Das beste Haushaltsgerät aller Zeiten, nach objektiven Kriterien

Was, habe ich mich neulich gefragt, ist wohl das beste Haushaltsgerät, das wir besitzen? Welches Gerät bringt für den geringsten Preis den größten Nutzen und macht dabei am wenigsten Ärger?

Leichte Frage.

Lacht mich ruhig aus, aber der Gewinner dieser Nützlichkeits-Olympiade ist: DER EIERSCHNEIDER.

Denn der Name ist irreführend. Mit diesem kleinen, handlichen Ding, das man für weniger als zehn Euro auch in guter Ausführung (kauft einen aus Metall, keinen aus Plastik!) bekommen kann und das nicht einmal in der Besteckschublade viel Platz wegnimmt, kann so viel mehr als nur Eier schneiden.

Beispielsweise schneide ich damit auch rohe Champignons. Perfekte Scheiben, jedesmal.

Oder gekochte Kartoffeln für Salate oder Bratkartoffeln. Geht schnell und schmiert nicht. Solange das zu schneidende Teil einigermaßen weich ist, und keine nennenswerte Haut hat, ist alles prima.

Am Wochenende habe ich in wenigen Sekunden eine ganze Packung Mini-Cabanossi in praktische Münzform geschnitten.

Sogar stifteln kann man diese Sachen damit – einfach einmal schneiden, um neunzig Grad wenden und noch einmal schneiden. Für unseren feingemanschten Hüttenkäse-Eier-Salat ist das unverzichtbar.

Ja, werdet ihr euch jetzt denken, das ist vielleicht gar nicht mal schlecht, aber … ist das schon alles? Man kann ja nicht die ganze Welt in Scheiben schneiden.

Darauf antworte ich: Erstens steht das noch gar nicht fest und zweitens – das lustige Eierschneider-PLÖNKPLOING-Geräusch lockt jedesmal einen freudestrahlenden Mann in die Küche, der verzückt meinen haushaltsmusikalischen Darbietungen lauscht und sich dabei fast wegömmelt. Das heißt, ich habe anschließend nicht nur perfekte Champignonscheiben, sondern auch einen zufriedenen Mann.

Und das alles für weniger als zehn Euro.

Da kann man nicht meckern.

Schreiben über die Zukunft – im Hier und Jetzt

Foto von Lucas Santos, gefunden auf Unsplash

Wer von euch hat die Bücher von Jules Verne gelesen? Oder von mir aus auch die entsprechenden Filme gesehen?

Als diese Geschichten geschrieben wurden, handelten viele von ihnen von möglichen Zukünften. Zukunften? Auf jeden Fall von dem, was Jules Verne sich vorstellte, was passieren könne. Von möglichen Erfindungen und Entdeckungen. Von Dingen, die zu seiner Zeit so noch nicht möglich waren, und den Auswirkungen, die diese Erfindungen und Entdeckungen auf die Menschheit haben könnten.

Aus heutiger Sicht ist viel davon eher drollig. Ist es möglich, eine Art futuristischer Nostalgie zu empfinden?

Und, anders herum gedacht, wie können wir selbst über die Zukunft schreiben, wenn wir nur das Hier und Jetzt kennen? Selbstverständlich gibt es Zukunftsforscher und Wissenschaftler, die uns erklären können, welche Auswirkungen unser aktuelles Handeln als Gesellschaft auf unsere Umgebung hat. Es gibt Trends und Theorien dazu, wie sich die Gesellschaft weiter entwickeln könnte. Und natürlich machen wir uns auch selbst Gedanken. Wie wird es mit der Raumfahrt weitergehen und was finden wir auf anderen Planeten? Wie geht es in der Zwischenzeit mit unserem eigenen Planeten weiter? Werden wir Probleme wie Hunger und Krankheiten lösen? Oder holzen wir auch noch die letzten Regenwälder ab, werden von wütenden gigantischen Ameisen versklavt und flüchten in unterseeische Kuppelstädte, wo verrückte Wissenschaftler Mensch-Qualle-Hybriden züchten? Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Allerdings hilft es, wenn man sich ein wenig mit den Themen Naturwissenschaft und Technik auskennt. Je mehr man weiß, desto mehr kann man weiterdenken. Ob man angesichts der aktuellen Erkenntnisse dann eher utopisch (yay!) oder dystopisch (och nö) weiterdenkt, ist wahrscheinlich auch eine Charakterfrage. Wobei meiner Meinung nach gerade nur wenig zu utopischen Ideen inspiriert. Oder sehe ich das zu schwarz?

Fast hätt‘ ich’s getan …

Ein dicht gepacktes Bücherregal mit vielen verschiedenen ordentlich aufgestellten englischsprachigen Titeln, überwiegend Taschenbücher.
Foto von Ugur Akdemir, gefunden auf Unsplash

Sicher kennt ihr eines meiner liebsten Mantras: „Das Leben ist zu kurz für schlechte Bücher.“ Und mit „schlecht“ meine ich nicht objektiv schlechte Bücher, sondern die Bücher, die nicht zu mir als Leserin passen. Wenn das Lesen keinen Spaß macht und ich auch keine neuen Einblicke gewinne, ist es nicht das richtige Buch für mich. Und angesichts der Mengen an Büchern, die es bereits gibt, und all der neuen Bücher, die jedes Jahr veröffentlicht werden, wird es noch wichtiger, eine Auswahl zu treffen.

Trotzdem habe ich mich drei Wochen durch ein Buch gequält, auf das ich mich nicht gefreut habe. Erkennt man leicht daran, dass ich erst zu gut der Hälfte durch war, als ich es heute morgen endlich von meinem Kindle gelöscht habe. Das Buch war nicht schlecht geschrieben und handelte auch von genau den Dingen, die im Klappentext erwähnt waren, aber der Funke sprang einfach nicht über.

Wenn ich jetzt daran denke, was ich in der Zeit alles Hübsches hätte lesen können … ich glaube, ich muss wieder rücksichtsloser vorgehen, was die Buch-Auswahl angeht.

Wie ist es bei euch – lest ihr alles aus, was ihr einmal angefangen habt? Wie viele Chancen gebt ihr einem neuen Buch? Und was macht ihr mit Büchern, die euch nicht gefallen, wenn ihr sie erst einmal zuhause habt?

Oh schleimiger Tannenbaum

(Seit einigen Tagen stelle ich mir vor, wie Andrea und Bob wohl Weihnachten gefeiert haben. Und einen Teil der Antworten auf diese Frage findet ihr heute hier. Viel Vergnügen beim Lesen!)

„Halt! Wieso baust du das alles schon wieder ab?“ Panisch hüpfend versuchte Bob, sich zwischen Andrea und den Weihnachtsbaum zu werfen. Jedes Mal, wenn er auf den Boden titschte, machte es ein Geräusch, als spiele jemand mit einem nassen Tennisball.

„Weil hier schon alles voller Nadeln liegt! Außerdem – Weihnachten ist vorbei!“ Andrea bemühte sich, das Lametta von den Zweigen zu sammeln, ohne über ihren tentakelbewehrten Mitbewohner zu stolpern. „Sven, hilf ruhig auch mal, wenn du mit Ausruhen fertig bist.“

Ihre spitze Zunge konnte gegen Sven nichts ausrichten. Er war vor dem Feiertagswahnsinn bei seinen Eltern einmal mehr in ihre Wohnung geflohen und residierte auf dem Sofa, wo er konzentriert auf den Knöpfen seiner neuen Mini-Spielekonsole herumdrückte.

Bob war immer noch nicht bereit, klein beizugeben. „Aber er ist so schön! Können wir ihn nicht das ganze Jahr über behalten?“

„Nein!“ Jetzt war Andrea dankbar, dass sie ihm nichts von künstlichen Tannenbäumen erzählt hatte. Sie schnipste gegen einen tiefhängenden Ast und ließ einen duftenden Nadelregen auf Bob niedergehen. „Noch ein paar Tage, dann ist das Ding komplett kahl.“ Sie versuchte es mit Bestechung. „Wenn wir schnell fertigwerden, hole ich uns eine Käseplatte im Supermarkt.“ Unter normalen Umständen hätte sie sich ja gar keinen Baum in ihre Zweizimmerwohnung gestellt. Die Dinger brachten nur Dreck und Arbeit und Parasiten mit sich. Aber nach drei Jahren, in denen Bob jeweils den ganzen Dezember über gebettelt hatte, war sie schwach geworden. Ein einziges Mal, hatte sie sich selbst geschworen, nur für die kulturelle Erfahrung. Hatte einen Baum besorgt, einen Ständer, einen Tisch für unter den Ständer – das alles natürlich auf drei Trips zum Baumarkt aufgeteilt. Woher sollte man auch beim ersten Versuch wissen, was man für einen Weihnachtsbaum alles brauchte? Auf teure Kinkerlitzchen hatte sie verzichtet. Lametta glitzerte genug, und Glaskugeln hätte Bob sowieso nur fallenlassen. Stattdessen hatte sie ihn mit einer anderen Tradition aus Kindertagen bekanntgemacht: Der gute alte selbstgebastelte Schmuck. An allen vier Adventswochenenden hatte sie zwischen Deadlines und Pressemeldungen versucht, ihn aus Tesafilm-Fallen und Glitter-Abgründen zu befreien, während Sven im Internet „zu Recherchezwecken“ bei TikTok vergammelte.

Immerhin hatten die beiden es irgendwie geschafft, in diesen schweren Zeiten dennoch über Videostreams und Fan-Aktionen eine Art Einkommen zu generieren. Schließlich hatten die Vergnügungsparks seit Monaten geschlossen. Auch deswegen hatte sie den Baum besorgt, zur generellen Aufmunterung. Bob war untröstlich, seit er nicht mehr regelmäßig mit Fans im Phantasialand für Fotos posieren konnte. Die Bauchrednernummer hatte sich zu einem Überraschungserfolg entwickelt, und er vermisste die täglichen Nebeneffekte des Ruhms. Aber jetzt musste es allmählich gut sein. In drei Tagen war der zweite – und letzte – Abholungstermin. Sie hatte wirklich keine Lust, den Baum mit dem Wagen zum Grünabfallsammelplatz zu schaffen.

Während sie ihren Gedanken nachhing und weiter Lametta pflückte, hatte Bob die meisten Nadeln von seiner schleimigen Haut geschüttelt. Auf dem Boden klebten winzige Schaumflocken. Heute war er handlich klein und klang ein wenig quietschig – eine Folge seiner Feiertags-Käse-Exzesse. Nur das mit dem Raclette wäre beinahe schiefgegangen. Für glitschige Tentakel waren diese winzigen Pfännchen einfach nicht das Richtige. Aber die Erinnerung daran, wie sich Bob selig schöpflöffelweise geschmolzenen Käse in den gierigen Schlund kippte, entschädigte sie auch für den Brandfleck in der guten Tischdecke.

Gute Tischdecken waren sowieso ein Relikt des letzten Jahrtausends.

Wenn sie in diesem Tempo weitermachte, stand das Ding noch am Valentinstag hier. So kamen sie nicht weiter. „Sven, kannst du uns ein paar Back-Camemberts besorgen? Und Cheddar? Und was zum Dippen?“ Wenn er schon nicht mit aufräumen wollte, sollte er sich eben anders nützlich machen.

Widerwillig legte er die Konsole beiseite. „Klar, hast du Geld?“

„Ich dachte, du wolltest dich für das Feiertagsessen revanchieren?“

Einen Moment lang sah es so aus, als wolle er widersprechen, doch dann gewannen seine Überlebensinstinkte die Oberhand. „Natürlich. Was auch immer die Frau Hausobermarschall sagt. Es ist mir eine Freude.“

Wenn er glaubte, dass die Sticheleien sie störten … „Und nimm das Altglas mit zum Container!“

Vor dem Fenster wurde es bereits wieder dunkel. Die Straßenlaternen erwachten zum Leben. Auch einer der Nachbarn hatte seiner Nordmanntanne den Kampf angesagt. Gebannt beobachtete Andrea ihn dabei, wie er den erbarmungswürdig kahlen Baum durch das weit geöffnete Wohnzimmerfenster zerrte. Die meisten Nadeln entschieden sich dafür, in der guten Stube zu bleiben.

Bob hüpfte auf das Fensterbrett. „Unserer ist sowieso viel schöner.“

„Ich glaube, im Januar ist das nicht mehr so wichtig.“ Sie machte sich daran, die Papiersterne von den Zweigen zu sammeln.

„Was machst du da?“, quäkte Bob entsetzt. „Den habe ich extra für dich gemacht!“

Verwirrt sah Andrea auf das zerkrumpelte Papier in ihrer Hand. „Was soll ich denn sonst damit machen?“

„Aufbewahren natürlich.“ Und schon wuselte der kleine Quälgeist davon, um einen leeren Schuhkarton zu finden. „Fürs nächste Jahr. Aber da werden wir einen größeren Baum brauchen, ich habe viele tolle neue Ideen! Habt ihr schonmal daran gedacht, Sterne aus Käserinde auszustechen?“

Das konnte ja heiter werden.

Gute Vorsätze? Pustekuchen! Hmm, Kuchen …

Vor einem strahlend blauen Himmel fliegen einer Pusteblume alle Samen davon.
Foto von Huzeyfe Turan, gefunden auf Unsplash

Oder vielleicht eher PusteBLUME?

Gute Vorsätze sind ja so ein fieses Ding. Wir wissen mehr oder weniger genau, was man alles tun könnte, um ein gesünderes, produktiveres, besseres, erfolgreicheres, … Leben zu führen. Problem: Dafür braucht man Zeit. Und jeder, der dir sagt: „Ach komm, die 20 Minuten für Sport hast du doch locker!“, der lügt. Denn natürlich muss man sich umziehen (und seine Sachen überhaupt zusammensuchen), hingehen/-fahren (oder alternativ die Yogamatte finden und ausbreiten, Katzen verscheuchen, den Tisch verschieben, …), anschließend ggf. duschen und wieder umziehen, alles zurückräumen – jetzt mal Buddha bei die Fische, allein dafür sind 20 Minuten weg, und geschwitzt hat man aus den völlig falschen Gründen.

Zum Glück habe ich die Lösung. Kommt und erquicket!

Denn: Anstatt im neuen Jahr Dinge zu planen, die noch zusätzlich in den vollgepfropften Alltag integriert werden „müssen“, um den zu „verbessern“ … lassen wir dieses Jahr einfach Dinge weg.

Wäre das hier ein Selbsthilfebuch, wäre ich jetzt reich. ^^

  • Stundenlang auf Reddit o.ä. hängen? Weg.
  • Auf den Regalen Staub wischen, obwohl kein Besuch kommt? Weg.
  • Sinnloses An-der-Glotze-Hängen? Weg.
  • Leute treffen, mit denen man sich irgendwann mal aus obskuren Gründen angefreundet hat? Weg.
  • Handtücher bügeln*? Weg.

Das sind natürlich nur völlig zufällig aus dem Leben gegriffene Beispiele und keinesfalls Hinweise darauf, womit ich Zeit verschwende (oder wo es demnächst in der Wohnung noch wilder drunter und drüber geht als eh schon). Garantiert habt ihr sowas auch. Und anstatt euch den Januar mit guten Absichten zu überfrachten, betrachtet euren Zeitplan doch lieber minimalistisch und schmeißt alles raus, was man nicht wirklich braucht und was einem keine Freude macht.

*Ich habe nie, nie, niemals nie nicht in meinem Leben ein Handtuch gebügelt, und ich fange garantiert nicht mehr damit an.

Nervenpflege

Der Begriff „Selfcare“ ist so überstrapaziert, der verursacht mir kalten Bröckchenhusten. ABER. Das ist kein Grund, sich nicht um sich selbst zu kümmern. Und gerade im Moment ist die Nervenpflege besonders wichtig. Wir hatten Feiertage, wir hatten Treffen und Nicht-Treffen, auf die wir gut hätten verzichten können, und diese lästige Pandemie ist überraschenderweise am ersten Januar nicht in lila Rauch aufgegangen. Na ja, kommt, wir hängen da noch einen Moment lang gemeinsam drin. Und damit uns die Zeit nicht lang wird, habe ich einige Nervenpflege-Tipps gesammelt:

  1. Niemand hat ein Recht auf deine Aufmerksamkeit. Schwurbelnde Verwandte oder schimpfende Kolleg*innen – du darfst dich jederzeit aus dem Gespräch verabschieden. Probier mal, mit dem Ausruf: „Da ist ein Kätzchen auf einem Pterodactylus!“ das Thema zu wechseln. (Im schlimmsten Fall halten sie dann dich verrückt und meiden deine Gesellschaft.) Oder mach dir einen Spaß daraus, ihre Verschwörungstheorien noch zu toppen. „Ich glaube ja nicht, dass die Erde eine Kugel ist.“ – „Ich glaube nicht einmal, dass die Erde existiert!“
  2. Verzichte auf die Nachrichten, wenn sie dir nicht guttun. Ja, klar, es ist wichtig, auf dem Laufenden zu sein, allerdings passieren die ganzen schrecklichen Dinge auch, wenn du nicht hinguckst.
  3. Sagt dir der Begriff „Comfort Food“ etwas? Das sind all die Dinge, die du auch essen würdest, wenn du Liebeskummer hast. Also Schokolade und Eiscreme, aber auch Kartoffelpüree, Nudeln mit Tomatensauce und Würstchen oder Risotto. Im Moment ist der Alltag für viele Leute Stress, und wenn wir dann angeblich „ungesundes Essen“ wollen, ist das tatsächlich „Nervennahrung“, denn unser Gehirn verbraucht nun einmal am liebsten Kohlenhydrate.
  4. Und damit zum Kummer über Corona nicht noch der Kummer über die Kurven kommt, raus mit euch! An die frische Luft! Natürlich nicht unter Leute, sondern in die Felder oder den Wald, so ihr die denn in der Nähe habt. Passt bitte auf, dass ihr nicht stolpert und euch was brecht, denn wir brauchen die Krankenhausbetten gerade für andere Dinge, aber Bewegung und frische Luft sind gut gegen Stress und machen auch glücklich.
  5. Kramt eure alten Schätze raus! Lieblingsbücher, -filme und -serien, halbvergessene Brettspiele, die Fotoalben aus eurer Kindheit, falls ihr so etwas habt. Angesichts so vieler neuer anstrengender Dinge ist es zwischendurch ganz gut, sich mit etwas abzulenken, das man bereits kennt und von dem man weiß, dass es einem gefällt.
  6. Lernt etwas Neues, wenn es euch ablenkt – fühlt euch jedoch bitte nicht verpflichtet, die Lockdownzeit „sinnvoll“ zu nutzen, indem ihr die Lösung für den Welthunger sucht oder so. Manche Leute werden von neuen Dingen nur zusätzlich gestresst. Falls ihr dazu gehört, ist „existieren und niemanden umbringen“ ein gutes Tagesziel und das Sofa euer bester Freund. Lasst euch nichts anderes einreden.
  7. Seid nicht so streng mit euch. Niemand wird alle Regeln andauernd einhalten. Und auch mehr „freie“ Zeit bedeutet nicht, dass ihr auf einmal die Wohnung, den Haushalt und/oder euer Leben im Griff haben müsst.
  8. Klingt lächerlich, aber befreit: Sucht jeden Tag irgendetwas in eurer Wohnung, das ihr wegwerft, verschenkt oder spendet. Ich weiß, das klingt wie ein Reiche-Leute-Tipp, aber aus irgendeinem merkwürdigen Grund wirkt dieser Vorgang auf mich extrem beruhigend. Jeden Tag verschwindet ein altes Feuerzeug, ein ungeliebtes Buch oder auch eine eingestaubte Deko aus meinem Leben. Merkwürdig, dass ich trotzdem noch soviel Kram habe. Aber versucht das einmal, vielleicht ist das auch etwas für euch.

Was sind eure Tipps gegen den aktuellen emotionalen Stress?

Autor*innen als Marke und Authentizität

In den letzten Tagen konnte ich am Rand einer interessanten Diskussion – oder wohl eher mehreren verschiedenen, sich miteinander verflechtenden und verknäuelenden Diskussionen – folgen. Es ging um „Autor*innen als Marke“ und ob man bei der Selbstvermarktung zwangsläufig an Authentizität verlieren müsse.

Jetzt habe ich in grauer Vorzeit auch ein wenig Soziologie studiert (nicht viel, nur im Neben-Nebenfach und mehr zum Vergnügen als für den Ruhm) und mache mir meine eigenen Gedanken.

Disclaimer: Wenn ich irgendwo als Autorin auftauche, egal ob in echt oder in digital, dann ist das, was ihr zu sehen/lesen kriegt, eine „Persona“ und nicht mein ungefiltertes, unterkoffeiniertes Privat-Ich.

Heißt das, dass ich euch konstant anlüge?

Natürlich nicht.

Dafür hätte ich gar nicht die Energie.

Ich betrachte es gerne als ein Professionalitäts-Level. So wie ich meinen Chef im Büro niemals begrüßen würde mit den Worten: „Yo, welcome back, du alter Sack!“, nicht einmal auf die liebevollste Weise, die man da draninterpretieren kann, und so, wie ich meine Bankfachfrau nicht zur Begrüßung high-fiven würde, so lege ich beim Auftauchen als Autorin eine Art selektiver Quasisemiprofessionalität an den Tag. In meinem konkreten Fall heißt das: Ich bin fröhlicher und agiere mild extrovertierter, ich rede nichts Schlechtes über meine Kolleg*innen und deren Bücher und ich verwende mild, minimal bereinigtes Fluchvokabular (räusper).

Auslöser der ganzen Diskussionen, von denen ich eingangs erzählte, waren übrigens SoMe-Auftritte nicht namentlich genannter Schreibender, die für sich selbst werben, indem sie andere Schreibende schlechtmachen. Und mal im Ernst, das geht mal gar nicht. Wie käme es euch vor, wenn der Bäcker auf der linken Straßenseite euch erzählte, dass der Bäcker am Markt in den Brötchenteig pinkelt? Sowas macht man nicht. Ich habe öffentlich diverse politische Meinungen und eine ganze Menge Fangirl-Crushes, aber ich lege großen Wert darauf, die Bücher anderer Schreibender nicht runterzumachen. Denn ich denke mir: Würde ein*e Autor*in, den*die ich online beobachte, so etwas machen, wäre die betreffende Person mir direkt unsympathisch.

Betreibe ich viel Arbeit mit der „Persona-Pflege“? Nö, eigentlich nicht. Letztendlich behalte ich nur manche Dinge für mich, die ich auch im Büro nicht einfach so herausposaunen würde. Große Schauspielleistungen oder Märchen würde ich nie durchhalten, das wäre viel zuviel Arbeit. Wenn ich euch Märchen erzählen will, packe ich sie zwischen Buchdeckel.

Endgegner Klappentext

Seit mehr als zwei Jahren habe ich nichts Neues veröffentlicht.

Ist das überhaupt legal?

Darf man das als Selfpublisher_in?

Tja, verklagt mich doch. (Bitte, verklagt mich nicht. Gibt eh nix zu holen!)

Und während das magische Kinderbuch mich kräftig in den Poppes tritt – wer hätte gedacht, dass es so schwierig ist, über Puppen zu schreiben? – habe ich eine Sache ganz und gar nicht vermisst: Klappentexte.

Klappentexte sind, zusammen mit dem Exposé, der Endgegner für Schreibende. Und obwohl sie eigentlich komplett das Gegenteil voneinander sind, bereiten sie uns die gleiche Art Kopfzerbrechen. („Uns“ bezeichnet Schreibende generell – bis auf die wenigen Perversen, die sich gerne mit Klappentexten etc. befassen, denen sollte man nicht trauen.)

Ein Exposé zeigt alles. Auf wenigen Seiten soll die komplette Romanhandlung inklusive Ende verständlich dargestellt werden. Mit einem Exposé beweist man, dass man sein eigenes Buch verstanden hat. (Lacht nicht, mir sind bei den Puppen viele Dinge erst jetzt beim dritten Anlauf klargeworden.) Das Exposé ist eher schnörkellos und voller Informationen.

Ein Klappentext soll neugierig machen, darf also nicht zuviel verraten. Aber die wesentlichen Informationen sollen natürlich da sein: Erwartet mich etwas Lustiges? Spannendes? Romantisches? Blutrünstiges? Ein wenig wird der Klappentext dabei vom Cover unterstützt, aber die Worte leisten schon den Hauptteil der Arbeit. Sie zeigen nämlich auch schon, wenn man den Job gut gemacht hat, den Stil der Geschichte.

Immer wieder tauchen sogenannte „Erfolgsformeln“ für Klappentexte auf. Und mal unter uns: Die meisten davon erfüllen eben gerade das Minimum, damit man einen Klappentext als solchen erkennt. Einmal abgesehen davon, dass Lesende ja nicht kurzdenkig sind und solchen Tricks schnell auf die Schliche kommen. Wenn man also den eigenen Klappentext aus „Erfolg garantierenden“ Versatzstücken zusammenpuzzlet, tut man sich keinen großen Gefallen. Originalität ist gefragt – aber bitte auf maximal einer halben Normseite.

Und weil der Klappentext meistens darüber entscheiden hilft, ob jemand das Buch kauft oder nicht, bereitet er uns Schreibenden schlaflose (vielleicht gar hasenhirnige?) Nächte. Wir zeigen, fragen, zerpflücken, analysieren, bekritteln und tüfteln so lange, bis wir … nein, meistens nicht zufrieden sind, sondern uns um der lieben geistigen Gesundheit willen mit dem bestmöglichen Kompromiss zufriedengeben.

Eigentlich sollte man es ja anders herum machen: Erst schreiben wir den ultimativen Klappentext und dann den passenden Roman dazu. So schwer kann das ja nicht sein. (Hust. Abgang links.)

Fantastische Feiertage(1)!

Quadratische Grafik mit einer diagonalen Aufteilung (links oben nach rechts unten): Rchts eine gefrorene Seifenblase auf einem Bett aus Eiskristallen, überwiegend weiße und dunkelblaue Farbtöne. Lins grau-blauer Hintergrund, darauf weiße Schrift: "Fantastische Feiertage! Ich wünsche euch kalte Nasen, heiße Getränke und alles Gute für das kommende Jahr!"

Sagen wir es, wie es ist – das Jahr 2020 war … überraschend. Und nicht nur auf die gute Art. Wir hatten keine großen Buchmessen, wenig Sozialkontakte und ernüchternde Einblicke in die Bereitschaft unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen, sich zum Wohl der Allgemeinheit einzuschränken. Aber es war nicht alles schlecht. Wir haben tolle Bücher bekommen, abwechslungsreiches Streamingprogramm und einen Vorwand, möglichst viele neue Brotrezepte auszuprobieren. Alle haben sich gesorgt: Um die eigene Existenz, um die Gesundheit von Familien und Freunden, um unsere kollektive geistige Gesundheit. Manche von uns hatten es dabei sicherer als andere, aber wir wurden alle auf eine Art erschüttert, die wir nicht vorhergesehen hatten. Konzerte wurden verschoben, Events abgesagt, Reisen storniert. Wir haben sehr, sehr viel Zeit daheim verbracht und sind unseren Haustieren auf den Sack gegangen.

Ich wünsche mir, dass ein Ende dieses internationalen Multi-Experiments nicht mehr lange auf sich warten lässt. Und ich wünsche euch trotz allem und mit allem ruhige, sichere Feiertage mit der nötigen Entspannung und dem Rückhalt, den wir alle gerade brauchen.

Nach den Feiertagen starten wir dann wieder durch. Schön mit Abstand, wie es sich gehört.

Passt auf euch auf!

(1) Meine Finger tippen immer „Feuertage“ und ich hoffe sehr, dass die nicht etwas wissen, das ich noch nicht weiß.

Hasenhirnig

Harebrained“ ist so ein schönes englisches Wort, mit dem ich bis jetzt nicht so richtig etwas anfangen konnte. Es wird übersetzt mit „konfus“ oder „närrisch“. Nach heute Nacht finde ich den Ausdruck „hasenhirnig“ aber schön UND treffend.

Es fing damit an, dass ich ins Bett ging, der Mann aber nicht. Der folgte mit (räusper) minimaler Geräuschkulisse morgens um vier. Fragt nicht. Auf jeden Fall weckte er mich dabei unabsichtlich, und während er schnell und tief entschlummerte, setzte mein Hirn zum hakenschlagenden Hasengalopp an.

„… Flugzeuge in meinem Bauch … orr, ich hätte nicht soviel essen dürfen. Wann mache ich wohl dieses Rastapasta-Rezept? Hmm, Rastas … darüber sollte ich mehr lernen. Bestimmt gibt es da spannende Artikel. Gib mir mein Herz zurück … ich hasse dieses Lied. Was könnten wir morgen im Büro wohl hören? Da gab es doch neulich diesen Artikel über 2raumwohnung. In der Zeitschrift gab es auch einen Artikel über Puzzles. Ich hasse Puzzles. Und merkwürdig, was bei Computerspielen alles unter „Puzzle Games“ zusammengefasst wird. Vieles davon wären ja eher Mystery Games. Ich muss dringend diese Mystery Romance Story schreiben. Zirkus-Artisten. Flugzeuge im Bauch …“

Auf einer grünen Wiese vor einem unspektakulär ausgeleuchteten, eher farblosen Natur-Hintergrund mit mehreren unscharf dargestellten Gebäuden sitzt ein Hase mit gespitzten Ohren und schaut schräg Richtung Kamera.
Foto von Philipp Lansing, gefunden auf Unsplash

Und so ging es immer weiter im Kreis – ach, was sag ich, im Möbiusband! Bis morgens um sechs, als mein Wecker klingelte. Nächstes Mal spreche ich das alles live auf Band, das wird lustig!