettere Leute als uns gefunden.