Es spoilert (ein bisschen): Captain Marvel

Disclaimer: Der folgende Text enthält minimalstwinzige Spuren von Sarkasmus und Erdnüssen.

Spoiler Warnung im Titel für den Fall, dass ihr euch „Captain Marvel“ noch ungespoilert anschauen wollt. Falls nicht – oder falls ihr noch zögert – habe ich direkt eine große Warnung für euch.

GUCKT IHN NICHT!

DER FILM ENTHÄLT LAUTER MÄNNERHASSERPROPAGANDA!!!

Ich als schwache Frau mit reduzierter intellektueller Kapazität wäre da ja gar nicht drauf gekommen. Gut, ich war auch ein wenig übermüdet, als wir am Freitag im Kino waren. Vielleicht ist es mir deswegen nicht direkt aufgefallen. Andererseits, mit so einem glasklaren Männerverstand kann ich einfach nicht mithalten. Ist mir ja auch klar. (Leises Weinen.)

Zum Glück gibt es Specialist-Nerd-Seiten, die solche Dinge im Detail erklären – und ich verlinke sie hier auch mal direkt, damit ihr euch alles im Original antun (und ggf. darunter kommentieren, falls denn gewünscht) könnt. Profitiert von der Weisheit von Cosmic Book News!

Falls ihr euch das nicht antun wollt, eine kurze Zusammenfassung. Natürlich nur unter Vorbehalt, ist schließlich von mir.

  1. Der Film ist voller „anti-male imagery“ und „feminist male-bashing elements“ (was auch immer das sein mag).
  2. Angeblich ist Carols Dad in den Rückblenden gemein zu ihr. Meine Theorie war ja, dass sie beim Kartfahren einen Unfall baut und er sagt: Tu das nicht. Blöde Idee. (hatte er ja auch Recht, sie hat einen Unfall gebaut). Und im Ernst, dieses „Ich hab’s dir doch gesagt“ in verschiedenen Variationen ist das Lieblingslied aller Eltern, die ich kenne. Nicht nur von Vätern. Und wahrscheinlich auch nicht nur Töchtern gegenüber.
  3. Carols Baseballteam ist gemein. (Ist mir komplett entgangen, ich hielt das für eine normale Sport-/Wettbewerbssituation. Bin offenbar nicht ausreichend sensibilisiert.)
  4. Der Typ auf dem Motorrad flirtet mit und beleidigt Carol. Eine Situation, wie sie im echten Leben NIEMALSNIENICHT vorkommen würde. (Räusper.)
  5. Und was ist falsch daran, eine erwachsene, ausgebildete Pilotin als „junge Dame“ zu bezeichnen? WAS NUR???
  6. Maria lässt ihre Tochter allein, um die Welt zu retten. Also, um genau zu sein, lässt sie sie nicht allein, sondern bringt sie vorher zu den Großeltern. Wie kann sie nur? Warum macht sie es nicht wie Hawkeye, der aus Rücksicht auf seine Familie von allen gefährlichen Kampfhandlungen Abstand nimmt? Ähm, Moment …
  7. Die Kree scannen Nick Fury und stufen ihn als „wertlos“ ein. Tja, die Kree – die intergalaktische Speerspitze des Feminismus. (Einmal ganz zu schweigen davon, dass Nick Fury den Kree im Nahkampf wirklich nichts entgegenzusetzen hätte.)
  8. Mar-Vell ist, im Gegensatz zu den Original-Comics, ein weiblicher Charakter – angeblich, weil es undenkbar sei, dass Captain Marvel ihre Fähigkeiten von einem Mann kriegt. Wenn ich das richtig verstanden habe – ihr müsst bedenken, ich war müde und intellektuell durch meine Weiblichkeit eingeschränkt – hat sie ihre Fähigkeiten dadurch bekommen, dass dieses Energie-Antriebs-Dingsie explodiert ist. Welches Geschlecht das hat, darauf habe ich nicht geachtet, ganz im Ernst. (Dass die Künstliche Intelligenz der Kree die Form der weiblichen Mar-Vell annimmt, anstatt als Mann aufzutreten, ist in diesem Fuílm nur logisch, wenn man als Prämisse annimmt, dass die KI/AI sich als ein Vorbild resp. eine Autoritätsperson präsentiert.)
  9. Es gab „Girl Songs“, beispielsweise von der Band No Doubt. Die kennt heute eh kaum noch wer, oder? Aber in den 90ern waren die DER SHIT. Habe ich gehört.
  10. Und jetzt, das ALLERALLERSCHLIMMSTE, mit mehrfacher Hervorhebung, um das komplette Drama ausreichend zu würdigen: NICK FURY SPÜLT DIE TELLER!!! Ich kann mein Entsetzen darüber, diesen Helden derart entmannt zu sehen, gar nicht in Worte fassen.

Außerdem hat Brie Larson sich sowieso den Hass des männlichen (und damit einzig relevanten) Publikums zugezogen, weil sie sich nicht auszieht und in einem Interview gesagt hat, sie wünsche sich mehr Diversität bei Filmkritikern. Wie kann sie nur??!

Meine eigene Meinung zum Film ist natürlich längst nicht so relevant wie diese glasklare Analyse der fiesen Männerhasser-Feministinnen-Agenda von Disney: Ich fand den Film unterhaltsam, er ist nicht mein Lieblings-Avenger-Film, und die Figur Captain Marvel ist für mich eher uninteressant, weil sie keine sichtbaren Schwächen (i.e. kein „Kryptonit“) hat. Im Ernst, wenn es so eine starke Figur im Marvel-Universum gibt, hätten die anderen Avengers-Filme eigentlich aus 5 Minuten Aufräumen und anschließendem gemeinsamem Besuch im Chinarestaurant bestehen müssen. Beide Twists (die guten Skrull und dieses Patch bei ihr im Nacken) waren für mich zu offensichtlich, aber ich mochte die Diversität im Film – gute und böse Männer und Frauen, komplexe Charaktere.

Aber wenn der arme Nick Fury Teller spülen muss, kann an dem Film nichts Gutes dran sein. Schaut ihn also lieber nicht.

Lesestopper

Oder vielleicht eher Lesestolpersteine? Egal, auf jeden Fall habe ich in den letzten Tagen eine ganze Reihe Bücher angefangen und wieder abgebrochen, und ich wollte einmal ein paar Gründe teilen, aus denen ich ein Buch abbreche. Als meistens missmutig motzende Muhme bin ich nicht besonders geduldig – ein Buch hat also nicht viel Zeit, mich zu überzeugen. Andererseits probiere ich (nicht nur beim Essen) eigentlich wirklich jeden Sch*** – also auch jedes Genre. Wiederholt. Ich lerne einfach nicht dazu.

Aber zurück zum Thema. Was hat mich dazu gebracht, Bücher ungelesen von meinem Kindle zu löschen?

  • Ein unsympathischer Charakter. Stört mich nicht, wenn Leute schlechtgelaunt sind, „böse“ Dinge tun oder sich ungebührlich verhalten – aber wenn der innere Monolog von Missgunst, Überheblichkeit und Gehässigkeiten geprägt ist, verliere ich schnell die Lust, eine Person auf ihrem Abenteuer zu begleiten.
  • Die große Liebe auf Seite drei. Üblicherweise ist es ein gutaussehender, mysteriöser Fremder, dem die Protagonistin mehr oder weniger zufällig begegnet und dem sie sofort verfällt, ohne zu wissen, ob er nicht vielleicht heimlich in der Nase bohrt oder immer Löcher in den Socken hat. Ich kann nicht einmal nachvollziehen, warum viele Leute sich so etwas wünschen oder so etwas für angemessene Unterhaltung halten. (Da schlägt das Griesgrämige in mir durch.)
  • Die berüchtigte Spiegelszene direkt am Anfang des Buches – die Protagonistin (wieder typischerweise eine Frau, auch wenn ich in letzter Zeit einen männlichen Charakter ebenfalls im Spiegel ertragen musste) steht vor dem Spiegel, beschreibt detailliert ihr Aussehen, das natürlich überirdisch schön ist, und krittelt parallel an sich herum. Jeder soll direkt wissen, dass sie sich für hässlich hält, während uns unter die Nase gerieben wird, dass sie nach normalen Massstäben ja wenigstens eine elf auf der GNTM-Jury-Richterskala ist. Wollt ihr wissen, was ich morgens vor dem Spiegel denke? Bittesehr:  Dieser Pickel wird auch immer größer. Ich muss gleich daran denken, den Katzen neues Wasser hinzustellen. Verflixt, ich bin spät dran. Wo sind meine Socken? Ob Richard schon wach ist? Und wo habe ich eigentlich gestern diesen Antrag hingelegt? Kein Wort über meine hinreißenden Sommersprossen , meine alabasterbleiche Haut oder die Tatsache, dass meine grünen Augen ja funkeln wie ein Maimorgen. Mache ich das falsch?
  • Rechtschreib- oder Grammatikfehler im Rudel. Tut mir leid, das reißt mich einfach raus. Zum einen erwarte ich von Autoren, dass sie ihr Handwerkszeug einigermaßen beherrschen, und zum anderen – wenn ihr das nicht könnt, müsst ihr das irgendwie kompensieren. Eure Geschichte kann die Geilste auf der Welt sein, ich werde das nie erfahren, wenn eure Fehler mir auf der ersten Seite bereits körperliche Schmerzen bereiten. (Allen karmischen Gesetzen zufolge müsste es in diesem Absatz mindestens einen Fehler geben. Das ist mir klar.)
  • Ewig lange Expositionen und Hintergrundinformationen. Die zehntausendjährige Geschichte des kasimuffischen Reiches kann ich später im Buch noch nachlesen, aber wenn ich sie kennen muss, um den Anfang der Geschichte zu verstehen, läuft etwas schief.

Vielleicht bin ich zu streng. Aber es gibt so viel mehr Bücher, als ich jemals werde lesen können, und ich möchte meine Zeit nicht mit Geschichten verschwenden, über die ich mich nur ärgern werde. Und jetzt mal im Ernst – es ist doch nicht so schwer, die gröbsten Schnitzer zu vermeiden. (Versuche ich demnächst auch.)

Habt ihr Dinge, die euch vor einem Buch oder Film die Flucht ergreifen lassen?

Experimente und Ärger

Wie ihr vielleicht gemerkt habt – ehrlich, mir wäre das als Leser gar nicht aufgefallen, aber ihr seid möglicherweise aufmerksamer als ich – bin ich mit den Sammelbänden von „Magie hinter den sieben Bergen“ statt zu CreateSpace zu BoD gegangen (kurz für „Books on Demand“, ein Anbieter, mit dem Selfpublisher ihre Bücher als eBook und Print für eine geringe Gebühr auf verschiedenen Plattformen anbieten können).

Einige befreundete Autorinnen hatten mir von BoD vorab erzählt, die meisten schienen zufrieden. Ab und zu gibt es immer Schwierigkeiten, von den wenigen negativen Anekdoten ließ ich mich also nicht abhalten. Man muss alles mal ausprobieren.

Das erste, was mich überraschte, waren die langen Wartezeiten. Auf das erste Exemplar von „Winter“ wartete ich mehrere Wochen, und auch bei den Folgebänden war das nicht viel besser. Das Einstellen des eBooks auf den entsprechenden Plattformen dauerte noch länger (obwohl das eigentlich leichter gehen sollte, da ist schließlich kein Druckvorgang involviert), und in deren hauseigenem Buchshop konnte ich mich selbst über die Suchfunktion auch mehrere Tage, nachdem ich (deren eMail zufolge) online sein sollte, nicht finden.

Gut, dachte ich mir, das liegt vielleicht an der Vorweihnachtszeit. Viele Autoren wollen ihr Projekt noch rechtzeitig für den Geschenkestrumpf fertigkriegen, vielleicht staut sich da einfach gegenwärtig alles.

Etwas später bemerkte ich einen Fehler in einer meiner Vorlagen. Komplett mein Fehler, die Seitenzahlen sind in Teilen der Datei falsch eingesetzt. Falls ihr „Anderswelt“ gekauft und euch gewundert habt: Ja, ich bin offiziell zu schlampig für einen ordentlichen Buchsatz. Es tut mir leid. Ich arbeite dran. Um dran zu arbeiten, musste ich den Support kontaktieren – kann ich eine geänderte Datei hochladen oder muss ich eine Neuauflage mit zusätzlichen Kosten starten? Die Kosten würde ich in Kauf nehmen, ist ja eigene Dummheit, aber vor allem – auf die Antwort auf meine Frage warte ich seit mehr als einer Woche. So stelle ich mir „Support“ bei einer vergleichsweise einfachen Frage nicht vor.

Könnte jedoch immer noch an der Vorweihnachtszeit liegen. Supportmitarbeiter sind auch nur Menschen mit zwei Armen und einem (hoffentlich) Achtstundentag. Da bleibt manches eben länger liegen.

Und dann bestellte meine unglaublich talentierte, liebe Autorinnenkollegin Brida Anderson ein signiertes Exemplar bei mir. Liefere ich natürlich gerne. Zwei Tage später bekomme ich dann eine eMail mit diesen Fotos von ihr:

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(C) Brida Anderson

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(C) Brida Anderson

Sie hatte parallel Exemplare über einen anderen Anbieter bezogen, um sie zu verschenken – und die haben ein anderes Cover! Zum einen sind die Farben leicht anders, und zum anderen sind die anderen Cover nicht „strukturgeprägt“ (diese lustigen Linien auf dem rechten Exemplar), sondern glänzend. Für das Leseerlebnis ist das eigentlich nebensächlich, aber: Ich habe ausdrücklich die strukturgeprägte Ausstattung bestellt, weil mir die besser gefällt. Das ist die einzige Variante, die BoD drucken sollte. Und sie ist auch noch teurer als die beiden anderen Varianten „matt“ und „glänzend“.

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(C) Brida Anderson

Hier kann man das noch einmal deutlicher sehen. Ich kann jetzt also nicht garantieren, dass Leserinnen, die sich alle drei Bände bestellen, auch eine einheitliche Ausstattung erhalten. Das sieht im Regal blöd aus. Und natürlich fühlen die sich dann auch zu Recht veräppelt – hat die Autorin sich etwa so wenig Mühe gegeben? Für wen hält die sich? (Ja, das mit den Seitenzahlen geht auf meine Kappe. Sobald ich das repariert habe, finden wir eine Lösung für alle, die das stört.) Hier allerdings habe ich explizit drauf geachtet, dass alle Umschläge die gleiche Ausstattung erhalten, damit das eben nicht passiert.

Selbstverständlich habe ich sofort BoD angeschrieben und gefragt, wie das passieren kann.

Auf die Antwort warte ich seit Anfang der Woche.

Wenn ich das mit meinen bisherigen Erfahrungen bei CreateSpace (Ableger von Amazon, zieht gerade zu KDP um) vergleiche – da hatte ich üblicherweise gleichbleibende Qualität und schnelleren Support ohne zusätzliche Kosten. So richtig empfehlen kann ich BoD im Moment nicht. Wenn ich das nächste Mal auf eigene Faust veröffentliche, probiere ich vielleicht noch andere Anbieter. Versuch macht „kluch“.

Und vor allem: Wenn ihr jetzt unterschiedliche Einbände oder ein Buch mit verkrüppelten Seiten zu Hause habt, tut es mir Leid! Vielleicht werden die irgendwann als seltene Fehldrucke wertvoll, mehr Trost habe ich im Moment leider nicht.

Bescheidenheit ist eine Zier …

… und ab und zu ist es tröstlich, wenn man neben den eigenen Verfehlungen und Versagensmomenten auch einmal hinter die Kulissen blicken kann, was anderen alles an kreativer oder professioneller Ablehnung widerfahren ist. Seit einiger Zeit gibt es aus genau diesem Grund bei Twitter, wo ich mich gerne herumtreibe, den Hashtag #ShareYourRejections. Und das liest sich wirklich realitäts-verankernd, wenn man mal wieder einen fetten Durchhänger hat.

Allerdings stößt mir immer wieder eine Unart auf, die auf Englisch so schön als „Humblebragging“ beschrieben wird: Leute posten etwas zu #ShareYourRejections, was sie als Versagen oder Ablehnung verkaufen, geben aber dabei gleichzeitig damit an, wie erfolgreich sie sind. „Hach, mein Blogbeitrag wurde nur von 700 Leuten kommentiert. #ShareYourRejections.“ – „Beim Wahnsinnig Wichtigen Buchpreis wurde mein Roman nur zweiter. #ShareYourRejections.“ – „Ich durfte die Rolle des Gaston auf der internationalen Tournee erst singen, nachdem der Erstbesetzung ein Amboss auf den Kopf gefallen war. #ShareYourRejections“

Zugegeben, vielleicht ist das nur in meinem Kopf. Klinge ich verbittert? Echt? Vielleicht ein bisschen. Und sicher, bei vielen Dingen ist man bestimmt enttäuscht, wenn man auf ein besseres Ergebnis gehofft hat. Aber … na ja. Vielleicht sind diese Sachen für die betroffenen Personen wirklich so tragisch, wie sie es darstellen. Egal, was man erreicht hat, es gibt immer Dinge, bei denen man sich unzulänglich fühlt. Trotzdem hinterlassen manche Beiträge für mich ein „Geschmäckle“.

Und fürs Protokoll: Mein Gedächtnis ist sehr gegenwartszentriert. Ich kann mich an keine einzige Ablehnung erinnern, die ich so wegweisend oder nennenswert fand, dass ich sie unter #ShareYourRejections teilen müsste. Meistens hatte ich in meinem Leben bis jetzt verdammtes Glück. <3

Bild einer zwielichtigen Autorin (Kunst!)

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Ihr kennt das ja. Autoren sind komplett zwielichtige Gestalten, die sich mit Vorliebe in finsteren Gassen herumtreiben und finstere Dinge tun, während sie insgeheim noch viel finsterere Dinge planen. Die sind quasi schwarz, die Dinge. Und das Bild ist unter keinen Umständen Samstags Abends um halb zehn auf dem heimischen Sofa entstanden, das wäre ja viel zu zahm.

Auf jeden Fall bin ich, auch wenn man das dem Bild nicht ansehen kann, ein wenig empört. Letzte Woche hatten wir nämlich eine Vorladung in der Post. Von der lokalen Polizei (mit der ich bislang überwiegend nette Kontakte hatte, das eben vorweg). Es ginge um einen Einbruch im früheren Heimatort meines Lieblingsgefährten im Februar.

Langes Rätseln. Wir waren zwar im Februar bei seiner Familie, aber das war – und ein Blick in den Kalender bestätigt das – eine Woche vorher. Und während ich so rätsle, dämmert es mir: Wir waren nämlich nicht nur bei seiner Familie, sondern anschließend noch kurz am Rand des Ortes, um mit der Drohne meines Lieblingsgefährten Panoramafotos zu machen.

Und bei dieser Gelegenheit, während wir uns auf einer öffentlichen Kreuzung völlig legal aufhielten und völlig legale Dinge taten, wurden wir von anwohnenden Gestalten wild bepöbelt und etwas zahmer bedroht. Die haben sogar Verstärkung gerufen, die dann im Golf um uns herum parkte, Scheinwerfer voll aufgerissen, bis wir die Segel strichen. So richtig wohl war uns natürlich nicht – zu zweit, gegen mindestens vier Fremde, die aus irgendwelchen Gründen sehr empört und aufgeregt waren. Wir hätten die Polizei rufen können. Haben wir aber nicht. Nächstes Mal wissen wir es besser.

Denn diese Gestalten haben wohl, als eine Woche später im Ort eingebrochen wurde, eiskalt kombiniert: Diese zwielichtigen Gestalten (siehe oben – Künstler, tsk!) sind mit ihrem eigenen Auto mit echtem Nummernschild in unsere Siedlung gefahren, um direkt neben dem Auto zu stehen und uns in aller Öffentlichkeit auszuspionieren. Tagsüber.

Auf jeden Fall waren wir heute bei der Polizei, und der Lieblingsgefährte (auf dessen Name das Auto angemeldet ist, darum war er auch der Haupt-Leidtragende) konnte alles fix aufklären. Aber mich empört schon, dass jemand uns für so blöd hält.

Ich bin schließlich Autorin – sollte ich irgendwann wider Erwarten kriminell werden, wird der Plot auf jeden Fall glaubwürdiger als dieser Unsinn da oben. Ich habe einen Ruf zu verlieren.

Die große Sommerflaute – ist zu kurz!

Endlich gibt es ein paar schöne Tage. Und so viel, was man machen könnte. Da ist der Rheinauenflohmarkt, die Bierbörse, diverse Stadtfeste – überhaupt, man könnte einfach draußen liegen und den Sommer genießen. Im Freibad. Auf dem Balkon. Im Park.

Bei uns passiert davon im Moment leider nicht viel. Und Schuld ist des Mannes Job. Als Consultant steht er natürlich permanent unter Stress, aber seine gegenwärtigen Arbeitszeiten sind schon nicht mehr lebensfeindlich, sondern lächerlich. Immer unter dem Deckmantel, er sei ja selbst für seine Arbeitszeiten verantwortlich.

Auf meinem Bürojob haben sie das auch mal probiert. „Wenn ihr nicht in der offiziellen Arbeitszeit fertig werdet, müsst ihr eben länger bleiben. Natürlich unbezahlt.“ Zum Glück haben wir uns als Abteilung so lange konsequent geweigert, bis wenigstens der letzte Punkt geändert wurde. Und wir machen die Überstunden auch nur, wenn gerade nichts Wichtigeres (Museumsbesuch, Freibad, Kino, Zahnarzt) ansteht. Aber ich weiß, dass wir wenigstens in diesem Fall wirklich Glück haben.

Was will ich eigentlich damit sagen?

DAS LEBEN IST KURZ.

DER SOMMER GEHT VORBEI.

WEIGERT EUCH.

Die Konsequenzen sind weniger schlimm, als ihr denkt. Eure Vorgesetzten sind auch nur Menschen – die meisten wenigstens. Und auch, wenn man sich seine Stelle oft nicht aussuchen kann: Wollt ihr wirklich in einer Position bleiben, in der euer Wohlergehen mit Füßen getreten wird? Überstunden sind nämlich nicht nur schlecht für die Eisverkäufer, bei denen ihr dann nicht sitzt, sondern auch für eure Gesundheit. Und euer Sozialleben. Und überhaupt.

In diesem Sinne – ich habe heute keine Zeit für Überstunden, denn heute Abend habe ich ein Date mit meinen Laufschuhen und den Mücken im Wald. ^^

Alle Jahre wieder … Weltfrauentag

Am Weltfrauentag passiert bei uns zu Hause eigentlich nicht viel. Wie jeden Tag versuche ich den Spagat zwischen Karrierehoppel, Selbstverwirklichung und Hausfrau. Das ist noch nicht ideal, aber auch nicht wirklich schlimm. Und über die frauen- und gleichberechtigungsspezifischen Probleme auf der Welt können andere Leute viel effizienter schreiben.

Aaaaaaber.

Heute morgen stieß ich in den sozialen Medien auf ein Gedicht zum Weltfrauentag, in dem sinngemäß gesagt wurde, wir lieben Frauen sollten doch zur Feier des Tages einmal nicht putzen, sondern uns das Frühstück von unserem Mann ans Bett bringen lassen.

Meine Güte, kann ich da nur sagen, der liebe Schreiber hat alle Probleme der Frauen haarscharf erkannt. Niemand würdigt uns beim Putzen und Kochen. Wir brauchen also dringend für unsere sensible Seele einen zweiten Muttitag, an dem auch Nicht-Muttis sich über Krümel auf den Laken freuen können. (Und anschließend wahrscheinlich selbst die Küche aufräumen.)

Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen … als junger Mensch habe ich diese Gleichberechtigungssache total unterschätzt. Meine Eltern waren jetzt nicht direkt ultramoderne linksliberale Hippies, aber ich habe nie gehört, dass wir irgendwas tun oder lassen oder nur auf eine besondere Art tun sollten, weil wir Mädchen seien. Gut, vielleicht liegt das daran, dass meine Eltern mit vier Töchtern gestraft gesegnet waren. Oder daran, dass sie beide arbeiten MUSSTEN, um uns alle über die Runden zu bringen.

Die Jungs sind gemein zu dir – schlag nicht als erste zu, aber sorg bitte dafür, dass der andere keinen zweiten Schlag landet. Und wenn er größer und stärker ist, such dir einen dicken Ast.

Du willst den Führerschein machen? Prima – hier, ich zeig dir, wie man Reifen wechselt.

Abends ausgehen – immer doch, aber erschreck bitte niemanden.

Motorradführerschein? Warum nicht?

Ich weiß genau, dass du das halbe Werkzeug in der Hosentasche versteckt hast; wenn du damit spielen willst, kannst du mir genau so gut helfen. Halt das mal.

Irgendwann habe ich meinen Vater mal gefragt, ob er sich nicht doch einen Sohn gewünscht hat. Joah, vielleicht am Anfang mal, aber vermisst hätte er eigentlich nichts. Kann ich mir vorstellen, wir waren nämlich richtige Biester. ^^

Wir haben gelernt, dass wir niemandem auf der Tasche liegen sollen, dass wir immer den Mund aufmachen dürfen und dass es gar nicht wichtig ist, ob wir Schleifchen im Haar haben oder besonders niedlich sind. Geredet wurde über Filme, Tiere und Politik. Unter anderem.

Gleichzeitig haben wir natürlich auch mit Puppen gespielt (am Anfang) oder mit Schminke experimentiert (etwas später). Ich kann also nicht behaupten, dass wir gezielt in eine Richtung gedrängt wurden. Im Wesentlichen durften wir tun und lassen, was wir wollten.

(Das beinhaltete auch mal Eimer voller Regenwürmer. Tut mir leid!)

Tja, und je mehr ich mit der richtigen Welt in Kontakt kam, desto verwirrter wurde ich. Tiefausgeschnittene Blusen extra für die mündliche Abschluss-Prüfung? Hohe Absätze, obwohl einem davon nach wenigen Minuten die Füße weh tun? Blonde Frauen sollen in der Öffentlichkeit keinen Rotwein trinken? Meine Güte, wie viel Zeit meines Lebens hätte ich mit so einem Blödsinn verschwenden können! Und das sind noch nicht einmal die großen Probleme. Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, gerechte Verteilung der Pflichten und Rechte in Haushalt und Gesellschaft, vielfältige Rollenvorbilder, … – alles Dinge, über die man sich besser nicht zu laut den Kopf zerbricht, sonst wird man gleich als untervögelte Bitter-Emanze abgestempelt. Denn das erklärte Lebensziel aller(!!) Frauen besteht darin, Mister Perfect zu finden, glücklich zu machen und geheiratet zu werden, ehe er eine bessere findet. Alles andere sind nur Hobbys für die Zeit zwischen Schule und Wochenbett.

Und darum sage ich es an dieser Stelle noch einmal: Haut rein. Tut, was ihr wollt. Und denkt ja nicht dran, euch für irgendwas zu entschuldigen, nur weil jemand anders findet, „das gehört sich nicht“.

 

 

Etwas ernstes zum Jahresende – Raubkopien

Heute morgen las ich bei einer Facebook-Bekanntschaft, sie habe jemandem ein digitales Rezensionsexemplar ihres aktuellen Buches zukommen lassen – und diese Person hat die Datei prompt im Netz zum kostenlosen Download angeboten. Natürlich ist besagte Bekannte wütend und enttäuscht.

Vorab: Ich mache kein DRM („Digital Rights Management“, ein handelsüblicher Kopierschutz) an meine Bücher. Nicht, weil ich partout etwas zu verschenken hätte, sondern weil

* Leute, die einen Kopierschutz umgehen wollen, das auch ohne großes technisches Wissen tun können und

* ein DRM häufig zu Problemen bei der Nutzung führt, wenn man beispielsweise auf ein anderes System oder ein neueres Gerät umsteigt.

Das gesetzlich verbriefte Recht auf Privatkopie stört mich nicht, und darunter fallen auch (nur um das einmal deutlich zu sagen) Kopien für Familienmitglieder und Freunde. Ich hoffe in erster Linie, dass Leute meine Geschichten lesen, sie ihnen gefallen und genau diese Leute dann zukünftig weitere Bücher von mir kaufen oder mich ihren Freunden weiterempfehlen.

Aber bei dieser Gelegenheit möchte ich einmal einige der Argumente beleuchten, die Leute bringen, wenn sie in großem Stil Bücher aus illegalen Quellen herunterladen:

  1. Ich habe kein Geld, um mir alle Bücher zu kaufen, die ich lesen möchte.“

Das ist in der Tat ein Problem – und zwar eines, das ich nur zu gut kenne. Bestimmt achtzig Prozent meines Taschengeldes sind zu jedem beliebigen Zeitpunkt in Bücher investiert worden, und es gab immer Dutzende Titel, die ich mir nur zu gerne geleistet hätte. Als ich jung war (ahem), gab es natürlich noch keine eBooks. Was habe ich also gemacht? Bei Freunden geliehen – siehe „Recht auf Privatkopie“ – und Büchereien besucht. Viele Büchereien, habe ich gehört, bieten auch eBook-Lizenzen an, und das Ausleihen ist vergleichsweise günstig und technisch einfach.

Abgesehen davon gilt allerdings: Vor allem Self-Publisher (so wie ich) bieten ihre Bücher vergleichsweise günstig an. Oftmals schon für unter einen Euro. Ein großer Teil der Werke ist für unter fünf Euro zu haben – die Raucher unter euch können das bestimmt in Packungen umrechnen, um einen Vergleich zu haben. (Alternativ bietet sich die Umrechnung in Coffee to go, Schokolade oder Stripclubbesuche an.)

  1. „So ein Autor ist doch reich, der braucht das Geld gar nicht.“

Reich? Ha! Ich besitze genau drei Paar bürotauglicher Schuhe und zwei Handtaschen, von denen eine gerade den Geist aufgibt. Im vergangenen Jahr habe ich mit meinen Büchern einen Umsatz im dreistelligen Bereich gemacht – in etwa genug, um einen No-Name-Laptop zu kaufen (was dringend nötig wäre, denn an meinem fehlt die T-Taste, der Akku ist hinüber und das Touchpad funktioniert nur noch mit Hilfe magischer Beschwörungsformeln). Da sind noch nicht die Steuern abgerechnet, und ich habe auch einen nicht unwesentlichen Teil für Recherchematerial ausgegeben. Dachtet ihr, ich hab all die schlauen Dinge im Kopf? Tja, sorry, leider nicht.

Um es einmal ganz deutlich zu sagen: Die wenigsten Autoren können von ihren Geschichten leben. Und ich rede hier nicht einmal von „gutem“ Leben. Nein, in diesem Fall gilt als „Leben“, wenn man Miete und Essen zahlen kann und sich vielleicht noch die Krankenversicherung leisten. Altersvorsorge ist schon optional. Wenn ich nicht meinen heiß-hassgeliebten Bürojob hätte, säh es ziemlich düster aus für meine Geschichten, denn auch Kaffee kostet, und ohne Kaffee läuft hier gar nix. Versprochen, sobald ich reich und berühmt bin, werde ich mein karitativ-literarisches Engagement verstärken.

  1. „Wieso sollte ich für so einen Blödsinn zahlen?“

Wieso willst du so einen Blödsinn herunterladen? (Jaaaa, ich kenne einige Exemplare, denen es nur darum geht, möglichst große Datensammlungen zu besitzen. Ginge es um Katzen statt um eBooks, würden Freunde und Nachbarn wahrscheinlich intervenieren. Aber eBooks sind pflegeleicht und geruchsarm. Sie kratzen auch nicht an der Tür.)

  1. „eBooks zu kopieren ist ein Kavaliersdelikt.“

Also nur „ein bisschen falsch“? Das ist wie „ein bisschen schwanger“ – so etwas gibt es nicht. Natürlich halte ich es für komplett blödsinnig, sogenannten „Raubkopierern“ mit härteren Strafen zu drohen, als Steuersünder und Vergewaltiger aufgebrummt bekommen. Aber wenn ihr nicht wollt, dass ich euch im Vorbeigehen in den Arm kneife (das ist „weniger falsch“ als boxen, nicht wahr?), solltet ihr diese Einstellung noch einmal überdenken.

  1. „Ich guck erst einmal rein, und wenn es mir gefällt, kann ich es immer noch kaufen.“

Klingt erst einmal valide, aber auch das geht bei den meisten Anbietern auf legalem Weg. Ich hab schon eBooks, die sich als Fehlkauf herausstellten, bei Amazon ohne Probleme zurückgegeben und mein Geld innerhalb kürzester Zeit zurückbekommen. Über andere Plattformen kann ich als Kindle-Jüngerin natürlich nichts sagen, aber ich gehe hart davon aus, dass es meistens ähnlich aussieht. Und falls nicht – ein Grund mehr, ein Kindle zu kaufen. Da könnt ihr nämlich meine Bücher lesen, und die Textdarstellung ist auf dem Kindel von allen eBook-Readern, die ich bislang in der Hand hatte, immer noch die beste.

Es gibt übrigens Bücher, die ich auch nicht kaufe. Etwa „Allahs Töchter“ von Nedim Gürsel. Warum? Weil das eBook stolze 21,99€ kostet (gerade eben noch einmal geschaut – bei der Gelegenheit habe ich auch festgestellt, dass die gebundene Ausgabe inzwischen nur noch 11,73€ kostet, dann landet eben die auf meinem Wunschzettel). Das ist ein komplett lächerlicher Preis für ein eBook – schließlich fallen da keine weiteren Lagerungs-, Versand- oder Materialkosten an, wenn man die Datei einmal hochgeladen hat, und Text, Cover und Layout hat man sowieso für die Printausgabe schon gemacht. Was habe ich also gemacht? Es illegal heruntergeladen? Nein, ich habe es ganz einfach noch nicht gelesen. Auch wenn es mich wirklich juckt. „Mit den Füßen abstimmen“ nenne ich das – oder eher „mit dem Portemonnaie abstimmen“. Bei einem einzelnen Käufer wird das den Anbieter wohl nicht beeindrucken, aber wenn viele Leute auf diese Weise reagieren, merken die Anbieter das vielleicht auch.

Und jetzt zum Schluss noch ein paar gute Gründe, meine eBooks zu kaufen:

* Wir Indie-Autoren gucken geradezu hypnotisch auf unsere Download-Zahlen. Jeder einzelne Kauf macht uns überglücklich – das ist gut für’s Karma!

* In jedes Buch stecke ich etwa ein halbes Jahr Arbeit. Ich schreibe gerne, so wie die meisten Autoren, die ich kenne (sonst würde man sich den Blödsinn bei der Bezahlung ja gar nicht antun), aber wenn ich mir das dauerhaft leisten will, darf es kein Verlustgeschäft sein. Die Einnahmen aus den Verkäufen stecke ich momentan noch zu mindestens hundert Prozent in Belegexemplare (bei den Taschenbüchern), die ich als Rezensionsexemplare verschenke, in Recherchematerial und natürlich Kaffee (s.o.).

* Wenn ich erst reich und berühmt bin, passieren garantiert ganz grandiose überraschende Dinge! Weltherrschaft? Pah, ich geb mich doch nicht mit Kleinigkeiten zufrieden!

* Es erhöht eure Chancen, irgendwann mal professionelle Cover auf meinen Geschichten zu sehen. Mediengestalter wollen auch leben, professionelle Arbeit ist teuer und es tut mir wirklich immer ein wenig leid, euch mein mangelndes gestalterisches Talent zu demonstrieren. Aber: Selbst ist die Frau!

In diesem Sinne – genug gejammert für ein Jahr. Ich geh jetzt den Mann wecken, und das restliche Jahr über wird gefeiert! Falls ihr übrigens unbedingt meine Bücher lesen wollt und sie euch partout nicht leisten könnt, meldet euch doch einfach. Ich bin sicher, wir finden eine Lösung. ^^

Stille Wasser

Montag habe ich etwas getan, was man so von mir eigentlich nicht erwartet – ich habe einen Kollegen aus dem Büro geworfen.

Eigentlich bin ich ein stiller, friedlicher Mensch.Im Zweifelsfall gehe ich meistens davon aus, dass mein Gegenüber die Dinge weniger unfreundlich meint, als er sie sagt. Ich finde es nicht schlimm, den ersten Schritt zu machen, und nachtragend bin ich auch nicht. Das Leben ist zu kurz, um sich über Kleinigkeiten in die Haare zu geraten.

Allerdings gibt es bei uns im Büro nicht nur unglaublich viel zu tun, so dass wir nicht einmal mit den notwendigsten Übersetzungen hinterher kommen, sondern auch eine feste Rangordnung. Im Wesentlichen gibt es hier im Haus genau zwei Leute, von denen ich Anordnungen entgegennehme – meine Vorgesetzte und den Chef.

Gestern morgen tauchte auf jeden Fall ein Kollege aus einer anderen Abteilung mit einem Bericht auf, den er schnell übersetzt haben wollte. Die Klienten würden am Nachmittag abreisen, und er habe ihnen versprochen, dass die Übersetzung rechtzeitig fertig würde.

Eigentlich habe ich nichts dagegen, Kleinigkeiten zwischendurch schnell zu erledigen. Jedoch gibt es bei uns neben der offiziellen Hackordnung auch nur eine begrenzte Zahl von Leuten, von denen ich Aufträge entgegennehmen darf. Und dieser Kollege gehört eben nicht dazu. Das sagte ich ihm und gab ihm auch einen Ratschlag, wie er dafür sorgen könne, dass wir das trotzdem schnell übersetzen dürfen.  Er knirschte mit den Zähnen und verschwand.

Fünf Minuten später stand sein Vorgesetzter bei uns in der Tür – ein junger Mann, dem ich die Problematik bereits mehrmals erklärt habe, und auch, dass ich schon ordentlich zusammengefaltet worden bin, wenn ich „ihm zuliebe“ etwas außer der Reihe übersetzt habe. (Was ist er auch so dumm, mit der frischen Übersetzung in der Hand zu unserer Vorgesetzten zu laufen, um es von allen Faxgeräten im Haus ausgerechnet in ihrer Abteilung faxen zu lassen??)

(Ja, wir benutzen noch Faxe. Angeblich hat unser IT-Fachmann hier auch W-LAN-Kabel verlegt. Fragt nicht.)

Ich erkläre ihm also noch einmal, dass wir das nicht nehmen dürfen, und erinnere ihn an den Ärger, den ich seinetwegen beim letzten Mal hatte.

„Wenn du das nicht übersetzt, beschwere ich mich beim Chef über dich.“

Ob er sich das gut überlegt hat? Die Kolleginnen gucken aufmerksam, mit der imaginären Tüte Popcorn in der Hand. Sie ahnen, was jetzt kommt.

Die kleine, blasse, rothaarige Deutsche – das bin ich – wird laut. „Tu das, und jetzt RAUS!“

Gut möglich, dass ich ihm auch noch meinen Lieblingsfinger gezeigt habe. Was glaubt der eigentlich, wer er ist?

Die kurze Geschichte von dem traurigen kleinen Auto

Es begab sich also, dass ein kleines schwarzes Auto ein neues Zuhause fand bei liebevollen Eltern. Es erlebte eine ganze Reihe von Abenteuern und sah die ganze Welt. Oder zumindest kam es dem kleinen Auto so vor. Es fuhr nach Leipzig, nach Amsterdam und Berlin.

Leider sind die guten Dinge nicht von Dauer. Und darum hat sich unser Auto jetzt offenbar in einen Kürbis verwandelt. So ein Mist aber auch.