Zehn Dinge, die ich an mir hasse

Puh, das ist schwierig. Eigentlich hasse ich gar nichts an mir. Aber manche Dinge sind schon lästig. Ich denk mal drüber nach …

  1. Meine Haut ist eine kleine Diva. Coronamaskenpickel? Ja bitte! Also, danke nein, aber ja bitte! Dabei dachte ich, ich hätte meine Hautpflege zur Abwechslung endlich mal im Griff.
  2. Ich bin oft unentschlossen und verpasse dadurch Gelegenheiten.
  3. Ich bin extrem schüchtern. Fast schon verklemmt. (Höre ich da wen lachen?)
  4. Manchmal bin ich unfair zu Leuten, einfach weil ich einen schlechten Tag habe.
  5. Und diesen Altpapierhaufen werde ich nie besiegen. Ja, ich bin eine schlechte Hausfrau.
  6. Es fällt mir schwer, emotionale Nähe auszudrücken.
  7. Außerdem bin ich ziemlich vergesslich.
  8. Meine Knie sind irgendwie lappig und ein wenig unförmig. Ich fürchte, im Alter gewinnt die Schwerkraft an ungewöhnlichen Orten.
  9. Und ich habe einen etwas ungleichmäßg wachsenden, dafür tiefschwarzen Vollbart. Darauf hat mich auch niemand vorbereitet.
  10. Ich bringe viele Dinge nicht zuende. (Im Gegensatz zu dieser Liste.) Mein Schreibtisch und sämtliche Schubladen sind voll mit angefangenen Projekten.

 

Ach, also, eigentlich ist das alles gar nicht so schlimm. Was meint ihr? ^^

Absurde Genremischungen – vielleicht gar nicht so absurd?

Was sind die absurdesten Genremischungen, die ihr euch vorstellen könnt?

Ein Geisterwestern?

Ein utopischer Roadmovie?

Eine kindertaugliche Dystopie?

Romantik-Horror mit Science-Fiction-Elementen und Einhörnern?

Solche Mixe können funktionieren, müssen es aber nicht. Man muss genau schauen, wie man die überwiegend ungeschriebenen Genreregeln auf plausible Art miteinander vermischt. Und man läuft natürlich Gefahr, Genrefans zu enttäuschen. Aber ich persönlich finde ja Buchbeschreibungen wie „Lesbische Totenbeschwörer erforschen ein Spukhaus im Weltall“ (eigene Übersetzung, Blurb zu Gideon the Ninth) sehr verlockend. Ja, das kann grandios schiefgehen. Aber wenn die Autorin ihr Handwerk versteht, dürfte das sehr, sehr grandios sein.

 

Auch imaginäre Freunde können streiten – fantastische Konflikte

Ja, Worldbuilding ist schwierig. Man muss sich alles ausdenken, und alles muss zueinander passen. Wie funktioniert öffentlicher Nahverkehr in einer Welt, in der Menschen auf Bäumen leben, weil der Boden mit säureproduzierenden Schlingpflanzen bedeckt ist und Riesenvögel jeden fressen, der den Kopf aus dem Blätterdach streckt? Was für Toiletten benutzen Meerleute? Passen meine Schimpfwörter zum Erleben meiner Charaktere?

Und es ist damit noch nicht getan. Denn auch imaginäre Welten sind nicht homogen. Es sei denn, natürlich, jeder Charakter lebt auf seinem eigenen kleinen Planeten wie in „Der kleine Prinz“. Wahrscheinlich gibt es unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichem Wissen, unterschiedlichen politischen Ansichten und sogar unterschiedlichen Religionen.

Gut, man muss nicht alles bis ins kleinste Detail ausarbeiten. Aber Konflikt ist der Treibstoff für die meisten guten Geschichten. Und wenn wir uns nicht einmal in der eigenen Familie auf das Salatdressing oder die Feierabendserie einigen können, wie kann es dann sein, dass in einer fantastischen Welt alle einer einzigen Religion anhängen oder alle den Herrscher gleichermaßen gut (oder böse) finden? Wäre es nicht viel realistischer – ja, der Begriff eignet sich auch für Fantasy – wenn beim Abendessen darüber diskutiert wird, dass der dreiköpfige Großfußkaiser nicht nur schlecht ist? Ich meine, er frisst zwar jede Woche drei weißhaarige Jungfrauen, aber immerhin hat er für kostenlosen Hyperloop-Transport gesorgt und das Schulwesen revolutioniert! Und einen schönen Bonus gibt es auch: Gewissenskonflikte.

Die Protagonistin KÖNNTE den korrupten Politiker bloßstellen, der sein Gehalt durch Sklavenhandel mit Praktikanten aufbessert, die dann in den Glühwurmmienen schuften müssen – aber ihr Bruder, dessen rechte Hand, wäre dann arbeitslos und könnte ebenfalls in Schwierigkeiten geraten.

Die beiden Geschwister KÖNNTEN verraten, dass ihre Stiefmutter Schuhe aus Menschenhaut trägt, aber dann würe ihr Vater wieder Single und sehr traurig.

Diese beiden Priester hier haben sich zusammengetan, um die Welt vor dem Untergang zu retten, können sich aber nicht einigen, ob der heilige Kristall tatsächlich göttlich oder nur ein göttliches Symbol ist. Ein falsches Wort, schon reden sie nicht mehr miteinander und der eine reitet in die Nacht hinaus, um sich zu betrinken. Soll doch der Symbolkasper die Welt alleine retten!

Machen wir es also ruhig etwas komplizierter.

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Serientäter!

So ganz diffus habe ich den Eindruck, dass Filme an Relevanz verlieren. Stattdessen konsumieren die Leute, mit denen ich mich austausche, verstärkt Serien. Ist ja auch viel leichter heutzutage. Es gibt Streamingdienste, man muss nur noch selten wochenweise auf die nächste Folge warten – und wenn man alle Staffeln „Gilmore Girls“ an einem Tag gucken will, hindert einen niemand daran.

Deswegen wollte ich an dieser Stelle einen nicht-exklusiven Überblick darüber geben, was ich in den letzten Wochen und Monaten so geguckt habe und wie es mir gefällt. Vielleicht ist ja das eine oder andere für euch dabei?

  • GOOD OMENS. Natürlich. Eines meiner Lieblingsbücher von zweien meiner Lieblingsautoren mit einem grandiosen Cast. Natürlich hält die Serie nicht mit dem Buch mit, aber welche Serie tut das schon? Mein Highlight? David Tennant als Crowley. Aber eigentlich ist der komplette Cast toll. Eine unbedingte Empfehlung.
  • Nicht ganz so uneingeschränkt empfohlen: AMERICAN GODS. Ja, mein Lieblingsbuch. Da kann die Verfilmung eigentlich nur schiefgehen, oder? Nun ja, von der ersten Staffel war ich sehr angetan, obwohl sie schon vom Buch abweicht – die Entscheidungen sind nachvollziehbar, auch wenn ich sie wohl anders getroffen hätte. Staffel zwei war etwas schwächer (mein Highlight: Folge 6, Staffel 2) und hinter den Kulissen gab es wohl Vorwürfe wegen der (Nicht-)Besetzung verschiedener Rollen und der Nicht-Vertragsverlängerung für einzelne Schauspieler. Noch bin ich gespannt auf Staffel 3, aber ein wenig nervös bin ich auch.
  • Ihr könnt euch schon denken, was jetzt kommt: LUCIFER. Auch da – ein leicht durchwachsenes Vergnügen, die Charaktere wirken oft etwas nachlässig geklöppelt. Insgesamt aber eine tolle Prämisse und eine großartige Leistung. Mein Highlight: Dr. Linda.
  • Now for something completely different: SEX EDUCATION. War eine Empfehlung auf Twitter, die erste Staffel war grandios und extrem lustig. Ich zögere noch, die zweite Staffel anzufangen, weil ich da einiges weniger Schönes gehört habe. Aber sobald ich Zeit habe, werde ich mir ein eigenes Bild machen. Mein Highlight: Gillian Anderson als verschrobene Mutter und der Klempner.
  • ALTERED CARBON. Die erste Staffel war mehr als beeindruckend, danach habe ich mir die Bücher des Autors besorgt und sie verschlungen. Danach habe ich leider erfahren, dass der Autor ein Rad hat, das nicht ganz sauber läuft – das war es also für mich. Trotzdem habe ich die zweite Staffel der Serie begonnen, allerdings konnten die ersten Folgen mich nicht überzeugen. Ob ich sie zuende schaue, muss ich gucken. Mein Highlight: Poe.
  • THE MARVELOUS MRS. MAISEL. Erstens bin ich spät dran und zweitens ist das irgendwie eine Art „guilty pleasure“ – keine Ahnung warum. Man merkt, dass die Serie aus dem gleichen Haus kommt wie „Gilmore Girls“, und das ist eigentlich auch gar nicht schlimm. Leider komme ich nur sehr langsam vorwärts, weil ich nur selten das Wohnzimmer für mich habe, wenn Zeit für eine Serie wäre. Aber ich gebe nicht auf. Mein Highlight: Mrs. Maisels erster Bühnenauftritt.
  • ORPHAN BLACK. Schon eine Weile her, dass ich das gesehen habe, aber ich denke immer wieder gerne daran zurück. Eine spannende Geschichte (die leider zum Ende hin ein wenig arg abgedreht wird) und eine grandiose schauspielerische Leistung der Hauptdarstellerin. Mein Highlight: Die Familiendynamik zwischen Sarah, Siobhan und Felix.
  • DEATH IN PARADISE. Damit kam der Mann um die Ecke, und wir gucken es oft abends gemeinsam. Manchmal sind die Fälle ein wenig simpel gestrickt, aber die Figuren machen das wieder wett, und natürlich mein Highlight: Das Setting. (Wenn ich schon nicht auf einer exotischen Insel leben kann … )
  • Natürlich: DOCTOR WHO. Ich bin spät dran und werde mich weiter verzögern, weil ich im Moment den Mann mit liebevoller Strenge dazu bringe, die „neuen“ Staffeln von Anfang an mit mir zu gucken. (Er findet die Idee etwas anstrengend, ist bei jeder einzelnen Folge, zu der ich ihn überrede, dann aber mit Feuereifer dabei.) Mein Highlight: Amy Pond und Rory.

Meine Güte, wir gucken eine Menge Serien. Kein Wunder, dass ich mit keiner einzigen weiterkomme. ^^ Habt ihr noch Empfehlungen? Was muss ich unbedingt gucken und was lohnt auf keinen Fall?

Früher war alles besser – Klassiker lesen

Wie ich ja schon das eine oder andere Mal erwähnt habe, lesen wir mit dem Nornennetz im Moment in einer Lesechallenge wichtige Bücher berühmter Autorinnen – unseren „Hidden Powers“ Nornenschuber. Im März war „Ronja Räubertochter“ dran, danach „Die Farbe Lila“ und dann „Pride and Prjudice“. Diesen Monat ist es „Orlando“ von Virginia Woolf. (Details findet ihr hier.)

Viele dieser Bücher gelten als Klassiker. Ich habe sie noch nicht alle gelesen – und ich muss sie gar nicht alle gut finden. (P&P gefällt mir auch im dritten Anlauf nicht besonders, aber ich verstehe, warum andere es mögen.) Aber oft gibt es eben einen guten Grund dafür, dass etwas ein Klassiker geworden ist. Deswegen lohnt es sich meiner Meinung nach, gelegentlich über den Tellerrand hinaus auf die Klassiker zu schielen und vielleicht den einen oder anderen zur Hand zu nehmen.

Allerdings macht es einen nicht automatisch zu einem besseren Menschen, wenn man verkündet: „Also, ich lese ja kein Buch, das nach 1920 veröffentlicht wurde.“ Das macht einen nur … ja, zu was? Auf jeden Fall zu einer Person, der viele gute Bücher entgehen.

Wenn ich einmal alt wär …

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Je länger die aktuelle Situation anhält, und je absurder die Lagen werden, desto lieber möchte ich meine Alterspläne jetzt schon umsetzen. Zu blöd, dass das im Moment alles so nicht geht. Aber ich kann ja träumen.

Wovon ich träume?

Eine Hütte im Wald. Sie muss nicht groß sein, oder luxuriös. Hauptsache, ich habe fließendes Wasser, Internet und Strom (für Notebook und Kaffeemaschine) und zwei Betten – eines für mich, eines für ausgewählte Gäste.

Zu dieser Hütte sollte ein kleiner Garten gehören. Ich mag Gärten, auch wenn ich nie genug Zeit für viel Gartenarbeit hätte. Deswegen nur ein kleiner Garten. Vielleicht große genug für Hühner und ein paar Kräuter. Ein Apfelbaum wäre auch nett, und vielleicht ein Holunder. Ein großer Hund, der mir Gesellschaft leistet.

Wenn es in der Nähe einen Bach gibt, wäre mein Glück perfekt.

An so einem Ort möchte ich im Wesentlichen ruhige Tage verbringen. In die Natur hinausgehen, mich um Garten und Hütte kümmern, Brot backen, Bücher schreiben. Viel lesen. Ab und zu nette Leute treffen. Wahrscheinlich kleine Kinder erschrecken, die sich im Rahmen von Mutproben an mein Häuschen heranschleichen. Wenn es sich ergibt, würde ich die Umgebung unheimlich dekorieren – ich wäre ja nur alt, nicht langweilig.

Gut, wahrscheinlich wäre ich unglaublich langweilig. Ich würde Tage und Wochen damit verbringen, mit niemandem zu sprechen und mir immer fantastischere Geschichten auszudenken. Wenn ich in den nächsten Ort ginge, um Lebensmittel nachzukaufen oder etwas auf die Post zu bringen, wäre ich die seltsame Alte, die niemandem etwas tut.

Am liebsten würde ich morgen direkt umziehen.

Flauschige Dinge für blöde Tage

Und, haben wir die aktuelle Lage schon alle über? Durchgeknallte Politiker auf Weltklasseniveau, Proteste wegen Dingen, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, Hass und Stress aus allen Ecken – oh ja, und natürlich ist immer noch Pandemie. Aber keine Bange, heute habe ich etwas für euch: Flausch. Denn Flausch macht alles besser. Seht selbst!

 

Self-Care, weil es sich gerade anbietet

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„Self-Care“ klingt wie so ein neumodischer Luxus-Kram für Millenials, oder? Bunte Kerzen, Kombucha und so Zeug. Niemand hat gegenwärtig Zeit dafür – geschweige denn Geld.

Aaaaber.

„Self-Care“ ist nicht nur so’n Schnickschnack.

„Self-Care“ bedeutet, dass man sich um sich selbst kümmert. Dass man also dafür sorgt, dass man hat, was man braucht, um möglichst gesund zu sein – körperlich und emotional.

Für mich gehört dazu, ausreichend zu trinken und meine Schilddrüsentabletten regelmäßig zu nehmen und Zähne zu putzen, obwohl ich keine Lust habe. Und darauf zu achten, dass ich mindestens sieben Stunden Schlaf kriege. Hautpflege, ausreichend Gemüse und Proteine essen, ein ordentliches Kopfkissen – dieser ganz normale Quatsch eben.

Gut, außerdem versuche ich, mich jeden Tag mindestens eine halbe Stunde zu bewegen (laufen, spazierengehen, eventuell Krafttraining, selten schwimmen). Ich manage meine Termine so, dass ausreichend freie Nachmittage und Wochenenden bleiben. Und ich sollte eigentlich mehr meditieren. Nicht, weil es mir soviel Spaß macht, sondern weil es mir besser geht, wenn ich es regelmäßig tue. Das fällt jetzt vielleicht schon unter „Schnickschnack“.

Gerade in der aktuellen Situation gehört auch dazu, darauf zu achten, was mich mehr stresst als in Nicht-Pandemie-Zeiten. Ich reduziere Einkaufstouren, plane Besorgungsfahrten mit freien Tagen dazwischen und erspare mir manchen Trip in die Stadt, indem ich (nein, keine Schande auf mein Haupt) einige Dinge bestelle und nach Hause liefern lasse, anstatt durch die Läden zu hopsen.

Für andere Leute könnte „Self-Care“ ganz anders aussehen: Öfter Freunde treffen, damit einem nicht die Decke auf den Kopf fällt. Die Tagesroutine so umstellen, dass man morgens nicht direkt Stress hat. Mehr Pflanzen in die Wohnung stellen. Den Kaffeekonsum reduzieren.

Nur ist es leider oft so, dass es so viele Anforderungen (und so begrenzte Ressourcen) gibt, dass man sich vielleicht schwer damit tut, das eigene Wohlergehen zu priorisieren. Passiert mir oft genug, und nach ein paar Tagen bin ich dann ein schlechtgelauntes und matschiges Wesen, dem man besser aus dem Weg geht. Umso ungünstiger, wenn ich mich bei vollem geistigen Bewusstsein in diese Sackgasse manövriert habe, weil ich Abends lieber auf dem Sofa versacke, anstatt schlafen zu gehen, und lange Fastfood-Strecken einlege.

Wie ich das vermeide? Nun, ich stelle mir vor, mein Körper sei ein Haustier, um das ich mich kümmere. Haustiere kriegen ja auch nicht immer, was sie wollen (nein, Kurt, erst recht keine Pizza!), sondern das, was für sie gut ist. (Eine andere Quelle hat vorgeschlagen, so zu tun, als sei man ein Dämon, der diesen menschlichen Körper bewohnt und versucht, sich um seine menschliche Hülle zu kümmern, damit sie möglichst lange hält. Ich verurteile da niemanden.) Klappt nicht immer, aber schon ziemlich oft.

Und wenn mir nach Luxus ist? Gönne ich mir eben eine Pediküre.

Was sind eure Self-Care-Must-Haves?

(PS: Keine Sorge, demnächst geht es auch wieder mit den leichten Nonsense-Posts weiter.)

Wenn die Welt mal wieder brennt

Der Irrsinn tobt schon seit ein paar Wochen, und ich war mir einfach nicht sicher, ob ich aus meiner überaus privilegierten Perspektive auch noch etwas dazu schreiben sollte. Aber ja.

Angefangen hat es damit, dass ein weißer US-Polizist sich auf den Hals eines schwarzen US-Bürgers gekniet hat, bis der nicht mehr atmete. Das ganze passierte im Rahmen einer Festnahme wegen einer möglicherweise gefälschten Zwanzig-Dollar-Note. Ihr kennt die Details.

Mich hat gewundert, wie oft in den darauf folgenden Tagen in Diskussionen Folgendes bemüht wurde: „Aber der Typ war ein vorbestrafter Krimineller!“

Eben tief Luft holen.

JA UND???

Das gibt niemandem das Recht, ihn bei der Festnahme zu töten.

Einmal abgesehen davon, dass viele Leute, die mit Falschgeld irgendwo auftauchen, ÜBERHAUPT NICHT festgenommen werden. Und erst recht nicht zu Tode gekniet.

Auf jeden Fall wird einmal mehr weltweit darüber gestritten, welche Rechte welche ethnische Gruppe und welche Minderheit haben sollte, wer was darf, wer sich wie benehmen muss, um eben nicht in Polizeigewahrsam zu geraten (und dort zu sterben), und wer sich doch bitte nicht so aufzuregen habe, schließlich seien doch alle immer nett zu ihnen gewesen.

Ich verrate euch ein Geheimnis: Niemand von uns weiß alles. Niemand von uns macht alles richtig. Und jeder von uns kann dazulernen.

Dass Menschenrechte eben für ALLE Menschen gelten sollten, ist im Namen schon irgendwie impliziert. Logisch, oder?

Unzählige BIPoC haben ihre Erfahrungen mit Rassismus AUCH IN DEUTSCHLAND geteilt, um darauf aufmerksam zu machen, wie präsent solche Probleme in der Geesellschaft noch sind. Häufigste Antwort darauf: „Heul nicht, wenigstens ist es in den USA viel schlimmer als hier.“ Ist wahrscheinlich so nicht wahr und zweitens – macht es das etwa besser?

Wenn jetzt also, in einem nächsten Schritt, jemand mir sagt, dass ich etwas Verletzendes/Rassistisches/Diskriminierendes gesagt oder getan habe, dann hat diese Person höchstwahrscheinlich recht. Dann denke ich darüber nach, wie ich es demnächst besser machen kann, und mache wahrscheinlich stattdessen etliche andere Fehler. Wir lernen schließlich immer noch alle dazu.

Umzüge, oder: Ein rollender Stein setzt kein Moos an

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Wenn ich Leuten erzähle, wie oft ich in meinem Leben schon umgezogen bin, sind sie meistens überrascht (eben nachrechnen … siebzehn Mal, so ungefähr). Wenn ich dann erzähle, dass viele dieser Umzüge innerhalb der gleichen Stadt stattfanden (sechsmal in einer Stadt, fünfmal in einer anderen), sind sie wieder ernüchtert. Das klingt jetzt nicht so aufregend, oder? Und auch sonst haben viele Umzüge innerhalb weniger Kilometer stattgefunden. Ich glaube, der Umzug ins Studentenwohnheim nach Bonn war mit fast exakt 200 Kilometern von unserer Haustür zur Wohnheimstür schon der geographisch größte.

Wie kommt so etwas zustande? Nun … Leute mit eher begrenzten finanziellen Mitteln können sich das vielleicht vorstellen: Man zieht dahin, wo es Arbeit gibt – und wo man sich die Miete leisten kann. Also ist meine Familie viele Jahre lang, grob gesagt, zwischen der niederländischen Grenze und Osnabrück herumgezogen.

Für uns Kinder bedeutete das: Viele Schulwechsel, wenige lang bestehende Freundschaften. Auch meine Eltern haben nur wenige Freundschaften, die Ortswechsel überlebt haben. Das hat Vor- und Nachteile gleichermaßen, schließlich bleibt so immer eine gewisse Distanz bestehen. Dank Internet ist das heute alles etwas einfacher, und ich habe tatsächlich einige wenige Brieffreundinnen, die mir seit langen Jahren erhalten geblieben sind.

Hier in Bonn bin ich während des Studium einige Male budgetgerecht umgezogen, dann mit dem Mann zusammen und zuletzt in eine andere Wohnung, als das Haus, in dem unsere erste gemeinsame Wohnung war, „modernisiert“ wurde (Styropor an die Außenwände kleben und die Miete um fast 50 % erhöhen … joah, kann man machen).

Der Mann ist gebürtiger Rheinländer, den kriegt man in diesem Leben hier wahrscheinlich auch nicht mehr weg. Sogar ein Stellenangebot auf einer exotischen Insel zu wirklich guten Konditionen hat er mal ausgeschlagen. Ja, ich wäre völlig selbstlos mitgegangen, ich gute Frau. Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, wie das ist, wenn man sein ganzes Leben in einer Region zubringt – dort auf Schulfreunde trifft, die inzwischen in der Stadtverwaltung arbeiten, im Beruf frühere Erzieher trifft oder die Kinder von Freunden bei Handballspielen unterstützt, weil man früher im gleichen Verein gespielt hat.

Und noch etwas fehlt mir ein wenig: Das Wissen um Schleichwege und Tratsch. Das muss man sich als Zugezogene immer hart verdienen. Aber in solchen Sachen habe ich ja Übung. ^^