Neustart – können sich Figuren komplett neu erfinden und wenn ja, warum tragen Komissare dann immer alles Leid mit sich herum?

Ehe ich eine Geschichte anfange, plotte ich immer mehr oder weniger ausgiebig. Das hilft mir, den Überblick zu behalten und tolle Ideen für die Geschichte nicht zu vergessen. Beispielsweise hatte ich in meiner aktuellen Plot-Excel-Tabelle erst ein eigenes Sammelbecken für tolle Szenen, die ich irgendwie unterbringen möchte, die dann in den Plot sortiert wurden.

Außerdem kann ich mir Notizen an Szenen machen. In einer Szene wird etwas über die Gesellschaft der entsprechenden Welt erklärt, und daneben im Notizfeld steht: BITTE KEINE KLISCHEES!!!

Denn wir wissen ja alle, wie solche pseudospätmittelalterlichen, diffuse mediterranen Gesellschaften funktionieren. Oder? Könnte ja sein, dass aufgrund der historischen Entwicklung vor Ort ein Tabu besteht, Fisch zu essen. Oder dass Häuser alle blau gestrichen werden. Oder … (es ist vor dem ersten Kaffee, verzeiht mir den Mangel an Einfallsreichtum).

Auf jeden Fall muss ich mir diese Gesellschaft noch angucken, aber ich weiß wenigstens, was ich vermeiden will, und dank dieser Notiz werde ich mich bezeiten hoffentlich daran erinnern.

Andere beliebte Klischees in Büchern:

DER KOMMISSAR: Er ist geschieden, Alkoholiker und/oder Raucher, hat ein (fast) erwachsenes Kind und/oder eine Ex-Frau, mit denen er sich nicht gut versteht. Außerdem gibt es eine unschöne Erinnerung, weswegen er den Fall, um den es geht, nicht übernehmen will – zu persönlich. Natürlich ist er so genial, dass er von den Oberen quasi gezwungen wird.

DAS HÄSSLICHE ENTLEIN: Hat nie im Leben eine einzige „make-over“-Sendung gesehen oder ein Girlie-Magazin in Händen gehalten und weiß deswegen nicht, welchen Effekt eine komplizierte Frisur und sieben Lagen Make-Up auf den eigenen Wert auf der Konventionellen Attraktivitäts-Skala haben. Pluspunkte, wenn sie sich bisher noch keine Körperteile rasiert hat. Da ihr Charakter völlig egal ist, verlieben sich alle in sie, sobald sie ein Sommerkleid trägt.

DIE TRAUMATISIERTE: Außen tough, innen sensibel und verstört. Muss meistens gerettet werden, das geht am besten durch die Genitalien eines gutaussehenden Mannes, den sie erst nicht leiden kann.

DER MILLIARDÄR: Früher war er nur Millionär, aber das ist aus der Mode geraten. Von allen missverstanden, hält sich vielleicht sogar selbst für einen schlechten Menschen. Auch zutiefst sensibel, wird von den Genitalien einer Frau gerettet, die er eigentlich nur wie ein Objekt behandeln wollte. Tja, einmal nicht aufgepasst, schwupps verliebt. (Die Rettende ist oft eine Mischung aus Ente und Traumatisierter.)

DER*DIE REBELL*IN: Jung. Gegen alles. Total unverstanden. Hält „Fight Club“ für ernstzunehmende Kunst. Alle Erwachsenen sind gegen einen. Stimmungsschwünge. Je älter der*die Lesende wird, desto stärker wird das Bedürfnis, ihn*sie zu würgen.

Zugegeben, wenn man die alle in einen Film oder ein Buch stecken würde, könnte das lustig werden. Vielleicht mache ich das irgendwann.

 

Entscheidet euch doch mal!

Jahrelang heißt es, Menschen müssten ihre Gefühle zulassen. Vielleicht sogar offen zeigen. Das sei gesund und so. Für einen selbst und für die Gesellschaft.

Und jetzt haben wir den Coronasalat.

Stellt euch mal vor: Einige Leute, denen es – objektiv betrachtet – gar nicht so schlecht geht, WAGEN es, trotzdem Gefühle zu haben. Die Kinderbetreuung rund um die Uhr schlaucht, obwohl man einen Garten hat. Zwar arbeitet man nach wie vor in einem sicheren Job, jetzt aus dem Homeoffice, aber man vermisst den Kontakt zu seinen Eltern. Der Supermarkt hat noch alles, aber die Sicherheitsleute am Eingang bereiten einem Unbehagen.

Schon kommen aus ihren Löchern die Pamüsepampel, die uns erklären: Uns Deutschen geht es doch sowieso viel zu gut. Und den privilegierten Deutschen erst! Also denen mit Balkon oder Garten, Homeoffice und Familie. Die sollen mal wagen, in dieser Situation ein negatives Gefühl zu haben! Die meisten von denen haben doch sogar noch beide Beine! Undankbares Pack!

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Photo by Craig Adderley on Pexels.com

Wisst ihr, was ich davon halte?

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Photo by Nicolas Postiglioni on Pexels.com

(Ich liebe diese Foto-Seiten. So praktisch!)

Aber darum geht es gar nicht.

Liebe Pamüsepampel, haltet doch bitte einfach die Fresse. Findet ihr, wir sind nicht dankbar genug? Oder zu verweichlicht? Dann geht doch bitte in die sibirische Einöde und leckt an einer Fichte.

Natürlich dürfen auch privilegierte Menschen Gefühle zur aktuellen Situation haben. Sogar negative, wenn es denn so ist. Niemand hat mit dieser Entwicklung gerechnet. Niemand konnte sich auf so eine Katastrophe vorbereiten. Folglich ist das für JEDEN unerwartet und schwierig zu bewältigen. Das ist kein Wettbewerb, wer es am schlimmsten hat (oder wer es am besten wegsteckt, wenn sich von heute auf morgen beinahe alles ändert). Es ist eine Herausforderung für die Gesellschaft, und die verträgt es durchaus, wenn auch „die Bessergestellten“ mal ein wenig jammern. Ich schwör, danach krempeln wir wieder die Ärmel hoch und fassen mit an, so gut wir eben können.

 

Noch mehr neumodischer Umweltsch***

Mir ist da noch eine Kleinigkeit zu dem ganzen Umweltgedöns eingefallen, die ich euch beichten sollte – nur der Vollständigkeit halber.

Manchmal bin ich ein schlechter Mensch.

Vor kurzem unterhielt ich mich mit einer Freundin über Make-Up, und sie erzählte mir, dass sie möglichst nichts mehr kaufen wolle, was Mica enthalte, wegen der Abbaubedingungen. Jetzt musste ich erst einmal nachschauen, was Mica ist – Überraschung, ein fancy Wort für Glimmer. Nicht Glitzer-Glimmer – also, indirekt auch, sondern Mineralien-Glimmer. Und wie die meisten hübschen Dinge, die man tief unter der Erde findet, wird Mica/Glimmer unter eher problematischen Bedingungen abgebaut. (Stichwort: Kinderarbeit, Umweltverschmutzung.) Hatte ich ja schon erwähnt, dass Mineralienabbau eines meiner Lieblings-Schimpfthemen ist.

Habe ich mich also gefreut, dass wieder jemand auf dieses Thema aufmerksam geworden ist? Ja … aber erst mit Verspätung. Im ersten Moment dachte ich mir nämlich: Did I fucking stutter? Hört mir eigentlich irgendwer zu, wenn ich rante? Braucht es zwangsläufig ein schickes Logo, damit solche Probleme plötzlich interessant werden? Ich denk mir diesen ganzen Mist doch nicht aus!

Diese Verzögerung bereitet mir ein bisschen ein schlechtes Gewissen. Aber manchmal ist es anstrengend, wenn man das Gefühl hat, man redet jahrelang gegen Gleichgültigkeit an, und plötzlich stolpert jemand andernorts über das Thema und findet es plötzlich ultrarelevant. Na ja, letzten Endes ist es egal, woher die Bemühung für die Umwelt kommt. Hauptsache ist doch, sie kommt.

Und ich schwöre, ich werde mich zukünftig schneller freuen.

Beobachtungen am Bildschirm

Oder eigentlich eher Beobachtungen auf der Leinwand, denn wir haben zuhause ein fast schon luxuriöses Entertainment-Center mit gigantischem Bild. Auf jeden Fall nutze ich das ganze Samstags, wie vielleicht schon bekannt, regelmäßig dazu, auf dem Sofa zu hängen und mir absurde, abstruse und sonstwie abwegige Filme anzuschauen. Dabei darf es gerne gruselig oder blutrünstig zugehen, das ist jedoch kein Muss.

Neulich also schaute ich aus einer Laune heraus In the shadow of the moon. Ein Polizist ruiniert sich sein Leben damit, nach einer mysteriösen Serienkillerin zu suchen, die mal stirbt und dann wieder da ist. Eigentlich ein interessanter Film, ich habe mich größtenteils gut unterhalten gefühlt – auch wenn man deutlich dazu sagen muss, dass die Drehbuchschreiber offenbar genau sieben Sekunden auf die wissenschaftliche Recherche verwendet haben, das schmälert den Filmspaß ein wenig. Doch dafür sind wir ja nicht hier.

Ärgerlicher fand ich in der Tat, dass sich im kompletten Film keine zwei Frauen miteinander unterhalten. Auch nicht im Hintergrund. Miteinander redende Frauen scheint es einfach nicht zu geben.

Ja, aber (ich höre es kommen) der Film wird ja aus der Perspektive eines Mannes erzählt, darum kommen Frauen nicht zentral drin vor.

Ergibt das Sinn?

Also, ich sag mal … ich lebe mein Leben sozusagen aus meiner eigenen Perspektive, quasi als Frau. Und ich sehe andauernd Männer miteinander reden. Daran kann es also nicht liegen.

Eine mindestens genau so gute Theorie wäre, dass sämtliche Statistenszenen zufällig an genau dem Tag gedreht wurden, an dem Winterschlussverkauf war. Wir Frauen müssen ja Prioritäten setzen, nicht wahr? o.o

Teuflischer Individualverkehr!

Wir waren in Köln. Mit dem Auto. Und ich fahre ja gern. Aber ich schwöre, die Hälfte der Fahrzeit ging dafür drauf, die Kölner Verkehrsführung (inklusive mehrerer Baustellen) zu entziffern. Als wir zum dritten Mal laut Navi nur noch zwei Kilometer vom Ziel entfernt waren, war ich drauf und dran, einfach wieder heimzufahren. Immerhin hatten wir einen Ausflug gemacht, und richtig viel von der Welt gesehen!

Meine erste Theorie war, dass Satan persönlich den Kölner Straßenverkehr plant, um sich an den Flüchen der Verdammten, die auf ewig auf diesen Straßen kreisen, zu laben. (Der Mann kennt jetzt ganz neue Schimpfwörter.)

Vielleicht ein bisschen wahrscheinlicher ist allerdings, dass die Stadt Köln den Straßenverkehr absichtlich so furchtbar organisiert, damit man doch lieber mit dem ÖPNV anreist. Und was soll ich sagen? Es könnte glatt funktionieren.

Es spoilert (ein bisschen): Captain Marvel

Disclaimer: Der folgende Text enthält minimalstwinzige Spuren von Sarkasmus und Erdnüssen.

Spoiler Warnung im Titel für den Fall, dass ihr euch „Captain Marvel“ noch ungespoilert anschauen wollt. Falls nicht – oder falls ihr noch zögert – habe ich direkt eine große Warnung für euch.

GUCKT IHN NICHT!

DER FILM ENTHÄLT LAUTER MÄNNERHASSERPROPAGANDA!!!

Ich als schwache Frau mit reduzierter intellektueller Kapazität wäre da ja gar nicht drauf gekommen. Gut, ich war auch ein wenig übermüdet, als wir am Freitag im Kino waren. Vielleicht ist es mir deswegen nicht direkt aufgefallen. Andererseits, mit so einem glasklaren Männerverstand kann ich einfach nicht mithalten. Ist mir ja auch klar. (Leises Weinen.)

Zum Glück gibt es Specialist-Nerd-Seiten, die solche Dinge im Detail erklären – und ich verlinke sie hier auch mal direkt, damit ihr euch alles im Original antun (und ggf. darunter kommentieren, falls denn gewünscht) könnt. Profitiert von der Weisheit von Cosmic Book News!

Falls ihr euch das nicht antun wollt, eine kurze Zusammenfassung. Natürlich nur unter Vorbehalt, ist schließlich von mir.

  1. Der Film ist voller „anti-male imagery“ und „feminist male-bashing elements“ (was auch immer das sein mag).
  2. Angeblich ist Carols Dad in den Rückblenden gemein zu ihr. Meine Theorie war ja, dass sie beim Kartfahren einen Unfall baut und er sagt: Tu das nicht. Blöde Idee. (hatte er ja auch Recht, sie hat einen Unfall gebaut). Und im Ernst, dieses „Ich hab’s dir doch gesagt“ in verschiedenen Variationen ist das Lieblingslied aller Eltern, die ich kenne. Nicht nur von Vätern. Und wahrscheinlich auch nicht nur Töchtern gegenüber.
  3. Carols Baseballteam ist gemein. (Ist mir komplett entgangen, ich hielt das für eine normale Sport-/Wettbewerbssituation. Bin offenbar nicht ausreichend sensibilisiert.)
  4. Der Typ auf dem Motorrad flirtet mit und beleidigt Carol. Eine Situation, wie sie im echten Leben NIEMALSNIENICHT vorkommen würde. (Räusper.)
  5. Und was ist falsch daran, eine erwachsene, ausgebildete Pilotin als „junge Dame“ zu bezeichnen? WAS NUR???
  6. Maria lässt ihre Tochter allein, um die Welt zu retten. Also, um genau zu sein, lässt sie sie nicht allein, sondern bringt sie vorher zu den Großeltern. Wie kann sie nur? Warum macht sie es nicht wie Hawkeye, der aus Rücksicht auf seine Familie von allen gefährlichen Kampfhandlungen Abstand nimmt? Ähm, Moment …
  7. Die Kree scannen Nick Fury und stufen ihn als „wertlos“ ein. Tja, die Kree – die intergalaktische Speerspitze des Feminismus. (Einmal ganz zu schweigen davon, dass Nick Fury den Kree im Nahkampf wirklich nichts entgegenzusetzen hätte.)
  8. Mar-Vell ist, im Gegensatz zu den Original-Comics, ein weiblicher Charakter – angeblich, weil es undenkbar sei, dass Captain Marvel ihre Fähigkeiten von einem Mann kriegt. Wenn ich das richtig verstanden habe – ihr müsst bedenken, ich war müde und intellektuell durch meine Weiblichkeit eingeschränkt – hat sie ihre Fähigkeiten dadurch bekommen, dass dieses Energie-Antriebs-Dingsie explodiert ist. Welches Geschlecht das hat, darauf habe ich nicht geachtet, ganz im Ernst. (Dass die Künstliche Intelligenz der Kree die Form der weiblichen Mar-Vell annimmt, anstatt als Mann aufzutreten, ist in diesem Fuílm nur logisch, wenn man als Prämisse annimmt, dass die KI/AI sich als ein Vorbild resp. eine Autoritätsperson präsentiert.)
  9. Es gab „Girl Songs“, beispielsweise von der Band No Doubt. Die kennt heute eh kaum noch wer, oder? Aber in den 90ern waren die DER SHIT. Habe ich gehört.
  10. Und jetzt, das ALLERALLERSCHLIMMSTE, mit mehrfacher Hervorhebung, um das komplette Drama ausreichend zu würdigen: NICK FURY SPÜLT DIE TELLER!!! Ich kann mein Entsetzen darüber, diesen Helden derart entmannt zu sehen, gar nicht in Worte fassen.

Außerdem hat Brie Larson sich sowieso den Hass des männlichen (und damit einzig relevanten) Publikums zugezogen, weil sie sich nicht auszieht und in einem Interview gesagt hat, sie wünsche sich mehr Diversität bei Filmkritikern. Wie kann sie nur??!

Meine eigene Meinung zum Film ist natürlich längst nicht so relevant wie diese glasklare Analyse der fiesen Männerhasser-Feministinnen-Agenda von Disney: Ich fand den Film unterhaltsam, er ist nicht mein Lieblings-Avenger-Film, und die Figur Captain Marvel ist für mich eher uninteressant, weil sie keine sichtbaren Schwächen (i.e. kein „Kryptonit“) hat. Im Ernst, wenn es so eine starke Figur im Marvel-Universum gibt, hätten die anderen Avengers-Filme eigentlich aus 5 Minuten Aufräumen und anschließendem gemeinsamem Besuch im Chinarestaurant bestehen müssen. Beide Twists (die guten Skrull und dieses Patch bei ihr im Nacken) waren für mich zu offensichtlich, aber ich mochte die Diversität im Film – gute und böse Männer und Frauen, komplexe Charaktere.

Aber wenn der arme Nick Fury Teller spülen muss, kann an dem Film nichts Gutes dran sein. Schaut ihn also lieber nicht.

Lesestopper

Oder vielleicht eher Lesestolpersteine? Egal, auf jeden Fall habe ich in den letzten Tagen eine ganze Reihe Bücher angefangen und wieder abgebrochen, und ich wollte einmal ein paar Gründe teilen, aus denen ich ein Buch abbreche. Als meistens missmutig motzende Muhme bin ich nicht besonders geduldig – ein Buch hat also nicht viel Zeit, mich zu überzeugen. Andererseits probiere ich (nicht nur beim Essen) eigentlich wirklich jeden Sch*** – also auch jedes Genre. Wiederholt. Ich lerne einfach nicht dazu.

Aber zurück zum Thema. Was hat mich dazu gebracht, Bücher ungelesen von meinem Kindle zu löschen?

  • Ein unsympathischer Charakter. Stört mich nicht, wenn Leute schlechtgelaunt sind, „böse“ Dinge tun oder sich ungebührlich verhalten – aber wenn der innere Monolog von Missgunst, Überheblichkeit und Gehässigkeiten geprägt ist, verliere ich schnell die Lust, eine Person auf ihrem Abenteuer zu begleiten.
  • Die große Liebe auf Seite drei. Üblicherweise ist es ein gutaussehender, mysteriöser Fremder, dem die Protagonistin mehr oder weniger zufällig begegnet und dem sie sofort verfällt, ohne zu wissen, ob er nicht vielleicht heimlich in der Nase bohrt oder immer Löcher in den Socken hat. Ich kann nicht einmal nachvollziehen, warum viele Leute sich so etwas wünschen oder so etwas für angemessene Unterhaltung halten. (Da schlägt das Griesgrämige in mir durch.)
  • Die berüchtigte Spiegelszene direkt am Anfang des Buches – die Protagonistin (wieder typischerweise eine Frau, auch wenn ich in letzter Zeit einen männlichen Charakter ebenfalls im Spiegel ertragen musste) steht vor dem Spiegel, beschreibt detailliert ihr Aussehen, das natürlich überirdisch schön ist, und krittelt parallel an sich herum. Jeder soll direkt wissen, dass sie sich für hässlich hält, während uns unter die Nase gerieben wird, dass sie nach normalen Massstäben ja wenigstens eine elf auf der GNTM-Jury-Richterskala ist. Wollt ihr wissen, was ich morgens vor dem Spiegel denke? Bittesehr:  Dieser Pickel wird auch immer größer. Ich muss gleich daran denken, den Katzen neues Wasser hinzustellen. Verflixt, ich bin spät dran. Wo sind meine Socken? Ob Richard schon wach ist? Und wo habe ich eigentlich gestern diesen Antrag hingelegt? Kein Wort über meine hinreißenden Sommersprossen , meine alabasterbleiche Haut oder die Tatsache, dass meine grünen Augen ja funkeln wie ein Maimorgen. Mache ich das falsch?
  • Rechtschreib- oder Grammatikfehler im Rudel. Tut mir leid, das reißt mich einfach raus. Zum einen erwarte ich von Autoren, dass sie ihr Handwerkszeug einigermaßen beherrschen, und zum anderen – wenn ihr das nicht könnt, müsst ihr das irgendwie kompensieren. Eure Geschichte kann die Geilste auf der Welt sein, ich werde das nie erfahren, wenn eure Fehler mir auf der ersten Seite bereits körperliche Schmerzen bereiten. (Allen karmischen Gesetzen zufolge müsste es in diesem Absatz mindestens einen Fehler geben. Das ist mir klar.)
  • Ewig lange Expositionen und Hintergrundinformationen. Die zehntausendjährige Geschichte des kasimuffischen Reiches kann ich später im Buch noch nachlesen, aber wenn ich sie kennen muss, um den Anfang der Geschichte zu verstehen, läuft etwas schief.

Vielleicht bin ich zu streng. Aber es gibt so viel mehr Bücher, als ich jemals werde lesen können, und ich möchte meine Zeit nicht mit Geschichten verschwenden, über die ich mich nur ärgern werde. Und jetzt mal im Ernst – es ist doch nicht so schwer, die gröbsten Schnitzer zu vermeiden. (Versuche ich demnächst auch.)

Habt ihr Dinge, die euch vor einem Buch oder Film die Flucht ergreifen lassen?

Experimente und Ärger

Wie ihr vielleicht gemerkt habt – ehrlich, mir wäre das als Leser gar nicht aufgefallen, aber ihr seid möglicherweise aufmerksamer als ich – bin ich mit den Sammelbänden von „Magie hinter den sieben Bergen“ statt zu CreateSpace zu BoD gegangen (kurz für „Books on Demand“, ein Anbieter, mit dem Selfpublisher ihre Bücher als eBook und Print für eine geringe Gebühr auf verschiedenen Plattformen anbieten können).

Einige befreundete Autorinnen hatten mir von BoD vorab erzählt, die meisten schienen zufrieden. Ab und zu gibt es immer Schwierigkeiten, von den wenigen negativen Anekdoten ließ ich mich also nicht abhalten. Man muss alles mal ausprobieren.

Das erste, was mich überraschte, waren die langen Wartezeiten. Auf das erste Exemplar von „Winter“ wartete ich mehrere Wochen, und auch bei den Folgebänden war das nicht viel besser. Das Einstellen des eBooks auf den entsprechenden Plattformen dauerte noch länger (obwohl das eigentlich leichter gehen sollte, da ist schließlich kein Druckvorgang involviert), und in deren hauseigenem Buchshop konnte ich mich selbst über die Suchfunktion auch mehrere Tage, nachdem ich (deren eMail zufolge) online sein sollte, nicht finden.

Gut, dachte ich mir, das liegt vielleicht an der Vorweihnachtszeit. Viele Autoren wollen ihr Projekt noch rechtzeitig für den Geschenkestrumpf fertigkriegen, vielleicht staut sich da einfach gegenwärtig alles.

Etwas später bemerkte ich einen Fehler in einer meiner Vorlagen. Komplett mein Fehler, die Seitenzahlen sind in Teilen der Datei falsch eingesetzt. Falls ihr „Anderswelt“ gekauft und euch gewundert habt: Ja, ich bin offiziell zu schlampig für einen ordentlichen Buchsatz. Es tut mir leid. Ich arbeite dran. Um dran zu arbeiten, musste ich den Support kontaktieren – kann ich eine geänderte Datei hochladen oder muss ich eine Neuauflage mit zusätzlichen Kosten starten? Die Kosten würde ich in Kauf nehmen, ist ja eigene Dummheit, aber vor allem – auf die Antwort auf meine Frage warte ich seit mehr als einer Woche. So stelle ich mir „Support“ bei einer vergleichsweise einfachen Frage nicht vor.

Könnte jedoch immer noch an der Vorweihnachtszeit liegen. Supportmitarbeiter sind auch nur Menschen mit zwei Armen und einem (hoffentlich) Achtstundentag. Da bleibt manches eben länger liegen.

Und dann bestellte meine unglaublich talentierte, liebe Autorinnenkollegin Brida Anderson ein signiertes Exemplar bei mir. Liefere ich natürlich gerne. Zwei Tage später bekomme ich dann eine eMail mit diesen Fotos von ihr:

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(C) Brida Anderson

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(C) Brida Anderson

Sie hatte parallel Exemplare über einen anderen Anbieter bezogen, um sie zu verschenken – und die haben ein anderes Cover! Zum einen sind die Farben leicht anders, und zum anderen sind die anderen Cover nicht „strukturgeprägt“ (diese lustigen Linien auf dem rechten Exemplar), sondern glänzend. Für das Leseerlebnis ist das eigentlich nebensächlich, aber: Ich habe ausdrücklich die strukturgeprägte Ausstattung bestellt, weil mir die besser gefällt. Das ist die einzige Variante, die BoD drucken sollte. Und sie ist auch noch teurer als die beiden anderen Varianten „matt“ und „glänzend“.

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(C) Brida Anderson

Hier kann man das noch einmal deutlicher sehen. Ich kann jetzt also nicht garantieren, dass Leserinnen, die sich alle drei Bände bestellen, auch eine einheitliche Ausstattung erhalten. Das sieht im Regal blöd aus. Und natürlich fühlen die sich dann auch zu Recht veräppelt – hat die Autorin sich etwa so wenig Mühe gegeben? Für wen hält die sich? (Ja, das mit den Seitenzahlen geht auf meine Kappe. Sobald ich das repariert habe, finden wir eine Lösung für alle, die das stört.) Hier allerdings habe ich explizit drauf geachtet, dass alle Umschläge die gleiche Ausstattung erhalten, damit das eben nicht passiert.

Selbstverständlich habe ich sofort BoD angeschrieben und gefragt, wie das passieren kann.

Auf die Antwort warte ich seit Anfang der Woche.

Wenn ich das mit meinen bisherigen Erfahrungen bei CreateSpace (Ableger von Amazon, zieht gerade zu KDP um) vergleiche – da hatte ich üblicherweise gleichbleibende Qualität und schnelleren Support ohne zusätzliche Kosten. So richtig empfehlen kann ich BoD im Moment nicht. Wenn ich das nächste Mal auf eigene Faust veröffentliche, probiere ich vielleicht noch andere Anbieter. Versuch macht „kluch“.

Und vor allem: Wenn ihr jetzt unterschiedliche Einbände oder ein Buch mit verkrüppelten Seiten zu Hause habt, tut es mir Leid! Vielleicht werden die irgendwann als seltene Fehldrucke wertvoll, mehr Trost habe ich im Moment leider nicht.

Bescheidenheit ist eine Zier …

… und ab und zu ist es tröstlich, wenn man neben den eigenen Verfehlungen und Versagensmomenten auch einmal hinter die Kulissen blicken kann, was anderen alles an kreativer oder professioneller Ablehnung widerfahren ist. Seit einiger Zeit gibt es aus genau diesem Grund bei Twitter, wo ich mich gerne herumtreibe, den Hashtag #ShareYourRejections. Und das liest sich wirklich realitäts-verankernd, wenn man mal wieder einen fetten Durchhänger hat.

Allerdings stößt mir immer wieder eine Unart auf, die auf Englisch so schön als „Humblebragging“ beschrieben wird: Leute posten etwas zu #ShareYourRejections, was sie als Versagen oder Ablehnung verkaufen, geben aber dabei gleichzeitig damit an, wie erfolgreich sie sind. „Hach, mein Blogbeitrag wurde nur von 700 Leuten kommentiert. #ShareYourRejections.“ – „Beim Wahnsinnig Wichtigen Buchpreis wurde mein Roman nur zweiter. #ShareYourRejections.“ – „Ich durfte die Rolle des Gaston auf der internationalen Tournee erst singen, nachdem der Erstbesetzung ein Amboss auf den Kopf gefallen war. #ShareYourRejections“

Zugegeben, vielleicht ist das nur in meinem Kopf. Klinge ich verbittert? Echt? Vielleicht ein bisschen. Und sicher, bei vielen Dingen ist man bestimmt enttäuscht, wenn man auf ein besseres Ergebnis gehofft hat. Aber … na ja. Vielleicht sind diese Sachen für die betroffenen Personen wirklich so tragisch, wie sie es darstellen. Egal, was man erreicht hat, es gibt immer Dinge, bei denen man sich unzulänglich fühlt. Trotzdem hinterlassen manche Beiträge für mich ein „Geschmäckle“.

Und fürs Protokoll: Mein Gedächtnis ist sehr gegenwartszentriert. Ich kann mich an keine einzige Ablehnung erinnern, die ich so wegweisend oder nennenswert fand, dass ich sie unter #ShareYourRejections teilen müsste. Meistens hatte ich in meinem Leben bis jetzt verdammtes Glück. <3

Bild einer zwielichtigen Autorin (Kunst!)

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Ihr kennt das ja. Autoren sind komplett zwielichtige Gestalten, die sich mit Vorliebe in finsteren Gassen herumtreiben und finstere Dinge tun, während sie insgeheim noch viel finsterere Dinge planen. Die sind quasi schwarz, die Dinge. Und das Bild ist unter keinen Umständen Samstags Abends um halb zehn auf dem heimischen Sofa entstanden, das wäre ja viel zu zahm.

Auf jeden Fall bin ich, auch wenn man das dem Bild nicht ansehen kann, ein wenig empört. Letzte Woche hatten wir nämlich eine Vorladung in der Post. Von der lokalen Polizei (mit der ich bislang überwiegend nette Kontakte hatte, das eben vorweg). Es ginge um einen Einbruch im früheren Heimatort meines Lieblingsgefährten im Februar.

Langes Rätseln. Wir waren zwar im Februar bei seiner Familie, aber das war – und ein Blick in den Kalender bestätigt das – eine Woche vorher. Und während ich so rätsle, dämmert es mir: Wir waren nämlich nicht nur bei seiner Familie, sondern anschließend noch kurz am Rand des Ortes, um mit der Drohne meines Lieblingsgefährten Panoramafotos zu machen.

Und bei dieser Gelegenheit, während wir uns auf einer öffentlichen Kreuzung völlig legal aufhielten und völlig legale Dinge taten, wurden wir von anwohnenden Gestalten wild bepöbelt und etwas zahmer bedroht. Die haben sogar Verstärkung gerufen, die dann im Golf um uns herum parkte, Scheinwerfer voll aufgerissen, bis wir die Segel strichen. So richtig wohl war uns natürlich nicht – zu zweit, gegen mindestens vier Fremde, die aus irgendwelchen Gründen sehr empört und aufgeregt waren. Wir hätten die Polizei rufen können. Haben wir aber nicht. Nächstes Mal wissen wir es besser.

Denn diese Gestalten haben wohl, als eine Woche später im Ort eingebrochen wurde, eiskalt kombiniert: Diese zwielichtigen Gestalten (siehe oben – Künstler, tsk!) sind mit ihrem eigenen Auto mit echtem Nummernschild in unsere Siedlung gefahren, um direkt neben dem Auto zu stehen und uns in aller Öffentlichkeit auszuspionieren. Tagsüber.

Auf jeden Fall waren wir heute bei der Polizei, und der Lieblingsgefährte (auf dessen Name das Auto angemeldet ist, darum war er auch der Haupt-Leidtragende) konnte alles fix aufklären. Aber mich empört schon, dass jemand uns für so blöd hält.

Ich bin schließlich Autorin – sollte ich irgendwann wider Erwarten kriminell werden, wird der Plot auf jeden Fall glaubwürdiger als dieser Unsinn da oben. Ich habe einen Ruf zu verlieren.